Re: Fundstücke aus Illustrierten (2)
Als Antwort auf: Fundstücke aus Illustrierten (2) von Frank am 27. Juli 2003 17:01:03:
Hallo Frank!
Daß Frauen ihre Sexualität jahrtausendelang unterdrücken mußten, ist auch wieder so ein modernes feministisches Märchen. Tatsächlich galten Frauen in früheren Zeiten grundsätzlich als das lustbetontere Geschlecht. Daher ja auch die Geschichte von Eva, die Adam zur Sünde verführt (und nicht etwa umgekehrt).
Im Mittelalter gab es ein Lied, in dem geschildert wurde, wie ein fahrender Ritter am Straßenrand eine Frau trifft. Sie verführt ihn, und sie haben 5mal (!) nacheinander Sex. Als sie noch ein sechstes Mal möchte, versagt auch die offenbar durchaus gute Potenz dieses Ritters, er muß also passen und zieht unter dem Spott der Frau weiter.
Irgendwo im mittelalterlichen Griechenland hat mal ein Graf eine Stadt erobert. Da die Bewohner der Stadt ihm dabei heftigen Widerstand geleistet hatten, befahl er aus Rache dafür, alle männlichen Einwohner zu kastrieren. Daraufhin wurde eine Delegation von Frauen aus dieser Stadt bei ihm vorstellig. Sie sagten, er könne ihren Männern ja Ohren oder Nasen abschneiden lassen, ihre Hoden jedoch dürfe er nicht entfernen lassen, denn die würden ihren Frauen gehören und wären zum Vergnügen der Frauen und für den Kindersegen da.
Unter dem Einfluß der katholischen Kirche ging es dann bald wesentlich prüder zu, aber das betraf Männer und Frauen gleichermaßen. Ehebruch war auch für Männer strafbar. Es gab Fälle, in denen man auch den Geliebten einer Ehebrecherin gefaßt hatte. Die Strafe konnte dann z.B. so aussehen, daß die beiden nackt aufeinander gebunden, so in ein Erdloch auf Dornengestrüpp gelegt, anschließend mit einem Pfahl durchbohrt und dann noch lebend verscharrt wurden. Es waren halt harte Sitten damals, aber das betraf eben auch Männer.
Im 19. Jahrhundert gab es nicht mehr so drakonische Strafen für Ehebrecher(innen), aber insbesondere in den höheren Kreisen konnte man sich durch eine Scheidung gesellschaftlich und damit oft auch finanziell komplett ruinieren. Deshalb ließ man sich zwar nur sehr selten scheiden, ging aber trotzdem fleißig fremd. Auch da gab es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Oft wußten die Ehepartner davon und akzeptierten es oder hatten selbst auch ein Verhältnis. Man muß dabei auch bedenken, daß gerade in den höheren Kreisen damals nur selten aus Liebe geheiratet wurde. Da ging es bei einer Hochzeit meist mehr darum, den Reichtum der Familie zu vermehren oder ein Bündnis mit einem anderen Land zu festigen. Auch das betraf Männer und Frauen gleichermaßen. Auch Männer wurden also in der Regel von ihren Eltern verheiratet oder heirateten selbst aus rein rationalen Gesichtspunkten heraus.
So war es dann auch kein Wunder, daß hinter den Kulissen fleißig fremdgegangen wurde. Nelson hatte ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, deren Mann davon wußte und es akzeptierte. Als Bismarck in seinen jungen Jahren mal eine Zeitlang weit entfernt von seiner Frau eingesetzt war, legte er sich ebenfalls eine Geliebte zu. Deren Mann wußte ebenfalls davon, akzeptierte es aber. Bismarcks Frau sagte dazu, daß sie möchte, daß er glücklich ist und daß es sie deshalb nicht stört, wenn er ein Verhältnis hat. Von einer englischen Prinzessin wird berichtet, daß sie zuweilen mit einer Dienerin am Fenster beobachtete, wie ihr Mann sich von seiner Geliebten verabschiedete, und daß sie sich dann mit der Dienerin über die Figur dieser Geliebten lustig machte. Die Mutter von Churchill hatte sehr viele Liebhaber. Zeitgenossen schätzten ihre Zahl auf etwa 200. Churchills Vater prügelte schon mal einen dieser Liebhaber aus dem Haus, aber ihm blieb nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren. Er selbst war auch kein Muster an Keuschheit und hatte sich bei einer Prostituierten eine Krankheit weggeholt, die schließlich zur Impotenz führte...
