Fingerübung
Mal wieder eine kleine Schreibmaschinenübung von mir. Hab grad ein Buch beendet, Titel: Die Farbe meines Gesichts. Geschrieben von Birgit Theresa Koch, einer schreibenden Psychologin, nach den Aussagen der gebürtigen Kenianerin Miriam Kwalanda.
Die junge Afrikanerin hatte einen recht cholerischen Vater, lief von zu Hause weg, kam in eine Erziehungsanstalt und floh von dort. Wurde Hure in Mombasa, des Geldes wegen ein recht geachteter Beruf in Kenia. Ich hab auch nichts gegen Huren, sie waren in meiner Taxifahrerzeit meine besten Kunden und eigentlich immer in Ordnung.
Miriam lernte viele Deutsche Sextouristen kennen, hatte einige Stammfreier, die für ihren Lebensunterhalt sorgten. Sie ging schließlich mit einem dieser Männer nach Deutschland und heiratete ihn dort, nach Kindesgeburt etc. Heute ist sie alleinstehende Mutter von insgesamt drei Kindern und Sozialhilfeempfängerin.
Wichtiger als das alles fand ich aber die Aussagen der Frau über Männer im Allgemeinen und Deutsche im Besonderen. Wohlgemerkt, das ganze Buch ist keine Hasstirade oder ähnliches, sondern ein sehr sachlicher und ehrlicher Bericht über das Leben einer afrikanischen Frau der Neuzeit.
Hier nun ein paar Ausschnitte
Ein paar Tage später ging ich zu ihr. Viele, viele Schwarze traf ich dort. Sie wohnten alle in einem Heim für Asylbewerber und sprachen ungeniert über Deutschland, über das Leben hier, auch über die Rollenverteilung in deutschen Ehen.
Die Frauen nehmen das Gehalt der Männer, sie kaufen sich Schuhe für zweihundert Mark, der Mann kriegt ein Paar aus dem Sonderangebot für vierzig Mark. Die Frauen ziehen sich teuer an. Der Mann zählt hier nichts <<
Dazu sollte angemerkt werden, dass in Kenia kein Mann irgendeine Arbeit tut, die auch eine Frau erledigen kann. Und das ist eine Menge. Ich habe diese Aussage auch nicht so stehen lassen, sondern ein paar Tage lang ziemlich ungeniert in meinem studentischen Freundeskreis diesbezüglich herumgefragt. Die Antworten aus Ghana, Syrien, Ägypten und der Ukraine waren auch ziemlich ungeniert. Und ALLE hatten den gleichen Tenor wie der obige Auszug.
Weiter im Text
Mit einem kenianischen Mann könnte ich heute nicht mehr zusammenleben. Ich habe in Deutschland gelernt, meine Meinung zu sagen und darauf bestehe ich. Für einen kenianischen Mann ist es zu spät. Ich müsste heute zu einem kenianischen Psychiater, um mich vom ihm wieder auf meine frühere Stufe bringen zu lassen.
Der Weg aber, den ich zurücklegen musste, um dahin zu kommen, war lang. Er kostete viel Kraft und Überwindung. Am Anfang wollte ich die perfekte Ehefrau sein und war erschrocken über die deutschen Frauen und wie sie mit Männern umgingen. Sie schickten ihre Männer Kaffee kochen oder die Gäste bedienen und machten laute Vorwürfe, wenn er etwas falsch gemacht hatte. Wenn die einen Afrikaner hätte, dann hätte sie bald keine Zähne mehr im Mund, dachte ich oft über diese selbstbewussten Frauen. Wenn Freunde oder Verwandte von Heinz kamen, spielte ich die liebe Ehefrau, die alles macht, während der Mann gemütlich im Sessel sitzen bleibt. Sie sollten denken, der hat die Richtige geheiratet, eine, die alles macht und ihn nie die Pfanne auf den Kopf hauen wird. Es dauerte aber nicht lange, bis ich den Wunsch verspürte, genau das zu tun.<<
Es kommt dann auch zu Auseinandersetzungen, die Beschreibungen spare ich mir. Der Mann ist eindeutig keine Leuchte, ein Trinker und typischer Sextourist, aber das ist nicht das Entscheidende. Das Buch ist an sich schon bemerkenswert, aber die Hinweise auf die Lage der deutschen Männer, wie sie von außen wahrgenommen wird, habe mir doch ein wenig die Füße weggezogen. Zumal ich ähnliche Verhaltensweisen an mir selbst festgestellt habe. Wenn die Freundin meiner Liebsten da ist, koche ich den Scheiß-Kaffee. Dabei trinke ich gar keinen. Aber sie muss ja am Tisch sitzen und quatschen.
