Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich

Bruno, Monday, 28.07.2003, 14:49 (vor 8227 Tagen)

Liebe Forumsteilnehmer,

anbei Artikel aus BW:

"22.07.2003
Landesarbeitsamt: Mehr Arbeit für Frauen
Förderung von Frauen im Berufsleben sollte ausgebaut werden

Stuttgart - Trotz einer gestiegenen Beschäftigungs- und Erwerbsquote sollte nach Einschätzung des Landesarbeitsamtes die Förderung von Frauen im Berufsleben ausgebaut werden. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit würden in den Betrieben wieder vermehrt frauenfeindliche Klischees ins Spiel gebracht, sagte die Vizepräsidentin des Landesarbeitsamtes, Margit Haupt-Koopmann, am Dienstag in Stuttgart.

Zu den Klischees gehöre die Ansicht, dass in Krisenzeiten Frauen die Familien übernehmen und Jobs für Männer freimachen sollten. Zudem würden Frauen am Arbeitsplatz oft nicht respektiert. "Gerade die Teilzeit, die mit 80 Prozent eine Frauendomäne ist, wird gesellschaftlich nicht für voll genommen."

Zudem fehlten in zahlreichen Unternehmen noch immer flexible Arbeitszeitmodelle, die Frauen den Spagat zwischen Karriere und Familie ermöglichten. Frauen seien im Durchschnitt zwar geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Verlören sie aber ihren Job, dauere es bis zu einer Neueinstellung wesentlich länger.

Das Arbeitsamt präsentierte erstmals einen geschlechtsspezifischen Strukturbericht der zurückliegenden zwei Jahrzehnte. Danach stieg zwischen 1980 und 2002 der Frauenanteil an der Beschäftigung um 21,6 Prozent auf knapp 44 Prozent. Bei den Männern gab es einen Zuwachs von 6,5 Prozent. Immer mehr Frauen wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Anteil legte von 21 auf 27 Prozent zu.

Auch im Öffentlichen Dienst fand eine Angleichung statt. Waren 1980 nur 18,6 Prozent der Beamten Frauen, kletterte der Wert bis 2002 auf 36,8 Prozent. Allerdings verdienen Frauen in vielen Branchen erheblich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Internet:
Geschlechtsspezifischer Strukturbericht Baden-Württemberg:
http://www.arbeitsamt.de/laa_bw/publikationen/index.html"

Übrigens: Zur Information siehe Tabelle http://www.arbeitsamt.de/laa_bw/publikationen/Tabelle24!A1

Arbeitslose Männer 2002: 53,9%
Arbeitslose Frauen 2002: 46,1%

Gruß

Bruno

Die verkaufen einem für Blöd

pit b., Monday, 28.07.2003, 16:37 (vor 8227 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich von Bruno am 28. Juli 2003 11:49:40:

Zudem fehlten in zahlreichen Unternehmen noch immer flexible Arbeitszeitmodelle, die Frauen den Spagat zwischen Karriere und Familie ermöglichten. Frauen seien im Durchschnitt zwar geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Verlören sie aber ihren Job, dauere es bis zu einer Neueinstellung wesentlich länger.

--- Die Arbeitslosigkeit unter Frauen ist geringer!
Immernoch nicht zufrieden ?
Bis zu einer Neueinstellung dauert es zu lange !?
Die finden auch immer wieder was worüber sie sich beklagen können.
Klar, den Zeitraum bis zu einer Neueinstellung zu verkürzen
ist ja auch um so viel wichtiger als die Männerarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Darüber verliert frau natürlich kein Wort, was man denn
vor habe um die höhere Männerarbeitslosigkeit ab zu bauen.

Das Arbeitsamt präsentierte erstmals einen geschlechtsspezifischen Strukturbericht der zurückliegenden zwei Jahrzehnte. Danach stieg zwischen 1980 und 2002 der Frauenanteil an der Beschäftigung um 21,6 Prozent auf knapp 44 Prozent. Bei den Männern gab es einen Zuwachs von 6,5 Prozent. Immer mehr Frauen wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Anteil legte von 21 auf 27 Prozent zu.
Auch im Öffentlichen Dienst fand eine Angleichung statt. Waren 1980 nur 18,6 Prozent der Beamten Frauen, kletterte der Wert bis 2002 auf 36,8 Prozent.

