Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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unschuldige Männer

Arne Hoffmann, Wednesday, 13.08.2003, 21:08 (vor 8211 Tagen)

--- Und dann die Opfer! Natürlich, sie stehen im Zentrum der Katastrophe, sie wollen wir sehen, möglichst geschunden, blutüberströmt, weinend, auf einer Trage liegend. Der Krieg fordert viele Opfer, und in der Regel bekommt er sie auch. Meistens handelt es sich dabei um "unschuldige Frauen und Kinder". Männer scheinen per se schuldig, von "unschuldigen Männern" liest man jedenfalls erschreckend selten. ---

Aus einem SPIEGEL-Artikel, im Internet unter
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,260502,00.html

Re: unschuldige Männer

Odin, Wednesday, 13.08.2003, 22:52 (vor 8211 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: unschuldige Männer von Arne Hoffmann am 13. August 2003 18:08:43:

--- Und dann die Opfer! Natürlich, sie stehen im Zentrum der Katastrophe, sie wollen wir sehen, möglichst geschunden, blutüberströmt, weinend, auf einer Trage liegend. Der Krieg fordert viele Opfer, und in der Regel bekommt er sie auch. Meistens handelt es sich dabei um "unschuldige Frauen und Kinder". Männer scheinen per se schuldig, von "unschuldigen Männern" liest man jedenfalls erschreckend selten. ---
Aus einem SPIEGEL-Artikel, im Internet unter
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,260502,00.html

Ich habe vor ein paar Stunden eine Email an Bayern 5 (Radiosender mit Nachrichten) geschickt. Mittags war ein Bericht im Radio über den Anschlag in Afghanistan. "Unter den Toten sind auch Frauen und Kinder" hieß es wieder mal.
Vorbildlich dagegen die 17 Uhr Nachrichten auf ARD
"Unter den Toten sind auch Kinder"

Re: unschuldige Männer

Odin, Thursday, 14.08.2003, 22:54 (vor 8210 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 13. August 2003 19:52:30:

Ich habe vor ein paar Stunden eine Email an Bayern 5 (Radiosender mit Nachrichten) geschickt. Mittags war ein Bericht im Radio über den Anschlag in Afghanistan. "Unter den Toten sind auch Frauen und Kinder" hieß es wieder mal.
Vorbildlich dagegen die 17 Uhr Nachrichten auf ARD
"Unter den Toten sind auch Kinder"

Und diese Antwort habe ich heute von B 5 erhalten:

Sehr geehrter Herr...,

eigentlich haben Sie recht.
Wir fallen da auf ein tradiertes Sprachklischee herein - so nach
dem Motto: "Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote".
Der Männerdiskriminierung wollten wir uns aber nicht schuldig
machen.
Ich werde Ihre mail der Redaktion zur Kenntnis geben.

Mit freundlichen Grüßen

G..... J....
CvD, B5 aktuell

Re: unschuldige Männer

Manfred, Thursday, 14.08.2003, 23:40 (vor 8210 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 14. August 2003 19:54:19:

Ich werde Ihre mail der Redaktion zur Kenntnis geben.
Mit freundlichen Grüßen

Mal sehen ob die Person ihren Posten behält ;-) Hoffen wirs!
Jedenfalls eine ermutigende Reaktion. Steter Tropfen höhlt den Stein...
Glückwunsch dazu und zu Deiner nimmermüden Bereitschaft solchen vermeintlichen(!) Kleinigkeiten nachzustellen.

Schöne Grüße,
Manfred

Re: unschuldige Männer

Odin, Thursday, 14.08.2003, 23:47 (vor 8210 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Manfred am 14. August 2003 20:40:18:

Mal sehen ob die Person ihren Posten behält ;-) Hoffen wirs!
Jedenfalls eine ermutigende Reaktion. Steter Tropfen höhlt den Stein...
Glückwunsch dazu und zu Deiner nimmermüden Bereitschaft solchen vermeintlichen(!) Kleinigkeiten nachzustellen.

