Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Lars, Saturday, 19.07.2003, 15:35 (vor 8236 Tagen)

Aus den USA hört man ja immer wieder die grotestkesten Strories über Anti-Sex-Hysterie. Hierzu mal ein paar Fragenund Überlegungen:

- Weiß jemand, inwieweit die dortigen Anti-Porno-Kampagnen der letzten 20, 25 Jahre ihr Ziel tatsächlich erreichen konnten? Ich hab lediglich mal einen TV-beitrag gesehen, in dem ein Provinzpolitiker aus dem "Bilble-belt" (nebenbei: ein ehemaliger Porno-Konsument, wie er reuhmütig gestand, mittlerweile aber ein "neugeborener Christ") stolz erklärte, wie er und seine Glaubensbrüder es geschafft haben, die Stadt von sämtlichen Sex-Shops, Sex-Kinos ect. zu säubern. Andererseits sind in Amerika Leute wie Larry Flint steinreich geworden. ; Heißt das, daß man in den USA in einigen Bundesstaaten die Porno-PayTV-Sender reinkriegt und in anderen nicht?

- Nebenbei: Wenn sich die Anti-Porno-Kampagnen tatsächlich (auch nur teilweise) durchsetzen konnten) muß man fragen, wie dies möglich war angesichts der Tatsache, daß entsprechende Verbote ja in der Regel wohl von MÄNNERN bei Polizei und Justiz durchgesetzt werden müßten.

- Ich hab mal gehört, daß es dort in der Anti-Porno-Sache seit den 80er Jahren eine Allianz von Neokonservativen und religiöser Rechte einerseits und Feministinnen andererseits gibt, was ja insofern interessant ist, als die allermeisten Feministinnen ja ursprünglich (in den 1960er Jahren) den "Liberals" oder gar "Leftists" zugeordnet wurden, und diese Etiketten oft noch heute für sich in Anspruch nehmen (und vereinsmäßig ja auch an die Demokraten gebunden sind).

- Was Deutschland betrifft: Hier gibt es zwar keine öffentlichen Anti-Porno-Kampagnen (in den USA gab´s da ja richtige Demonstrationen vor den entsprechenden Firmengebäuden!), aber eben gerade hab ich in Internet gelesen, daß hier 1998 einen Aufruf zum generellen Verbot von Pornographie gab, der von PROMINENTEN Politikerinnen ALLER Parteien unterschrieben war. Mitbekommen hat man als Normalbürger davon aber nichts. Meine Theorie: Da es in Deutschland anders als in den USA keine religiös verstärkte Anti-Sex-Stimmung bei der Masse der Bevlkerung gibt, sehen zumindest die strategisch klügeren Feministinnen von öffentlichen Kampagnen (die ja nach hinten losgehen könnten!) ab und versuchen es eher durch Partei- und Behörden-interne Mauscheleien.

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Andreas, Saturday, 19.07.2003, 15:50 (vor 8236 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 19. Juli 2003 12:35:49:

Hallo Lars,

Aus den USA hört man ja immer wieder die grotestkesten Strories über Anti-Sex-Hysterie. Hierzu mal ein paar Fragenund Überlegungen:

Ich glaube, die Anti-Sex-Hysterie in den Vereinigten Staaten ist nicht so sehr das Ergebnis feministischer Aktivität, sondern eher der allgemeinen Prüderie und Doppelmoral in diesem Land. Kein Land der Erde ist für seine teilweise grotesken Anti-Sex-Kampagnen so bekannt wie die USA, aber auch in keinem Land dieser Erde werden an Pornographie so viele Dollar umgesetzt wie in den USA. Insofern haben die Anti-Porno-Kampagnen wenig bewirkt. Ist aber auch kein Wunder in einem Land, in dem Politiker permanent über die Unmoral sexueller Darstellungen und Sex schimpfen und wettern, aber dann plötzlich eine Praktikantin nach der anderen aus dem Hut zaubern.

schönen Gruß
Andreas

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Anabasis, Saturday, 19.07.2003, 17:15 (vor 8236 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 19. Juli 2003 12:35:49:

Hallo Lars,

in "Sind Frauen bessere Menschen" von Arne Hoffmann findest Du auf S. 186 und 191 schöne Beispiele aus Kanada. Dort gibt es bereits die Rechtsprechung, die Emma hier gern hätte.

Gruß Anabasis

P.s. Falls Du das Buch nicht hast - unbedingt besorgen!

