Das frauenfeindlichste Land Europas
... ist die Bundesrepublik. Meint Viola Roggenkamp heute in der "taz".
Und dass Frauen vom Arbeitsmarkt verdrängt würden. Und dergleichen mehr:
Leben im Frauenfeindesland
DAS SCHLAGLOCH von VIOLA ROGGENKAMP
"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold." Renate Schmidt, Frauen-
und Familienministerin
Was für ein Pech für die spitzenmäßig ausgebildeten Frauen um dreißig. Sie sind die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten. Die mütterliche Frauenbewegung der Siebziger- und Achtzigerjahre hat ihnen die Pferde zugeritten und gesattelt. Jetzt stehen die Töchter bereit. Immer mehr Frauen um die dreißig verzichten sogar endgültig auf Kinder, um sich noch windschnittiger für ihren Konkurrenzkampf mit den Männern zu machen. Und jetzt ist Vater Staat pleite.
Wir leben in dem frauenfeindlichsten Land Europas: in Deutschland. Und weil dieses Land frauenfeindlich ist, ist es konsequenterweise auch kinderfeindlich. Ein Drittel der in Deutschland lebenden heute 28-jährigen Frauen werden voraussichtlich kinderlos bleiben wollen. Die Verweigerung des Staates, Frauen durch ganztägige Kinderbetreuung und Ganztagsschulen zu helfen, geben etwa 70 Prozent als Grund für ihre Kinderlosigkeit an. Denn wie sollen wir das anders nennen als eine Verweigerung. Gleichgültigkeit? Vergessen? Die zuständigen Ministerien leiten zwei Frauen, zwei tüchtige und in ihrer Grundeinstellung feministisch denkende Frauen. Aber handeln sie entsprechend?
Renate Schmidt, unsere Frauen- und Familienministerin, wollte jetzt eine Zahl unterschlagen, die sehr viel mit der Zukunft der dreißigjährigen hoch qualifizierten Frauen zu tun hat. Nur eine kleine Zahl, aber eine Zahl von großer Bedeutung. Dass die Frauen- und Familienministerin diese Zahl unterschlagen wollte, darum geht es. 4,5 Prozent. Mit dieser Zahl hat es folgende Bewandtnis:
Nur 4,5 Prozent der deutschen Unternehmen in der Privatwirtschaft haben inzwischen tarifliche oder betriebliche Vereinbarungen zur Frauenförderung und Familienfreundlichkeit geschlossen. Das ist ein Skandal. Doch der war vorhersehbar, der war sozusagen eingeplant und im Voraus zugestanden. Denn die Unternehmer waren zu rein gar nichts verpflichtet worden. Statt, wie in den Wahlprogrammen versprochen, das Gleichstellungsgesetz auf den Weg zu bringen, hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder im Juli vor zwei Jahren mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft eine freiwillige Gleichstellungsregelung vereinbart. Freiwillig. Mehr nicht. Die Regelung ist nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde.
Aber ist das eine Überraschung? Für niemanden ist das eine Überraschung. Das ist eine Sache unter Männern, ein Deal, der funktioniert seit Generationen gegen Frauen. Gleichzeitig hatte der Bundeskanzler in seiner vollmundigen Art seinen Wählerinnen versprochen, im Herbst 2003 müssten sich an dieser freiwilligen Vereinbarung die Unternehmen messen lassen. Da ist aber nichts zu messen, denn in der jährlich gemachten repräsentativen Betriebsuntersuchung fehlt ausdrücklich die entscheidende Frage, nämlich wann die Firmen ihre Maßnahmen zur Frauenförderung eingeleitet haben. Die Frage wurde nicht etwa vergessen. Sie wurde ausdrücklich nicht in die freiwillige Vereinbarung zwischen sozialdemokratischem Kanzler und der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände aufgenommen. Ausdrücklich nicht.
Tja, da möchte die kleine Frau auf der Straße doch wissen, warum nicht? Schließlich haben wir alle unser Verfallsdatum. "Weil es das Umfrage-Panel überfrachtet hätte."
So die bereitwilligst dahergeschwatzte Antwort der Arbeitsmarktexpertin Ilka Houben in der Frankfurter Rundschau vom vergangenen Sonnabend, in der die Journalistin Corinna Edmundts den Skandal aufdeckte.
Wir können, nein, wir müssen also davon ausgehen, dass die 4,5 Prozent tariflich vereinbarte, vielleicht noch nicht einmal umgesetzte Frauenförderung aus der Zeit von Helmut Kohl stammen. Ist das nicht furchtbar? Und das alles wollte Renate Schmidt geheim halten, und das ist eigentlich noch furchtbarer. Abzusehen war diese Entwicklung für sie seit etwa zwei Jahren, seitdem sie das Amt von ihrer Parteigenossin Christine Bergmann übernahm, die sich gegenüber Bundeskanzler Schröder durchsetzen wollte, aber es nicht konnte, denn sie bekam dafür nicht genüg Rückhalt in ihrer Partei. Renate Schmidt versuchte es offenbar erst gar nicht.
Aber es gibt einen Lichtblick. Wir wüssten nichts von dieser Zahl, von diesen schäbigen 4,5 Prozent, die wahrscheinlich ein alter Männerhut aus der Kohl-Epoche sind, hätte nicht die neue Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gegenüber Renate Schmidt sich entschlossen gezeigt, diese Zahl publik zu machen. Ihr Name ist Jutta Allmendinger. Man muss diese Frau für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Eine solche Courage hat Seltenheitswert.
Was lernen wir daraus? Es gibt überhaupt keinen Grund für die Töchter der Frauenbewegung anzunehmen, dass sich feministische Politik in irgendeiner Weise überholt habe. Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass feministische Unterwanderung und feministische Kontrollinstanzen sich überholt hätten. Im Gegenteil. Besonders seitdem SPD und Grüne regieren, ist die Gefahr groß, glauben zu wollen, nun seien ja die Richtigen dran, nun würde sich das alles regeln, auch für Frauen. Auch die grünen Frauen müssen aufpassen, dass sie sich nicht im Zuge notwendiger Einsparungen ihre feministischen Expertinnen und Einrichtungen von ihren eigenen Männern streichen lassen.
Wir stehen wieder einmal auf der Kippe. Selbstverständlich ohne es wissen zu wollen. Am Ende des Jahres werden wir von fünf bis sechs Millionen Arbeitslosen hören, und ganz offensichtlich wird in Deutschland nach altem Rezept versucht, die Frauen vom Arbeitsmarkt zu verdrängen, indem ihnen der Zugang erschwert und das Mitreden nahezu unmöglich gemacht wird. Die 100 größten börsennotierten deutschen Unternehmen weigern sich unverändert, eine Frau in ihren Vorstand zu holen. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland liegt unverändert unter dem Durchschnitt der EU-Staaten. Immer noch ist das für Frauen extrem ungünstige Ehegattensplitting nicht abgeschafft, werden Frauen für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt als Männer, gibt es keine eigenständige Alterssicherung für Frauen. Man möchte ihnen als Frau das Wahlrecht noch hinterherschmeißen. Nein! Dafür sind Frauen in Gefängnissen gestorben, damit Frauen wählen können. Vor 85 Jahren wurde in Deutschland das Frauenstimmrecht eingeführt. Kein Grund zum Feiern.
Wir haben erst eine Frau an der Spitze eines Bundeslandes. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die hätte obendrein das Zeug zur Kanzlerin. Aber da sie der SPD angehört, gehört sie der Partei an, die Frauen eher nichts werden lässt. Bis 2007, das hat die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn unlängst in einem Radiointerview versprochen, wolle die Bundesregierung 10.000 Ganztagsschulen gegründet haben für insgesamt vier Milliarden Euro. Welchen Grund haben wir, das zu glauben? Keinen. Aber wir haben genug Gründe, gegen die Frauendiskriminierung in unserem eigenen Land zu kämpfen.
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Hallo Frank!
Überspringen wir mal das ganze altbekannte Gejammere und kommen zum wesentlichen Punkt des Artikels:
"Es gibt überhaupt keinen Grund für die Töchter der Frauenbewegung anzunehmen, dass sich feministische Politik in irgendeiner Weise überholt habe. Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass feministische Unterwanderung und feministische Kontrollinstanzen sich überholt hätten. Im Gegenteil."
Offensichtlich gehört die werte Frau Roggenkamp auch zu den Journalistinnen, die ihren Lebensunterhalt ganz oder überwiegend durch den Feminismus bestreiten. Somit ist es nur logisch, daß sie diese Position vertreten muß, würde doch sonst ihre ganze berufliche Existenz in Frage gestellt.
Immerhin zeigt uns das, daß immer mehr dieser Absahnerinnen und Betonköpfe langsam klar wird, daß ihre Zeit abläuft und daß sie sich mit allem, was sie aufbieten können, weiterhin an ihren Pfründen und Privilegien festklammern müssen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Dazu möchte ich nur folgendes sagen:
Ausser Familienförderung sollte ein Unternehmen sich auf nichts einlassen müssen. Familienförderung heisst für mich, dass Männer genauso Teilzeitjobs finden und genauso "Vaterschaftsurlaub" nehmen können wie Frauen.
Ich bin für Job-Sharing, zwei teilen sich einen Job! Das können zwei Frauen sein oder zwei Männer oder eine Frau und ein Mann. familienfreundliche Anstellungsverhältnisse haben doch nicht nur mit den Frauen zu tun. Wenn Männer genauso das Anrecht haben auf Familienbetreuung und die gleiche Förderung erhalten wie Frauen, dann kann das der Sache doch nur dienen. Wir brauchen dann viel weniger Fremdbetreuung, Vater und Mutter teilen sich diese Aufgabe oder zwei Mütter oder zwei Väter teilen sich diese Aufgaben.
Warum soll eine Frau es nicht schaffen Karriere zu machen ohne dass man ihr dafür Frauenförderungsprogramme und Quoten mit auf den Weg gibt?!
Keiner hat je behauptet, dass es leicht ist Karriere zu machen, Männer mussten schon immer auf viel Zeit mit Ihrer Familie verzichten, wenn sie Karriere machen wollten oder mussten, damit die Kohle reicht für alle!
Warum sollten Frauen Karriere machen können ohne auf etwas zu verzichten?
Ist Karriere machen und Kinder haben denn wirklich so ideal?
Arbeiten und Kinder haben, das ist durchaus unter einen Hut zu bringen, wir müssen nur ganzheitliche Lösungen suchen, die die Männer hier miteinbeziehen, sie sind nun mal ein Teil einer Familie, denn man merke sich....dort wo Väter sind ist Familie, nicht nur dort wo Kinder sind!
Zudem gleichzeitig Kleinkinder gross ziehen und Karriere machen, da muss man aber schon auf einiges verzichten, auch was die Kinder angeht. Aber wenn das eine Frau will, das muss jede selbst wissen, ich würde deswegen keine verurteilen, nur bin ich der Meinung, dann soll sie es auch selbständig packen, aus eigener Kraft, einfach weil sie gut ist und einen starken Willen hat und nicht aufgibt!
Ich halte die Frauen für stark genug, dass sie das auch ohne diese Privilegien schaffen, ich verstehe nicht, wie man auf der einen Seite immer behaupten kann, dass die Frauen die besseren Wesen wären, die Widerstandsfähigeren, die Klügeren, die Einfühlsameren und dann sehen muss, dass aber genau diese Frauen immer nach Frauenförderung und Frauenquoten schreien, als wenn wir sonst nicht in der Lage wären, es zu schaffen?!
Wir leben in einer schweren Zeit. Der Wirtschaft, vor allem auch in Deutschland, geht es nicht sehr gut. Wie kann man da fragen, warum nicht vorwiegend Frauen gefördert werden, wie ignorant muss man da sein?!
In einer Familie muss zumindest einer verdienen. Wenn nicht genug Arbeit da ist, dann müssen zuerst die arbeiten können, die eine Familie ernähren müssen und die, die Selbstversorger sind. Dann kommen die Zweitverdiener und der Rest. Ich habe genug Frauen erlebt, die wirklich gute Jobs haben und weiter gekommen sind, sie alle haben das auf ganz normalem Weg geschafft. Es ist möglich, nicht einfach, klar, nur das ist es für niemanden 
Ich bin nicht für geschlechterspezifische Förderung und Quoten. Und wenn schon, dann aber beidseitig.
Hier wird in meinen Augen falsch interpretiert, ich denke, dass wir so wenig Frauen in Spitzenpositionen haben, weil es gar nicht so viele Frauen gibt, die das anstreben 
Hier will man es darlegen, als wenn die meisten Frauen danach streben würden im Beruf viel zu erreichen. Vielleicht tut das ja die nächste Generation, die noch wirklich jungen Frauen, ich weiss es nicht, aber ich kenne viele Frauen, für die war es total klar, dass sie Kinder wollen und die wollten alle die ersten Jahre mit ihren Kindern verbringen, da arbeitet kaum eine mehr als ein bis zwei Tage. Aber nicht, weil sie nicht mehr könnten, sondern weil sie nicht mehr wollen!
Ich finde wir haben das Privileg der freien Wahl, das genügt, wir können uns frei entscheiden welchen Weg wir einschlagen wollen, also jammern wir nicht rum, dass wir dafür überall einen Startbonus brauchen, weil die böse Männerwelt uns sonst auffrisst. Pullshit...echt nun...
Es grüsst dich
Jolanda
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 30. Juli 2003 14:46:26:
Hallo Garfield,
interessant finde ich in der von dir zitierten Passage auch die Formulierung: "feministische Unterwanderung und feministische Kontrollinstanzen". Das eine hört sich nach Untergrundbewegung, das andere nach Stasi an. Sehr verräterisch.
Vor meinem inneren Auge marschiert eine unheilige Allianz von Alt-68ern, Spontis, Feministinnen, SED-Überzeugungstätern, taz-Redakteuren und anderem linkem Volk auf. Dass die immer noch realitätsfern von Unterwanderung und Kontrollinstanzen faseln, lässt auch mich hoffen, dass deren Zeit recht bald vorbei ist.
Gruß
Frank
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas - Leserbrief an die taz
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Sehr geehrte Redaktion, Sehr geehrte Frau Roggenkamp,
Deutschland das frauenfeindlichste Land Europas? - Ein Hohn und ein glatte Lüge! Männer sind es, die unter dem Frauenförderwahn zu leiden haben. Unter Jugendlichen ist die Männerarbeitslosigkeit fast doppelt so hoch wie die der Frauen.
Auch insgesamt liegt die Arbeitslosenquote der Männer ca. 40% höher.
Männerförderpläne wären das Gebot der Stunde.
Frauen haben heute die besseren Bildungs- und Einstellungchancen, die Mehrzahl der der AbiturientInnen sind weiblich - dank der überwiegend weiblichen PädagogInnen von Kindergarten bis zum Abitur. Wäre hier nicht eine Quote sinnvoll? 50% aller Lehrerstellen nur für Männer?
Aber Nein - Frauen sind ja die armen Opfer und müssen bis in alle Ewigkeit gefördert werden.
