Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Jungen brauchen auch männliche Pädagogen

Bruno, Friday, 15.08.2003, 15:08 (vor 8209 Tagen)

Liebe Forumsteilnehmer,

Meine E-Mail an den Zeitungsartikel vom 11.08.03 in der Recklinghäuser Zeitung mit o.g. Titel

Offene Mail

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu o.g. Artikel würde ich Ihnen gerne folgenden Leserbrief zur Kenntnis und Bitte um Abdruck geben:

Hier irrt Frau Schulministerin!

Frau Schäfer beklagt, wie der Elternverein und der FDP-Abgeordnete, dass es zu wenige männliche Erzieher und Pädagogen gäbe, aber die geschützte Freiheit der Berufswahl verbiete es, Maßnahmen zur Erhöhungen des Anteils männlicher Erzieher und Lehrer durchzuführen.

Tatsache ist, dass es umgekehrt eine Vielzahl von Fördermaßnahmen für Frauen gibt zur Integration in technisch-naturwissenschaftliche Berufsbereiche. Gelder dafür pro Jahr 200.000.000 Euro.

Tatsache ist, dass es in den Behörden Gleichstellungs- bzw. Gleichberechtigungsgesetze gibt, die in gewissem Umfang Frauen bei der Einstellung und Beförderung bervorzugen, wenn Frauen unterbesetzt sind. Dieses gilt nicht im umgekehrten Fall, wenn Männer unterbesetzt sind.

Tatsache ist, dass es jährlich bundesweit einen Girls-Day gibt, an dem Mädchen technische und naturwissenschaftliche Berufsbereiche vorgestellt werden. Anstatt den Jungen zur gleichen Zeit die Möglichkeit zu geben, sich Erziehungs- und Sozialberufe anzusehen, wird von den Verantwortlichen eine solche Parallelveranstaltung für Jungen vehement abgelehnt. Man lässt lieber die Jungen unnütz in der Schule herumsitzen.

Fazit: Es gäbe Möglichkeiten genug. Allein der Wille der politisch Verantwortlichen fehlt. Die Politik will ihn offenbar nicht, den erziehenden Mann.

Mit freundlichen Grüßen

Angebot und Nachfrage

Silke, Saturday, 16.08.2003, 00:19 (vor 8209 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Jungen brauchen auch männliche Pädagogen von Bruno am 15. August 2003 12:08:58:

Mal eine Frage zu meinem besseren Verständnis:

Wenn - nur mal angenommen, die Welt stünde also plötzlich Kopf und Männer hätten wieder alle Möglichkeiten der freien Entfaltung und blieben von Sexismus und Diskriminierung tatsächlich verschont - wenn also die Maßnahmen zur Erhöhung der Männerquote in erziehungswissenschaftlichen Jobs (sprich hier: Lehramt) gefördert würden ... woher nehmen wir dann die männliche Lehrkraft?

Zu eurem/deinem besseren Verständnis:

Ich gehöre selbst dieser Berufsgruppe an, schon einige Jahre, um genau zu sein. Ich bin also kein ganz so ahnungsloser Frischling in diesem "Gewerbe" (man gewöhnt sich an abfällige Bemerkungen erstaunlich schnell ...) und frage mich deswegen ernsthaft, ob tatsächlich fehlende Fördermaßnahmen der Knoten in dieser Geschichte sind. Mir ist keine männliche Lehrkraft bekannt, die "wegen einer Frau" den Job nicht bekommen hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Männer haben keinen Bock auf den Job. Lag der Männeranteil während meiner Referendarzeit noch bei 30%, so sank er urplötzlich mit Ausgabe der Examenszeugnisse auf die Hälfte. Den Jungs war der Job einfach zu blöde. "Was soll ich mich mit den besch... Kindern rumärgern? Wird ja doch nur noch schlimmer, ich mach jetzt was Neues ..." Der eine Kandidat wurde freischaffender Künstler (er war ja auch begnadet!), der andere machte noch fünf weitere Trainerscheine, der nächste ging doch zu Pappa in die Firma.
Kein Märchen, kein Witz, keine Erfindung, einfach nur Erfahrungen.