Fremdgehen war also schon damals trotz aller gesellschaftlichen Einschränkungen durchaus übliche Praxis, und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen. Man redete nur nicht öffentlich darüber.
Das einzige, was sich in den letzten Jahrzehnten geändert hat, ist, daß Fremdgehen bei Frauen zunehmend akzeptiert wird, während ein fremdgehender Mann natürlich weiterhin ein mieses Schwein ist. Auch wenn der eine oder andere Kumpel ihn dann vielleicht für einen ganz tollen Typen hält: Die Mehrheit der Männer und Frauen sieht das anders.
Bei Prominenten zeigt sich das auch deutlich, wie du ja schon festgestellt hast. Ich habe noch nie erlebt, daß prominente Männer wie Boris Becker, die beim Seitensprung erwischt wurden, von den Medien ein Podium bekommen hätten, um ihre Beweggründe dafür darzustellen. Da wurden immer nur Reue und Entschuldigungen akzeptiert und gesendet.
Bei weiblichen Promis, die fremdgegangen sind, sah das etwas anders aus. Die ernteten zwar durchaus auch Kritik, aber sie bekamen immer Podien, um sich zu rechtfertigen und ihr öffentliches Image wieder möglichst gerade zu rücken. Vor kurzem wurde gerade wieder überall berichtet, daß Gina Wild alias Michaela Schaffrath, regelmäßig einen Swingerclub besucht. Dabei wurde immer gleich betont, daß ihr Mann nichts dagegen hat, und in einem Interview konnte sie das zusammen mit ihrem Mann auch klarstellen.
Wenn ein männlicher Promi in einem Swingerclub erwischt worden wäre, dann wäre das sehr viel negativer dargestellt worden. Etwa so wie im Fall Friedmann. Selbst wenn seine Frau dann gesagt hätte, daß es für sie okay ist, wäre das für die Medien noch lange nicht okay gewesen. Die Frau wäre dann als leidende, schwache Person dargestellt worden und der Mann als übles Schwein.
Auch bei ganz normalen Menschen läuft das sehr ähnlich ab. Als allgemein auffiel, daß die Freundin meines Cousins sich etwas zu sehr für andere Männer interessiert, wurde das zwar nicht gerade positiv beurteilt, es kamen aber auch sofort Bemerkungen dazu, daß mein Cousin ja ziemlich viel schlafen würde, so daß da im Bett wohl nicht viel passiert...
Das ist ganz typisch. Da greifen wieder die Klischees vom Mann als ewigem Täter und der Frau als ewigem Opfer. Wenn ein Mann fremdgeht, dann tut er das natürlich, weil er eben ein Mann ist und deshalb von Natur aus gemein, niederträchtig und natürlich auch untreu. Wieso also über andere Beweggründe nachdenken? Daß die werte Ehefrau im Bett vielleicht schon seit 10 Jahren keinen Finger mehr gerührt hat, spielt dann keine Rolle.
Eine Frau dagegen ist ja von Natur aus liebevoll und fürsorglich, also muß sie doch für einen Seitensprung einen Grund gehabt haben. Dann muß ihr Mann sie also ganz furchtbar vernachlässigt haben, ist also quasi selbst dran schuld.
In Frauenzeitschriften wird schon lange darüber diskutiert, wieviele Männer eine Frau wohl gleichzeitig bräuchte, um wirklich glücklich zu sein. Wenn ein Mann dagegen öffentlich bekennt, daß ihm eine Frau nicht reicht, dann ist er gleich ein übler Macho.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Fundstücke aus Illustrierten (2) -
Frank,
27.07.2003, 20:01
- Re: Fundstücke aus Illustrierten (2) - Garfield, 28.07.2003, 13:56
- Und in der "Für Sie" -
Lars,
29.07.2003, 16:39
- Re: Und in der "Für Sie" - Ferdi, 29.07.2003, 17:46