---Kling gut oder?
Wenn da nur nicht der lange Zeitrahmen bis zu einer Neueinstellung wäre.

Allerdings verdienen Frauen in vielen Branchen erheblich weniger als ihre männlichen Kollegen.

--- Aha!
Da haben wir also schon etwas gelernt.
"In vielen Branchen..."
Nicht mehr "Frauen verdienen generell im gleichen Beruf weninger" nein,
jetzt tun sie das nur noch in vielen Branchen.
Welche das sind wird natürlich nicht verraten.

Ich persönlich habe vollstes Verständis dafür dass eine Krankenschweseter
nicht soviel verdient wie ein Chefarzt.

Internet:
Geschlechtsspezifischer Strukturbericht Baden-Württemberg:
http://www.arbeitsamt.de/laa_bw/publikationen/index.html"

--- Ich glaube die kriegen eine Mail von mir.

gruß

Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich?

HemmaNedDo, Tuesday, 29.07.2003, 11:12 (vor 8226 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich von Bruno am 28. Juli 2003 11:49:40:

Arbeitslose Männer 2002: 53,9%
[quote]Arbeitslose Frauen 2002: 46,1%
[/quote]

Und wie hoch ist der Anteil der erwerbestätigen Frauen am Arbeitsmarkt im Verhältnis zur Anzahl der erwerbsfähigen Frauen?
Wie hoch ist die Anzahl von Frauen in geringfügigen Beschäftigungen (also sozialversicherungsfrei)und wie ist das Verhältnis hier?

Jörg

Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig

Bruno, Tuesday, 29.07.2003, 23:34 (vor 8226 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich? von HemmaNedDo am 29. Juli 2003 08:12:08:

Arbeitslose Männer 2002: 53,9%

Arbeitslose Frauen 2002: 46,1%[/i]

Und wie hoch ist der Anteil der erwerbestätigen Frauen am Arbeitsmarkt im Verhältnis zur Anzahl der erwerbsfähigen Frauen?
Wie hoch ist die Anzahl von Frauen in geringfügigen Beschäftigungen (also sozialversicherungsfrei)und wie ist das Verhältnis hier?
Jörg

Hallo Jörg,

frag beim Landesarbeitsamt nach. Und wenn dich etwas stört, an meinem Posting, so wäre es mir Recht, wenn du das frei heraus sagen würdest.

Tatsache ist, dass die Beschäftigungsquote der Frauen geringer ist als die der Männer. Tatsache ist auch, dass die Arbeitslosenquote der männlichen Jugendlichen in Deutschland im April 2003 um 43% höher war als die der weiblichen.

Ich bin der Ansicht, dass auch im Sinne des Gender Mainstreaming-Ansatzes etwas gegen beides getan werden muss. Das Landesarbeitsamt ist nach einer Auskuft mir gegenüber aber auf die Erhöhung der Beschäftigungsquote der Frauen interessiert und zwar im Auftrage der deutschen rot-grünen Arbeitsmarktpolitik. Die höhere Arbeitslosenquote sieht die deutsche Politik und das Arbeitsamt nicht als Benachteiligung an, obwohl jahrelang die frühere höhere Arbeitslosenquote der Frauen immer das Paradebeispiel für die Benachteiligung der Frauen gegolten hat.

Und das ist einfach ungerecht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Es ist ungerecht, das der Gender Mainstreaming Ansatz, den deine Grünen so schätzen, immer nur bei Benachteiligungsfelder der Frauen gilt, und nie bei Benachteiligungsfeldern von Männern, obwohl dies völlig konträr zu mGM ist.

Wie siehst du das?

Findest du die höhere Arbeitslosenquote der Männer für in Ordnung oder meinst du, dass neben den Maßnahmen zur Hebung der Beschäftigungsquote der Frauen auch etwas getan werden sollte?