Also nochmal: Woher nehmen wir die willigen männlichen Lehrkörper?

Ich glaube auch, dass der Schülerschaft die männliche "Hälfte" fehlt. Es wäre einfach eine rundere Sache, vor allem auch glaubwürdiger für die Kids. Aber Frauen sind in der Schule oftmals die "Alleinerziehenden" - seltsamerweise haben sie doch in den allermeisten Fällen einen männlichen Chef vor der Nase ... Komisch, komisch. *Kleine Anmerkung, die ich mir trotz der intendierten Wertfreiheit nicht verkneifen KANN!*
Solange der Job aber für normalsterbliche Pädagogen (diejenigen ohne Größenwahn) so offensichtlich unattraktiv ist, wird sich wohl wenig ändern. Ich kann zwar den Bauern subventionieren, aber ob die Kuh deswegen mehr Milch gibt, weiß keiner.

Ich habe eine Bitte: Mein Posting hat eine wirklich wertfreie Intention. Ich möchte es gerne als Diskussionsgrundlage wissen, weniger gerne als Plattform für Aggressionen (jene welche ich nämlich nicht schüren will, aber vor eben denen man bzw. frau hier echt Angst haben muss ...).

*HändeübernKopfhebt*

Ohhh... ja, ein PS muss noch her, bevor ich als unprofessionell enttarnt werde:

PS: Natürlich gibt es arbeitslose Lehrer, genau wie es arbeitslose Lehrerinnen gibt. In diesen Fällen sollte man - und das gilt für beide Geschlechter - sowohl nach Unterrichtsfächern als auch nach der (für die Einstellung wirklich nicht unwichtigen) Note fragen ...

PPS: Ja, mir ist klar, dass Frauen per se die besseren Noten bekommen, weil sie die hübscheren Titten haben ...

Re: Angebot und Nachfrage

Anabasis, Saturday, 16.08.2003, 00:40 (vor 8209 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 21:19:54:

Ich habe gerade meine Frau gefragt - die ist Lehrerin im Bereich Haupt-/Realschule. Sie meint, die Männer hätten zu dem Job keine Lust! Also, zugegeben, mir reichen meine erwachsenen SAP- und Oracle-Anwender! Das ganze noch im Pubertätsalter... nicht auszudenken!

Vorschlag - Ihr Frauen streikt für Gehaltserhöhung, bis es für Männer anfängt, interessant zu werden.

Und jetzt manl ehrlich - ich bin ratlos! Ich wähle doch nicht so einen Job, weil es die Gesellschaft verlangt - die Kohle muß stimmen für den Streß!

Gruß Anabasis

Re: Angebot und Nachfrage

Jolanda, Saturday, 16.08.2003, 01:15 (vor 8209 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Anabasis am 15. August 2003 21:40:49:

Und jetzt manl ehrlich - ich bin ratlos! Ich wähle doch nicht so einen Job, weil es die Gesellschaft verlangt - die Kohle muß stimmen für den Streß!

----Hmm...was soll ich hierzu sagen, nun ja, wenn du denkst, es geht nur um Kohle im Leben und Männer sollten nur wegen Kohle arbeiten, nicht weil sie damit allen Jungs und allen Männern einen grossen Dienst erweisen, indem sie Einfluss nehmen in Bereichen, die dann für das ganze Leben wegweisend sein können, dann muss ich sagen, wer sich nur vom schnöden Mamon leiten lässt, der muss sich nicht wundern, wenn diese Welt aus den Fugen gerät.

Es grüsst dich
Jolanda

Ich bereue!

Anabasis, Saturday, 16.08.2003, 01:37 (vor 8209 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Jolanda am 15. August 2003 22:15:59:

Hallo Jolanda,

Andreas hat mir mit seinem Posting meine Verderbtheit vor Augen geführt - im Ernst, finde, es hat Hand und Fuß, was er schreibt!

