Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Männer forschen für Frauen :-)

Odin, Tuesday, 15.07.2003, 13:16 (vor 8240 Tagen)

Nachdem Männer anscheinend - nach der Erfindung von Kühlschrank, Waschmaschine und Fernbedienung für den Talk-show-verseuchten Fernseher - permanent damit beschäftigt sind, Frauen das Leben zu erleichtern, wird nun auch die letzte Bastion weiblicher Unpäßlichkeit genommen (nein, nicht die allabentliche Migräne, wenn der Mann nach Hause kommt!)

"Ist Frauen ihre Monatsblutung zuzumuten? Keine Sorge, ab kommendem Jahr wird es ein Medikament namens Seasonale geben, das die Periode auf Dreimonatsphasen hinauszögert. Eine Vertreterin der britischen Family Planning Organisation frohlockte bereits: 'Das wird eine großartige Sache für Frauen. Es gibt uns viel mehr Selbstbestimmung, wenn wir sagen können: Ich will meine Periode nicht. Sie ist so schmutzig (Männer, ihr hattet IMMER recht damit!), lästig und niederdrückend.'
Ob dieser Eingriff vielleicht zu einer grundlegenden Auflösung oder Verschiebung von Lebensrhythmen führen könnte, wird nicht hinterfragt."

Anscheinend sollen aber alle Unpäßlichkeiten im Laufe der Zeit ausgerottet werden - und das natürlich mittels einwerfen einer Pille:

"Der Kampf gegen seelische Missstimmung, Übergewicht, Impotenz und ausdünnende Haare verschlingt in den USA zur Zeit bereits 44 Milliarden Dollar pro Jahr - das ist nicht mehr weit entfernt von jenen 50 Milliarden, die zur Krebsbekämpfung ausgegeben werden."

Aldous Huxley läßt grüßen. Wer sieht es noch als lohnend, an Problemen zu reifen. Ab Kindesalter wird gelernt, daß man Problemen aus dem Weg geht und andere dafür verantwortlich macht. Frauen packen ihre Kinder in Watte, alle haben ein Recht auf permanentes Glück.

"Manche fürchten, dass eine Bevölkerung, die auf Prozac ist, den inhärenten Wert von Problemen und Kämpfen vermissen würde."

Psychologie heute August 03

Re: Männer forschen für Frauen :-)

Lars, Tuesday, 15.07.2003, 16:13 (vor 8240 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Männer forschen für Frauen :-) von Odin am 15. Juli 2003 10:16:34:

Ist das jetzt nicht etwas überreagiert?

Ok, diese ganzen Psycho-Pillen, die heute (v.a. natürlich wieder in den USA zuerst) so unbekümmert konsumiert werden, finde ich bedenklich, aber nicht, weil damit Probleme "zu einfach" gelöst werden, sondern weil damit bloß die Realität ausgeblendet wird (bzw. ich finde: dann kann man auch genausogut kiffen). Noch schlimmer finde ich nebenbei diese Ruhig-macher-Pillen für "hyperaktive" Kinder (= Gefälligkeitsdiagnose für Eltern, die ihre Ruhe haben wollen!)

Aber daß jetzt die Monatsblutung in einer alle-drei-Monate-Blutung umgewandelt wird, dagegen ist doch nun wirklich nichts zu sagen (und indirekt profitieren ja auch wir Männer davon! *g*)

Diese Philosophie, daß man an seinen Problemen "wachsen" sollte, hat mir noch nie eingeleuchtet. Der Mensch sollte sich mit schönen oder (wissenschaftlich) interessanten Dingen befassen. Aber warum zum Teufel sollt er sich mit blöden Launen der Natur wie Monatsblutungen (oder beim Mann Prostata-Beschwerden) rumplagen, wenn diese aus der Welt geschafft werden können?

Re: Männer forschen für Frauen :-)

Manfred, Tuesday, 15.07.2003, 21:29 (vor 8240 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Männer forschen für Frauen :-) von Lars am 15. Juli 2003 13:13:09:

Ist das jetzt nicht etwas überreagiert?...

Ok, ob man/frau an Problemen wachsen sollte, halte ich insgesamt für eine philisophisch interessante Frage, die aber im Grundsatz beide Geschlechter betrifft. Es kommt mir allerdings schon so vor, als würden Männer zeitweise sogar an den Problemen anderer ;-) wachsen...während ein anderes Geschlecht (ich lasse mal offen welches :-) eigentlich nur darin wächst in der Fähigkeit einem Wachstumsprozess menschlicher Größe auszuweichen.
Aber der Wille, Problemen grundsätzlich aus dem Weg zu gehen, scheint mir nicht nur geschlechterspeziefisch zu sein, er scheint mir beispielweise in den USA auch höher zu sein als in Europa. "Alles machen, weil man es eben machen kann" heißt die Devise.

Ob das gut ist oder nicht kann man IMHO nur im Einzelfall beantworten.
Es gibt eben typische Probleme an denen man wachsen sollte
(Hausaufgaben :-) und solche wo es weniger gefallen würde (Kriege, schwere Krankheiten)

Nur mal so...
schöne Grüße,
Manfred

powered by my little forum