Gruß

Bruno

Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig

HemmaNedDo, Wednesday, 30.07.2003, 00:11 (vor 8226 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig von Bruno am 29. Juli 2003 20:34:37:

Es ist ungerecht, das der Gender Mainstreaming Ansatz, den deine Grünen so schätzen, immer nur bei Benachteiligungsfelder der Frauen gilt, und nie bei Benachteiligungsfeldern von Männern, obwohl dies völlig konträr zu mGM ist.

Wie siehst du das?

Findest du die höhere Arbeitslosenquote der Männer für in Ordnung oder meinst du, dass neben den Maßnahmen zur Hebung der Beschäftigungsquote der Frauen auch etwas getan werden sollte?

Hi,
ich habe die Fragen schon mit Überlegung gestellt. Du kannst nicht diese einzelne Zahlen rausstellen und die, die ich angesprochen habe, außen vor lassen.
Frauen sind in Ba-Wü zu ~50% erwerbstätig, Männer zu ~65%.(der Rest ist arbeitslos oder nicht mehr erwerbstätig)
Das relativiert doch schonmal Deine Zahlen.

Zahlen zu Teilzeitbeschäftigung finde ich momentan keine, wir wissen aber ale, dass Frauen eine sehr hohen Prozentsatz an teilzeitstellen belegen. Wie sieht Deine Statistik aus, wenn wir das in Vollzeitstellen umrechnen.
Daher kommen übrigens auch die Unterschiede im Lohnniveau.

Es ist nicht einfach mit den Arbeitslosenstatistiken getan.
Und solange Frauenarbeit weiterhin vorrangig Teilzeitarbeit ist und Männer nur zu 3% Elternzeit nehmen usw. usf., solange bedarf es Frauenförderprogramme....nur sollte man sie umbenennen..:-)
Ich sehe es auch kritisch, dass GM in erster Linie Frauen als Ziele nennt, gleichzeitg wird das aber auch gerne herausgelesen, denn GM meint tatsächlich beide Geschlchter. Umdenken in bspw. Elternzeit ist gut für beide Geschlechter.

Das Umdenken sollte auf einer ganz anderen Ebene stattfinden, als Du sie hier darstellst.
Aber das ist das Genderpolitik...und das sprengt hier echt den Rahmen
Über kurz oder lang werd ich dazu ne Homepage bauen...eher langfristig - weil zunächst andere Projekte Vorrang haben.
Ich sag Dir dann Bescheid.

Gruß
Jörg

Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig

Joseph S, Wednesday, 30.07.2003, 01:39 (vor 8226 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig von HemmaNedDo am 29. Juli 2003 21:11:03:

Hallo Jörg,

Frauen sind in Ba-Wü zu ~50% erwerbstätig, Männer zu ~65%.(der Rest ist arbeitslos oder nicht mehr erwerbstätig)
Das relativiert doch schonmal Deine Zahlen.

Zahlen zu Teilzeitbeschäftigung finde ich momentan keine, wir wissen aber ale, dass Frauen eine sehr hohen Prozentsatz an teilzeitstellen belegen.

Frauen sind länger im Rentenalter und sind viel häufiger so gut verheiratet, daß sie kein
Interesse an einem Vollzeitjob oder übehaupt kein Interesse an Erwerbsarbeit haben. Damit
kann man das gut erklären. Man braucht dazu keine Frauendiskriminierung.

Wie sieht Deine Statistik aus, wenn wir das in Vollzeitstellen umrechnen.

Was für einen Sinn macht das, die, die sich gar nicht um Arbeit bemühen, zu den Arbeitslosen,
die einen Job brauchen, bei der Frage, wer Beschäftigungsförderung braucht, dazuzurechnen ?