Mit freundlichen Grüßen
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Wie bei jeder Polemik liegt auch dieser in gewisser Weise eine wahre Begebenheit zu Grunde: Gutausgebildete Frauen Ende 20 stehen jetzt vor der unerfreulichen Alternative Familie ODER Karriere? Und das könnte der Ausgangspunkt für ein unerwartetes, neues Aufflackern des vergessen geglaubten Geschlechterkampfes sein.
Die feministischen Forderungen sollten zunächst differenziert betrachtet werden:
- Die Forderung nach einem besseren Angebot an Kindergärten und Ganztagsschulen ist erstmal ok. (Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)
- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her! Die Frage, wie man die erwerbswilligen Mütter bei der Kinderbetreuung entlastet - die für die kleine Gruppe der wildentschlossenen Karrierefrauen natürlich im Vordergrund steht -, wird aus dieser volkswirtschaftlichen Perspektive also völlig überlagert durch die Frage, wie die immer selteneren Vollzeiterwerbsstellen so aufgesplittet werden, daß möglichst für jeden und jede ein Teilzeitjob rauskommt, von dem er / sie vernünftig leben kann. Wenn dieses Problem gelöst wird, stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ja sowieso nicht mehr.
Meine These:
Das Thema der der Zukunft ist nicht mehr:
Frauenförderung + Ganztagsschule&Kindergärten (*)
sondern:
Arbeitszeitverkürzung + Teilzeit-und-Jobsharing-Modelle
________
(*) Diese Vorstellung macht nur Sinn vor dem Hintergrund:
- a) ... der Vollbeschäftigungs-Ära bis 1975
- b) ... des Planwirtschaftssystem im Osten (deren Problem war ja nicht der Mangel an ArbeitsPLÄTZEN, sondern vielmehr die ineffiziente Produktion und daher der Mangel an ArbeitsKRÄFTEN.)
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Lars am 30. Juli 2003 18:52:39:
- Die Forderung nach einem besseren Angebot an Kindergärten und Ganztagsschulen ist erstmal ok.
So isses!
(Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)
Das interessiert keinen deutschen Mutterschaftskreuz-Richter. Die deutsche Mutter muß 12 Jahre nicht arbeiten, wenn der Ex zahlt, auch wenn sie für jedes Kind drei Kindergartenplätze hat und die Personalvermittler ihre Gartenpforte belagern. Schluß! Arisch! Aus!
- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her!
Es fehlt nicht an Arbeit in unserem Land. Nur ist unser Land totreguliert und die Pfründenwärter verhindern, dass die Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein die Aufhebung der Flächentarifverträge würde es vielen Betrieben ermöglichen, mit den Neumitgliedern der EU im Osten zu konkurrieren. Sicher wäre auch eine Steuerentlastung hilfreich - je weniger Steuern dieser Staat einnimmt, um so weniger Kampflesbenprogramme kann er bezahlen und um so mehr Investitionskapital können die Betriebe aufbauen.
Gruß Anabasis
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
200.000.000 Euro werden pro Jahr für Frauenintegration in männerdominierte Berufe. Für Männerintegration in Frauenberufe gibt es 0 Euro, trotz Versprechen der Politiker, Männer in die Erziehungsarbeit integrieren zu wollen.
Die männliche Jugendarbeitslosenquote ist um 43% höher als die weibliche, Tendenz steigend.
In den Behörden werden Männer seit Jahren durch "positive" Diskriminierung hinausgedrängt.
Während die Mädchen in einem Girls-Day Technikberufe kennenlernen dürfen, lässt man die Jungen im Stich und signalisiert ihnen, dass sich die Politik einen Kehrricht um ihre Zukunftsängste schert.
PISA hat gezeigt, dass Jungen die eindeutigen Verlierer der chancenungleichen Bildungspolitik in Deutschland sind. Das wird der Öffentlichkeit natürlich verschwiegen. Ist nicht zeitgeiskonform.
In Deutschland gibt es 19 Frauengesundheitszentren aber nicht ein einziges Männergesundheitszentrum, aber dafür dürfen Männer auch 7 Jahre früher sterben. Das entlastet die Rentenkasse.
Frauen wird ab 30 eine Hautkrebsvorsorge bezahlt. Männer erst ab 45. Dafür erkranken aber 50% mehr Männer an Hautkrebs in dieser Altersstufe.
Das sind nur einige Beispiele der "frauenfeindlichen Benachteiligungen". Wenn ich diese Definition von "Benachteiligung" sehe, finde ich es Schade, dass wir in keinem Männerfeindlesland leben.
Solche Benachteiligungen hätte ich als Mann auch gerne.
Gruß
Bruno
"NOTARZT !"
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Ich finde es peinlich wie ach so emanzipierte und selbstbeweusste Frauen immer wieder nach Frauenförderung schreien.
gruß
Klasse, Bruno! (n/t)
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief von Bruno am 30. Juli 2003 21:37:35:
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 30. Juli 2003 20:01:18:
Hallo Anabasis!
Mit der Aufhebung von Flächentarifverträgen ist das so eine Sache. Den Gewerkschaften wird heute oft vorgeworfen, daß sie Reformen verhindern würden. Und tatsächlich ist durchaus auch etwas Wahres dran, wenn gesagt wird, daß auch Gewerkschaftsfunktionäre zuallererst den Erhalt der eigenen Machtpositionen im Auge haben.
Man muß aber auch mal bedenken, daß Gewerkschaften nicht ohne Grund gebildet worden sind. Und daß sie sehr viel für die Arbeiter und Angestellten erreicht haben. Wenn man die Verhältnisse im Frühkapitalismus mit den heutigen Verhältnissen vergleicht, ist doch unübersehbar, daß es uns heute deutlich besser geht. Alle diese Verbesserungen mußten aber erst einmal erkämpft werden, denn Unternehmen und Regierungen haben kaum etwas davon freiwillig gewährt.
Wenn man nun die Gewerkschaften und auch Tarifverträge usw. komplett abschaffen würde, dann hätten wir bald wieder Zustände wie im Frühkapitalismus.
Natürlich kann man darüber reden, das Lohnniveau in Deutschland zu senken. Das geht aber nur, wenn gleichzeitig auch die Lebenshaltungskosten, also Mieten, Gebühren, Steuern, Preise usw. im gleichen Maße sinken. Erfahrungsgemäß werden sie das aber nicht. In Rußland sieht man das deutlich. Auch in den USA ist es mittlerweile durchaus üblich, daß jemand zwei Vollzeit-Jobs gleichzeitig hat - und trotzdem kaum die Lebenshaltungskosten bezahlen kann.
Man muß dabei auch bedenken, daß zumindest für Großunternehmen die Profite immer stärker gestiegen sind als die Löhne und Gehälter. Auch in Zeiten, als es zuweilen Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich gab.
Es ist auch ein Märchen, daß Unternehmen in Deutschland die höchsten Steuern zahlen. Hoch sind in Deutschland lediglich die Nominalsteuern. Die tatsächlich gezahlten Steuern sind durch ein auch für Fachleute längst völlig undurchsichtiges Wirrwarr aus Abschreibungsmöglichkeiten und ähnlichen Vergünstigungen deutlich niedriger. Davon profitieren vor allem Großunternehmen, weil nur die es sich leisten können, ganze Stäbe von Anwälten und Steuerfachleuten nur dafür zu bezahlen, daß sie immer sofort neue Schlupflöcher und Fördertöpfe ausfindig machen, und weil auch nur sie sich mächtige Lobbies in der Spitzen-Politik leisten können.
Ende der 90er Jahren lagen die von der deutschen Wirtschaft real zu zahlenden Steuern jedenfalls unter dem Niveau der USA oder Großbritanniens. Unter den wichtigsten Industrienationen lag Deutschland bei den Real-Steuern für Unternehmen überhaupt weit hinten, nur beispielsweise in Holland waren noch weniger Steuern fällig.
Die Hauptsteuerlast der Wirtschaft wird in Deutschland jedoch von mittleren und kleinen Unternehmen getragen. Aber auch das ist nicht die Haupteinkommensquelle für den Staat. Nein, die größte Einnahmequelle ist die Lohnsteuer. Das bedeutet, daß nicht die Wirtschaft, sondern Lohn- und Gehaltsempfänger die meisten Steuern zahlen.
Senkt man ihnen also die Einkommen, sinken auch die Einkommen des Staates deutlich. Da die Lebenshaltungskosten aber bei weitem nicht in gleichem Maße sinken werden, würde man immer mehr Menschen damit in die Situation bringen, daß sie auch mit mehreren Jobs nicht mal mehr die Miete zahlen können. Im Osten arbeiten manche Einzelhandelsverkäufer(innen) jetzt schon für 400-500 Euro im Monat, und das bei einer 6-Tage-Arbeitswoche. Wenn die Menschen aber weniger Geld zur Verfügung haben, wirkt sich das natürlich fatal auf den Konsum aus.
Das ist nämlich auch ein Grund für die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland. Seit Anfang der 80er Jahre hat die Kohlregierung eine enorme Umverteilung von Vermögen von unten nach oben vorgenommen, die dann unter Schröder munter fortgesetzt wurde. Anfang der 80er Jahre betrug die Steuerbelastung für die Wirtschaft ca. 20 %, die Steuerbelastung für Lohn- und Gehaltsempfänger etwa 30 %. Das war noch ein einigermaßen gesundes Verhältnis. Ende der 90er Jahre lag die reale Steuerbelastung für die Wirtschaft dann nur noch bei etwa 7 %, für Lohn und Gehaltsempfänger aber schon bei knapp unter 50 %.
Dazu kamen dann noch der Rationalisierungsprozeß in der Wirtschaft, der mehr und mehr menschliche Arbeitskräfte überflüssig machte. Zwar wurden durch neue Technologien immer wieder auch neue Arbeitsplätze geschaffen, aber in der Regel überstieg der Abbau von Arbeitsplätzen den Zuwachs, denn genau das ist ja Sinn und Zweck von Rationalisierungsmaßnahmen.
Und dann kamen ab 1990 noch die verheerenden Fehler dazu, die aus Profitgier bei der deutschen Vereinigung begangen wurden.
Die Großunternehmen interessiert es herzlich wenig, wenn der deutsche Binnenmarkt durch Lohnsenkungen und Steuererhöhungen immer weiter geschwächt wird. Für die ist Deutschland nur ein Markt von vielen. Die bezeichnen sich selbst als "Global Player", und Asien - insbesondere China - ist für die eh der Markt der Zukunft. Also würde auch ein Großteil des Zusatz-Profites, den sie durch Lohnsenkungen einfahren würden, flugs in China investiert werden. Und ganz egal, wie tief die Löhne hier sinken: In China werden sie zumindest in den nächsten 10-20 Jahren trotzdem niedriger sein. Außerdem ist das Lohnniveau keineswegs der Hauptgrund für die Abwanderung der deutschen Wirtschaft ins Ausland. Der Hauptgrund besteht einfach darin, daß man auf wichtigen Märkten eben auch produzieren möchte. Und je niedriger die Einkommen in Deutschland werden, umso unwichtiger wird der deutsche Binnenmarkt für die Großunternehmen...
Diese Sache mit den Streiks im Osten fand ich auch fehl am Platze. Es macht keinen Sinn, sich für Tarifverträge einzusetzen, die für Arbeiter und Angestellte noch günstiger sind, wenn schon die bestehenden Verträge kaum eingehalten werden. Ich kenne nicht viele Leute, die wirklich nur 35 oder 37 Stunden arbeiten.
Und ich kenne Leute, die sogar gern für 5 Euro pro Stunde arbeiten würden - sie finden nur keinen Job.
Freundliche Grüße
von Garfield
Frage
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Hallo.
Okay, also man ist ja gewohnt, daß Frauen aus den eigenen Reihen, die es an die Spitze geschafft haben und "endlich selbst Entscheidungen treffen" dürfen, von da an als "Marionetten des Patriarchats" diskreditiert werden. Aber das hat mich dann doch interessiert - vielleicht könnte ja jemand mein lückenhaftes Geschichtsbild um einen Aspekt erweitern: Wann, wo und wofür nochmal sind die vielen Frauen in den Gefängnissen gestorben?
Freundliche (& interessierte) Grüße, Andreas
Re: Frage
Als Antwort auf: Frage von Andreas (der andere) am 31. Juli 2003 11:00:22:
Wann, wo und wofür nochmal sind die vielen Frauen in den Gefängnissen gestorben?
Ich bin mir nicht 100%ig sicher, aber da sich diese Formulierung ja auf das Frauenwahlrecht bezog:
- Von den englischen Suffragetten, die Ende der 19ten Jahrhunderts z. T. durchaus auch physisch für das Frauenwahlrecht kämpften, kamen so manche ins Gefängnis. Gut möglich, daß einige dann dort auch gestorben sind.
- In Deutschland war es ja v. a. die Sozialdemokratie, die zu Kaisers Zeiten mit dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht ganz nebenbei auch das Frauenwahlrecht forderte und 1918 durchsetze. Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen waren damals natürlich wegen aller möglichen Gründe öfters im Gefängis. Dabei können dann wohl auch einige Frauen im Gefängis gestorben sein.
Aber erstens kamen Sozialdemokratinnen nicht speziell wegen der Frauenwahlrechstforderung ins Gefängnis, sondern wie ihre männlichen "Genossen" wegen der üblichen "sozialdemokratischen Umtriebe" (Majestätsbeleidigung, Landesverrat, Anzettelung öffentlicher Tumulte ect.) Und zweitens wurde die Revolution von 1918, die UNTER ANDREM auch das Frauenwahlrecht brachte, ganz überwiegend von Männern gemacht (v. a. Soldaten, die keine Lust mehr hatten auf den 1. Weltkrieg). Wenn Frauen 1918 auf die Straße gingen, dann v. a. dafür, daß die Regierung endlich ihre Männer aus dem Krieg zurückholen und etwas zur Verbesserung der Versorgungslage vor allem in Hinblick auf ihre Kinder tun sollte. Schock für heutige Feministinnen: Diese Frauen gingen gewissermaßen für das Wohl ihrer Familien auf die Straße *g*
Zustimmung (n. T.) (n/t)
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 31. Juli 2003 09:50:09:
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 31. Juli 2003 09:50:09:
Das sind aber alles nur Argumente für die Notwendigkeit starker Gewerkschaften (von mir unbestritten), aber keine gegen die Abschaffung der Flächentarifverträge. Das Problem dieser Form der Gehaltsfestlegung ist, daß es extrem unterschiedliche Firmen versucht, über einen Kamm zu scheren. Der Effekt ist heute, daß kleine Firmen längst aus dem Arbeitgeberlager ausgestiegen sind und damit garkeiner Tarifstruktur mehr unterliegen. Und wenn sie klein genug sind, wird da auch keine Gewerkschaft einen Haustarif durchsetzen können. Da liegt das Problem. Der Flächentarifvertrag stützt die Rechter der Arbeitnehmer in Großunternehmen auf Kosten derer, die in kleinen Unternehmen beschäftigt sind.
Die Mitgliedschaft im Arbeitnehmerverband hätte für manchens kleine Unternehmen schon Vorteile, aber der Nachteil, sich der an den großen ausgerichteten Tarifpolitik orientieren zu müssen, hebt alle Vorteile wieder auf.