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Lars, Sunday, 20.07.2003, 01:04 (vor 8236 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Anabasis am 19. Juli 2003 14:15:05:

Hallo Lars,
in "Sind Frauen bessere Menschen" von Arne Hoffmann findest Du auf S. 186 und 191 schöne Beispiele aus Kanada. Dort gibt es bereits die Rechtsprechung, die Emma hier gern hätte.
Gruß Anabasis
P.s. Falls Du das Buch nicht hast - unbedingt besorgen!

Bin schon am Überlegen, es zu bestellen (Wobei mir gerade einfällt: In den meisten Uni-Buchhandlungen könnte es ja durchaus heikel sein, dieses Buch zu bestellen! *g*)

Kannst Du mir die Kanada-Beispiele vielleicht vorab posten?

Und noch eine Überlegung: Wohl 99 % aller Männer konsumieren zumindest hin und wieder Pornographie der einen oder anderen Stilrichtung. Männer stellen die Mehrheit in allen Parteien (sogar bei den Grünen glaube ich) und bei der Polizei. Wie kann es also möglich sein, daß ein Pornographieverbot im Parlament beschlossen und dann in der Praxis umgesetzt wird?

Ich denke. sowas funktioniert NUR, wenn sich die Feministinnen der Heuchlermentalität bestimmter Männer in Politik, Verwaltung und Medien bedienen können, die nicht zu ihrem Porno/Erotika-Konsum stehen, sei es wegen "Anstand" und "christlicher Werte" (konservative Variante) oder "political correctness" ("progressive" Variante), und die - um kurzfristiger Karriere-Vorteile - gerne bereit sind, den aufgeflogenen Porno-Konsum anderer Männer zu skandalisieren. Erst dadurch ensteht ein gesellschaftliches Klima, in dem sich eine Alltagsgewohnheit der gesamten männlichen Bevölkerung erfolgreich kriminalsieren läßt.

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Anabasis, Sunday, 20.07.2003, 14:59 (vor 8235 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 19. Juli 2003 22:04:15:

Hallo Lars,

Du hast gepostet:

Bin schon am Überlegen, es zu bestellen (Wobei mir gerade einfällt: In den meisten Uni-Buchhandlungen könnte es ja durchaus heikel sein, dieses Buch zu bestellen! *g*)

Dazu mein Tipp:
Null Problemo. Falls Du Meister der Maske bist, gehst Du als Donald, äh, besser Daisy, sonst nimmst Du eine Rottweiler-Eskorte oder nimmst Deine Body-Building-Freundin als Bodyguard mit zum shoppen (wie textet Udo L.: 'Selbst Conan der Barbar käm mit ihr nicht klar').

Du hast eine Bitte:

Kannst Du mir die Kanada-Beispiele vielleicht vorab posten?

Die ich hiermit erfülle:
Seufz! Eigentlich wollte ich heute endlich unserer Niedersächsischen Frauenbeauftragten eins auswischen (siehe Link unten, hatte ich im M&M-Forum vollmundig angekündigt).
Aber hier ein Auszug (S.186). Die Quellenangaben lasse ich weg, sonst wird’s zu lang:
„Es ist illusorisch anzunehmen, staatliche Zensur würde sich auf Dauer an feministische Vorgaben halten, was beschlagnahmt wird und was nicht. Die Bücher Strossens, McElroys und Jürgen Starks sind voll mit Beispielen, dass bei einmal entfesselter Zensurwut zuerst die Werke sexueller Minderheiten wie der Homosexuellen, Informationen über ‚unmoralische’ bzw. verbotene Aktionen wie Abtreibungen und sogar feministische Schriften selbst in den Reißwolf geraten. Nachdem in Kanada der Oberste Gerichtshof die strafrechtliche Definition von Pornografie in eben der Weise abänderte, wie es jetzt ‚Emma’ für Deutschland fordert, wurde dieses Urteil ausschließlich dazu benutzt, lesbisches, schwules und feministisches Material zu beschlagnahmen und mehr als die Hälfte aller feministischen Buchläden zu stürmen. Andrea Dworkin dürfte dem mit gemischten Gefühlen gegenübergestanden haben. Einerseits wettert die Dame auch gegen lesbische Pornos, weil sie sie für ‚ein Zeichen von Selbsthass’ hält. Andererseits gehörten zu den Werken, die vom Kanadischen Zoll eingezogen wurden, auch zwei ihrer eigenen, darunter ‚Pornographie’. Männer beherrschen Frauen’, das für den ganzen Wirbel mitverantwortlich war. Laut Auskunft der Zollbehörden erfüllten diese Werke ‚den Tatbestand strafbarer Erotisierung von Schmerz und Fesselungen’“.