Und solange Frauenarbeit weiterhin vorrangig Teilzeitarbeit ist und Männer nur zu 3% Elternzeit nehmen usw. usf., solange bedarf es Frauenförderprogramme

Nein! Man muß an dem, was Männer von Teilzeit und Elternzeit abhält, ansetzen. Die Frauenförderprogramme
haben da bisher gar nichts gebracht. Wie sollte sie auch?

nur sollte man sie umbenennen..:-)

Mit einem anderen Ettiket wird sie auch nichts vernünftiges.

Gruß
Joseph

Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig

Odin, Wednesday, 30.07.2003, 14:15 (vor 8225 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig von HemmaNedDo am 29. Juli 2003 21:11:03:

Frauen sind in Ba-Wü zu ~50% erwerbstätig, Männer zu ~65%.(der Rest ist arbeitslos oder nicht mehr erwerbstätig)
Das relativiert doch schonmal Deine Zahlen.

Das bedeutet, daß man solange um Frauenförderung bemüht ist, bis sie auch in ALLEN Belangen ganz klar im Vorteil sind. Dann dauert es nochmal 10 Jahre, bis das auch jeder kapiert hat, dann wird erstmal diskutiert, ob man den Vorteil der Frauen nicht einfach mal 100 Jahre akzeptieren soll, weil ja der Mann angeblich solang im Vorteil war - und DANN erwägt man schließlich hoffentlich, sich auch mal um die Männer zu kümmern!
Im übrigen wüßte ich hier gerne mal, welchen NACHTEIL es für Frauen bedeutet, nicht erwerbstätig zu sein! Die Witwe von Max Grundig ist auch nicht erwerbstätig. Nachdem sie die Firma ruiniert hat mit ihren finanziellen Forderungen kann sie von dem Geld gut leben.
Ich wollte, jemand anderes würde für mich arbeiten und ich könnte dann Fördermittel fordern, weil ich ja so einsam zuhause rumhänge.

Und solange Frauenarbeit weiterhin vorrangig Teilzeitarbeit ist und Männer nur zu 3% Elternzeit nehmen usw. usf., solange bedarf es Frauenförderprogramme....nur sollte man sie umbenennen..:-)

Auch hier wieder dasselbe Beispiel: Den Vorteil der Frau, auf Kosten des Partners Teilzeit arbeiten zu KÖNNEN, als Nachteil heraus zu stellen und Förderung beantragen.
Auch hier wieder der Spruch: Von Männern FORDERN, Frauen FÖRDERN.
Männer werden kritisiert, wenn sie KEINE Teilzeit arbeiten, trotz Familie. Keiner spricht hier von Förderung - die müssen einfach, sonst sind sie schlechte Väter.
Frauen geniesen Förderung, obwohl sie wahrscheinlich überhaupt nicht motiviert sind zur Vollzeitarbeit, weil ja der Partner die Kohle heranschafft.

Ich habe mehrere! Bekannte, die sich extra deswegen ein Kind angeschafft haben, um nicht mehr arbeiten zu müssen. Eine mußte in ihrer Verzweiflung (deutsch Männer sind nicht mehr ganz so dumm) nach Tunesien.

Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig

Bruno, Wednesday, 30.07.2003, 15:24 (vor 8225 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig von HemmaNedDo am 29. Juli 2003 21:11:03:

Hallo Jörg,

ich bin ein absoluter Befürworter von Gender Maintreaming, so wie es in der Theorie sein sollte, für Frauen und Männer. Aber in der Praxis ist Gender-Mainstreaming ausschließlich auf die Unterstützung von Frauen ausgrichtet und stellt nichts anderes dar als die Fortführung der bloßen Frauenförderung. In Baden-Württemberg sollen glaube ich etwa 30 Millionen Euro (Quelle weiß ich jetzt nicht mehr) für die Umsetzung des GM zur Verfügung gestellt werden. Für mich steht bei der männerfeindlichen Arbeitsmarktpolitik außer Frage, dass diese GM Gelder für Frauen „und Männer“ ausschließlich den Frauenfördertopf ergänzen werden.

Beispiel: In den Kommunen gibt es über 60% Frauenanteil. Trotzdem müssen größere Kommunen Frauenförderpläne, nicht Männerförderpläne aufstellen.