Brauchst mir wegen meiner kleinen Kasperei nicht gleich einen überzubraten!

Leicht verletzt!

Anabasis

Re: Ich bereue!

Jolanda, Saturday, 16.08.2003, 02:15 (vor 8209 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Ich bereue! von Anabasis am 15. August 2003 22:37:47:

Hallo Anabasis

Oh du solltest nicht verletzt sein wegen einem Posting von mir....lächelt....echt nicht.

Ich habe dir keines übergebraten, ich habe nur gesagt, was ich denke.

Zudem habe ich keinen direkten Bezug zu Andreas, er ist mir fremd, du bist es nicht, von dir lese ich schon lange und oft. Du schreibst gut und in meinen Augen auch gemässigt.

Nur dieses Argument wegen der Kohle, das fand ich echt beschissen, sorry, wenn ich das so ehrlich sage.

Warum möglichst viel Kohle verdienen, damit ihr sie für die Frauen ausgeben könnte. Wenn ihr in erster Linie für euch selber sorgt, dann kommt ihr auch mit einem Lehrergehalt aus oder?

Ist möglichst viel zu verdienen wirklich das höchste aller Ziele.

Ihr verdient als Männer schöne Kohle aber die Gesellschaft geht kaputt, die Jungs werden vernachlässigt, es sind keine Männer da, die bereit sind sich um sie zu kümmern, Berufe zu erlernen wo sie Einfluss nehmen können auf Jungs und ihre Zukunft dadurch verbessern, sie zu stärken und dafür zu sorgen, dass sie als junge Männer eben nicht blauäugig in eine Ehe rennen und Kinder zeugen und dann verlassen werden um ein Leben lang für sie zu bezahlen, wenn möglich noch ohne Besuchsrecht.

Tut mir leid, aber wie soll es sich für Jungs denn verbessern, wenn die Männer diese Berufe nicht wählen, weil sie weniger Kohle bringen als sonst was. Das heisst doch indirekt, das sollen Frauen tun, für Männer sind die Jobs unterbezahlt?!

Ich denke aber, wenn mehr Männer in diesen Berufen drin wären, dann würde sich das Lohnniveau mit der Zeit vielleicht auch anpassen oder was denkst du?

Es geht hier um so viel, es geht um verdammt viel, es geht um die Zukunft der Männer und der Familien, das sollte doch auch Männern etwas wert sein.

Erkläre mir bitte, was ich von sochen Aussagen denn halten sollte?!

Ich wollte dich nicht verletzen, aber ich denke nun mal so, deswegen halte ich dich nicht für einen schlechten Menschen, du bist kein bisschen schlechter als ich, da bin ich mir sicher ;-)

Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten.

Es grüsst dich
Jolanda

Re: Angebot und Nachfrage

Norbert, Saturday, 16.08.2003, 20:00 (vor 8208 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Anabasis am 15. August 2003 21:40:49:

Ich habe gerade meine Frau gefragt - die ist Lehrerin im Bereich Haupt-/Realschule. Sie meint, die Männer hätten zu dem Job keine Lust!

Dies erscheint mir als einfache Meinung, ich hätte gern Argumente dazu gehört.

Es gibt auch Aussagen dazu, daß sich viele Lehrer(m) in den nun überwiegen (ca. 80%) mit Lehrerinnen besetzten Kollegien gemobbt fühlten.
Was daran dran ist weiß ich zwar nicht, aber scheint es bei Frauen eher die Tendenz zum mobben zu geben. ( Selbst erlebt, in einem anderen Bereich ).

Gruß
Norbert

P.S. Ich habe mich gern mit Kindern allen Alters abgegeben.
Eines ist mir aber bis heute im Gedächtnis haften geblieben:
Wie mir von Frauen verboten wurde meine Nichte (damals ein paar Wochen alt), ich damals 13 Jahre alt, auf den Arm zu nehmen.
Und ich gehörte nie zu denen die so fahrig sind, daß sie etwas fallen lassen.