Du sinniertest:

Und noch eine Überlegung: Wohl 99 % aller Männer konsumieren zumindest hin und wieder Pornographie der einen oder anderen Stilrichtung. Männer stellen die Mehrheit in allen Parteien (sogar bei den Grünen glaube ich) und bei der Polizei. Wie kann es also möglich sein, daß ein Pornographieverbot im Parlament beschlossen und dann in der Praxis umgesetzt wird?

Ich meine hierzu:
Sexualität kann verwirrend sein und ideologische und soziale Grenzen sprengen. Jede totalitäre Bewegung will Sexualität kontrollieren. Siehe Kirche. Orwell hat es in 1984 beschrieben. Im III. Reich war klar geregelt, wer mit wem und wer bei Todesstrafe nicht. Definieren zu können, was richtige Sexualität ist, Schuldgefühle bei Abweichung zu erzeugen, ist für jeden Despoten der Königsweg zur Kontrolle der Gehirne. Von daher wäre Alice bescheuert, wenn sie es nicht versucht. Und wenn Du fragst, wie es möglich sein kann...
Dann frage Dich auch, wie es möglich sein kann, dass
- ...Richter (nicht nur Richterinnen!) Männer lebenslang zu Zahlsklaven machen, mit der Auflage ggf. für einen neuen Job die Stadt zu wechseln (Verlust der freien Wahl des Wohnortes, Verlust der freien Berufswahl)
- ... männliche Richter urteilen, dass Frauen nach der Scheidung de facto nie mehr arbeiten gehen müssen und mit den Kindern in's Ausland ziehen dürfen (hier ist freie Berufswahl, d.h. das Recht zum Nichtstun und freie Wahl des Wohnorts incl. de facto Entziehung der Kinder möglich und plötzlich Rechtens)
- ...Gutachter und Richter die absurdesten Mißbrauchsvorwürfe in Sorgerechtsstreitigkeiten ungestraft durchgehen lassen oder unbesehen glauben
- ... (beliebige weiter Beispiele von bescheuerten Männern, die Männer in die Pfanne hauen) ...
Der Trick ist immer der gleiche. Behauptungen aufstellen (die in Fachkreisen widerlegt werden), weiter behaupten, laut "Unrecht" schreien, behaupten, Pornografie ist die Theorie, Vergewaltigung die Praxis... . Dann kommen die edlen Retter angetrabt und meinen, der holden Maid in Nöten helfen zu müssen. Und ich bekenne mich selbst schuldig. Vor einem Jahr noch hätte ich nicht geglaubt, dass häusliche Gewalt genauso oft von Frauen ausgeht! Ich hatte auch das Bild vom tätowierten Büchsenbiertrinker im Unterhemd vor Augen, der seinen Frust an seinem hilflosen Hauswürzelchen ausläßt. Aber - schlag nach bei Arne, und weg ist das Hirngespinst!

Gruß Anabasis

Frauenbeauftragte Niedersachsen

Kanada, die Zweite

Anabasis, Sunday, 20.07.2003, 18:58 (vor 8235 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Anabasis am 20. Juli 2003 11:59:36:

Hallo Lars,

beim googlen mit „porno kampagne emma Kanada“ habe ich u.a. Link gefunden. Ungefähr in der Mitte des Artikels ist die kanadische Entwicklung dokumentiert.

Gruß Anabasis

Kanada

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland / Gegenstrategien

Lars, Monday, 21.07.2003, 00:14 (vor 8235 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Anabasis am 20. Juli 2003 11:59:36:

Ich denke, wichtiger als rational gegenanzuargumentieren und Beschwerdebriefe zu schreiben ist folgendes:

Letztlich sind Gesetze nur dann effektiv durchsetzbar, wenn sie mit dem allgemeinen Rechtsempfinden der Öffentlichkeit zusammenpassen, sonst erweisen sie sich oft als geduldiges Papier und die betreffenden Verstöße werden von Polizei und Justiz augenzwinkernd als "Kavalliersdelikt" abgehakt. (*)

Wirksame Tabus können aber nicht wirklich von der Politik beschlossen werden, sondern sie wachsen in der Gesellschaft - oder eben auch nicht.

Und ob es gelingt, Pornographie zu tabuisieren und infolge dessen wirksam zu illegalisieren, hängt vom alltäglichen Verhalten der männlichen Bevölkerung ab: Wenn die Mehrheit der Männer zu ihrem Porno/Erotika-Konsum stehen würden und das in einer fröhlich-unbekümmerten Weise, würde Porno-Konsum in der Meinung (zumindest der männl.) Öffentlichkeit zu etwas ganz NORMALEM, und etwaige Anti-Porno-Ministerinnen würden als prüde Spießerinnen kopfschüttelnd belächelt werden, auch auf den Fluren ihres Ministeriums und der Gerichte und Polizeireviere.