Und Großunternehmen sind für die Gewerkschaften natürlich interessanter, denn da winken Posten: freigestellter Betriebsrat, Aufsichtsrat ...
Gruß
Dieter
Streit-Thema Flächentarifvertrag
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Dieter am 31. Juli 2003 15:30:00:
Das sind aber alles nur Argumente für die Notwendigkeit starker Gewerkschaften (von mir unbestritten), aber keine gegen die Abschaffung der Flächentarifverträge. Das Problem dieser Form der Gehaltsfestlegung ist, daß es extrem unterschiedliche Firmen versucht, über einen Kamm zu scheren. Der Effekt ist heute, daß kleine Firmen längst aus dem Arbeitgeberlager ausgestiegen sind und damit garkeiner Tarifstruktur mehr unterliegen. Und wenn sie klein genug sind, wird da auch keine Gewerkschaft einen Haustarif durchsetzen können. Da liegt das Problem. Der Flächentarifvertrag stützt die Rechter der Arbeitnehmer in Großunternehmen auf Kosten derer, die in kleinen Unternehmen beschäftigt sind.
Ich meine, unter den heutigen wirtschaftlichen Vorzeichen von tendenziell abnehmenden Wachstumsraten und verschärftem Wettbewerb zwischen Unternehmen wie Arbeitnehmern/Arbeitssuchenden setzen starke Gewerkschaften den den Flächentarif voraus. Denn:
Sicher gibt es kleine Unternehmen mit schwacher Auftragslage, die nicht die gleichen Löhne zahlen können wie die bekannten Großkonzerne, aber es fällt doch auf, daß diejenigen die in der Öffentlichkeit am lautesten vernehmbar klagen, jene Großkonzerne sind, die sogar durchaus höhere Löhne zahlen könnte.
Diese Großkonzerne KÖNNTEN zwar bei einer Aufhebung des Flächentarifs höhere Löhne zahlen, aber sie wissen: sie BRÄUCHTEN es nicht, im Gegenteil: Sie könnten mit Hinweis auf die weniger verdienenden Arbeitnehmer in den ertragsschwächeren Firmen dann auch in ihren gutlaufenden Betrieben die Löhne nach unten drücken. Die "Flexibilisierung" der Löhne würde zu einer Ausdifferenzierung der Löhne AUF INSGESAMT NIEDRIGEREM NIVEAU führen.
D. h., wenn die Löhne durch abnehmende Wachstumsraten und Arbeistkräfte-Überangebot unter Druck geraten, können Gewerkschaften den Lebensstandard der Mehrheit der Bevölkerung nur dann halbwegs stabil halten, wenn die Belegschaften an allen Standorten als EIN "Kartell" verhandeln, eben im Flächentarif.
Es stimmt, daß die Arbeitslosen davon erstmal nix haben. Aber denen würde auch beim Aufbrechen des Flächentarifsvertrags lediglich prekäre Beschäftigungsverhältnisse winken. Ich meine, das Problem der Arbeitslosigkeit, sollte getrennt vom Flächentarif-Thema gesehen werden und statt dessem über ARBEITSZEITVERKÜRZUNGEN gelöst werden ... was ebenfalls wieder den Flächentarif voraussetzt!
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Dieter am 31. Juli 2003 15:30:00:
Hallo Dieter!
Das ist ja alles durchaus nicht falsch. Das Problem ist aber: Ohne Flächentarifverträge wird es sehr viel mühseliger, überhaupt noch irgendwelche Tarifverträge abzuschließen. Dann muß das nämlich in jedem Unternehmen einzeln geschehen, was eine endlose Verzettelung der Kräfte von Gewerkschaften und Beschäftigten bedeuten und außerdem auch der Wirtschaft durch ständige kleinere Streiks schaden würde.
Wie Lars schon geschrieben hat, sind es ja vor allem die Großkonzerne, die immer laut und vernehmlich jammern und die schlechte Situation mancher kleiner und mittlerer Unternehmen (die sie oft wesentlich mit verschuldet haben) dafür als Vorwand vorschieben. Viele kleine und mittlere Unternehmen sind ja gar nicht im Arbeitgeberverband drin und somit interessieren sie die Tarifverträge auch kaum.
Tatsächlich geht es den Großunternehmen nur darum, die bestehenden Tarifvertäge möglichst auszuhöhlen. Sie wissen genau, daß ein Wegfall der Flächentarifverträge die Position der Beschäftigten angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit enorm verschlechtern würde. Jetzt müssen sie Tariflöhne zahlen, wenn sie im Arbeitgeberverband bleiben wollen. Gäbe es diese Flächentarife nicht mehr, würden viele Großunternehmen sofort einen großen Teil ihrer Belegschaft zu Personalgesprächen zitieren und sie vor die Wahl stellen, entweder weniger Lohn zu akzeptieren oder zu gehen. Und die Bosse in den Chefetagen wissen genau, daß die allermeisten Beschäftigten Lohnkürzungen angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt akzeptieren müßten. Und wer's nicht akzeptiert, kann aus dem Millionen-Heer der Arbeitslosen problemlos ersetzt werden.
Das würde also eine weitere Senkung der Einkommen bewirken, die Kaufkraft würde weiter zurückgehen und der deutsche Binnenmarkt würde noch mehr geschwächt werden. Die Großunternehmen würden die zusätzlichen Profite im Ausland investieren, und wenn sie hier kaum noch etwas verkaufen könnten, wären sie ganz fix weg aus Deutschland.
Die derzeit schlechte Situation in Deutschland wird ja auch dadurch verursacht, daß die Wirtschaft sich an wachsende Märkte gewöhnt hat und jetzt einfach nicht umdenken will. Jahrzehntelang war es so, daß die Einkommen stiegen und die Menschen sich immer mehr leisten konnten und wollten. Viele Produkte wurden so immer aufwändiger und teurer. Beispiel Autos: Die ersten VW Golf waren kleiner als heute ein VW Lupo. Sieh dir mal an, was der Golf heute für ein Schlachtschiff ist. Meine Verlobte fährt einen Golf IV. Damit standen wir neulich mal neben einem langen Ford-Kombi und haben mit Erstaunen festgestellt, daß der Golf tatsächlich genauso lang ist wie dieser Kombi.
Als die Real-Einkommen dann stagnierten und schließlich zu sinken begannen, löste man das Problem nicht etwa dadurch, daß man wieder einfacherere und damit preisgünstigere Produkte herstellte. Nein, man führte Ratenzahlungen, Leasing usw ein. Auch jetzt, wo immer mehr Menschen arbeitslos sind, und die Wirtschaft versucht, die Löhne und Gehälter weiter zu drücken, setzt man für den deutschen Markt stur weiter auf hochwertige, teure Produkte, weil damit die Profitspanne am höchsten ist.
In China kann man Neuwagen für 4000 Euro verkaufen - in Deutschland geht das merkwürdigerweise nicht. Das liegt keineswegs nur an den höheren Lohnkosten. (Die werden ohnehin teilweise durch stärkeren Einsatz von Robotern und Computern ausgeglichen.) Es liegt einfach daran, daß hierzulande diverse Extras wie ABS, Klimaanlage usw. oftmals schon zur Serienausstattung gehören. So ein 4000-Euro-Auto aus China hat das alles natürlich nicht. Obendrein werden Autos in Deutschland auch noch grundsätzlich teurer verkauft als im Ausland. Alles für den Maximal-Reibach.
Nun gibt es ja noch sehr naive Zeitgenossen, die dazu sagen, daß ja dann, wenn die Menschen billige Autos wollen würden, jederzeit jemand ein Unternehmen gründen und solche billigen Autos produzieren könne. Natürlich ist das aber angesichts der marktbeherrschenden Stellung der großen Automobilkonzerne ganz und gar unmöglich.
Die deutschen Großunternehmen sollten endlich die Zeichen der Zeit erkennen und mehr preisgünstige Produkte für Kunden mit niedrigem Einkommen anbieten. VW kann in Werbespots noch so oft behaupten, daß der Beatle das Herz auf demselben Fleck hätte wie der Käfer: Dadurch werden sie kaum neue Kunden gewinnen. Natürlich setzt dieser Werbespot auf gut verdienende Menschen, die in ihrer Jugend Käfer gefahren sind. Aber der Käfer war nicht so erfolgreich, weil ihn alle so toll und niedlich fanden, sondern weil er so preiswert war. Der Beatle ist das nicht, und deshalb wird er auch niemals ein Kultauto werden.
Mit dem Smart sieht das genauso aus. Die Idee war ja an sich nicht schlecht. Ein kleines wendiges Auto, mit dem man überall einen Parkplatz findet und das auch günstig im Unterhalt ist, suchen viele Menschen. Aber der Smart ist einfach zu teuer. "Für das Geld kriegt man ja schon ein richtiges Auto", sagte einer meiner Kollegen neulich dazu. Wenn man ihn für 4000 Euro mit weniger hochwertiger Ausstattung angeboten hätte, dann hätte aus dem Smart ein neuer Käfer werden können. Aber so...
Es sind eben die Profitinteressen, die da blockieren. Wenn man ein sehr preiswertes Produkt anbietet, erreicht man damit keine hohe Gewinnspanne. Darüberhinaus ist dieses Produkt immer auch Konkurrenz für die eigenen Produkte in der mittleren Preisklasse. Also läßt man's eben, ignoriert die Zeichen der Zeit und tut so, als würde es jetzt ewig so weitergehen wie in den letzten Jahrzehnten.
Aber es wird nicht so weitergehen. Und das bekommt die Wirtschaft ja auch langsam zu spüren. Aber anstatt daraus die richtigen Lehren zu siehen, flüchtet man sich in Wunschdenken und wartet auf den Aufschwung, der nie kommen wird.
Mein Vater hat so etwa 1990/91 mal mit einem Autohändler bei Rostock geredet. Der hatte gerade einen Vertrag mit Chrysler abgeschlossen und auf seinem Hof standen nun einiger dieser Riesen-Autos herum. Mein Vater fragte ihn, wem er die denn verkaufen will. Viele Leute in der Gegend waren arbeitslos und konnten sich so ein teures Auto absolut nicht leisten. Der Autohändler sagte dazu nur: "Ach was, die Leute haben Geld!" Etwa ein Jahr später hat er den Vertrag mit Chrysler gekündigt und dafür einen mit Suzuki abgeschlossen. Weil er von den teuren Chrysler-Autos nämlich so gut wie nichts verkauft hat und wohl fast pleite gegangen wäre.
Er hat wenigstens noch die Kurve bekommen, aber bei den deutschen Großunternehmen wird es wohl noch etwas dauern, bis sie die Zeichen der Zeit erkennen. Bis dahin werden sie weiter die Auswirkungen ihres eigenen Versagens auf die angeblich so hohen Löhne in Deutschland abschieben und so fleißig an dem Ast sägen, auf dem wir alle sitzen.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 31. Juli 2003 19:58:28:
Hallo Garfield,
wie funktioniert denn die Wirtschaft? Im TAZ-Artikel ist klargestellt, dass mächtige Patriarchen sich gegen Frauen verschwören. Wenn ich Deine Stellungnahmen lese, habe ich den Eindruck, Du ersetzt die Patriarchen durch die Multis. Klar, die wollen Geld verdienen. Aber auch die Multis können die Ökonomie nicht außer Kraft setzen!
Kein Automanager kann einen Kunden zwingen, einen teueren Golf zu kaufen. Ich fahre Starlett! Und wenn Deutschland ein Markt für 4.000 EUR-Autos wäre, hätten die Japaner, Inder... schon längst zugeschlagen.
Ein Unternehmer hätte nicht alle Tassen im Schrank, wenn er seine qualifizierten Mitarbeiter solange im Lohn drückt, bis sie endlich zur Konkurrenz wechseln. Eine Firma, die einen hire and fire Ruf hat, wird den so schnell nicht wieder los. Wie will die noch qualifiziertes Personal rekrutieren?
Das deutsche Tarifrecht ist ein kompliziertes Wirrwarr. Peoplesoft (Software für Human Ressources) hat den Sprung nach Deutschland anfangs nicht geschafft, weil die Programmierer durch die deutsche Materie nicht durchgestiegen sind. Was spricht dagegen, dass ich mit meinem Chef ein Gehalt aushandle, welches jährlich neu verhandelt wird? Warum rechnen wir das Jahreseinkommen nicht auf 12 Monatsgehälter um? Warum kann ich mich nicht privat krankenversichern? Warum zwingt man mich in das betrügerische Schneeballsystem namens Rentenversicherung? Sollte ich nicht lieber selber für schlechte Zeiten sparen, statt in diese absurde Arbeitsverwaltung einzuzahlen (80.000 Mitarbeiter!)
Der TAZ-Artikel forderte weitere Regulierungen, Frauenförderung etc. Das lässt die Wirtschaft blau anlaufen.
Warum nicht deregulieren? Das schafft Freiräume. Und schafft Arbeitsplätze. Und Vollbeschäftigung ist eine bessere Absicherung als jede Regulierung von was auch immer.
Gruß Anabasis
ot: starlet
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 31. Juli 2003 21:47:08:
hallo anabasis,
ich fahre auch seit 1980 starlet. mittlerweile seit 1991 den zweiten. superqualität, die japsen!
viele grüße,
hotstepper
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 30. Juli 2003 20:01:18:
Zustimmung!
Schöne Grüße,
Manfred
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 31. Juli 2003 21:47:08:
Hallo Anabasis!
Wieso nicht deregulieren? Nun, im 19. Jahrhundert war gar nichts reguliert. Damals arbeiteten die Beschäftigten 12 Stunden täglich oder noch mehr, und das an 6 Tagen in der Woche. Die Unternehmer hätten sie gern auch 7 Tage pro Woche arbeiten lassen, allerdings war die Kirche dagegen. Und das alles für einen Hungerlohn, der kaum zum Leben reichte.
Es hat damals durchaus Unternehmer gegeben, die einsahen, daß es so nicht gehen kann. Sie gaben ihren Beschäftigten mehr vom Profit ab, zahlten also bessere Löhne, schufen bessere Arbeitsbedingungen, bauten Wohnungen für die Mitarbeiter usw. In der Regel gingen sie dann bald pleite, weil die Unternehmen, die das alles nicht taten und ihre Beschäftigten weiterhin rücksichtslos ausbeuteten, natürlich billiger produzieren konnten und diese sozial fortschrittlichen Unternehmen dann ziemlich schnell vom Markt verdrängten. Deshalb sind diese Unternehmer als utopische Sozialisten in die Geschichte eingegangen.
Die unter dem Druck von Arbeitern und Gewerkschaften nach und nach eingeführten Regulierungen hatten dann nicht nur den Sinn, die Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern, sondern sie hatten auch den Zweck, Unternehmen, die ihre Mitarbeiter besser behandeln, eine akzeptable Marktposition zu sichern - einfach indem diese Regulierungen für alle galten.
Schafft man diese Regulierungen nun komplett ab, so werden einige Unternehmen sofort jegliche Rücksichtsnahme auf ihre Arbeiter und Angestellten vergessen, die Löhne knallhart herunterdrücken und die Arbeitszeiten erhöhen. Und die Unternehmen, die das aus Humanität nicht mitmachen, werden durch Pleite bestraft werden.
