Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Der "träumende Riese"...

Garfield, Friday, 29.08.2003, 19:41 (vor 8195 Tagen) @ Nick

Als Antwort auf: Der "träumende Riese"... von Nick am 29. August 2003 15:41:06:

Hallo Nick!

Genauso sehe ich das auch. In Männerrechts-Foren ist oft die Rede davon, daß es durch den Einfluß des Feminismus zu bestimmten Benachteiligungen von Männern gekommen wäre. Das stimmt so aber nicht. Diese Benachteiligungen hat es schon immer gegeben, und früher manchmal sogar noch krasser. Beispielsweise war es in früheren Zeiten häufig so, daß Eheleute für die Schulden des Partners aufkommen mußten. Meist traf das real nur die Männer, da Vermögen von Frauen oft nicht angetastet wurde. Obendrein wurden dann in vielen Ländern bald Gesetze eingeführt, die besagten, daß Frauen nicht für die Schulden ihrer Ehemänner haften müssen, während Männer umgekehrt aber weiterhin für die Schulden ihrer Ehefrauen haftbar waren. Und zwar auch, wenn sie getrennt von ihrer Frau lebten und oft sogar noch nach einer Scheidung. Martin van Creveld erwähnt in seinem wirklich lesenswerten Buch "Das bevorzugte Geschlecht" einen besonders krassen Fall, in dem ein Mann für die Schulden seiner Frau zahlen mußte, obwohl er ein Jahreseinkommen von nur 50 Pfund, sie aber ein jährliches Einkommen von 1000 Pfund hatte.

Der einzige Unterschied zu heute bestand darin, daß Männern quasi zum Trost einige Privilegien zuteil wurden. Aber immer wieder haben Frauen Mittel und Wege gefunden, auch in den Genuß dieser männlichen Privilegien zu kommen, wenn sie das wirklich wollten. Umgekehrt wurden aber kaum einem gesunden, arbeitsfähigen Mann die weiblichen Privilegien zuteil. So hat es zu allen Zeiten Unterstützung für Frauen mit Kindern gegeben, vor allem, wenn sie alleinstehend waren. Wenn jedoch ein Mann Kinder allein aufziehen mußte, hat ihn niemand unterstützt.

Heute ist es nun so, daß Männer Frauen kein einziges Privileg mehr voraus haben, während diverse weibliche Privilegien für Männer immer noch genauso tabu sind wie vor 100 oder 1000 Jahren. Manches hat sich inzwischen zwar schon etwas gebessert, aber alleinerziehende Väter bekommen beispielsweise immer noch nicht dieselbe Unterstützung wie alleinerziehende Mütter.

Früher war es so, daß die Privilegien der Männer ihre Benachteiligungen mehr oder weniger aufwogen. Da es heute aber keine männlichen Privilegien mehr gibt, wachen langsam immer mehr Männer auf. Und das wird auch dem Feminismus zunehmend die Grundlagen entziehen. Denn Feministinnen haben schon immer mehr Unterstützung von Männern bekommen als von Frauen. Vielleicht lag das auch daran, daß viele Frauen schon lange bewußt oder unbewußt ahnten, was der Feminismus letztendlich bewirken wird. Nämlich daß ihre Männer dann irgendwann nicht mehr bereit sind, klaglos ein Leben lang die Lastesel der Familien (wie ein arabisches Sprichwort Männer bezeichnet) zu spielen, während ihre Frauen sich ganz ohne ihre früheren Verpflichtungen fröhlich "selbst verwirklichen".

Freundliche Grüße
von Garfield



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