(*) Beispiel: Formaljuristisch war unehelicher Sex auch in den frühen 70er Jahren noch illegal. Da aber mittlerweile die öffentliche Meinung zu diesem Thema sehr viel liberaler geworden war, ließen vielerorts die Gerichte entsprechende Anzeigen einfach im Sande verlaufen. Ähnlich sah es mit dem Homosexualitäts-Verbot aus.

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland / Gegenstrategien

Anabasis, Monday, 21.07.2003, 00:54 (vor 8235 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland / Gegenstrategien von Lars am 20. Juli 2003 21:14:53:

Hallo Lars,

ich stimme Dir - weitgehend - zu.

Wo ich mit Dir nicht übereinstimme - Du klammerst die weibliche Bevölkerung aus.

Weiter würde ich noch differenzieren zwischen lesbischem und schwulen Porno.

Zum Thema weibliche Porno-Wahrnehmung darf ich noch ein Posting von mir unten angeben (nein, bin nicht eitel, nur faul!). P.s. Es lohnt sich, den Thread zu verfolgen - ist ja auch von mir initiiert!

Gruß Anabais

Weibliche Porno-Wahrnehmung

Re: Weibliche Porno-Wahrnehmung

Lars, Monday, 21.07.2003, 01:20 (vor 8235 Tagen) @ Anabasis

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland / Gegenstrategien von Anabasis am 20. Juli 2003 21:54:17:

Hallo Lars,
ich stimme Dir - weitgehend - zu.
Wo ich mit Dir nicht übereinstimme - Du klammerst die weibliche Bevölkerung aus.
Weiter würde ich noch differenzieren zwischen lesbischem und schwulen Porno.
Zum Thema weibliche Porno-Wahrnehmung darf ich noch ein Posting von mir unten angeben (nein, bin nicht eitel, nur faul!). P.s. Es lohnt sich, den Thread zu verfolgen - ist ja auch von mir initiiert!
Gruß Anabais

Die Frauen hab ich erstmal ausgeklammert, weil nunmal viele Frauen dazu neigen, praktisch alles was an männlichen Phantasien nicht mit ihrem eigenen Geschmack kompatibel ist als "sexistisch" und/oder "krank" einzustufen (populär-"wissenschaftliche" Bestätigung kriegen sie da ja in den Werken feministischer Psychologinnen). Und ich finde es einfach wichtig, daß Frauen nicht die Definitionsmacht in Sachen männliche Sexualität kriegen (genauso wie umgekehrt auch).

Re: Weibliche Porno-Wahrnehmung

Anabasis, Monday, 21.07.2003, 02:06 (vor 8235 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Weibliche Porno-Wahrnehmung von Lars am 20. Juli 2003 22:20:24:

Hallo Lars,

Die Frauen hab ich erstmal ausgeklammert, weil nunmal viele Frauen dazu neigen, praktisch alles was an männlichen Phantasien nicht mit ihrem eigenen Geschmack kompatibel ist als "sexistisch" und/oder "krank" einzustufen

Schade. Du ignorierst wichtige Batallione. Ich habe Frauen kennengelernt, die wegen ihres Masochismus sehr verstört waren. Wenn die Emma in die Finger fallen - die armen Mädels! Und wenn Du meinen Link verfolgst - viele Frauen sind so unter Druck, dass ihr Körper auf Pornografie positiv reagiert und der Kopf empört verneint.

Gruß Anabasis

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Rüdiger, Saturday, 19.07.2003, 23:03 (vor 8236 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 19. Juli 2003 12:35:49:

- Was Deutschland betrifft: Hier gibt es zwar keine öffentlichen Anti-Porno-Kampagnen (in den USA gab´s da ja richtige Demonstrationen vor den entsprechenden Firmengebäuden!), aber eben gerade hab ich in Internet gelesen, daß hier 1998 einen Aufruf zum generellen Verbot von Pornographie gab, der von PROMINENTEN Politikerinnen ALLER Parteien unterschrieben war. Mitbekommen hat man als Normalbürger davon aber nichts. Meine Theorie: Da es in Deutschland anders als in den USA keine religiös verstärkte Anti-Sex-Stimmung bei der Masse der Bevlkerung gibt, sehen zumindest die strategisch klügeren Feministinnen von öffentlichen Kampagnen (die ja nach hinten losgehen könnten!) ab und versuchen es eher durch Partei- und Behörden-interne Mauscheleien.