Viele Menschen machen heute den Fehler, unseren Wohlstand für selbstverständlich zu halten. Tatsächlich ist er überhaupt nicht selbstverständlich. Das, was wir heute vielen anderen Ländern voraus haben, wurde entweder hart erkämpft oder aber ist durch glückliche Umstände eingeführt worden. Wenn wir darauf nun leichtfertig verzichten, werden sich sehr viele Menschen bald sehr wundern. Und zwar auch in der Wirtschaft.
Dann hast du noch geschrieben, daß es durch den freien Markt doch kein Problem wäre, ein 4000-Euro-Auto in Deutschland auf den Markt zu bringen, wenn die Kunden das wollen.
Es stimmt, daß das auf einem freien Markt kein Problem wäre. Im Automobilsektor gibt es aber in Deutschland keinen freien Markt mehr. Der Markt wird von großen Konzernen beherrscht, die keine Innovationen durch kleinere Unternehmen dulden.
Wenn wir einen freien Markt hätten, könnte jederzeit jemand eine Fabrik aufbauen und dort 4000-Euro-Autos bauen. Da wir aber eben keinen freien Markt mehr haben, würde der Besitzer oder Direktor solch einer Fabrik noch nicht einmal Zulieferer finden. Auch wenn so manches Unternehmen ihn gern beliefern würde - wenn dann von VW, BMW oder Daimler-Chrysler ein Schreiben mit der Drohung kommt, in dem Fall sämtliche Aufträge sofort zu stornieren, wird man sich auf jeden Fall dagegen entscheiden.
Das Problem ist eben, daß, wenn große Unternehmen den Markt beherrschen, eine Art Konsens zwischen ihnen hergestellt wird, mit dem Ziel, den Status Quo zu erhalten und das Preisniveau ebenfalls. Teilweise wird das tatsächlich auch vertraglich festgelegt.
Bei den großen Mineralölkonzernen sieht man das besonders deutlich. Die erhöhen immer fast gleichzeitig die Preise, wobei immer ein anderer Konzern den ersten Schritt tut. Nun könnte man ja sagen, daß es ja auch noch freie Tankstellen gibt. Diese freien Tankstellen beziehen ihr Benzin aber auch nur von den großen Mineralölkonzernen, bekommen somit die Preiserhöhungen also auch mit diktiert und können deshalb immer nur ein paar Cent billiger sein, und das auch nur auf Kosten ihrer eigenen Profitspanne.
Wenn es nun ein staatliches Unternehmen gäbe, das Benzin produziert und auch ein eigenes Tankstellen-Netz betreibt, und wenn dieses Unternehmen z.B. die bei den großen Mineralölkonzernen übliche Praxis, zufällig immer kurz vor den Feiertagen die Preise zu erhöhen, nicht mitmachen würde, dann hätten wir dort so etwas wie einen freien Markt mit echter Konkurrenz. Dann könnten sich die Mineralölkonzerne nicht mehr frei fast alles erlauben.
Diese Erkenntnis ist durchaus nicht neu. Schon vor 100 Jahren war das allgemein bekannt. Aus diesem Grunde ließen die Regierungen von Industriestaaten wie Großbritannien, Deutschland oder die USA staatliche Werften bauen. In früheren Zeiten, als es nur private Werften gab, sprachen die sich nämlich grundsätzlich die Preise untereinander ab, mit dem Ziel, sie möglichst hoch zu treiben. Da die Marinerüstung so immer teurer wurde, blieb nichts anderes übrig, als staatliche Werften zu bauen und damit den Markt durch echte Konkurrenz wieder frei zu machen.
Und das ist etwas, das heute in Deutschland auch nötig wäre. Es darf in keinem Sektor nur staatliche Unternehmen geben. Das würde so enden wie in der DDR. Aber es darf auch nirgendwo nur private Unternehmen geben - das führt dann nämlich auch zu Zuständen wie in der DDR. Bei vielen kleinen privaten Unternehmen ist die Konkurrenz noch da, aber sobald der Konzentrationsprozeß so weit fortgeschritten ist, daß es nur noch wenige Großkonzerne gibt, dann sieht das eben anders aus. Großunternehmen haben nicht mehr viel zu gewinnen, dafür aber viel zu verlieren. Allein das senkt ihre Risikobereitschaft deutlich. Und wenn es soweit gekommen ist, daß nur noch zwei Unternehmen einen Markt ganz oder fast ganz beherrschen (wie z.B. Intel und AMD), dann darf keines dieser Unternehmen das andere komplett vom Markt verdrängen, weil es danach immer wieder kartellrechtliche Probleme bekommen würde. Somit ist es dann in diesem Fall für die beteiligten Unternehmen viel besser, wenn man sich insgeheim die Märkte aufteilt, den Status Quo erhält, sich vieles untereinander abspricht und Konkurrenzkampf nur noch zum Schein stattfindet, um Probleme mit dem Kartellamt zu vermeiden.
Innovation bliebt dabei natürlich auf der Strecke. Warum als erster ein Brennstoffzellen-Auto auf den Markt bringen, wenn auch sonst niemand Eile damit zeigt? Zumal solch ein Projekt ja auch Risiken mit sich bringt. Man müßte für solche Autos ein neues Tankstellennetz aufbauen; wenn man sich für Wasserstoff als Treibstoff entscheidet, gibt es das Problem, daß Wasserstoff sich noch nicht wirklich billig und umweltschonend produzieren läßt usw. Es wäre also möglich, daß das Ganze ein Flop wird und man damit Milliarden in den Sand setzt. Also forscht man auf dem Gebiet zwar weiter - aber nur, weil man dafür Geld vom Staat bekommt. Man kann ja momentan auch mit konventionellen Autos noch einigermaßen gute Profite machen, und wenn die Situation schlechter wird, kann man ja vielleicht irgendwann mal das Brennstoffzellen-Auto doch noch aus dem Hut zaubern... Aber solange niemand sonst Anstalten dazu macht, bleibt man lieber auf der sicheren Seite und läßt die Finger davon, während das erste deutsche U-Boot mit Brennstoffzellenantrieb schon längst durch die Meere schippert.
Du hast noch geschrieben, daß Unternehmen es sich nicht leisten könnten, Mitarbeiter durch niedrige Löhne an Konkurrenten zu verlieren. Das trifft nur in Bereichen zu, in denen es tatsächlich Arbeitskräftemangel gibt. Davon gibt es aber immer weniger. Sehr gut qualifizierten Mitarbeitern wird man natürlich weiterhin akzeptable Gehälter zahlen, aber die große Masse der Arbeiter und Angestellten mit durchschnittlicher Qualifikation ist angesichts der katastrophalen Lage auf dem Arbeitsmarkt heute problemlos austauschbar und würde deutliche Einkommenseinbußen hinzunehmen haben, wenn man sämtliche Tarifverträge und sonstige Regulierungen abschaffen würde. Die damit einhergehende enorme Schwächung der Kaufkraft würde sich dann wiederum massiv auf den deutschen Binnenmarkt auswirken. Trotzdem würden die Lebenshaltungskosten bei weitem nicht so schnell sinken wie die Einkommen, was sehr viele Menschen ohne eigenes Verschulden zu Sozialfällen machen würde. Die staatlichen und sonstigen öffentlichen Kassen würde dabei erstens weniger Lohnsteuern einnehmen und hätten zweitens durch die zunehmenden Sozialfälle höhere Kosten.
Obendrein gibt es keinerlei Garantie dafür, daß die Unternehmen die somit erreichten höheren Profite hier in Deutschland investieren würden. Warum sollten sie das tun, wenn der deutsche Binnenmarkt durch sinkende Kaufkraft immer unattraktiver wird? Also würden diese auf Kosten der Beschäftigten in Deutschland erzielten Profite fröhlich ins Ausland fießen, und die Arbeitslosigkeit würde hier noch weiter steigen.
Aufgabe des Staates ist es, das Gleichgewicht zwischen den Wünschen der Wirtschaft und den Wünschen der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Wenn man einer Seite dabei total nachgibt, dann gibt es dieses Gleichgewicht sehr schnell nicht mehr, mit dem Ergebnis, daß die ganze Wirtschaft wie ein Kartenhaus zusammen brechen kann.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas-Mein Leserbrief von Bruno am 30. Juli 2003 21:37:35:
Kurz, faktenreich und unbequem - so muß ein Leserbrief sein 
Re: "NOTARZT !"
Als Antwort auf: "NOTARZT !" von pit b. am 30. Juli 2003 23:42:27:
Ich finde es peinlich wie ach so emanzipierte und selbstbeweusste Frauen immer wieder nach Frauenförderung schreien.
gruß
Meine Vermutung schon seit längerem: Frau-sein ist eine Behinderung, die durch viel Förderung ausgeglichen werden muß!
PS: Nein, Jolanda, bitte kein Kommentar! Das war Satire 
Re: "NOTARZT !"
Als Antwort auf: Re: "NOTARZT !" von Odin am 01. August 2003 20:46:35:
Ich finde es peinlich wie ach so emanzipierte und selbstbeweusste Frauen immer wieder nach Frauenförderung schreien.
gruß
Meine Vermutung schon seit längerem: Frau-sein ist eine Behinderung, die durch viel Förderung ausgeglichen werden muß!
PS: Nein, Jolanda, bitte kein Kommentar! Das war Satire
http://skirtman.virtualave.net/bes_pics/autorep.jpg
Nicht in jeden Beruf können sie hineingefördert werden.*sfg*
Gruss,
Ferdi
Re: "NOTARZT !"
Als Antwort auf: Re: "NOTARZT !" von Ferdi am 01. August 2003 21:10:02:
Hallo Ferdi,
auch wenn ich das Foto durchaus amüsant finde, möchte ich Dich darum
bitten, nach Möglickeit keine themenfremden Bilder ins Forum zu setzen.
Du kannst ja auch einen Link darauf legen. Dann kann jeder selbst
entscheiden, ob er das Bild ansehen möchte oder nicht.
Bitte bedenke, daß nicht jeder einen DSL-Anschluß hat.
Gruß, Jörg
Sorry! Geht in Ordnung. (o.T.)
Als Antwort auf: Re: "NOTARZT !" von Jörg am 01. August 2003 21:23:49:
.
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 01. August 2003 10:14:46:
Hallo Garfield,
Du stellst fest:
Viele Menschen machen heute den Fehler, unseren Wohlstand für selbstverständlich zu halten. Tatsächlich ist er überhaupt nicht selbstverständlich. Das, was wir heute vielen anderen Ländern voraus haben, wurde entweder hart erkämpft oder aber ist durch glückliche Umstände eingeführt worden. Wenn wir darauf nun leichtfertig verzichten, werden sich sehr viele Menschen bald sehr wundern. Und zwar auch in der Wirtschaft.
Dazu meine ich:
Unser Wohlstand ist nicht durch Verteilungskämpfe entstanden. Er ist durch wissenschaftlich/technischen Fortschritt entstanden. Die größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts entstanden durch Kapitalismuskritik von links und rechts und deren Umsetzung. Der Club of Rome hat uns weltweite Hungersnöte vorausgesagt. Gekommen ist die grüne Revolution. Gehungert wird nur noch dort, wo Menschheitsbeglücker am Werk sind (Simbabwe, Nordkorea...).
Zwischen 1750 und 1910 wuchs die Bevölkerung in Deutschland von 18 Mil. auf 58. Mil. an, ohne dass nennenswerte Produktivitätssteigerungen stattgefunden hatten. Zwischen 1450 und 1800 war der Reallohn um die Hälfte gesunken. Mit dem Aufkommen der Fabriken stieg er im 19. Jhd um mehr als das Doppelte und verdoppelte sich erneut zwischen 1900 und 1925. Die Agrargesellschaft stand zu Beginn der Industrialisierung vor dem Hungertod! Das Elend auf dem Land wurde durch die Industrialisierung sichtbar gemacht und dann aufgehoben! ("Das Mephisto Prinzip", S.27,f).
Du weist auf folgendes hin:
Obendrein gibt es keinerlei Garantie dafür, daß die Unternehmen die somit erreichten höheren Profite hier in Deutschland investieren würden. Warum sollten sie das tun, wenn der deutsche Binnenmarkt durch sinkende Kaufkraft immer unattraktiver wird? Also würden diese auf Kosten der Beschäftigten in Deutschland erzielten Profite fröhlich ins Ausland fließen, und die Arbeitslosigkeit würde hier noch weiter steigen.
Hierzu merke ich an:
Produziert wird dort, wo die Produktion am effektivsten ist, nicht dort, wo konsumiert wird. Talentierte Dienstleister, die Dein Produkt als innovatives Ingenieurbüro oder flexible kleine Gießerei zur Serienreife bringen, Finanzdienstleister (Horroralptraum aller Gutmenschen), die Dein Projekt günstig kreditfinanzieren, ausgefeilte Logistik (all die Grünenalpträume wie Autobahnen und Flughäfen) und gut ausgebildete Arbeitskräfte, die eine millionenteuere Maschine nicht in einen Schrotthaufen verwandeln sind die deutschen Standortfaktoren, die wir leider zur Zeit durch erhebliche Nachteile im Steuer- und Sozialrecht blockieren.
Wir schlachten zur Zeit die Gans, die goldene Eier legt. Dabei sehe ich Parallelen zwischen Feminismus, Globalisierungs- und Kapitalismuskritikern und der Öko-Bewegung. Alle haben einen Teufel als Gegner. Mal ist es der profitgierige weiße Mann, mal der Mann an sich. Alle sind sich einig, dass es ein Skandal ist, dass nicht die Philosophen und Dampfplauderer des Feuilletons im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, sondern schnöde Händler und Fabrikanten. Wenn diesen bösen Männern nicht in den Arm gefallen wird, wenn die materiellen Begierden nicht unter die Herrschaft des Geistes gestellt werden, da sind sich Kampflesbe, Links-/Rechtsradikaler, Globalisierungsgegner und Öko einig, drohen der Gesellschaft Kriege, Gewalt, Umweltzerstörung und unsägliches soziales Elend.
Gruß Anabasis
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 03. August 2003 10:17:13:
Hallo Anabasis!
Natürlich ist unser Wohlstand auch Ergebnis der technologischen Fortschrittes. Dieser technologische Fortschritt setzte aber immer erst dann ein, wenn die Bedingungen dafür durch die Regierungen geschaffen worden waren.
Du erwähnst richtig, daß bis etwa 1800 die Entwicklung in vielen Ländern stagnierte und die Realeinkommen sanken. Das lag aber keineswegs nur daran, daß die technologischen Grundlagen nicht weit genug entwickelt waren, sondern viel mehr daran, daß in vielen Ländern der Feudalismus die Entwicklung hemmte. Es gab überall Zünfte und Gilden, die zur Besitzstandswahrung gegründet worden waren und Neugründungen von Unternehmen sehr erschwerten oder völlig unmöglich machten. Das hemmte die technologische Entwicklung. Die Mehrheit der Bevölkerung bestand damals aus Bauern, die zum großen Teil durch Leibeigenschaft an ihr Land und an ihren Beruf gebunden waren. Somit standen auch gar nicht genügend Arbeitskräfte für große Fabriken zur Verfügung.