Danke, danke *rotwerd*
Ich denke, unsere Hauptaufgabe nennt sich "Sensibilisierung". In sehr vielen Fällen ist es den Leuten überhaupt nicht bewußt, wie Männerfeindlich viele Dinge sind. Man hat sich ja auch so sehr daran gewöhnt. Durch NORMAL FORMULIERTEN Protest verursachen wir da ein AHA-Erlebnis und die Leute beginnen nachzudenken. Und diesen Prozeß hat dieser Mann ja auch sehr schön beschrieben.
Merke: Nicht jede männerfeindliche Äußerung stammt von einem Männerfeind (einer Männerfeindin). Vieles ist einfach in Fleisch und Blut übergegangen!

good job! :-) (n/t)

Arne Hoffmann, Friday, 15.08.2003, 10:37 (vor 8209 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 14. August 2003 19:54:19:

-

Re: unschuldige Männer

Garfield, Friday, 15.08.2003, 11:54 (vor 8209 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 14. August 2003 20:47:00:

Hallo Odin!

"Vieles ist einfach in Fleisch und Blut übergegangen!"

Genau das ist das wesentliche Problem. Ich denke, daß der Einfluß der Frauenbewegung überbewertet wird. Die Radikalfeministinnen haben nichts weiter getan, als manche jahrtausendealte Klischees noch etwas zu verstärken. Sie haben aber keines dieser Klischees geschaffen.

Mit den Privilegien, die Frauen Männern heute noch voraus haben, sieht es sehr ähnlich aus. Vieles davon gab es schon, bevor es überhaupt so etwas wie eine Frauenbewegung gab. Martin van Creveld hat das in seinem Buch "Das bevorzugte Geschlecht" sehr schön dargestellt.

Zwar hatten Männer in der Geschichte den Frauen auch einige Privilegien voraus, aber in allen Zeiten hatten Frauen das Privileg, sehr schwere oder gefährliche Tätigkeiten nicht ausüben und oftmals noch nicht einmal für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen zu müssen. Zu allen Zeiten hat es gesellschaftliche Normen und immer wieder auch Gesetze gegeben, die den Unterhalt von Frauen durch Männer sicher stellten. Frauen, denen die männlichen Privilegien wichtig waren, haben oft Mittel und Wege gefunden, sie sich zu verschaffen. Notfalls sagten sie eben (wie die ägyptische Pharaonin Hatschepsut) daß sie ja eigentlich Männer wären. Und sobald es genügend Frauen gab, die an den männlichen Privilegien interessiert waren, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Privilegien nicht mehr nur für Männer galten. Umgekehrt sind Männer nur höchst selten in den Genuß der weiblichen Privilegien gekommen. Noch heute akzeptieren nur sehr wenige Frauen, daß ihre Partner Hausmänner sind.

Eigentlich war die Frauenbewegung auch für die Männer durchaus positiv. Erst dadurch, daß die Privilegien der Männer allesamt auch auf Frauen ausgedehnt wurden, umgekehrt aber die weiblichen Privilegien immer noch nicht für Männer gelten, sind die Männer ja überhaupt erst dazu gekommen, darüber nachzudenken, ob sie wirklich so privilegiert sind, wie man ihnen immer einreden möchte.

Als ich mit 18 zum Wehrdienst eingezogen wurde, habe ich gar nicht darüber nachgedacht, ob das vielleicht ungerecht sein könnte. Ich fand es zwar ziemlich übel, aber es war nun mal so, es ging allen jungen Männern so, also war es für mich selbstverständlich, daß ich eben auch davon betroffen war. Darüber, daß Frauen demselben Zwang nicht unterworfen sind, habe ich damals gar nicht nachgedacht. Auch das war für mich damals selbstverständlich...

Ja, und die Frauenbewegung hat mich wie viele andere Männer auch erst zum Nachdenken gebracht. Ich denke, viele Frauen wissen schon sehr genau, wieso sie dem Feminismus ablehnend gegenüber stehen...

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: unschuldige Männer

Ferdi, Friday, 15.08.2003, 14:13 (vor 8209 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Garfield am 15. August 2003 08:54:45:

Hi Garfield!

Also zu erst mal möchte ich mich für Deine immer wieder gekonnten und lesenswerten Beiträge bedanken. Du verstehst es, Fakten knallhart und kompromisslos, aber in einem sehr gefälligen, respektvollen Stil rüberzubringen, der der Gegenseite den Wind aus den Segeln nimmt.

Umgekehrt sind Männer nur höchst selten in den Genuß der weiblichen Privilegien gekommen. Noch heute akzeptieren nur sehr wenige Frauen, daß ihre Partner Hausmänner sind.

Ich nehme mir diese Privilegien einfach, sie stehen mir zu. Da frage ich niemand, und wenn Frauen, oder wer sonst auch immer, damit nicht einverstanden ist oder Probleme damit hat, dann soll er/sie mir gefälligst aus dem Weg gehen. Basta!