Oh, so verdeckt ist das gar nicht. Ich als möglicherweise Betroffener und Existenzgefährdeter ( www.marterpfahlverlag.com )bekam auch schon von dem (gottlob folgenlosen) 1998er "parteienübergreifenden Frauenbündnis" was mit (und sprach Herta Däubler-Gmelin, unsere Tübinger Schreckschraube, im Wahlkampf damals darauf an, worauf ihr die Kinnlade runterfiel), und jetzt, "nach den Ereignissen von Erfurt", ist gerade mal wieder eine Verschärfung des Jugendschutzes im Gange, die das Aus für all jene Webmaster bedeuten könnte, die nur rein privat Freude an SM haben und das (ohne große technische Möglichkeiten) gratis auf einer Website kund tun. "Pornographie" darf's in Deutschland möglicherweise im Internet nur noch in "geschlossenen Benutzergruppen" geben. Man muß nicht mehr nur "Vorsorge treffen", sondern richtiggehend "ausschließen" (hermetisch wasserdicht), daß Jugendliche dazu Zutritt erhalten. Zutritt über Kreditkarte? I wo, die könnte ein Jugendlicher doch geklaut haben. Über-18-Gratischeck mit Personalausweisnummer? Ach was, die kann er doch seinem Vater gemopst haben. Nein, eine face-to-face-Kontrolle wird wohl demnächst nötig, sei es über "Postident" oder anderswie, eine Art persönliche Kontrolle gewissermaßen; und durch aufwendige technische Maßnahmen muß lückenlos sichergestellt werden, daß bei JEDEM Einwählen auch garantiert nur ein Erwachsener vor dem Apparat sitzt usw. usf. - Ich kann nur beten, daß das auf meine Bücher-Site nicht zutrifft, sonst kann ich echt meinen Laden dichtmachen. Alle Jahre wieder so'ne Kacke (sorry). Und Ausweichen ins Ausland ist schwerer, als man sich so denkt, auch da werden fleißig alle juristischen Schlupflöcher verstopft ....

Gruß, Rüdiger

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Lars, Sunday, 20.07.2003, 00:34 (vor 8236 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Rüdiger am 19. Juli 2003 20:03:10:

Oh, so verdeckt ist das gar nicht. Ich als möglicherweise Betroffener und Existenzgefährdeter ( www.marterpfahlverlag.com )bekam auch schon von dem (gottlob folgenlosen) 1998er "parteienübergreifenden Frauenbündnis" was mit (und sprach Herta Däubler-Gmelin, unsere Tübinger Schreckschraube, im Wahlkampf damals darauf an, worauf ihr die Kinnlade runterfiel),

Hat sie denn irgendwas geantwortet oder sich einfach umgedreht? Und weißt Du, was GANZ GENAU der 1998er-Aufruf gefordert hatte?

und jetzt, "nach den Ereignissen von Erfurt", ist gerade mal wieder eine Verschärfung des Jugendschutzes im Gange

Die Tatsache allerdings, daß sie es jetzt auf dem UMWEG DES JUGENDSCHUTZES versuchen, würde ich immerhin als Indiz dafür werten, daß sie eine GRUNDSÄTZLICHE Verteufelung der Pornographie an sich (also auch für erwachsene Konsumenten) diesseits des Atlantiks in der näheren Zukunft für nicht durchsetzbar halten.

Ich denke bei der Jugendschutznummer gibt es jetzt zwei mögliche Strategien der Gegenargumentation:

a) Der Gesetzgeber verbietet nicht, daß Teenager (untereinander) Sex haben. Wenn sie es also sogar selber machen dürfen, wieso sollen sie dann nicht auch anderen Personen dabei via Bildaufzeichnung zusehen und sich Anregungen holen dürfen?

b) Wenn die Ministerin sagt: "herkömmliche, weniger aufwendige Methoden der Altersverifizierung gehen nicht, weil da könnte irgendein Trick sein", dann könnte man mit der gleichen Logik auch fordern, daß Alkohol nur noch unmittelbar nach Perso-Vorzeigen von der betreffenden Person vor Ort konsumiert getrunken werden darf, weil: Es könnte ja sein, daß eine Teenager-Clique einen gutmeinenden Erwachsenen vorgeschickt hat, den Alkohol zu holen!

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Rüdiger, Sunday, 20.07.2003, 18:08 (vor 8235 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 19. Juli 2003 21:34:37:

Oh, so verdeckt ist das gar nicht. Ich als möglicherweise Betroffener und Existenzgefährdeter ( www.marterpfahlverlag.com )bekam auch schon von dem (gottlob folgenlosen) 1998er "parteienübergreifenden Frauenbündnis" was mit (und sprach Herta Däubler-Gmelin, unsere Tübinger Schreckschraube, im Wahlkampf damals darauf an, worauf ihr die Kinnlade runterfiel),

Hat sie denn irgendwas geantwortet oder sich einfach umgedreht? Und weißt Du, was GANZ GENAU der 1998er-Aufruf gefordert hatte?