Re: Angebot und Nachfrage

Andreas, Saturday, 16.08.2003, 01:01 (vor 8209 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 21:19:54:

Mal eine Frage zu meinem besseren Verständnis:
Wenn - nur mal angenommen, die Welt stünde also plötzlich Kopf und Männer hätten wieder alle Möglichkeiten der freien Entfaltung und blieben von Sexismus und Diskriminierung tatsächlich verschont

Was heißt denn hier "wieder"? Wann war das denn jemals so?

Ich gehöre selbst dieser Berufsgruppe an, schon einige Jahre, um genau zu sein. Ich bin also kein ganz so ahnungsloser Frischling in diesem "Gewerbe" (man gewöhnt sich an abfällige Bemerkungen erstaunlich schnell ...) und frage mich deswegen ernsthaft, ob tatsächlich fehlende Fördermaßnahmen der Knoten in dieser Geschichte sind. Mir ist keine männliche Lehrkraft bekannt, die "wegen einer Frau" den Job nicht bekommen hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Männer haben keinen Bock auf den Job. Lag der Männeranteil während meiner Referendarzeit noch bei 30%, so sank er urplötzlich mit Ausgabe der Examenszeugnisse auf die Hälfte. Den Jungs war der Job einfach zu blöde. "Was soll ich mich mit den besch... Kindern rumärgern? Wird ja doch nur noch schlimmer, ich mach jetzt was Neues ..."

Na, das kommt darauf an, wie man das sieht. Als ich mit dem Informatikstudium anfing, waren wir etwa 100 Studienanfänger, davon ungefähr 20 Frauen. Ziemlich wenig. In meiner Schulzeit waren es vor allem die Mädchen, die immer sagten...oh gott, INformatik, das ist doch langweilig und blöde. Nun, wie sich die Situation doch ändert. Durch massive Aufwertung dieses Studienganges Ende der 90er Jahre hat sich die Studentenzahl mittlerweile fast vervierfacht. Und was soll ich sagen: Die Anzahl an Studentinnen stieg auf 40%. Letztendlich ist das auch auf eine Vielzahl von Frauen- und Mädchenförderprojekten zurückzuführen, die es bei uns und an den Schulen gab und die deutlich gemacht haben, daß Frauen im IT-Bereich erwünscht und willkommen sind. Vergleichbare Projekte gibt es für Männer aber im Erziehungsbereich nicht. Man muß den Leuten die Dinge nur schmackhaft machen. Wenn man die Berufe im Bereich Erziehung und Soziales in ihrer Bedeutung aufwerten würde, wenn man den Männern deutlich machen würde, hört her...ihr werdet dort gebraucht...dann könnten sich wesentlich mehr Männer dafür interessieren als dies bislang der Fall war. Ich kann mir durchaus vorstellen, daß der eine oder andere Junge bei der Wahl seines Ausbildungsplatzes eine solche Option ins Auge faßt. Männer- und Jungenförderungsprojekte wären gerade auch notwendig, um Männer hier stärker zu motivieren und Perspektiven aufzuzeigen. Ähnlich wie es einen "Girls Day" gibt, der bei Mädchen Hemmschwellen, Ängste vor den "männerdominierten" Berufen abbauen und Motivation für technische oder naturwissenschaftliche Berufe wecken soll, so ist auch ein "Boys Day" notwendig, um das Interesse der Jungen für soziale oder erzieherische, eben "frauendominierte" Berufe zu wecken. Wenn es für Männer ebenso viele Berufsinformationsprojekte, Förderprojekte, Motivationsprojekte usw. geben würde wie für Frauen, dann wäre der Anteil der Männer in der Erziehung wesentlich größer.

Re: Angebot und Nachfrage

Silke, Saturday, 16.08.2003, 02:12 (vor 8209 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Andreas am 15. August 2003 22:01:00:

Wenn ich dich richtig verstehe, dann legst du zugrunde, dass der Lehrberuf eine Frauendomäne ist.
Das mag zwar heute - vor allem in der Primarstufe / Sek I - richtig sein, doch früher gab es den Dorfschullehrer. Keine Rede von der Dorfschullehrerin ... Also ist dieser Beruf ein Produkt des Wandels.

