Sendung um 14 Uhr im DR - deprimierend!
Heute 14 Uhr gab es eine einstündige Diskussion im Deutschlandradio. Ausgangspunkt war der Artikel von Frank Schirrmacher, zu Gast u.a. Hans Christoph Buch. Die Diskussion gestaltete sich allerdings erwartungsgemäß einseitig: Wie immer wurde, statt sich auf Fakten oder Studien zu beziehen, gender-psychologisch argumentiert und auf Zahlen wie z.B. die geringere Anzahl weiblicher Chefs rekurriert - selbstverständlich ohne einen Kontext. Und wo der Kontext fehlt, darf die mit dem Microphon deuteln. Das wurde getan, in üblichen Argumentationsschienen. Nebenbei machte man kleine Ausflüge zu Harry Potter und Manfred van Creveld ("Das priviligierte Geschlecht" - unbedingt lesen!), den man aber in zwei Sätzen "erledigte". - Freundlicherweise gab der Moderator eine Zusammenfassung des Klappentextes, denn die Dame, die es als "sehr einseitges Geschichtsbild" (bei dieser Quellenlage!) abtat, hatte es sicher nicht gelesen. Aber wer muß sich schon mit Thesen und Fakten auseinandersetzen, von denen es im politisch korrekten Rahmen ohnehin fragwürdig erscheint, ob sie sich dort gegen den Zeit(un)geist behaupten können werden ...
Zu guter Letzt entpuppte sich auch die angegebene Telefonnummer zum Mitdiskutieren als Reinfall, denn es bestand keine Chance, live auf Sendung zu kommen - die Anrufe wurden aufgezeichnet und im Anschluß eine "nicht repräsentative, aber interessante Auswahl" wiedergegeben, deren allgemeiner Konsens war, von der "weiblichen Zukunft könnten sowohl Frauen als auch Männer nur profitieren". - Hail to the queen! Bend down and grovel!
Um zum Nachdenken anzuregen taugte diese Sendung erwartungsgemäß nicht. Aber sie stimmte dennoch optimistisch, wenn auch in einem eher fatalistischen Sinne: Je mehr der Bogen überspannt wird, je mehr Unmöglichkeiten mit Falschinformationen oder Clichévorstellungen sanktioniert werden, je mehr sich die Situation - Dank des weiblichen Machtzuwaches, bei gleichzeitiger Verschlechterung der gesellschaftlichen Zustände und daraus wiederum resultierender Mehr-Kritik der "männlichen Bevorzugung" - verschärft, je schlimmer es um die männliche Seelenlage bestellt ist, desto näher kommen wir dem Ende dieses Systems, der Katabasis, dem Zeitpunkt, an dem alle Argumente kein Gewicht und alles Reden keinen Sinn mehr haben wird, weil niemand mehr zuhören wird. Schlimme Zeiten ... - aber manchmal muß man ein Haus einreißen, wenn es nicht mehr modernisiert werden kann.
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Gelegenheitsposter,
09.08.2003, 18:44
- Danke für die Zusammenfassung! (n/t) - Andreas, 09.08.2003, 20:45