Nein, weiß ich nimmer. - Es war auf einer dörflichen Wahlkampfveranstaltung. Herta hielt mich zunächst für einen willkommenen Stichwortgeber und sülzte auf meine Frage 5 Minuten lang herum, was sie für den Schutz von Frauen und Kindern demnäxt zu tun gedächten. Erst als ich ankam mit SM-Szene und so und daß und das gar nicht gefiele, war sie ein paar Sekunden lang still, meinte dann, daß sexuelle Neigungen die Öffentlichkeit gar nix angingen, aber bei Gewalt höre ihre Toleranz auf. Das war zwar nur 'ne halbe Antwort, aber ich wollte da nicht weiter nachbohren. Auf einen langen Brief meinerseits kam keine Antwort.

und jetzt, "nach den Ereignissen von Erfurt", ist gerade mal wieder eine Verschärfung des Jugendschutzes im Gange

Die Tatsache allerdings, daß sie es jetzt auf dem UMWEG DES JUGENDSCHUTZES versuchen, würde ich immerhin als Indiz dafür werten, daß sie eine GRUNDSÄTZLICHE Verteufelung der Pornographie an sich (also auch für erwachsene Konsumenten) diesseits des Atlantiks in der näheren Zukunft für nicht durchsetzbar halten.
Ich denke bei der Jugendschutznummer gibt es jetzt zwei mögliche Strategien der Gegenargumentation:
a) Der Gesetzgeber verbietet nicht, daß Teenager (untereinander) Sex haben. Wenn sie es also sogar selber machen dürfen, wieso sollen sie dann nicht auch anderen Personen dabei via Bildaufzeichnung zusehen und sich Anregungen holen dürfen?
b) Wenn die Ministerin sagt: "herkömmliche, weniger aufwendige Methoden der Altersverifizierung gehen nicht, weil da könnte irgendein Trick sein", dann könnte man mit der gleichen Logik auch fordern, daß Alkohol nur noch unmittelbar nach Perso-Vorzeigen von der betreffenden Person vor Ort konsumiert getrunken werden darf, weil: Es könnte ja sein, daß eine Teenager-Clique einen gutmeinenden Erwachsenen vorgeschickt hat, den Alkohol zu holen!

Du argumentierst sehr konsequent, aber unsere Gesetze sind voll Unlogik und voller Inkonsequenzen; das ist mehr oder weniger in allen Ländern so. Das liegt an den historisch gewachsenen Strukturen und daran, daß das, was die Volksseele will, eben oft inkonsequent ist. Wenn Sex für 16- bis 18jährige legal ist, könnte ich in meinen Büchern ja auch Leute solchen Alters auftreten lassen. Damit käme ich aber in Teufels Küche ....

Gruß, Rüdiger

Kampagneninhalt –Links

Anabasis, Sunday, 20.07.2003, 18:52 (vor 8235 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Rüdiger am 20. Juli 2003 15:08:51:

Lars stellte die Frage:

Und weißt Du, was GANZ GENAU der 1998er-Aufruf gefordert hatte?

Ich habe gegoogelt mit „porno kampagne emma“ - dabei habe ich folgende Links gefunden:
=> Zusammenfassung des Kampagneninhalts
http://www.nadir.org/nadir/periodika/jungle_world/_98/52/33a.htm
=> Kritik der wissenschaftlichen Fundierung der Kampagne
http://porno.lichtfeld.de/vorwort.shtml
Unten auf der Seite wird der Emma-Sonderband „EMMA Sonderband 5 - PorNO, Herausgeberin: Alice Schwarzer, 1988.“ angegeben (für die Historiker unter uns)
=> interessanter Kommentar von Arne Hoffmann
http://www.novo-magazin.de/46/novo4648.htm
mit Kritik der wissenschaftlichen Grundlagen der Kampagne und Dokumentation gesellschaftlicher Auswirkungen

Gruß Anabasis

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Lars, Sunday, 20.07.2003, 23:41 (vor 8235 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Rüdiger am 20. Juli 2003 15:08:51:

Es war auf einer dörflichen Wahlkampfveranstaltung. Herta hielt mich zunächst für einen willkommenen Stichwortgeber und sülzte auf meine Frage 5 Minuten lang herum, was sie für den Schutz von Frauen und Kindern demnäxt zu tun gedächten. Erst als ich ankam mit SM-Szene und so und daß und das gar nicht gefiele, war sie ein paar Sekunden lang still, meinte dann, daß sexuelle Neigungen die Öffentlichkeit gar nix angingen, aber bei Gewalt höre ihre Toleranz auf. Das war zwar nur 'ne halbe Antwort, aber ich wollte da nicht weiter nachbohren. Auf einen langen Brief meinerseits kam keine Antwort.