Es hatte schon seinen Grund, daß in Deutschland seit Mitte des 19. Jahrhunderts plötzlich enorm viele bahnbrechende Erfindungen nicht nur gemacht, sondern auch praktisch umgesetzt wurden. Gerade in Deutschland waren noch bis ins 19. Jahrhundert hinein die Hindernisse für die Entwicklung des Kapitalismus besonders groß. Deutschland war in viele Königreiche und Fürstentümer zersplittert, die alle eigene Maße und Gewichte hatten und an ihren Grenzen nach Gutdünken Zölle erhoben. Das allein hemmte die Wirtschaft schon sehr. Dazu kamen dann noch die oben erwähnten Hindernisse durch die Reste des Feudalismus.
Erst als Preußen mehr und mehr die Vorherrschaft in Deutschland erlangte und schließlich das Deutsche Reich neu gegründet wurde, konnten diese Hindernisse beseitigt werden, was dann natürlich ein explosives Wachstum des Kapitalismus zur Folge hatte. Jetzt erwies es sich sogar als vorteilhaft, daß Deutschland bis Mitte des 19. Jahrhunderts im Vergleich zu Ländern wie England doch eher rückschrittlich war. So gab es nun in Deutschland keine großen Unternehmen, die kleine, innovative Unternehmer am Aufstieg hindern konnten. Und so konnten eben Erfinder wie Daimler, Benz, Mannesmann usw. ihre Ideen verwirklichen und die Entwicklung entscheidend vorantreiben.
Es war nun aber nicht so, daß die Masse der Bevölkerung sofort vom Aufstieg des Kapitalismus profitiert hätte. Der Grund für die Gründung von Gewerkschaften lag ja gerade darin, daß es vielen Arbeitern in der Zeit schlecht ging. Daß sie eben für geringen Lohn lange arbeiten mußten, daß sie im Alter, wenn sie nicht mehr arbeiten konnten, ohne Einkommen da standen usw.
Auch die von mir erwähnten utopischen Sozialisten hätte es nie gegeben, wenn die Lage der Arbeiter nicht so schlecht gewesen wäre. In den USA war es sogar so, daß Fabrikarbeiter häufig schlechter lebten als viele Sklaven im Süden.
Ohne Sozialgesetzgebung hätte sich daran auch kaum etwas geändert. Zwar bringt Wachstum im Kapitalismus immer auch eine höhere Nachfrage an Arbeitskräften mit sich, was das Lohnniveau steigern kann, aber diese erhöhte Nachfrage wird immer durch Rationalisierung auch wieder gesenkt. Und es gibt immer wieder Krisen, in denen nichts mehr wächst, wo dann also - wie zur Zeit in Deutschland - das Arbeitskräfte-Angebot höher ist als die Zahl der freien Arbeitsplätze. Dann sinkt das Lohnniveau ohne Regulierungen sehr schnell.
Man muß sich immer vor Augen halten, daß sich im Kapitalismus alles um Profit dreht. Es geht darum, möglichst viel Profit zu machen, und selbst wenn ein Unternehmer das mal anders sehen sollte, wird er sehr schnell von der Realität eingeholt werden.
Die größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts sind auch keineswegs durch Kapitalismus-Kritik entstanden. Der Grund für den ersten Weltkrieg waren Fehler, die durch die Politik aller europäischen Großmächte - insbesondere Deutschlands, Rußlands und Österreich-Ungarns - begangen wurden. Da der Krieg länger dauerte als man erwartet hatte, wirkte er sich viel katastrophaler auf die Lebensumstände der Bevölkerung aus, was dann folgerichtig zu Revolutionen führte. So kam es schließlich zu der Fehlentwicklung in Rußland, wo die Kommunisten die Macht übernahmen, obwohl das Land noch nicht einmal die Reste des Feudalismus überwunden hatte und noch lange nicht reif dafür war, ohne industrielle Grundlage irgend so etwas wie Kommunismus aufzubauen. (Noch heute wäre kein Land der Welt reif dafür.)
In Deutschland kam dann noch der ungerechte Versailler Vertrag dazu, der Deutschland unfairerweise die alleinige Schuld am Ersten Weltkrieg zusprach und auch ganz konkret den Zweck hatte, Deutschland als wirtschaftlichen Konkurrenten auszuschalten. Somit war ein neuer Krieg fast vorprogrammiert und sowohl Nazis als auch Kommunisten hatten dann nur deshalb soviel Zulauf, weil es der deutschen Bevölkerung unter diesen Umständen weiterhin schlecht ging, was sich durch die Weltwirtschaftskrise dann noch verschärfte.
Die Kapitalismus-Kritik der Nazis war auch zum großen Teil nur Show. Tatsächlich haben viele Groß-Unternehmen und Bankiers Hitler finanziert, einfach aus Angst vor einer Machtergreifung durch die Kommunisten. Hitler hielt man dagegen für das kleinere Übel. Und nach der Machtübernahme durch die Nazis lenkten diese die Aufmerksamkeit auch schnell auf die jüdische Bevölkerung und gaben ihr pauschal die Schuld an allen negativen Auswüchsen des Kapitalismus. Die Grundfesten des Kapitalismus wurden durch Hitler nie angerührt, und die kommunistische Ideologie war ihm sowieso ein Gräuel. Im Krieg machte die deutsche Wirtschaft dann auch gute Profite. Man zog auf Vorschlag der SS sogar in Erwägung, Leichen ermorderter KZ-Häftlinge industriell zu verwerten. Man hat davon nicht etwa aus humanitären Gründen Abstand genommen, sondern schlicht und einfach nur deshalb, weil man errechnet hatte, daß es sich finanziell nicht lohnt.
Produziert wird nicht nur dort, wo die Produktion am effektivsten ist. Es kostet immerhin auch einiges, Produkte noch tausende Kilometer weit transportieren zu müssen. Und es gibt auch noch andere Faktoren, die da wirken. Im Osten hat sich deutlich gezeigt, daß man auch mit diversen Vergünstigungen für die Wirtschaft - also eben mit speziellen Fördermitteln, niedrigem Lohnniveau usw. - nicht zwangsläufig etwas erreicht, außer damit einige wenige Leute auf Kosten der Allgemeinheit sehr reich zu machen.
Du hast noch die Finanzdienstleister erwähnt, die Projekte günstig finanzieren müssen. Auch da liegt in Deutschland einiges im Argen. Die Eropäische Zentralbank hat die Zinsen gesenkt, um damit Kredite günstiger zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln. Diese Zinssenkungen werden jedoch durch Finanzdienstleister nur zögernd oder gar nicht weiter gegeben. So bringen die Zinssenkungen ihnen zwar gute Profite ein, Unternehmen und Privatleute haben jedoch nichts oder fast nichts davon. So läuft das eben, wenn es irgendwo keine Regulierungen gibt.
Ich sehe Unternehmer durchaus nicht als Feinde der Menschheit. Ich werfe ihnen nicht vor, daß sie vorranging am Profit interessiert sind. Das müssen sie sogar, wenn sie nicht sehr bald vom Markt verdrängt werden wollen.
Aber es ist eben so, daß man Menschen ab und zu auch mal zu ihrem Glück zwingen muß. Es liegt in der Natur der Sache, daß die Interessen von Wirtschaft und Beschäftigten in puncto Lohnniveau exakt entgegengesetzt sind. Es ist nun aber nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Wirtschaft existenziell wichtig, daß zwischen beiden Seiten immer ein gewisses Gleichgewicht erhalten wird. In Zeiten, als die deutsche Wirtschaft stark wuchs, neigte sich die Waage mehr und mehr den Beschäftigten zu, aber auch damals haben die Unternehmen gut verdient. Jetzt, wo die Arbeitslosigkeit immer mehr zunimmt, tendiert die Waage eben eher dazu, sich den Unternehmen zuzuneigen. Wenn man da nicht nur nicht eingreift, sondern sogar noch Regulierungen abschafft, die bisher ein zu großes Ungleichgewicht verhindern, dann wird die Waage sich sehr schnell komplett den Unternehmen zuneigen, und das wird fatale Folgen für unsere gesamte Gesellschaft haben.
In den USA sieht man das schon deutlich. Es kann nicht sein, daß Menschen auch mit zwei Vollzeit-Jobs kaum ihre Lebenshaltungskosten zahlen können.
Weißt du eigentlich, wie es im Osten Deutschlands, besonders im Nordosten, schon aussieht? Da gibt es in vielen Gegenden 40-50 % Arbeitslosigkeit. Die Quote wäre noch viel höher, wenn nicht schon so viele junge Leute ausgewandert wären. Auch im Westen gibt es mittlerweile Regionen, in denen es nicht mehr viel besser aussieht.
Im Osten ist es keine Seltenheit, daß in Schulklassen nur 3 von 20 Schülern eine Lehrstelle finden. Und das liegt nicht daran, daß die Löhne der Lehrlinge vielleicht zu hoch wären. Ich kenne Leute, die dort als Azubis 300 DM Lehrlingsgeld hatten.
Dort ist einfach nichts, wo man noch arbeiten könnte. Und wenn jemand ein Unternehmen gründet, finden sich kaum Kunden, weil so viele Menschen arbeitslos sind. Meine Tante hat in Mecklenburg eine Gaststätte. Da läuft kaum noch was. Die jungen Leute sind alle weg, viele der älteren sind arbeitslos oder bekommen nur kleine Renten - da kann es sich niemand leisten, in einer Gaststätte essen zu gehen. Sie hält sich nur noch einigermaßen über Wasser, weil sie noch Zimmer an Urlauber vermietet und Partyservice macht. Die Gaststätte hätte sie ansonsten schon längst dicht machen können. Nicht weil die Löhne oder die Sozialabgaben zu hoch sind, sondern weil die Kaufkraft immer mehr wegbricht.
Mein Bruder sucht in Mecklenburg schon seit über einem Jahr verzweifelt einen Job. Er würde auch für 3 Euro pro Stunde arbeiten. Da er noch bei meinen Eltern wohnt und somit keine Miete zahlen muß, könnte er sich das - im Gegensatz zu vielen anderen Arbeitssuchenden - leisten. Aber er findet einfach nichts. Jetzt überlegt er, ob er vielleicht einen Bootsverleih aufmacht. Aber das läuft nur im Sommer, und da dort viele arbeitslose Jugendliche herumlungern, müßte er immer mit Diebstahl und Vandalismus rechnen. Das kommt dann nämlich auch noch dazu...
Nicht die Unternehmen sind die Gänse, die die goldenen Eier legen. Die Arbeiter und Angestellten tun das - wenn man sie nur läßt.
Freundliche Grüße
von Garfield
Der Marsch in eine andere Republik
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 03. August 2003 10:17:13:
Dabei sehe ich Parallelen zwischen Feminismus, Globalisierungs- und Kapitalismuskritikern und der Öko-Bewegung. Alle haben einen Teufel als Gegner. Mal ist es der profitgierige weiße Mann, mal der Mann an sich. Alle sind sich einig, dass es ein Skandal ist, dass nicht die Philosophen und Dampfplauderer des Feuilletons im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen, sondern schnöde Händler und Fabrikanten. Wenn diesen bösen Männern nicht in den Arm gefallen wird, wenn die materiellen Begierden nicht unter die Herrschaft des Geistes gestellt werden, da sind sich Kampflesbe, Links-/Rechtsradikaler, Globalisierungsgegner und Öko einig, drohen der Gesellschaft Kriege, Gewalt, Umweltzerstörung und unsägliches soziales Elend.
Gruß Anabasis
In Deiner Polemik steckt ein kleiner Kern Wahrheit: Es gibt in der unter Linken eine aus der Romantik, dem Deutschem Idealismus und allgemeinem Bildungsbürgerdünkel gespeiste diffuse Aversion gegen alles, was nach "schnöden Momman", Profanität und ökonomischer Rationalität klingt. Dies liegt z. T. tatsächlich in einer Statusrivalität zwischen geisteswissenschaftlicher Bildungs- und Einkommenselite begründet. Diese Aversion nahm je nach Situation unterschiedliche Formen an: Unter dem Eindruck von Kolonialverbrechen konnte daraus dann die platte Gegenüberstellung von gefühlsbetontem "edlem Wilden" und briútal-kalkulierendem bösen weißen Mann werden. Feministinnen sprachen von der unsensiblen "männlichen Rationalität". Antisemitisch gewendet wurde daraus der kulturlose "jüdische Händlergeist" ect ect.
RATIONAL argumentierende Kritik an den neoliberalen Wirtschaftsrezepten sollte man damit aber nicht in einen Topf werfen. Um meinen Standpunkt deutlicher zu machen:
- Ich bin nicht dafür, daß Dichter und Denker im Mittelpunkt der Gesellschaft stehen (wie Du es pauschal den "Kapitalismus-Kritikern" in den Mund legts). Aber ebensowenig bin ich dafür, daß "Fabrikanten und Händler" im Mittelpunkt stehen - nicht weil ich deren Tätigkeit gering schätze, sondern weil sie nur eine kleine Minderheit ausmachen, wir aber in einer Demokratie leben. In den "Mittelpunkt der Gesellschaft", d. h. der wirtschaftpolitischen Debatten gehört die Masse der Bevölkerung, die durch Löhne und Gehälter ihr Auskommen finden muß. Und diese MEHRHEIT (!) kommt im neoliberalen Wirtschaftsdiskurs nur noch als lästiger Kostenfaktor vor.
- Betrachte ich Kapitalisten als "Teufel"? Die einzelnen KapitalistEN: nein. Von denen muß im Wettbewerb nunmal jeder sehen, wo er bleibt. Ein ungezügelter KapitalisMUS als System (im Gegensatz zur Sozialen Marktwirtschaft) ist aber schon ein Übel für die Mehrheit der Bevölkerung, da die Marktmechanismen Unternehmer mit sozialen Verantwortungsbewußsein nicht belohnen, sondern bestrafen, und im reinen Kapitalismus andere Mechanismen als die des Marktes ja nicht bestehen.
Wenn wir aber von Teufeln reden, muß eines auch erwähnt werden: Unter den Unternehmern mag es viele anständige Leute geben (wahrscheinlich auch die Mehrheit), aber der politisch organistierten und agierenden Unternehmer-LOBBY (Arbeitgeberverband, BDI, FDP) ist ein ganz klarer Vorwurf zu machen: Diese Lobby hat sich Mitte der 90er Jahre von dem wirtschaftspolitischem Grundkonsens, der die "Bonner Republik" so stabil und wohnlich gemacht hatte: der Sozialen Marktwischaft ("rheinischer Kapitalismus") verabschiedet und forciert seitdem den Marsch in einer andere Republik.