Und das ist die Frage:

Warum wird 40% Frauenanteil als Benachteiligung gesehen, weniger als 40% Männeranteil in den Kommunen aber nicht? Und darauf konnte man mir bisher noch keine Antwort geben. In den Gleichstellungsgesetzen ist lediglich die Unterbesetzung mit Frauen als Benachteiligung definiert, umgekehrt nicht. Was hat das mit Gleichberechtigung oder Chancengleichheit zu tun? Warum hat man in den Gleichstellungsgesetzen nicht geschlechtsneutral formuliert, dass das unterbesetze Geschlecht gefördert werden soll? Frag mal deine Parteikolleginnen.

Ich geb dir eine Antwort: Weil CHancengleichheit für Männer gelogen ist. Weil es in unerer Gessellschaft beinahe schon einem Verbrechen gleich kommt, sich für berechtigte Männerinteressen einzusetzen. Weil es undenkbar ist, auch Männern Chgancengleichheit zu gewähren.

Momentan wird Arbeitsmarktpolitik nur so betrieben, dass Männer durch Frauen ersetzt werden. Dass man damit keine neuen Arbeitsplätze gewinnt, scheint niemand zu interessieren. Im Gegenteil. Durch die Erhöung der Frauenquote bei gleichzeitiger Abschiebung der Männer in die Massenarbeitslosigkeit (nicht in die Frauenberufe!) sieht die relative Beschäftigungsquote (Frauen/Männer) umso besser aus. Schwant dir was?

Ich denke, die Arbeitslosigkeit wird noch sehr unterschätzt. Das wird sich noch bitter rächen.

Im Gegensatz zur rot-grünen Bundes- und schwarz-gelben Landesregierung bin ich nicht der Auffassung, dass gute Frauenpolitik männerfeindlich sein muss. Ich bin nicht der Auffassung, dass Frauen nur gewinnen können, wenn Männer verlieren.

Gruß

Bruno

Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich

Maesi, Wednesday, 06.08.2003, 21:38 (vor 8218 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich von Bruno am 28. Juli 2003 11:49:40:

Hallo Bruno

Stuttgart - Trotz einer gestiegenen Beschäftigungs- und Erwerbsquote sollte nach Einschätzung des Landesarbeitsamtes die Förderung von Frauen im Berufsleben ausgebaut werden. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit würden in den Betrieben wieder vermehrt frauenfeindliche Klischees ins Spiel gebracht, sagte die Vizepräsidentin des Landesarbeitsamtes, Margit Haupt-Koopmann, am Dienstag in Stuttgart.
Zu den Klischees gehöre die Ansicht, dass in Krisenzeiten Frauen die Familien übernehmen und Jobs für Männer freimachen sollten.

Das Problem mit diesem Klischee haben IMHO v.a. die Frauen selber. Sie sind es, die ueberwiegend Teilzeit arbeiten wollen (gem. Umfragen); sie sind es, die zwar im Erwerbsleben stehen koennen wollen aber nicht unbedingt wollen, es zu muessen.

Zudem würden Frauen am Arbeitsplatz oft nicht respektiert. "Gerade die Teilzeit, die mit 80 Prozent eine Frauendomäne ist, wird gesellschaftlich nicht für voll genommen."

Die obige Behauptung ist schlichtweg Humbug. Wie respektiert eine Arbeitnehmerin ist, haengt normalerweise von der Qualitaet ihrer Arbeit und nicht ihrem Arbeitspensum ab. Allerdings findet man Teilzeitstellen haeufig in Berufen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen (z.B. Detailhandel, Sekretariatsarbeiten, Raumpflegedienste, etc.). Ueberdurchschnittlich haeufig gibt es Teilzeitstellen auch in oeffentlichen Betrieben. Gerade Beschaeftigte im oeffentlichen Dienst haben haeufig ein schlechtes Image; im Falle von Gleichstellungsbeauftragten (ausschliesslich Frauen) ist dieses Negativimage IMHO sogar voellig gerechtfertigt. Vielleicht sind das die Gruende, weshalb Frau Haupt-Koopmann glaubt, Teilzeitarbeit wuerde nicht fuer voll genommen.