Das war aber ein ziemlich infamer rethorischer Trick von ihr: "Gewalt" im herkömmlichen Sinne von ernstgemeintem physischen Zwang und "Gewalt" im Sinne von einvernehmlichen erotischen Rollenspielen bewußt durcheinanderzuwerfen!

Du argumentierst sehr konsequent, aber unsere Gesetze sind voll Unlogik und voller Inkonsequenzen; das ist mehr oder weniger in allen Ländern so. Das liegt an den historisch gewachsenen Strukturen und daran, daß das, was die Volksseele will, eben oft inkonsequent ist. Wenn Sex für 16- bis 18jährige legal ist, könnte ich in meinen Büchern ja auch Leute solchen Alters auftreten lassen. Damit käme ich aber in Teufels Küche.

Das ist eine etwas andere Sache Sache: Legal ist - mit gutem Grund - nur, wenn Teenager MIT IHRESGLEICHEN Sex haben. Personen unter 18 als Figuren in Erotik-Romanen, welche ja auch und wohl überwiegend von Personen über 18 gelesen werden und in welchen diese Figuren dann möglicher Weise mit Personen über 18 verkehren, könnten aber gewisse Leser dazu anstiften, sich tatsächlich an Personen unter 18 zu vergreifen (völlig unabhängig, ob dies vom jeweiligen Autor beabsichtigt ist.)

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Rüdiger, Monday, 21.07.2003, 23:26 (vor 8234 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 20. Juli 2003 20:41:21:

Das war aber ein ziemlich infamer rethorischer Trick von ihr: "Gewalt" im herkömmlichen Sinne von ernstgemeintem physischen Zwang und "Gewalt" im Sinne von einvernehmlichen erotischen Rollenspielen bewußt durcheinanderzuwerfen!

Ich glaub, das hat sie einfach völlig unreflektiert durcheinandergeworfen, wie so viele Menschen. - Außerdem: In den Geschichten IST es manchmal nonkonsensuell. Wenn z. B. eine Masochistin fantasiert, sie würde als blonde Prinzessin von einem finsteren schwarzen Piraten entführt etc. pp.(eine recht beliebte Fantasie), dann wird dieser Pirat sicherlich nicht vor jeder Aktion fragen: "Mein gnädiges Fräulein, darf ich Ihnen dies oder jenes antun?" Das wäre ja völlig ungeil. Als geil empfinden MasochistInnen ja vielfach, machtlos ausgeliefert zu sein ... Und so kommt's dann eben auch in den Geschichten 'raus. Sieht schon nach Gewaltverherrlichung aus, ist aber eben nur Fantasie. - Eine meiner Autorinnen ist eine bayrische Lehramtsstudentin, die sich gut in der antiken Geschichte auskennt und immer fantasiert, sie würde als Gallierin/Germanin/Ibererin von Römern verschleppt, auf dem SklavInnenmarkt zur Schau gestellt usw. usf. Ich mailte ihr schon: "Wenn das der Herr Stoiber wüßte, was Du für Fantasien hast, dann wärst Du als pädagogisches Vorbild für bayrische Kinder nicht mehr geeignet!" :-))

Das ist eine etwas andere Sache Sache: Legal ist - mit gutem Grund - nur, wenn Teenager MIT IHRESGLEICHEN Sex haben.

So? Ich glaube, über 16jährige können Sex haben, mit wem sie wollen, auch mit Erwachsenen. Nur wenn's "Sex mit Abhängigen" ist (z. B. Lehrer mit Schülerin), dann ist's strafbar.

Personen unter 18 als Figuren in Erotik-Romanen, welche ja auch und wohl überwiegend von Personen über 18 gelesen werden und in welchen diese Figuren dann möglicher Weise mit Personen über 18 verkehren, könnten aber gewisse Leser dazu anstiften, sich tatsächlich an Personen unter 18 zu vergreifen (völlig unabhängig, ob dies vom jeweiligen Autor beabsichtigt ist.)

Gruß, Rüdiger

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Lars, Monday, 21.07.2003, 00:27 (vor 8235 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Rüdiger am 20. Juli 2003 15:08:51:

Es war auf einer dörflichen Wahlkampfveranstaltung. Herta hielt mich zunächst für einen willkommenen Stichwortgeber und sülzte auf meine Frage 5 Minuten lang herum, was sie für den Schutz von Frauen und Kindern demnäxt zu tun gedächten. Erst als ich ankam mit SM-Szene und so und daß und das gar nicht gefiele, war sie ein paar Sekunden lang still, meinte dann, daß sexuelle Neigungen die Öffentlichkeit gar nix angingen, aber bei Gewalt höre ihre Toleranz auf. Das war zwar nur 'ne halbe Antwort, aber ich wollte da nicht weiter nachbohren. Auf einen langen Brief meinerseits kam keine Antwort.