Der Hintergrund war die zu diesem Zeitpunkt weit fortschrittene weltwirtschaftliche Verflechtung, die auch Mechanismen des Lohn- und Sozial-Dumpings, der verschärften Standortkonkurrenz sowie der Währungsinstabilitäten mitbrachte, die dann es schwieriger machten die bewährte Politik der Sozialen Marktwirtschaft im nationalen Rahmen weiterzubetreiben. Anstatt nun aber darüber nachzudenken, wie internationale Abkommen über soziale Mindeststandards und stabile Wechselkurse, also eine Globalisierung der SOZIALEN Marktwirtschaft aussehen könnten, setzte sich im Unternehmer-Lager eine Gruppe von marktradikalen Ideologen durch, die erfolgreich an die KURZfristigen BETRIEBSwirtschaftlichen Kalkulationen der Unternehmer appelierte und darüber nun versucht, die Rolle rückwärts in 19.te Jahrhundert als Modell der Zukunft durchzusetzen.
Heute sind es nicht mehr kommunistische Diktaturen und hiesige Linksradikale, die "unsere Art zu leben" bedrohen, sondern eben dieser neue Marktradikalismus. Auf die Alltagswelt bezogen wird der nämlich zur Folge haben, daß unser Leben - in Zeiten ständiger Produktivitätsfortschritte ! - immer mehr von unfreiwilligen Berufs- und Ortswechselns, Überstunden, Wochenendarbeit Umschulungsstreß, Sparen und Zukunftssorgen bestimmt wird (siehe USA oder noch extremer Großbritannien). Unser Leben wird dem unserer Eltern unähnlicher und dem unserer Groß- und Urgroßväter in dieser Hinsicht wieder ähnlicher. Wir werfen das beste Wirtschaftssystem, daß wir in Deutschland je hatten leichtfertig weg und werden uns noch umgucken.
Gruß
Lars
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Garfield am 04. August 2003 11:44:56:
Nicht die Unternehmen sind die Gänse, die die goldenen Eier legen. Die Arbeiter und Angestellten tun das - wenn man sie nur läßt.
Aber wer läßt sie denn nicht? Wer hindert denn Deinen Bruder daran, sich jeden Tag ein solches Ei zu legen?
Vielleicht macht eines Tages ein anderer den Bootsverleih auf und geht mit Pauken und Trompeten unter, dann sind die Stimmen hinter vorgehaltener Hand nicht wenige die Munkeln: "schau er hat hoch hinauswollen, aber hats nicht drauf gehabt", mitleidig-gleichgültiges Achselzucken und eine Portion Häme!
Kein Rentenanspruch, kein Arbeitlosengeld!
Oder es gelingt... Der Bootsverleiher ist finanziell gut situiert und beschäftigt evtl. noch einige Mitarbeiter. Dann wird er ebenfalls kaum mit Dankbarkeit rechnen können, das getan zu haben was anderen zu hart war.
Alles ist dann nur noch selbstverständliche Bringschuld. Im Gegenteil - man wird ihm vorhalten daß er nur 3 Arbeitsplätze schafft wo doch 10 besser
wären.
Wer so tut als wäre Unternehmertum die schlechteste aller Rollen, die ein Mensch bekleiden kann, der soll sich nicht wundern, wenn niemand mehr in diese Rolle schlüpfen will.
Dieser Satz war jetzt allgemein gehalten und soll nicht persönlich genommen werden 
Schöne Grüße,
Manfred
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Manfred am 04. August 2003 21:59:07:
Hallo Manfred!
Ich habe nichts gegen Unternehmer und denke selbst darüber nach, mir neben meinem Job noch ein kleines Standbein aufzubauen, auf das ich mich stützen könnte, falls ich mal arbeitslos werde.
Nur ist das eben nicht so einfach. Im Osten - wo mein Bruder lebt - besteht das große Problem darin, daß die Kaufkraft mehr und mehr abnimmt. Viele kleine Unternehmen sind dort nicht pleite gegangen, weil die Steuerlast, die Sozialabgaben oder die Lohnkosten zu hoch waren, sondern weil sie einfach nicht genügend Kunden gefunden haben.
Gleichzeitig nimmt natürlich die Kriminalität zu, wenn immer mehr Menschen keine Möglichkeit haben, sich legal ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In Rostock hab ich mal einen kleinen Laden gesehen, in dem offensichtlich eingebrochen wurde. Er war komplett ausgeräumt, die Tür war aufgebrochen, und am Schaufenster stand: "Danke - wir haben gern bei Ihnen gekauft!" Der Laden blieb danach geschlossen. Offenbar war die Existenz des Verkäufers durch diesen Einbruch vollkommen vernichtet.
In solch einem Umfeld ist es sehr schwer, ein kleines Unternehmen aufzubauen. Leider unternimmt die deutsche Regierung aber rein gar nichts, um daran irgendetwas zu ändern.
Man kürzt munter weiter bei den Arbeitslosen und tut so, als wären ja Arbeitsplätze in Hülle und Fülle vorhanden und als hätten die Menschen nur keine Lust zum Arbeiten. Jetzt will man Menschen, die länger als ein Jahr arbeitslos sind, in die Sozialhilfe drängen. Das bedeutet dann, daß sie u.a. auch ihr Auto - wenn sie eins haben - verkaufen müssen. Ohne Auto findet man heute aber oft gar keinen Job mehr, zumindest, wenn man auf dem Land wohnt. So ist dann ein Leben als ewiger Sozialhilfeempfänger de facto vorprogrammiert.
Und nicht jeder kann sich selbstständig machen. Mal ganz abgesehen davon, daß man dafür immer ein gewisses Startkapital benötigt, ist auch nicht jeder zum Unternehmer geboren. So ist das nun einmal.
Das alles interessiert in der Politik aber niemanden. Den Politikern geht es ja gut - wieso also etwas ändern? Ich denke auch, daß gerade Spitzenpolitiker häufig tatsächlich nicht wissen, was wirklich im Land abgeht. Sie werden ja vom realen Leben weitgehend abgeschirmt. Als Helmut Kohl Mitte der 90er Jahre mal Mecklenburg-Vorpommern besuchte, wollte er dort auch einen Bauernhof besichtigen. Man zeigte ihm dann aber keinen normalen, durchschnittlichen Hof eines Bauern, der nach 1990 komplett neu anfangen mußte und noch hohe Kredite abzuzahlen hatte. Nein, man zeigte ihm einen Hof eines Bauern, der zu DDR-Zeiten das Glück hatte, zu einer LPG zu gehören, bei der die Mitglieder zwar auch ihr Land abgeben mußten, ihre Ställe aber weiterhin allein bewirtschaften konnten. Für diesen Bauern war die Wende keine große Umstellung. Er mußte nicht alles von Grund auf neu einrichten und brauchte keinen großen Kredit. So stand er nun natürlich deutlich besser da als der Durchschnitts-Bauer in der Gegend. Und Helmut Kohl meinte dann natürlich, daß es doch geht, wenn man nur will...
Das ist halt das Wunschdenken, daß da immer wieder hochkommt. Man möchte nichts wesentliches ändern und vor allem auch nicht den Geldgebern aus der Wirtschaft auf die Füße treten, also greift man eifrig nach jedem Strohhalm, nur um nichts verändern zu müssen.
Aber so geht eben alles mehr und mehr den Bach herunter.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Das frauenfeindlichste Land Europas von Frank am 30. Juli 2003 14:30:53:
Hallo Frank
... ist die Bundesrepublik. Meint Viola Roggenkamp heute in der "taz".
Und dass Frauen vom Arbeitsmarkt verdrängt würden. Und dergleichen mehr:
Leben im Frauenfeindesland
DAS SCHLAGLOCH von VIOLA ROGGENKAMP
"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold." Renate Schmidt, Frauen-
und Familienministerin
Was für ein Pech für die spitzenmäßig ausgebildeten Frauen um dreißig. Sie sind die am besten ausgebildete Frauengeneration aller Zeiten. Die mütterliche Frauenbewegung der Siebziger- und Achtzigerjahre hat ihnen die Pferde zugeritten und gesattelt. Jetzt stehen die Töchter bereit. Immer mehr Frauen um die dreißig verzichten sogar endgültig auf Kinder, um sich noch windschnittiger für ihren Konkurrenzkampf mit den Männern zu machen. Und jetzt ist Vater Staat pleite.
So ein Pech aber auch; Vater Staat ist pleite. Immerhin hat Frau Roggenkamp gerafft, bei wem die Kohle zu holen ist, naemlich beim maennlichen Teil der Eltern. So war es schon immer, Unterhaltsrecht sei Dank, und so soll es in den Augen der neufeministischen Streiterinnen wohl auch weiterhin bleiben; folgerichtig sieht sie deshalb auch den an sich geschlechtsneutralen Staat in der Vaterrolle. Oder ist dieses 'Vater' Staat womoeglich ein Freudscher Verschreiber?
Wir leben in dem frauenfeindlichsten Land Europas: in Deutschland.
So neu sind solche Superlative ja nicht. Wollen wir mal sehen, mit welchen Argumenten sie diese Behauptung untermauern kann...
Und weil dieses Land frauenfeindlich ist, ist es konsequenterweise auch kinderfeindlich.
Altfeministinnen haetten vor 30 oder 40 Jahren wegen solcher Saetze rote Koepfe und dicke Haelse gekriegt. Kaempften sie doch engagiert gegen die beruechtigten drei 'K' (Kueche, Kinder, Kirche) an. Wieder einmal werden die Schicksale von Frauen und Kindern aneinandergekettet; und das von einer Feministin. Schande ueber Dich, Schwester Viola!
Ein Drittel der in Deutschland lebenden heute 28-jährigen Frauen werden voraussichtlich kinderlos bleiben wollen. Die Verweigerung des Staates, Frauen durch ganztägige Kinderbetreuung und Ganztagsschulen zu helfen, geben etwa 70 Prozent als Grund für ihre Kinderlosigkeit an.
Interessante Zahl diese 70%. Korreliert wunderbar mit den lediglich etwa 11% Frauen, die sich laut einer anderen Umfrage einen Partner mit guten Vaterqualitaeten wuenschen; immerhin knapp 12% der Frauen wuenschen sich einen reichen Ehemann. Ich wuerde sagen, die Mehrzahl der deutschen Frauen wollen gar keinen Mann, der den Hauptteil der Kinderbetreuung uebernimmt und ihnen den Ruecken fuer eine Vollzeiterwerbstaetigkeit freihaelt. Selbst gutbezahlte Frauen heiraten ueblicherweise standesgemaess einen Mann mit mindestens gleichem oder (besser noch) hoeherem Einkommen; selbstredend sind hohe Einkommen normalerweise nur mit Vollzeittaetigkeit zu erzielen.
Denn wie sollen wir das anders nennen als eine Verweigerung. Gleichgültigkeit? Vergessen? Die zuständigen Ministerien leiten zwei Frauen, zwei tüchtige und in ihrer Grundeinstellung feministisch denkende Frauen. Aber handeln sie entsprechend?
Wo sind sie denn, die vielbejubelten Powerfrauen? Wo sind sie und gruenden auf privatwirtschaftlicher Basis Kinderbetreuungsstaetten? Das waere doch naheliegend, angesichts der hohen Zahl von Frauen, welche dann ihre Kinder dort abliefern wuerden, um einer vielversprechenden Karriere nachzugehen.
Aber halt! Ein eigenes Unternehmen zu gruenden, bedeutet auch ein erhebliches Risiko und zumindest in den ersten paar Jahren ein sehr hohes Arbeitspensum. Naja, dann lassen wir das wohl doch lieber. Und Eltern zu finden, die bereit waeren, angemessene Preise fuer die ganztaegige Kinderbetreuung zu bezahlen, geraet zur Suche nach der typischen Nadel im Heuhaufen. Nein, nein! lieber soll der Staat das unternehmerische Risiko tragen und der Steuerzahler die Differenz zwischen gewuenschtem Preis und den Selbstkosten bezahlen.
Nur 4,5 Prozent der deutschen Unternehmen in der Privatwirtschaft haben inzwischen tarifliche oder betriebliche Vereinbarungen zur Frauenförderung und Familienfreundlichkeit geschlossen. Das ist ein Skandal.
Ein Skandal ist, dass Frauenfoerderung und Familienfreundlichkeit in einen Topf geworfen werden. Das eine hat mit dem anderen (zumindest fuer Nichtfeministen) schlichtweg nichts zu tun. Auch hier sehen wir wieder die unselige Verknuepfung von Frauen- und Kinderinteressen. Nie mehr brauchen sich Feministinnen zu beklagen, dass Frauen in die Mutterrolle gedraengt werden; sie selber tun es naemlich am laufenden Band.
Doch der war vorhersehbar, der war sozusagen eingeplant und im Voraus zugestanden. Denn die Unternehmer waren zu rein gar nichts verpflichtet worden. Statt, wie in den Wahlprogrammen versprochen, das Gleichstellungsgesetz auf den Weg zu bringen, hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder im Juli vor zwei Jahren mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft eine freiwillige Gleichstellungsregelung vereinbart. Freiwillig. Mehr nicht. Die Regelung ist nicht einmal das Papier wert, auf dem sie gedruckt wurde.
Wie die meisten Feministinnen hat Frau Roggenkamp keinerlei Ahnung von wirtschaftlichen Zusammenhaengen. Zum einen stecken wir, wirtschaftlich gesehen, noch immer in der tiefsten Krise seit dem letzten Weltkrieg. Zum zweiten waren die Arbeitsplaetze noch nie so mobil, wie heute. Keine besonders guten Rahmenbedingungen, um kostspielige Foerderaktionen durchzubringen. Vielleicht sollten Frau Roggenkamp und ihre feministischen Schwestern einmal selber auf der Seite von Gewerkschaften Verhandlungen mit Arbeitnehmern fuehren. Da wuerden sie wahrscheinlich ziemlich rasch auf den Boden der Tatsachen zurueckgeholt.
Wenn eine verbindliche Frauenfoerderung (was in der Praxis normalerweise eine ebenso verbindliche Maennerbenachteiligung impliziert) eingefordert worden waere, waeren womoeglich noch mehr Stellen ins kostenguenstigere Ausland exportiert worden. Schroeder und seine Mannen wussten das natuerlich ganz genau.
Ausserdem gibt es da doch diesen verflixten Gleichberechtigungsartikel in der Verfassung. Steht da nicht so etwas aehnliches wie 'Niemand darf aufgrund [...] seines Geschlechts diskriminiert werden'? Wenn aber einseitige Foerdermassnahmen nur fuer Frauen installiert werden, diskriminiert man damit nicht womoeglich die Maenner? Naja, wir haben ja noch immer den Gender-Mainstreaming-Ansatz. Und mit diesem real existierenden, sexistisch interpretierten Gender-Mainstreaming kann man wunderbar das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz aushebeln; natuerlich gilt das nur, wenn Maenner diskriminiert werden sollen...
Aber ist das eine Überraschung? Für niemanden ist das eine Überraschung. Das ist eine Sache unter Männern, ein Deal, der funktioniert seit Generationen gegen Frauen.
Wusste ich es doch, dass wieder einmal eine Verschwoerung von Maennern dahintersteckt.
Gleichzeitig hatte der Bundeskanzler in seiner vollmundigen Art seinen Wählerinnen versprochen, im Herbst 2003 müssten sich an dieser freiwilligen Vereinbarung die Unternehmen messen lassen. Da ist aber nichts zu messen, denn in der jährlich gemachten repräsentativen Betriebsuntersuchung fehlt ausdrücklich die entscheidende Frage, nämlich wann die Firmen ihre Maßnahmen zur Frauenförderung eingeleitet haben.