Zudem fehlten in zahlreichen Unternehmen noch immer flexible Arbeitszeitmodelle, die Frauen den Spagat zwischen Karriere und Familie ermöglichten.

Das Problem ist, dass viele Leute glauben, die Unternehmen muessten sich nach den Beduerfnissen ihrer Arbeitnehmer richten; das ist jedoch grundfalchs, und der Arbeitnehmer, der so denkt, wird auf dem heutigen Arbeitsmarkt nicht lange ueberleben. Das erfolgreiche Unternehmen richtet sich vielmehr nach den Beduerfnissen des Marktes aus. Der Markt verlangt Flexibilitaet von den Unternehmen und mittelbar natuerlich auch von den Arbeitnehmern; deshalb sind den Unternehmen bezueglich flexiblen Arbeitszeitmodellen vergleichsweise enge Grenzen gesetzt. In Zeiten von schrumpfenden Arbeitsmaerkten wird der Konkurrenzkampf um die verbliebenen Stellen ohnehin haerter; wer nicht unbedingt muss, versucht sich daraus zurueckzuziehen oder zumindest die Erwerbsarbeit zu reduzieren. Frauen haben auch heute noch eine gesellschaftlich akzeptierte Moeglichkeit dazu: naemlich die Familienarbeit. Maenner haben diese Moeglichkeit bestenfalls in der Theorie. Sofern geschieden und unterhaltspflichtig werden sie sozusagen von Gerichts wegen zu einem Vollzeiterwerb gezwungen, da sie anders den Unterhaltspflichten normalerweise gar nicht nachkommen koennten.

Frauen seien im Durchschnitt zwar geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Verlören sie aber ihren Job, dauere es bis zu einer Neueinstellung wesentlich länger.

Was moeglicherweise daran liegt, dass haeufig ein Mann da ist, der sie finanziell versorgt. Da Frauen auch heute noch in Partnerschaften nur selten die Rolle des Haupterwerbstaetigen einnehmen, ist bei ihnen logischerweise auch der Druck geringer, jede noch so miese Stelle annehmen zu muessen, um das wirtschaftliche Ueberleben der Familie zu gewaehrleisten.

Das Arbeitsamt präsentierte erstmals einen geschlechtsspezifischen Strukturbericht der zurückliegenden zwei Jahrzehnte. Danach stieg zwischen 1980 und 2002 der Frauenanteil an der Beschäftigung um 21,6 Prozent auf knapp 44 Prozent. Bei den Männern gab es einen Zuwachs von 6,5 Prozent. Immer mehr Frauen wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Anteil legte von 21 auf 27 Prozent zu.
Auch im Öffentlichen Dienst fand eine Angleichung statt. Waren 1980 nur 18,6 Prozent der Beamten Frauen, kletterte der Wert bis 2002 auf 36,8 Prozent.

Schoen fuer die Frauen, dass sie immer staerker im Erwerbsleben stehen.

Allerdings verdienen Frauen in vielen Branchen erheblich weniger als ihre männlichen Kollegen.

Hier haben wir ihn wieder einmal - den Kunstgriff mit den geschlechterspezifischen unterschiedlichen Lohnniveaus in einzelnen Branchen. Wenn Person A Junior-Programmierer ist und Person B Wirtschaftsinformatiker mit langjaehriger Projektleitererfahrung, dann arbeiten zwar beide in der IT-Branche, Person B wird jedoch wesentlich mehr verdienen als Person A; es darf eben nur gleiches mit gleichem verglichen werden, die Branche sagt da ueberhaupt nichts aus. Tatsache ist, dass kein geschlechterspezifischer Unterschied mehr feststellbar ist, wenn man die Gehaelter von Maennern und Frauen innerhalb derselben Berufe bei gleicher Qualifikation, Erfahrung und Funktion miteinander vergleicht.

Gruss

Maesi

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