Du zitierst nun häufig diesen "Girls-Day" (Schande über mein Haupt, ich kenne den absolut nicht!), bei dem es darum geht, Mädchen für die eher technischen Berufe zu sensibilisieren. Ist es aber nicht so, dass diese Berufe tatsächlich seit jeher den Männern "gehören"?

Hm. Für mich passen die beiden Argumente noch nicht hundertprozentig, obwohl ich natürlich verstehe, was du damit sagen willst.

Jetzt aber eine Frage an dich, stellvertretend für die Männer im Allgemeinen (soweit du das verantworten kannst):
Warum haben Männer keine Lust auf schulische Erziehung? Ich rede jetzt ausschließlich von Pädagogik, bitte nicht mit der Vater-Kind-Erziehung vermischen ...
Geht es wirklich nur ums Geld? Ist es den männlichen Kollegen echt zu wenig?
Und wenn ja, warum schreit dann alle Welt, dass Lehrkräfte zu viel verdienen? Aber das - genau wie der Rest des Halbtagsjobmärchens - ist ein anderes Thema.

Re: Angebot und Nachfrage

Andreas, Saturday, 16.08.2003, 03:08 (vor 8209 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 23:12:34:

Wenn ich dich richtig verstehe, dann legst du zugrunde, dass der Lehrberuf eine Frauendomäne ist.

Meine Mitteilung war nicht nur auf die Lehrberufe begrenzt, sondern sollte auch die Kindergartenerziehung mit einschließen.

Das mag zwar heute - vor allem in der Primarstufe / Sek I - richtig sein, doch früher gab es den Dorfschullehrer. Keine Rede von der Dorfschullehrerin ... Also ist dieser Beruf ein Produkt des Wandels.

Jetzt holst Du aber weit aus.... :-)
Weiß ich nicht, kann natürlich sein, daß der Dorfschullehrer seinerzeit oft mit dem Dorfpfarrer identisch war. Ist aber nur Spekulation - zumal mich die Gegenwart mehr interessiert.

Hm. Für mich passen die beiden Argumente noch nicht hundertprozentig, obwohl ich natürlich verstehe, was du damit sagen willst.
Jetzt aber eine Frage an dich, stellvertretend für die Männer im Allgemeinen (soweit du das verantworten kannst):
Warum haben Männer keine Lust auf schulische Erziehung? Ich rede jetzt ausschließlich von Pädagogik, bitte nicht mit der Vater-Kind-Erziehung vermischen ...
Geht es wirklich nur ums Geld? Ist es den männlichen Kollegen echt zu wenig?

Nö, ich glaube, es geht wohl nicht nur ums Geld. Gerade der Umgang mit Kindern ist etwas, was traditionsgemäß eher der Frau zugeordnet wird. Selbst heute noch werden Männer, die sich hauptberuflich mit Kindern beschäftigen etwas schief angesehen. Gerade darum geht es hier ja - alte Rollenverständnisse aufzubrechen. Was Pädagogik angeht, ist mir aufgefallen, daß Männer eher im Bereich der Theorie aufzufinden sind, also in der pädagogischen Professur als Urheber von Modellen, die Praxis allerdings bleibt bislang hauptsächlich den Frauen überlassen.
Unabhängig davon, was früher mal war, denkt heute fast jeder bei dem Begriff "Erzieher" an eine Frau. Deswegen tun es sich viele Männer schwer, in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen.

Und wenn ja, warum schreit dann alle Welt, dass Lehrkräfte zu viel verdienen?

hmmm....keine Ahnung. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich nicht weiß, wieviel eine Lehrkraft so verdient...

Re: Angebot und Nachfrage

Odin, Saturday, 16.08.2003, 03:35 (vor 8209 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Andreas am 16. August 2003 00:08:17:

Nö, ich glaube, es geht wohl nicht nur ums Geld. Gerade der Umgang mit Kindern ist etwas, was traditionsgemäß eher der Frau zugeordnet wird.