Tja, jetzt ist nur noch die Frauenfoerderung von Belang; die im oberen Teil noch mit angefuehrte Familienfreundlichkeit ist inzwischen vollends auf der Strecke geblieben. Frau Roggenkamp scheint gemerkt zu haben, dass sich die Verquickung von Frauen- und Familieninteressen moeglicherweise kontraproduktiv auswirken koennte.
Die Frage wurde nicht etwa vergessen. Sie wurde ausdrücklich nicht in die freiwillige Vereinbarung zwischen sozialdemokratischem Kanzler und der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände aufgenommen. Ausdrücklich nicht.
Tja, da möchte die kleine Frau auf der Straße doch wissen, warum nicht? Schließlich haben wir alle unser Verfallsdatum. "Weil es das Umfrage-Panel überfrachtet hätte."
Die Antworten auf diese Frage waere tatsaechlich interessant gewesen. Noch interessanter allerdings waeren Antworten der Betriebe auf die Frage 'Weshalb allenfalls keine Frauenfoerderung vorgesehen wird'. Die interessanteste Frage muesste man allerdings nicht den Arbeitgebern stellen sondern den politischen Befuerwortern von Frauenfoerderungen: 'Weshalb benoetigen wir eine Frauenfoerderung, wenn Frauen doch ebensogut wie Maenner sind?'
Wir können, nein, wir müssen also davon ausgehen, dass die 4,5 Prozent tariflich vereinbarte, vielleicht noch nicht einmal umgesetzte Frauenförderung aus der Zeit von Helmut Kohl stammen.
Das ist durchaus moeglich.
Ist das nicht furchtbar?
Nein
Und das alles wollte Renate Schmidt geheim halten, und das ist eigentlich noch furchtbarer. Abzusehen war diese Entwicklung für sie seit etwa zwei Jahren, seitdem sie das Amt von ihrer Parteigenossin Christine Bergmann übernahm, die sich gegenüber Bundeskanzler Schröder durchsetzen wollte, aber es nicht konnte, denn sie bekam dafür nicht genüg Rückhalt in ihrer Partei. Renate Schmidt versuchte es offenbar erst gar nicht.
Frau Schmidt ist mit Sicherheit keine solch dogmatische Politikerin wie Frau Dr. Bergmann. Dafuer traue ich ihr eine wesentlich hoehere wirtschaftliche Kompetenz zu, als ihrer Vorgaengerin.
Aber es gibt einen Lichtblick. Wir wüssten nichts von dieser Zahl, von diesen schäbigen 4,5 Prozent, die wahrscheinlich ein alter Männerhut aus der Kohl-Epoche sind, hätte nicht die neue Direktorin des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gegenüber Renate Schmidt sich entschlossen gezeigt, diese Zahl publik zu machen. Ihr Name ist Jutta Allmendinger. Man muss diese Frau für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen. Eine solche Courage hat Seltenheitswert.
*Ironie on*
Unglaublich, wie couragiert sich Frau Allmendinger verhalten hat. Was sind die Konsequenzen dieses Geheimnisverrats? Wird sie jetzt bei Wasser und Brot im Knast festgehalten? Oder hat sie zumindest mit ernsten Beeintraechtigungen ihrer Karriere zu rechnen? Keineswegs, aber eine feministische Heldin ist sie trotzdem. Da Feministinnen noch selten etwas besonders mutiges geleistet haben, ist man, pardon frau, offenbar ziemlich schnell zufrieden.
Liebe Frau Roggenkamp! Ich weiss ja, dass die Qualifikationshuerden bei Frauen massiv heruntergeschraubt werden muessen, damit die Frauenquoten bei der Verleihung von irgendwelchen Preisen und Auszeichnungen halbwegs erfuellt werden koennen. Aber finden Sie das nicht doch ein wenig uebertrieben? Gleich das Bundesverdienstkreuz...
*Ironie off*
Was lernen wir daraus? Es gibt überhaupt keinen Grund für die Töchter der Frauenbewegung anzunehmen, dass sich feministische Politik in irgendeiner Weise überholt habe.
Dies ist das Credo der Feministinnen schon seit Jahren; denn wenn durchsickert, dass die Gleichberechtigung laengst erreicht ist, wuerden die Berufsfeministinnen ja ihren Job verlieren...
Es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass feministische Unterwanderung und feministische Kontrollinstanzen sich überholt hätten. Im Gegenteil.
Das ist das eigentliche Problem des Feminismus. Er versucht mittels Unterwanderung und Korrumpierung von Schluesselpositionen sowie die Errichtung von Kontrollinstanzen die Meinungs- und Handlungsfreiheit von Menschen zu gaengeln. Eine Vorgehensweise, die im Ansatz totalitaer ist...
Besonders seitdem SPD und Grüne regieren, ist die Gefahr groß, glauben zu wollen, nun seien ja die Richtigen dran, nun würde sich das alles regeln, auch für Frauen. Auch die grünen Frauen müssen aufpassen, dass sie sich nicht im Zuge notwendiger Einsparungen ihre feministischen Expertinnen und Einrichtungen von ihren eigenen Männern streichen lassen.
Jaja, sparen kann man ueberall. Nur bloss nicht bei der Frauenfoerderung!
Wir stehen wieder einmal auf der Kippe. Selbstverständlich ohne es wissen zu wollen. Am Ende des Jahres werden wir von fünf bis sechs Millionen Arbeitslosen hören, und ganz offensichtlich wird in Deutschland nach altem Rezept versucht, die Frauen vom Arbeitsmarkt zu verdrängen, indem ihnen der Zugang erschwert und das Mitreden nahezu unmöglich gemacht wird.
Inwiefern wird Frauen der Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert? Erlaeutern Sie das doch bitte, Frau Roggenkamp!
Die 100 größten börsennotierten deutschen Unternehmen weigern sich unverändert, eine Frau in ihren Vorstand zu holen.
Weigern sie sich oder finden sie keine geeigneten Frauen? Das ist doch die Gretchenfrage...
Uebrigens: noch immer weigern sich saemtliche Gleichstellungstellen, Maenner einzustellen. Pfui, was muessen das doch fuer eingefleischte Sexistinnen sein...
Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland liegt unverändert unter dem Durchschnitt der EU-Staaten.
Liegt moeglicherweise an der mangelhaften Leistung von deutschen Frauen im Vergleich zu ihren Geschlechtsgenossinnen im Ausland. Schon mal daran gedacht, Frau Roggenkamp?
Immer noch ist das für Frauen extrem ungünstige Ehegattensplitting nicht abgeschafft,...
Niemand braucht zu heiraten...
...werden Frauen für gleichwertige Arbeit schlechter bezahlt als Männer,...
In Bezug auf gleiche Arbeit ist diese Behauptung definitiv falhcs, wie auch Frau Ministerin Schmidt zugeben musste. Der Trick besteht im Woertchen 'gleichwertig'. Gleichwertig ist letzten Endes aber ein voellig subjektiver Begriff.
Kleine Denkaufgabe: Sind Aepfel und Kirschen gleichwertig? Zumindest in der Schweiz ist 1 kg Kirschen normalerweise teurer als 1 kg Aepfel. Also scheinen Kirschen hoeherwertig als Aepfel zu sein. Fuer jemanden, der keine Kirschen mag dafuer aber Aepfel, sind wahrscheinlich Aepfel hoeherwertig als Kirschen.
Genau das tun Feministinnen jedoch regelmaessig: sie vergleichen ziemlich willkuerlich Aepfel mit Kirschen und behaupten, beides sei gleichwertig; dass beides gleich ist, koennen sie ja wohl schwerlich behaupten. Vergleichen kann man Aepfel mit Kirschen aber nur sehr bedingt; man sollte sich deshalb darauf beschraenken, lediglich gleiches mit gleichem zu vergleichen. Dies gilt nicht nur bei Obst sondern ebenso bei den Berufen. Waehrend die Gehaelter von maennlichen und weiblichen Krankenpflegern gut miteinander verglichen werden koennen, sieht das bei einem Vergleich zwischen Krankenpflegerin und Assistenzarzt schon ganz anders aus; auch wenn beide aus derselben Branche stammen.
gibt es keine eigenständige Alterssicherung für Frauen.
Wenn Frauen dieselbe Erwerbsbiographie haben wie die meisten Maenner, dann haben sie auch eine eigenstaendige Alterssicherung.
Man möchte ihnen als Frau das Wahlrecht noch hinterherschmeißen. Nein! Dafür sind Frauen in Gefängnissen gestorben, damit Frauen wählen können. Vor 85 Jahren wurde in Deutschland das Frauenstimmrecht eingeführt. Kein Grund zum Feiern.
Hier verlaesst Frau Roggenkamp vollends den Boden der Tatsachen. Das allgemeine Wahlrecht (auch fuer Frauen) wurde in Deutschland IMHO 1919 im Zuge der Aufloesung des Kaiserreichs eingefuehrt. Gekaempft haben und gestorben sind dafuer in erster Linie Maenner...
Wir haben erst eine Frau an der Spitze eines Bundeslandes. Schleswig-Holsteins Ministerpräsidentin Heide Simonis. Die hätte obendrein das Zeug zur Kanzlerin. Aber da sie der SPD angehört, gehört sie der Partei an, die Frauen eher nichts werden lässt.
Steckt wohl doch nix dahinter, hinter all dem Powerfrauen-Gerede.
Bis 2007, das hat die Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn unlängst in einem Radiointerview versprochen, wolle die Bundesregierung 10.000 Ganztagsschulen gegründet haben für insgesamt vier Milliarden Euro. Welchen Grund haben wir, das zu glauben? Keinen.
Da muss ich Frau Roggenkamp zustimmen. Da die BRD von der EU ohnehin schon wegen des zu grossen Budget-Defizits geruegt wurde, und die Zukunft auch nicht gerade rosig aussieht, wird das wohl ein leeres Versprechen bleiben. Weshalb wurde es ueberhaupt abgegeben?
Aber wir haben genug Gründe, gegen die Frauendiskriminierung in unserem eigenen Land zu kämpfen.
Eine Frauendiskriminierung kann ich nicht feststellen. Fuer Frau Roggenkamp scheint es sich aber schon um Frauendiskriminierung zu handeln, wenn Frauen gegenueber Maennern nicht genuegend privilegiert werden.
Fazit: Frau Roggenkamp scheint den Frauen keine besonderen Faehigkeiten und Chancen im Konkurrenzkampf mit Maennern zuzubilligen; ansonsten waere dieses nervtoetende Einfordern von Privilegien und Foerderungen nicht notwendig.
Die kluge Powerfrau wird sich jedenfalls hueten, im geschuetzten Biotop feministischer, Maennerkonkurrenz vermeidender Frauenbevorzugungspolitik aufzuwachsen. Frueher oder spaeter kommt naemlich die Stunde der Wahrheit, wenn sie dieses Biotop verlassen und sich sozusagen in freier Wildbahn mit Maennern messen muss; spaetestens dann ist es von erheblichem Vorteil, mit Maennern zusammengearbeitet anstatt sie ausgegrenzt zu haben.
Gruss
Maesi
Re: Frage
Als Antwort auf: Frage von Andreas (der andere) am 31. Juli 2003 11:00:22:
Hallo Andreas
Wann, wo und wofür nochmal sind die vielen Frauen in den Gefängnissen gestorben?
Moeglicherweise meint sie damit Rosa Luxemburg. Die war mehrmals wegen sozialistischer Umtriebe im Gefaengnis und wurde IMHO von deutschen Soldaten ermordet. Sie hat sich jedoch primaer fuer den Sozialismus engagiert und hat sich als Folge davon auch fuer das allgemeine Wahlrecht (also auch fuer Frauen) eingesetzt. Die Frauenbewegung von vor dem 1. Weltkrieg war in erster Linie eine Bewegung gutsituierter, buergerlicher Frauen, und von denen ist kaum eine im Knast gestorben.
Wie auch immer. Die feministische Bewegung ist arm an Heldinnen, die wirklich Leib und Leben riskiert haben. Oeffentliche BH-Verbrennungen, Tomatenwuerfe auf Gewerkschaftsfunktionaere und lautstarkes Demonstrieren fuer den Abtreibungsartikel sind zwar PR-traechtig. Als Heldentaten wuerde ich sie jedoch nicht bezeichnen; das aeusserste, was die Feministinnen dabei riskierten, waren Geldbussen. Deshalb muessen wohl auch Frauen wie Rosa Luxemburg feministisch vereinnahmt werden, die aber wahrscheinlich mit dem modernen Feminismus wenig haetten anfangen koennen.
Gruss
Maesi
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Lars am 30. Juli 2003 18:52:39:
Hallo Lars
Wie bei jeder Polemik liegt auch dieser in gewisser Weise eine wahre Begebenheit zu Grunde: Gutausgebildete Frauen Ende 20 stehen jetzt vor der unerfreulichen Alternative Familie ODER Karriere? Und das könnte der Ausgangspunkt für ein unerwartetes, neues Aufflackern des vergessen geglaubten Geschlechterkampfes sein.
IMHO haben sich die fruehen Feministinnen (ich nenne sie Altfeministinnen) schon vor Jahrzehnten grundlegend geirrt, als sie annahmen, Frauen wuerden sich in Scharen von den drei 'K' abwenden, bislang maennlich dominierte Berufe erobern und wirklich gleichberechtigt mit und neben ihren maennlichen Kollegen arbeiten. Die Frauen selber haben ihnen in dieser Beziehung die Gefolgschaft verweigert. Die moderne Feministin macht aus dieser Not eine Tugend, indem sie zumindest zwei der drei 'K' (naemlich Kueche und Kinder) wieder als salonfaehig fuer Frauen hinstellt. Neu ist bloss, dass frau die voellige Wahlfreiheit haben soll, ohne dass sie durch irgendwelche Anspruchspartner in irgendeiner Form behindert wird. Das feministische Dilemma ist, dass zum Zeugen von Kindern noch immer ein Mann und eine Frau gehoeren; also sind mindestens zwei Anspruchspartner (Kind und Kindesvater) trotz allem vorhanden. Dem wird wiederum ideologisch begegnet, indem der Vater als unwesentlich fuer das Kind und die Kinderinteressen als deckungsgleich mit den Muetterinteressen postuliert werden. So bleiben nur noch die Muetter- bzw. Fraueninteressen uebrig. Genau so sieht die feministische Ideologie in der Praxis aus.