Ich denke, viele Frauen wissen schon sehr genau, wieso sie dem Feminismus ablehnend gegenüber stehen...

Menschen, die nachdenken und hinterfragen, waren den Ideologen jeglicher Couleur schon immer ein Dorn im Auge, denn Ideologien (und der Feminismus reiht sich nahtlos in diese Reihe der *-*-ismen ein) sind darauf angewiesen, dass Menschen ihre Glaubensbekenntnisse nachbeten und ja nicht darüber nachdenken, denn das bringt die Ideologien sofort zum Einsturz. Deswegen werden Nachdenker sofort bekämpft. Für Maskulisten bedeutet das, sie werden als "frauenfeindlich" gebrandmarkt um sie ruhigzustellen und ihnen ein schlechtes Gewissen zu verpassen. Die katholische Kirche verfährt doch nach genau dem gleichen Rezept. Was da nicht alles als Todsünde hingestellt wird (Wenn Du das und jenes tust, kommst Du in die Hölle). Die sündhaft teure Frauenförderung aus Staatsmitteln ist gewissermassen der "Ablass", den männliche Regierungsvertreter leisten müssen, um von der Todsünde "frauenfeindlich" befreit zu werden. Wie in den finstersten Zeiten der katholischen Kirche.

Ich jedenfalls habe absolut keine Lust und kein Interesse, um die "Gunst" irgendwelcher Frauen zu buhlen. Dazu bin ich mir zu schade. Solange die überwiegende Mehrheit der Männer nicht willens und in der Lage ist, den Attacken der Frauen mit prallen Titten und geilen Ärschen Widerstand entgegen zu setzen und sich von den Weibern mit Hilfe dieser Waffen auseinanderdividieren lassen, solange werden sie die Dackel bleiben, die sabbernd, lechzend und willenlos erniedrigt auf die Hüllkurven der Weiber starren. Ein trauriger Status, in dem sich das sogenannte "starke Geschlecht" befindet. Als Einzelkämpfer hat man zwar persönliche Erfolge, Freiheit und Selbstachtung gewonnen, aber für die Gesamtheit der Männer reicht das nicht aus. Hier ist wirklich Solidarität erforderlich, die sich hoffentlich jetzt herausbildet. Dass das ein erfolgversprechender Weg zu sein scheint sieht man an dem Argwohn, mit dem die Frauen diese Entwicklung beobachten. Sie spüren, dass ihnen hier etwas Wichtiges zu entgleiten beginnt: die weibliche Herrschaft über die Männer! Und sie wissen, dass der Feminismus diese Entwicklung angestossen hat.

Schöne Grüsse,
Ferdi

Re: unschuldige Männer

Andreas, Friday, 15.08.2003, 15:21 (vor 8209 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 14. August 2003 19:54:19:

Hallo Odin,

das hoert sich gut an. Klasse! Ich wuenschte mir, der Spiegel sei aehnlich einsichtig. Die raffen das dort einfach nicht:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,261316,00.html

Re: unschuldige Männer

Garfield, Friday, 15.08.2003, 17:46 (vor 8209 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Ferdi am 15. August 2003 11:13:34:

Hallo Ferdi!

Oh, danke für das Lob! :-)

"Ich nehme mir diese Privilegien einfach, sie stehen mir zu. Da frage ich niemand..."

Als Single mußt du ja auch niemanden fragen. In einer Partnerschaft ist das aber leider häufig nicht so einfach. Frauen suchen sich in der Regel Partner, die ein paar Jahre älter sind und somit allein durch den Altersunterschied oftmals schon einen Gehaltsvorsprung haben. Darüber hinaus achten Frauen bei ihrer Berufswahl auch immer noch weniger auf die Verdienstmöglichkeiten, sondern sie wählen bevorzugt Berufe, die sie entweder sehr interessieren oder für die sie nicht sonderlich hohe Voraussetzungen mitbringen müssen.

Irgendwann möchten viele Paare dann ein Kind. Aus den obengenannten Gründen verdient meist der Mann besser, und ein Kind kostet Geld. Also ist somit klar, wer beim Kind zu Hause bleibt und wer die Familie ernähren darf. Schon haben wir wieder die alte Rollenverteilung, und schon findet sich der Mann wieder als Ernährer wieder.