Noch etwas. Miriams Aussagen als Hure sind eindeutig. Männer, vornehmlich Touristen, vornehmlich Deutsche und Schweizer, sind zum Ausnehmen da und dafür ist jedes Mittel recht. Die Moral einer Hure, ein klares Tauschgeschäft, ziemlich ehrlich, finde ich. Da in Kenia Prostitution verboten ist, können auch keine Geldforderungen im Voraus erhoben werden, was die Preise drückt und den Service erhöht. Die Frauen erzählen den Freiern Märchen über kranke Verwandte, Reparaturkosten und ähnliches, woraufhin meist bereitwillig gezahlt wird. Da fast immer eine Gegenleistung erfolgt, empfinde ich die Sache als koscher. Sie ist von niemandem gezwungen worden, ihren Beruf zu ergreifen. Ausschlag gaben das Geld und der Status.
Bemerkenswert für mich war die Leichtigkeit, mit der diese Frau in die Rolle einer deutschen Ehefrau schlüpft. Und zwar ohne ihre Moral irgendwie zu ändern oder auch nur zu hinterfragen. Status und Land mögen sich geändert haben, die Rolle ist immer noch die einer Hure, die im eigenen und im Interesse ihres Nachwuchses dem Mann eine Serviceleistung bietet, für die sie auf vielfältige Weise kassiert.
Eine Freundin Miriams, ebenfalls Frau eines Sextouristen, hat das Problem auf eigene Weise gelöst.
Zitat: Wir haben einen Vertrag gemacht. Jeden Freitagabend will er mit mir bumsen. An anderen Tagen auch, aber am Freitag darf ich nicht nein sagen. Als Du gestern Abend angerufen hast, war ich so aufgeregt und hatte keine Lust auf ihn. Jetzt ist er böse, weil ich nicht mit ihm geschlafen habe, erklärte mir Susan auf kiswahili und musterte ihn dabei respektlos.
Als ich am nächsten Morgen um neun Uhr aufstand, hatte der Mann schon das Wohnzimmer aufgeräumt und das Frühstück gemacht. Er grüßte mich freundlich.
Oh, Dein Mann ist heute ganz anders. Was hast Du mit ihm gemacht?, fragte ich Susan?
Ich habe ihm gegeben, was er wollte. Ganz einfach, lachte sie.
Von Liebe ist im ganzen Buch so gut wie nie die Rede. Einen Orgasmus lernt Miriam erst mit dreißig kennen. Mit einem Afrikaner übrigens. Nach ihrer Aussage gehen auch sämtliche afrikanischen Ehefrauen deutscher Männer mit Afrikanern fremd. Der Kurs für sie ist dabei klar.
Zitat: Trotz aller Schwierigkeiten mit meinem Mann wollte ich Kinder von ihm und meinen Familienwunsch verwirklichen. Ich wollte Geschwister für David, eine richtige Familie, von der ich schon in Kenia immer geträumt hatte. Ich kam davon nicht los. Auf der einen Seite war die Wirklichkeit, die ich oft hasste, auf der anderen Seite, in meiner Phantasie, das ideale Ehefrauen- und Mutterleben in Europa. In Kombination mit Kindern stellte ich mir sogar vor, mit Heinz alt zu werden. Wir würden ein Haus in Kenia bauen und dort als Rentner leben. Unsere Kinder würden uns besuchen. Ich stellte mir das sehr schön vor. Bei meinen Zukunftsplänen spielten natürlich auch rechtliche Überlegungen eine Rolle. Ich wusste, dass ich ohne Heinz in Deutschland keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten würde. Und wie sollte ich so schnell einen neuen Mann finden?
Das war´s, mir tun die Pfoten weh. Kein Wort davon, dass sie seit ihrer Ankunft im gelobten Land vom Geld des Mannes lebt. Das ist ja normal. Kein Wort von Liebe oder auch nur ein Hauch Romantik. Auch kein Spott oder Verachtung. Klipp und klare Geschäftsvereinbarungen, nicht mehr. Naja, Illusionen, was Frauen angeht, habe ich schon lange nicht mehr, aber bisher dachte ich, ich bin nur durch schlechte Erfahrungen ein wenig paranoisiert. Scheint nicht so. Ich glaube nicht daran, dass Frauen in Europa so sehr anders sind als zum Beispiel in Afrika. Sie sind nur besser getarnt. Und verlogener.
Noch mal zum mitmeißeln, nicht dieses Buch ist Auslöser dieser Meinung, ich lese seit Jahren in vielen Foren im Internet mit und ich frage, wen ich treffe. Die Medien scheinen ja auch langsam aufzuwachen. Aber wenn ich noch irgendwo einen Kerl davon säuseln höre, dass Frauen die besseren Menschen seien, dann hat der Betreffende zukünftig einen verdammt guten Grund für diese Aussage.
Jeremin