Die feministischen Forderungen sollten zunächst differenziert betrachtet werden:
Tun wir doch hier immer *eg*
- Die Forderung nach einem besseren Angebot an Kindergärten und Ganztagsschulen ist erstmal ok. (Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)
Ein besseres Angebot an Kinderbetreuungsstaetten ist sicher wuenschenswert. Bloss ist ein flaechendeckendes Angebot nicht billig; und genau hier ist doch der Knackpunkt. Offenbar sind die wenigsten Eltern in der Lage oder auch willens, kostendeckende Preise fuer ganztaegige Kinderbetreuung zu bezahlen. So ruft man nach dem Staat, der diese Aufgabe zu guenstigen Preisen uebernehmen soll. Das Dilemma ist aber damit nicht aus der Welt geschafft sondern nur verlagert, denn auch der Staat kann die daraus entstehenden Kosten nicht einfach mittels Magie senken. Im Klartext bedeutet das, entweder die Steuern/Abgaben entsprechend nach oben anzupassen oder aber andere Staatsausgaben zu kuerzen (oder natuerlich eine Mischung von beidem). In diesen Zeiten ueberbordender Budgetdefizite und entsprechender Ruegen und Bussen aus Bruessel wird die BRD es schwer haben, eine flaechendeckende Infrastruktur zu Dumpingpreisen aus dem Boden zu stampfen; diesem Sachzwang wird jede Regierung gegenueberstehen
- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
V.a. koennten aber wohl die meisten Familien kostendeckende Preise fuer Kinderbetreuung nur zahlen, wenn beide Vollzeit erwerbstaetig waeren. Und selbst dann gaebe es etliche, die nicht einmal das koennten.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her!
Dies ist in der Tat ein weiterer Punkt. Ausserdem: ein Ueberangebot an Arbeitskraeften laesst die Preise fuer Arbeitskraft (eben die Gehaelter) sinken. Das ist simple Marktwirtschaft...
Die Frage, wie man die erwerbswilligen Mütter bei der Kinderbetreuung entlastet - die für die kleine Gruppe der wildentschlossenen Karrierefrauen natürlich im Vordergrund steht -,...
Die eigentliche Frage ist, wieviele erwerbswillige Muetter es ueberhaupt gibt. Teilzeit wollen wohl die meisten arbeiten; aber Vollzeit? Wenn man diesbezueglichen Umfragen glauben darf, sieht es da eher schlecht aus. Die meisten Frauen wollen offenbar nur Teilzeit arbeiten, nicht aber Vollzeit erwerbstaetig sein. Hier muesste auch bei Frauen ein Umdenken einsetzen. Ein solches Umdenken (so es denn eintraete) wird aber durch staatliche Verguenstigungen fuer erziehende Muetter wiederum gebremst.
...wird aus dieser volkswirtschaftlichen Perspektive also völlig überlagert durch die Frage, wie die immer selteneren Vollzeiterwerbsstellen so aufgesplittet werden, daß möglichst für jeden und jede ein Teilzeitjob rauskommt, von dem er / sie vernünftig leben kann. Wenn dieses Problem gelöst wird, stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ja sowieso nicht mehr.
Letzten Endes geht es hier also um die Umverteilung von Arbeit. Lassen wir die selbststaendig Erwerbenden mal aussen vor und nehmen wir an, der Arbeitskuchen bleibt geldwertmaessig im Verhaeltnis zu den erwerbsfaehigen Personen laengerfristig in etwa gleich. Dann bedeutet das eine Umverteilung zwischen den einzelnen Arbeitnehmern. Das wird zwangslaeufig zu massiven Spannungen und Verteilungskaempfen unter den unselbststaendig Erwerbenden fuehren, was wiederum von Arbeitgebern zu Lohndruckmassnahmen ausgenutzt wird. Bleibt also wieder einmal nur der Staat, der ordnend und kontrollierend (mit entsprechenden Sekundaerkosten, die die oeffentlichen Budgets noch mehr belasten) eingreift.
Ein Umsatteln auf selbststaendiger Erwerbstaetigkeit ist schon heute hart und wohl den wenigsten gegeben.
Meine These:
Das Thema der der Zukunft ist nicht mehr:
Frauenförderung + Ganztagsschule&Kindergärten (*)
Frauenfoerderung ist schon grundsaetzlich aus Gleichberechtigungsgruenden abzulehnen.
Die Finanzierbarkeit von subventionierten ganztaegigen Kinderbetreuungseinrichtungen ist aufgrund der angespannten Finanzlage von Bund, Laendern und Kommunen nahezu ausgeschlossen.
sondern:
Arbeitszeitverkürzung + Teilzeit-und-Jobsharing-Modelle
Leider ergibt sich auch mit diesem Vorgehen eine Diskrepanz zwischen kinderlosen Singles und Paaren einerseits und Familien mit Kindern andererseits; weiter kompliziert wuerde die Situation durch geschiedene Unterhaltspflichtige und geschiedene Kinderbetreuende. Es muesste also wahrscheinlich eine weitere Umverteilung zwischen kinderlosen Menschen und Eltern eingefuehrt werden, was wohl auf eine kostendeckende staatliche Kinderrente hinauslaeuft, wie das Esther Vilar schon gefordert hat. Ob dies politisch moeglich ist, ist ziemlich fraglich, da damit wohl massive finanzielle Forderungen an und empfindliche Einschraenkungen der persoenlichen Freiheit fuer das Individuum einhergehen.
Ich weiss auch keinen Ausweg aus dieser vertrackten Situation, der momentan politisch durchsetzbar waere. Die (Real-)Politiker wohl ebensowenig; und so wird halt weitergewurstelt, wie bisher.
________
(*) Diese Vorstellung macht nur Sinn vor dem Hintergrund:
- a) ... der Vollbeschäftigungs-Ära bis 1975
- b) ... des Planwirtschaftssystem im Osten (deren Problem war ja nicht der Mangel an ArbeitsPLÄTZEN, sondern vielmehr die ineffiziente Produktion und daher der Mangel an ArbeitsKRÄFTEN.)
Wobei IMHO in sozialistischen Planwirtschaftssystemen Frauenfoerderung schlichtweg unbekannt war. Es war vielmehr gesellschaftlich voellig normal, dass Frauen ganztags arbeiteten; allfaellige unterschiedliche Geschlechterverteilungen in den einzelnen Berufen wurden einfach hingenommen und von keiner feministischen Lobby selektiv als frauendiskriminierend gebrandmarkt.
Gruss
Maesi
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Anabasis am 30. Juli 2003 20:01:18:
Hallo Anabasis
>(Bedenkt: Wenn diese Forderung erfüllt würde, könnte keine Scheidungs-Frau mehr Unterhalt vom Ex-Mann beanspruchen mit dem Argument, sie sei ja durch die Kinder ans Haus gebunden!)
Das interessiert keinen deutschen Mutterschaftskreuz-Richter. Die deutsche Mutter muß 12 Jahre nicht arbeiten, wenn der Ex zahlt,...
Wie Du ganz richtig anfuegst, 'wenn der Ex zahlt'. Nur verdient dieser normalerweise nach vollzogener Scheidung nicht mehr sondern weniger Geld als vor der Scheidung (schlechtere Steuerklasse); gleichzeitig muessen neu zwei Haushalte finanziert werden, wo vorher nur einer war. Wenn die Familie vor der Scheidung schon nicht auf Rosen gebettet war, ist sie es nach der Scheidung noch viel weniger. Also bleibt der geschiedenen Frau in der Praxis meist doch nichts anderes, als ihr Pensum an Erwerbstaetigkeit auszuweiten. Die Maer, dass eine Frau nach der dritten Scheidung finanziell ausgesorgt habe, ansonsten habe sie etwas faschl gemacht, trifft eben nur selten zu.
Andererseits gibt es selbstverstaendlich viele Miststuecke unter den Exen, die den Vater mittels der Kinder als Unterhaltsgeiseln ausnehmen wie eine Weihnachtsgans; ich habe lange genug in den entsprechenden Unterhaltsforen und in der Newsgroup de.soc.familie.vaeter gelurkt, um das zu wissen.
Wie wir inzwischen nicht mehr nur aus amerikanischen Untersuchungen wissen, besteht ein statistischer (kausaler?) Zusammenhang zwischen Umgangshaeufigkeit und Unterhaltszahlungsmoral. Vielleicht sollte man unter diesem Aspekt auch in Deutschland mal die Umgangssituationen von Vaetern etwas genauer unter die Lupe nehmen; moeglicherweise entpuppt sich dann die in so manchem Beispiel traenenreich beklagte schlechte Zahlungsmoral des Vaters als Nebenwirkung einer gezielten Vaterausgrenzung durch die Mutter.
Und genau solche Spielchen lassen zuviele verantwortungslos urteilende Gerichte und ideologisch agierende Jugendaemter viel zu oft durchgehen. Hier herrscht leider eine bedenkliche muetterzentrierte Einseitigkeit bei der Realitaetswahrnehmung vor.
Ausserdem waere es ziemlich aufschlussreich, die durch Ehescheidungen ausgeloesten volkswirtschaftlichen Sekundaerschaeden und Vermoegensvernichtungen zu ermitteln, die beispielsweise durch Liquidierung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie von Eigenheimen entstehen, um Unterhaltsverpflichtungen zu begleichen. Moeglicherweise wuerden diese Zahlen ausreichen, um Ehewillige auf die Gefahren der Ehe explizit hinzuweisen; so aehnlich, wie sie auf jedem Zigarettenpaeckchen oder Beipackzettel fuer Medikamente stehen: 'Die Ehe kann Ihre physische und psychische Gesundheit schaedigen und Sie in den finanziellen Ruin treiben' oder 'Zu Risiken und Nebenwirkungen der Ehe lesen Sie das Eherecht und fragen Sie ihren Scheidungsanwalt oder -richter'.
...auch wenn sie für jedes Kind drei Kindergartenplätze hat und die Personalvermittler ihre Gartenpforte belagern.
Naja, in dieser beneidenswerten Lage sind wohl die wenigsten Alleinerziehenden.
>- Das Problem: Umfassende Kinderbetreuungsprogramme würden nur Sinn machen, wenn sie auch tatsächlich durch eine sprunghaft steigende weiblickhe Vollzeiterwerbsbevölkerung in Anspruch genommen werden würden.
Aber so viele Vollzeit-Arbeitsplätze gibt unsere durchrationalisierte und hocheffiziente Wirtschaft doch gar nicht mehr her! [/i]
Es fehlt nicht an Arbeit in unserem Land.
Das ist korrekt.
Nur ist unser Land totreguliert und die Pfründenwärter verhindern, dass die Arbeitsplätze geschaffen werden. Allein die Aufhebung der Flächentarifverträge würde es vielen Betrieben ermöglichen, mit den Neumitgliedern der EU im Osten zu konkurrieren.
Da ist was wahres dran. Aber diese Regulierungen sind indirekt Schuld des Waehlers, denn sie haben die Politiker gewaehlt. Und solange eine Mehrheit glaubt von diesen Regulierungen zu profitieren, wird sich daran auch nichts aendern.
Tarifvertraege halte ich nicht fuer das eigentliche Problem; sie wurden schliesslich von den Tarifpartnern ausgehandelt. Das Aushandeln ist ein dauernder Prozess und haelt auch heute noch an, und momentan muessen die Gewerkschaften ziemlich starke Konzessionen machen. Diese Vertraege regulieren sich, je nach Wirtschaftslage, selbsttaetig.
Sicher wäre auch eine Steuerentlastung hilfreich -...
Ich bezweifle, dass kurzfristig eine Steuerentlastung angesichts des massiven Budgetdefizits moeglich ist. Laengerfristig waere das wohl eher moeglich, dann muessten parallel dazu allerdings auch sukzessive die Ausgaben der oeffentlichen Hand eingeschraenkt werden, damit die Staatsquote nicht in die Hoehe schnellt und noch mehr Bussbescheide aus Bruessel kommen. Ob die Buerger die Streichung und Redimensionierung von staatlich gewaehrten Verguenstigungen und Subventionen so ohne weiteres hinzunehmen bereit sind, steht auf einem anderen Blatt.
...je weniger Steuern dieser Staat einnimmt, um so weniger Kampflesbenprogramme kann er bezahlen...
Waere natuerlich toll, wenn ueberfluessige feministische Pfruende endlich liquidiert wuerden. Leider hocken nicht wenige feminismusfreundliche Politiker an Schluesselpositionen und schanzen denen Foerdermittel zu; die Prioritaeten werden eben nicht immer vernuenftig gesetzt.
...und um so mehr Investitionskapital können die Betriebe aufbauen.
Wobei sich hier die Frage stellt, ob nicht dieses Investitionskapital wieder ins Ausland abwandert. Zu Garfields Ausfuehrungen gibt es eigentlich wenig zu sagen. Sinkendes Einkommen bei nicht analog sinkenden Lebenshaltungskosten bedeutet nun mal auch einen Rueckgang des Konsums, was sich neben dem Steueraufkommen direkt auch die Profite der im hiesigen Markt agierenden Unternehmen auswirkt und diese wiederum veranlasst, den europaeischen Markt links liegen zu lassen. Wie die 68er richtig feststellten, sind wir auf Gedeih und Verderb auf Wirtschaftswachstum angewiesen. Leider ist es sehr schwierig auf einem bereits hohen wirtschaftlichen Niveau noch ein Wachstum zu erzielen. Laender wie China oder jene in Osteuropa sind auf einem tiefen Niveau und koennen deshalb die naechsten Jahre und Jahrzehnte traumhafte Wachstumsraten vorweisen, bis sie sich Nordamerika, Japan und Westmitteleuropa angeglichen haben; die westlichen Unternehmen wollen da verstaendlicherweise dabei sein.
Wo aber sind unsere Staerken? Ganz eindeutig im Hochtechnologiebereich. Deshalb ist es ein eigentlicher Suendenfall, wenn Naturwissenschaften und Technik an Schulen zugunsten von Geistes- und Sozialwissenschaften vernachlaessigt werden. Es ist naemlich aeusserst unwahrscheinlich, dass sich psychologische oder sozialwissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Weltmarkt gewinnbringend verkaufen lassen.
Bei neuen komplexen Technologien und/oder High-Tech-Produkten sieht das aber ganz anders aus: diese erzielen meistens eine hohe Wertschoepfung bei gleichzeitig ebenfalls hohen Investitionen an Geld und Know how von Menschen; also etwas, das sich Schwellenlaender wie China (noch) nicht leisten koennen. Leider findet man gerade in Europa eine weit verbreitete Angst, ja sogar Feindlichkeit gegenueber neuen Technologien. Zu allen Zeiten waren neue Technologien mit Risiken behaftet, keine Frage. Aber wenn Europa nicht wieder etwas mehr Risikobereitschaft zeigt, verbaut es sich den Weg in die Zukunft selber. Andere Laender haben naemlich diesen Mut zum Risiko sehr wohl; neue Technologien werden also so oder so entwickelt. Mit seiner Verweigerungstaktik wird Europa die technologische Entwicklung somit nicht verzoegern oder gar aufhalten koennen; es wird lediglich technologisch ins Hintertreffen geraten.
Gruss
Maesi
Re: Das frauenfeindlichste Land Europas
Als Antwort auf: Re: Das frauenfeindlichste Land Europas von Maesi am 06. August 2003 19:00:50:
Immer mehr Frauen um die dreißig verzichten sogar endgültig auf Kinder, um sich noch windschnittiger für ihren Konkurrenzkampf mit den Männern zu machen. Und jetzt ist Vater Staat pleite.
So ein Pech aber auch; Vater Staat ist pleite.
Ich find's bemerkenswert, daß von VATER Staat die Rede ist; so symptomatisch irgendwie - denn was ist die Aufgabe eines Vaters? Das Beutelchen zu zücken und zu zahlen ... 
Gruß, Rüdiger