Umgang mit KLEINEREN Kindern wird traditionsgemäß der Frau zugeordnet. Umgang mit GRÖSSEREN Kindern aber eher dem Mann!

Und wenn ja, warum schreit dann alle Welt, dass Lehrkräfte zu viel verdienen?

hmmm....keine Ahnung. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich nicht weiß, wieviel eine Lehrkraft so verdient...

Denke auch nicht, daß der Verdienst das Ausschlaggebende ist. Obige Traditionsbindung schon eher. Aber das kann man aufweichen.

Re: Angebot und Nachfrage

Odin, Saturday, 16.08.2003, 02:38 (vor 8209 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 21:19:54:

und frage mich deswegen ernsthaft, ob tatsächlich fehlende Fördermaßnahmen der Knoten in dieser Geschichte sind. Mir ist keine männliche Lehrkraft bekannt, die "wegen einer Frau" den Job nicht bekommen hätte. Das Gegenteil ist der Fall. Männer haben keinen Bock auf den Job.

Darin besteht der angebliche Sinn von girls-days: Mädchen Berufe zu zeigen, auf die sie normalerweise "keinen Bock" hätten.
Männer haben sich schon immer viel lieber um ältere Kinder gekümmert. Das muß aber nicht heißen, daß nicht der eine oder andere Mann sich anders entscheiden könnte, wenn er ein wenig mit der Nase darauf gestoßen wird.
So weit ich weiß war es vor noch gar nicht so langer Zeit sogar verboten für Männer, Kindergärtner zu werden.
Es würde da schon ein wenig Anstrengung gut tun, den Männeranteil in bestimmten Berufen durch Förderung und Werbung zu erhöhen. Der "Bock" kommt dann schon - nicht bei der großen Masse, aber sicher bei einzelnen.

Re: Angebot und Nachfrage

Manfred, Saturday, 16.08.2003, 13:49 (vor 8208 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 21:19:54:

Ich habe eine Bitte: Mein Posting hat eine wirklich wertfreie Intention. Ich möchte es gerne als Diskussionsgrundlage wissen, weniger gerne als Plattform für Aggressionen (jene welche ich nämlich nicht schüren will,

...aber vor eben denen man bzw. frau hier echt Angst haben muss ...).

Muss man nicht, frau WILL aber! Das ist es was die Diskussionsbasis stört.

Manfred

Re: Angebot und Nachfrage

Joseph S, Saturday, 16.08.2003, 23:44 (vor 8208 Tagen) @ Silke

Als Antwort auf: Angebot und Nachfrage von Silke am 15. August 2003 21:19:54:

Hallo Silke,

vielleicht verlieren die Männer deswegen die Lust, wenn sie sehen, wie es an der Schule hinter
den Kulissen zugeht. Man kann eigentlich willige Männer auch vergraulen.

Da ohnehin die Ausrichtung hin zu Frauenbedürfnissen politisch gefördert wird, bin ich mir sicher
daß der Erziehungsstiel an den Schulen, die ja vom Staat organisiert sind, und wo die Frauen deutlich
in der Mehrheit sind(SchülerInnen haben da keinen Einfluß), ganz nach den Vorstellungen von
Frauen ausgerichtet ist. Ein Mann hat es da schwerer sich zu integrieren, und es entspricht
weniger seinen Interessen, sich da zu integrieren.

Unter den Lehrern scheint ja auch ein recht übler Umgang zu herrschen, wenn Du schon zugibst,
daß Du Dich da an anfällige Bemerkungen gewöhnt hast. Mich würde nicht wundern, wenn gerade
die neuen männlichen Lehrer Ziel solcher Bemerkungen seien.

Und wenn dann noch Jungen froh sind, endlich jemand bei den Lehreren gefunden zu haben,
den zu bekriegen ihre Ritter- bzw. Machoehre nicht widerspricht, und das dann von den Kolleginnen,
denen das nicht passiert, noch als Versagen dargestellt wird, kann man schon den Willen zum
Lehrerberuf verlieren.