Wie kann man dem entrinnen? Teilzeitarbeit für beide Partner wäre eine Lösung. Nur woher soviele Teilzeitstellen nehmen? In manchen Berufen geht das gar nicht. Es wird immer Menschen geben, die einfach nicht auf Teilzeit arbeiten können. Allein schon für Pendler, die täglich lange Strecken zur Arbeit zurücklegen müssen, wäre das völlig unmöglich. Selbst wenn es in ihrem Job prinzipiell funktionieren würde: Dann wären sie täglich womöglich genauso lange auf der Straße wie auf dem Arbeitsplatz. Und insgesamt wären sie auch bei Halbtagsarbeit vielleicht genauso lange von zu Hause weg wie Menschen, die das Glück haben, einen Job nahe ihrer Wohnung zu haben. Man könnte sich das dann maximal so einrichten, daß einer in einer Woche die ersten drei Tage voll arbeitet, der andere dann die letzten zwei Tage voll; und in der nächsten Woche arbeitet der erste dann die ersten zwei Tage voll, der zweite die letzten drei Tage voll. Aber das ist so auch alles in der Praxis wieder schwer zu realisieren. Jeder, der sich seinen Urlaub mit Kollegen absprechen muß, weiß, wie schwierig es oft ist, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Bei solchen Teilzeitmodellen hätte man das Problem jeden Tag.

Das wird sich wohl erst lösen lassen, wenn die meisten Menschen von zu Hause aus arbeiten können.

Dein Vergleich des Feminismus mit der katholischen Kirche ist ziemlich treffend. Auch die katholische Kirche hat in ihren finstersten Zeiten die albernsten Dogmen etabliert und sich daran mit Händen und Füßen festgeklammert. Laut diesen Dogmen war die Erde eine Scheibe, und erst als man mit Schiffen die Erde umrundete, wurde widerwillig das Gegenteil festgestellt. Laut diesen Dogmen drehte sich auch das gesamte Universum um die Erde. Da der Beweis des Gegenteils nicht so augenfällig und nicht für jedermann sofort einleuchtend war, hielt sich dieses Dogma etwas länger, bis man dann schließlich schweren Herzens auch darauf verzichten mußte.

Und so geht es dem Radikalfeminismus nun auch. :-)

"Ich jedenfalls habe absolut keine Lust und kein Interesse, um die "Gunst" irgendwelcher Frauen zu buhlen. Dazu bin ich mir zu schade. Solange die überwiegende Mehrheit der Männer nicht willens und in der Lage ist, den Attacken der Frauen mit prallen Titten und geilen Ärschen Widerstand entgegen zu setzen und sich von den Weibern mit Hilfe dieser Waffen auseinanderdividieren lassen, solange werden sie die Dackel bleiben, die sabbernd, lechzend und willenlos erniedrigt auf die Hüllkurven der Weiber starren."

Ich finde, man(n) kann die "Hüllkurven" der Frauen auch genießen, ohne sich dafür zu erniedrigen. Man muß einfach nur höhere Anforderungen an die Frauen stellen und nicht immer nur auf das Äußere achten. Männer müssen sich bewußt machen, daß eine Frau, die sie nur als Geldesel betrachtet, keine vollwertige Partnerin ist. Wenn die Männer mehr von den Frauen verlangen würden, dann würden sich die Frauen dem auch anpassen. Aber leider gibt es offenbar noch viel zuviele der von dir schon oft erwähnten männlichen Dackel, die krampfhaft versuchen, sich jedem gerade modernen weiblichen Wunsch anzupassen (selbst wenn dieser Wunsch nur oberflächlich ist und von den Frauen gar nicht ernst gemeint wird), in der Hoffnung, so ihre 90-60-90-Barbie zu bekommen.

Na ja, aber es besteht wohl Grund zur Hoffnung, daß durch die vom Feminismus angestoßenen Veränderungen mehr und mehr Männer aufwachen werden.

Herzliche Grüße
von Garfield


Re: unschuldige Männer

Anabasis, Friday, 15.08.2003, 20:57 (vor 8209 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Odin am 13. August 2003 19:52:30:

Vorbildlich dagegen die 17 Uhr Nachrichten auf ARD
"Unter den Toten sind auch Kinder"

Ich hatte an die ARD eine Mail geschickt und anschliessend am 22.07.03 den folgenden Brief. Ich habe zwar nie eine Antwort erhalten, aber vielleicht haben sich genügend Männer beschwert, so dass die ARD zur Einsicht gekommen ist.