Mir fällt gerade ein: Da kommen aber gerade feministisch ausgerichtete Politikerinnen aus SPD und Grüne in die Zwickmühle. Beim Christorpher-Street-Day nämlich machen sie doch immer einen auf ach-so-liberal und aus politisch-korrektem Selbstverständnis und Wahlkalkül dürfen sie doch nichts gegen die Gay-Community sagen. Nun wird aber gerade dort ein fröhlich-unbekümmerter Umgang mit Pornographie und Erotika (auch SM) celebriert, der jeden Hetero-"Macho" vor Neid erblassen läßt, und der den prüden Berufsfeministinnen doch im Grunde völlig wesensfremd ist. Also: Selbst im rot-grünen Wählermilieu dürften solche Anti-Porno-Pläne noch für einige Irritationen sorgen.

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

Odin, Monday, 21.07.2003, 01:29 (vor 8235 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 20. Juli 2003 21:27:59:

Mir fällt gerade ein: Da kommen aber gerade feministisch ausgerichtete Politikerinnen aus SPD und Grüne in die Zwickmühle. Beim Christorpher-Street-Day nämlich machen sie doch immer einen auf ach-so-liberal und aus politisch-korrektem Selbstverständnis und Wahlkalkül dürfen sie doch nichts gegen die Gay-Community sagen. Nun wird aber gerade dort ein fröhlich-unbekümmerter Umgang mit Pornographie und Erotika (auch SM) celebriert, der jeden Hetero-"Macho" vor Neid erblassen läßt, und der den prüden Berufsfeministinnen doch im Grunde völlig wesensfremd ist. Also: Selbst im rot-grünen Wählermilieu dürften solche Anti-Porno-Pläne noch für einige Irritationen sorgen.

Das ist ja gerade das Problem, daß man sich einerseits super fortschrittlich gibt und alles toleriert, aber auf der anderen Seite Gesetze und Regulierungen beschließt, die jeden Mullah zum jubeln bringen.

Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland

susu, Tuesday, 22.07.2003, 19:06 (vor 8233 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Anti-Pornographie-Kampagnen in den USA und in Deutschland von Lars am 20. Juli 2003 21:27:59:

Huhu

Mir fällt gerade ein: Da kommen aber gerade feministisch ausgerichtete Politikerinnen aus SPD und Grüne in die Zwickmühle. Beim Christorpher-Street-Day nämlich machen sie doch immer einen auf ach-so-liberal und aus politisch-korrektem Selbstverständnis und Wahlkalkül dürfen sie doch nichts gegen die Gay-Community sagen. Nun wird aber gerade dort ein fröhlich-unbekümmerter Umgang mit Pornographie und Erotika (auch SM) celebriert, der jeden Hetero-"Macho" vor Neid erblassen läßt, und der den prüden Berufsfeministinnen doch im Grunde völlig wesensfremd ist. Also: Selbst im rot-grünen Wählermilieu dürften solche Anti-Porno-Pläne noch für einige Irritationen sorgen.

Gerade in dem Rahmen gibt es viele, die PorNo sehr negativ gegenüberstehen. Speziell in Hinblick auf das, was diese Gesetzgebung in den USA und in Kanada angerichtet hat. In Kanada fällt es schon unter die Pornographiegesetze, wenn sich zwei Menschen gleichen Geschlchts küssen (die Dawsons Creek Folge, in der Jack seinen Freund küsst wurde dort nur geschnitten gezeigt, daß Video zu "all the things she said" von t.A.T.u. wurde gleich ganz verboten, etc.). Hier in Deutschland gab es die größte Razzia in der Nachkriegsgeschichte, weil ein Staatsanwalt der Meinung war Ralf Königs (der bewegte Mann) Comics seien harte Pornographie. Das Websitter-Programme neben Porn-Sites auch gerne mal Amnesty blocken, weil AI einen Bereich hat der Menschenrechtsverletzungen gegen Schwule und Lesben anklagt, oder (nicht lachen jetzt) das EMMA-Forum, oder die so schrecklich pornographischen Websites von Organisationen wie Zartbitter, ist auch ein Beispiel dafür welche Effekte PorNo haben kann. Und gerade die geforderte Neudefinition von Pornographie ist äußerst problematisch...

susu

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