Jürgen Fliege: Gewalt im eigenem Heim
Einleitend stellt Herr Fliege fest, dass für die geschlagene Frauen ein öffentliches Verständnis besteht, dass man sich bewusst ist, dass es schlagende Männer gibt und stellt anschließend die Frage wie es sich mit geschlagenen Männern verhält: "Lacht dann die ganze Nation, oder hat man auch dafür Verständnis? Das wird sich in den nächsten Minuten zeigen. Ich begrüße..."
Der Gast macht einen intelligenten und sympathischen Eindruck, wirkt sehr gepflegt, und ist von seiner Persönlichkeit her ein nicht-aggressiver, umgänglicher Mensch, so gibt er zu Protokoll, dass er in Fällen von Gewalt sein Heil in der Flucht suchen würde.
Gesprächseinleitend wird gleich um etwas Verständnis beim Zuschauer geworben, es wird die Frage gestellt ob über männliche Opfer gelacht wird und ob Männer genauso viel Verständnis für ihre Situation erhalten wie Frauen. Der Gast stellt fest, dass gegenüber Männern ein stark reduziertes Verständnis vorliegt.
Er war nicht mit der Frau verheiratet und lebte mit ihr knapp ein Jahr zusammen, eine ungeplante Tochter.
Konflikte waren u.a. Unterhaltsstreitereien und Streitereien über die Umgangszeiten, die Mutter besitzt das alleinige Sorgerecht über die Tochter und versuchte durch Umgangsboykott Geldmittel vom Mann zu erpressen ("Wenn Du jetzt das Geld nicht zahlst, kannst Du das Kind nicht sehen"), was der Vater zurückwies.
Es handelte sich bei den geschilderten Gewalt-Fällen eher um "harmlose" Vorfälle. Die Frau wurde dem Mann dreimal gegenüber tätlich, beim ersten Mal einen Schlag auf den Rücken, dass zweite Mal Schläge im öffentlichen Raum, denen sich der Mann durch Flucht entzog ("Ich bin weggelaufen"). Beim dritten Vorfall wurde er überraschend angegriffen (" Und auf einmal landete die Faust in meinem Gesicht"), als er angeschnallt im Wagen saß und sich mit seiner schlafenden Tochter beschäftigte, die Folge war eine leichte Verletzung ("blauer Fleck") im Gesichtsbereich nahe der Augen, weitere Faustschläge auf den Körper hatten keine weiteren Auswirkungen. Auslöser für den Angriff war eine banale Streiterei, während er seine Tochter der Mutter zurückbrachte.
Beim ersten und dritten Vorfall kam es zu einer Anzeige, in beiden Fällen lehnte die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen mangelden öffentlichen Interesses ab. Bei der zweiten Anzeige legte der Mann aber Beschwerde ein, woraufhin es zu einem Verfahren kam, welches aber wegen mangelnder Beweislage eingestellt wurde. Die Verletzung des Mannes erklärte die Mutter durch Treten im Halbschlaf der vierjährigen Tochter, das Gericht folgte dieser Darstellung.
Der Auftritt der Juristin wirkte auf mich befremdlich. Auf die rhetorische Frage Jürgen Flieges, wie das denn sei, wenn er zuhause seine Frau schlagen würde, antwortete sie sehr langatmig und leicht verworren. Sie sprach von Wertungen, Gewichtungen der Gerichte, nannte andere Straftatbestände wie Beleidungen und übler Nachrede in Ehestreitereien, selbst auf konkretes Nachfragen kam keine klare Antwort zustande. Es entstand der Eindruck, dass sich Gerichte kaum in gewaltätige Auseinandersetzungen einmischen, egal ob die Gewalt von der Frau oder dem Mann ausgeht. Das Wörtchen "Gewaltschutzgesetz" fiel kein einziges Mal.
Später berichtete sie noch darüber, dass sie selbst in ihrem Berufsleben keine Erfahrungen mit geschlagenen Männern gemacht habe, dass Männer sich eher über Psychoterror und hohen Erwartungsdruck ihrer Frauen beklagen würden, dies aber sehr eindringlich.
Zum Ablschluß des Gespräches schafft es der Gast, in einem Nebensatz die Information unterzubringen, dass es ebensoviele schlagende Frauen wie Männer gibt:
"... aber wir müssen uns auch damit beschäftigen, dass es ebensoviele schlagende Frauen wie Männer gibt" (sinngemäß).
Der zweite Gast war eine Frau, die über ihre Vergewaltigungserfahrung berichtete.
Der dritte Gast berichtete über seine Erfahrung, wie er gewalttätig gegenüber seiner Familie wurde (Bedrohung mit Brotmesser), und wie er mit dieser Erfahrung umgegangen ist.