Gruß Anabasis

=================================================================
Chefredaktion ARD-Aktuell
Herr Dr. Wabnitz
Hugh-Greene Weg 1

22529 Hamburg

Sehr geehrter Herr Dr. Wabnitz,

ich habe am Freitag, dem 11. Juli 2003 folgende Email an redaktion@tagesschau.de gesandt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mit Verblüffung Ihren Bericht über die Gedenkfeier zum Massaker in Srebrenica gelesen:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID2032860_NAVSPM1_REF1,00.html

Obwohl das Ziel des Massakers war, MÄNNER zu ermorden, erweckt der Artikel den Eindruck, es wäre geschlechtsneutral vorgegangen worden. >Undenkbar im umgekehrten Fall.
Nachdem ich mich schon seit einiger Zeit wundere, warum weibliche Opfer besonders hervorgehoben werden, bin ich jetzt verärgert darüber, dass bei einer Mordaktion, die gezielt gegen männliche wehrlose Zivilisten gerichtet war, geschlechtsneutrale Begriffe wie "Moslems" oder "Opfer" gewählt werden.
Können Sie mir bitte kurz erläutern, warum sie regelmäßig in Ihren Nachrichten diese Vorgehensweisen wählen:
- weibliche Opfer besonders hervorheben
- Männliche Opfer hinter geschlechtsneutralen Begriffen "verschwinden" zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen

[/i]

Die ARD-Videotext-Tafel verschwieg ebenfalls, dass gezielt Männer ermordet wurden.

Ich bewerte den Journalismus danach, ob er objektiv berichtet, relevante Fakten nicht unterschlägt und sich bemüht, die Wahrnehmungsfilter, die jeder Mensch in sich trägt, zu reduzieren, statt dem Zeitgeist hinterher zu rennen. Die von Ihnen verbreitete Nachricht genügt diesen Kriterien nicht. Dabei geht es in dieser Nachricht nicht um Sommermode, sondern um Massenmord.

Zu o.a. Mail habe ich bis heute noch nicht einmal eine formelle Eingangsbestätigung erhalten. Als Kunde Ihres Produkts „Information“ empfinde ich dieses Verhalten als ungehörig!

Mit freundlichen Grüßen

der Spiegel ist da wesentlich extremer...

Andreas, Friday, 15.08.2003, 21:24 (vor 8209 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: unschuldige Männer von Anabasis am 15. August 2003 17:57:25:

Vorbildlich dagegen die 17 Uhr Nachrichten auf ARD
"Unter den Toten sind auch Kinder"

Ich hatte an die ARD eine Mail geschickt und anschliessend am 22.07.03 den folgenden Brief. Ich habe zwar nie eine Antwort erhalten, aber vielleicht haben sich genügend Männer beschwert, so dass die ARD zur Einsicht gekommen ist.

Hallo Anabasis,

naja, die ARD-Tagesschau würde ich nicht so sehr ins Korn nehmen. Ich achte mittlerweile recht genau auf diese Sache und ich muß sagen, die tagesschau formuliert ihre Texte normalerweise immer korrekt. Und wenn ich mich richtig erinnere, war auf der Homepage der tagesschau am Tag der Gedenkfeier auch ein kleiner Artikel, in dem explizit erwähnt wurde, daß hauptsächlich Männer ermordet wurden.
Ein Musterbeispiel an einseitiger Berichterstattung, wie sie einseitiger überhaupt nicht mehr sein kann, ist hingegen Spiegel Online. Ich hatte früher schon so meinen Streit mit dem Spiegel, allerdings hat das nichts gebracht. Die Formulierung "darunter auch Frauen und Kinder" wird im Spiegel nach wie vor in fast jedem Artikel gebraucht, in dem über Katastrophen, Kriege oder Krisen berichtet wird. In Berichten aus Kriegsgebieten werden regelmäßig Frauen als Opfer benannt, Männer hingegen nicht erwähnt. Die Situation der Frauen im Irak ist bspw. einen ganzen Artikel wert, aber über die Tatsache, daß nach dem ersten Irakkrieg über 100 000 schiitische Männer und Jungen (nachlesbar auf der Seite von Human Rights Watch) abgeschlachtet wurden, wird geschwiegen. Anfragen oder Leserbriefe an den Spiegel werden weder beachtet noch beantwortet. Es gab auch schon andere, die den Spiegel in dieser Sache angeschrieben haben - den Erfolg kannst Du aus dem aktuellen Link ersehen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,261316,00.html

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