Ohne Frauen keine Reform
Liebe Forumsteilnehmer,
anbei aus verdi:
Ohne Frauen keine Reform
Die Struktur unserer Sozialsysteme ist seit 50 Jahren praktisch unverändert geblieben, stellte der Bundeskanzler
in seiner Regierungserklärung zur Agenda 2010 fest. In einer Hinsicht hat Gerhard Schröder recht:
Noch heute dominiert das traditionelle Leitbild des männlichen Familienernährers mit einer Ehefrau, die sich
um Haushalt und Kinder kümmert und allenfalls ein paar Euro dazu verdient. Doch die Agenda 2010 lässt
alles beim Alten!
Frauen wollen Reformen gestalten, die die unterschiedlichsten
Lebenslagen von Frauen und Männern berücksichtigen.
Der Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts darf nicht nur auf den
voll erwerbstätigen Mann ausgerichtet sein. Er muss allen
offen stehen, Frauen und Männern, Älteren und Jüngeren,
Singles und Paaren, Eltern und Kinderlosen.
Deswegen benötigen Frauen einen gleichberechtigten Zugang
zu allen Arbeitsplätzen, die Chance auf ein existenzsicherndes
Einkommen und ein qualifiziertes Angebot vollzeitnaher
Teilzeitarbeit. Minijobs hingegen zementieren die
Abhängigkeit vom Mann, programmieren Altersarmut vor
und verfestigen Schwarzarbeit.
Frauen fordern ein Steuersystem, das ihre Leistung als
Er-werbstätige und Erziehende honoriert, statt sie auf die
Rolle als Frau an seiner Seite zu reduzieren. Statt mit
dem Ehegattensplitting die erwerbstätige Frau zu benachteiligen,
sollte jegliches Zusammenleben mit Kindern
finanziell gefördert werden.
Viele junge Paare wollen Beruf und Familie vereinbaren.
Damit mehr Väter einen Teil der Elternzeit übernehmen,
müssen Erziehungsgeld als Lohnersatz und gleiches Entgelt
für gleichwertige Arbeit gezahlt werden. Damit Mütter
schneller in den Beruf zurückkehren können, sind sie auf
ganztätige Betreuung und Bildung für Kinder jeden Alters
angewiesen.
Die Hartz-Empfehlung, erwerbsfähige Sozialhilfebezieher-
Innen in die aktive Arbeitsmarktpolitik einzubeziehen
und bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, gibt allein
erziehenden Müttern eine Perspektive. Arbeitslosengeld II
auf dem Niveau der Sozialhilfe steht dem entgegen. Die
verschärfte Anrechnung von Partnereinkommen und
Vermögen schließt hunderttausende (Ehe-)Partnerinnen aus
der arbeitsmarktpolitischen Förderung aus.
Frauen wollen ein Gesundheitssystem, das qualitätsgesichert
und interdisziplinär arbeitet und das soziale Umfeld einbezieht.
Die Eigenkompetenz der Patientinnen soll gestärkt
werden, ohne ihnen die Kosten von Kürzungen aufzubürden.
Leistungen ohne Krankheitsbezug, z.B. Mutterschaftsgeld
oder Schwangerschaftsverhütung, und Mutter-Kind-Kuren
müssen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen
verbleiben notfalls steuerfinanziert.
Frauen brauchen eine Alterssicherung mit einer starken gesetzlichen
Rente. Sie werden derzeit in der privaten Vorsorge
mittelbar diskriminiert. Sie benötigen eine eigenständige
Altersvorsorge als bessere Alternative zur Hinterbliebenenrente.
Die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten
will ihre Fähigkeiten zur Geltung bringen. Betriebe müssen
gesetzlich verpflichtet werden, die Lebenswirklichkeiten der
Frauen einzubeziehen und ihnen die gleichen Chancen ein
zuräumen wie Männern. Deswegen muss die geänderte
EU-Richtlinie zur Gleichbehandlung so bald wie möglich
wirksam in deutsches Recht umgesetzt werden.
All diese Vorschläge belasten den Sozialstaat nicht, sondern
sind Investitionen in die Zukunft.Wenn mehr Frauen ihren
Lebensunterhalt selbst bestreiten, fürs Alter und ihre Gesundheit
selbst vorsorgen, sinken soziale Kosten. Der Staat nimmt
Steuern ein, die Sozialversicherungen Beiträge. Und diese
Vorschläge schaffen Arbeitsplätze, zum Beispiel in Kindertageseinrichtungen.
Wir wollen die Zukunft gestalten:
unsere eigene, die unserer Kinder
und die in Europa. Ohne die Frauen gibt
es keine menschenwürdige und sozial
gerechte Reform!
Quelle: [link=http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/f/frauenbuendnis_aufruf.pdf" target="_top]http://www.dgb.de/themen/themen_a_z/abisz_doks/f/frauenbuendnis_aufruf.pdf[/link]
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- Ohne Frauen keine Reform -
Bruno,
25.08.2003, 16:32
- Re: Ohne Frauen keine Reform - Odin, 25.08.2003, 17:57