Diesen Problemen könnte man aber teilweise abhelfen. Man könnte betonen, daß Männer selbstverständlich
für Erziehungstätigkeiten geeignet sind und daher im Lehrerberuf erwünscht seien, und daß männlicher
Erziehungsstiel als Ergänzung zum weiblichen Erziehungsstiel geradezu notwendig ist. Da sehe ich
aber ehr die andere Richtung, obwohl unter anderem durch PISA das Problem unübersehbar ist.

Wenn man mehr nach Unterrichtsfächern als nach Noten Lehrer einstellen würde, wäre schon ein
Fortschritt. (Und auch sonst sinnvoller. Keine Unternehmen stellt einen hervoragenden Automechaniker
ein, wenn es einen Tischler braucht.) Die schon von Dir angedeutete Besserbenotung von Frauen
wirkt etwas verschärfend, so daß keine explizite Frauenbevorzugung nötig ist, um Männer zu benachteiligen.

Übrigens bin ich vor gar nicht langer Zeit über eine Stellenanzeige für eine Lehrtätigkeit
gestolpert, die einen unmißvertändlichen Hinweis auf den Frauenförderplan in NRW enthielt.

Für Schüler ist offensichtlich besser, wenn sie von beiden Geschlechtern unterrichtet werden.
Für Autos ist dagegen bedeutungslos, welches Geschlecht der/die Mechaniker/in hat.
Deshalb werden Förderpläne mit dem Ziel gleicher Geschlechtsverteilung in technischen Berufen,
aber nicht in Erziehungsberufen von der Regierung gemacht.

Gruß
Joseph

PS: Da Du das PS für ein wichtiges Stielmittel hältst, mache ich auch eins.

PPS: Wirklich wertfreie Intension gibt es nicht.

Re: Angebot und Nachfrage

Manfred, Sunday, 17.08.2003, 01:00 (vor 8208 Tagen) @ Joseph S

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Joseph S am 16. August 2003 20:44:32:

Und wenn dann noch Jungen froh sind, endlich jemand bei den Lehreren gefunden zu haben, den zu bekriegen ihre Ritter- bzw. Machoehre nicht widerspricht, und das dann von den Kolleginnen, denen das nicht passiert, noch als Versagen dargestellt wird, kann man schon den Willen zum

Lehrerberuf verlieren.

^^^ Sehr wichtiger Aspekt!
Männer im Lehrerberuf sehen zu wollen ist nur dann ehrlich, wenn man diesen gestattet, ihre typisch männlichen Wesenszüge auch in den Beruf einzubringen.
Wenn ich denen aber zu verstehen gebe, sie hätten genauso wie die Frau Kollegin das tut, die Schülerschaft in Sachen Feminismus auf linie zu trimmen, V. Solana zu lesen und das einzige Zugeständnis ans männliche Geschlecht wäre, dies mit tieferer Stimme tun zu dürfen...
ja dann könnte schon das gefühl aufkommen, diese Aufgabe in den Händen der Spezialistinnen zu lassen.

Schönen Gruß,
Manfred

Re: Angebot und Nachfrage

Odin, Sunday, 17.08.2003, 22:28 (vor 8207 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Angebot und Nachfrage von Manfred am 16. August 2003 22:00:53:

Männer im Lehrerberuf sehen zu wollen ist nur dann ehrlich, wenn man diesen gestattet, ihre typisch männlichen Wesenszüge auch in den Beruf einzubringen.

Guter Punkt! Meist wird ganz einfach davon ausgegangen, daß nur die weibliche Schiene die Richtige ist. Da haben Männer dann von vorneherein keine Chance. Ihre Art von Pädagogik wird gleich als minderwertig eingestuft, vielleicht noch nicht mal an der Hochschule gelehrt!
Was noch passieren kann: Daß Du als Mann für Disziplinarmaßnahmen zuständig bist. Das schafft natürlich eine tolle Beziehung zum Kind, in der Art von "warte nur, bis Papa nach Hause kommt."

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