Re: FAZ-Artikel "Männerdämmerung"
Als Antwort auf: FAZ-Artikel "Männerdämmerung" von Ferdi am 05. Juli 2003 20:29:21:
Sonntagabend sagte Friedrich Merz in der Sendung "Sabine Christiansen", der zweihundertfünfzigsten Folge der Reihe: "Wir sollten Ihnen erst mal gratulieren zu dieser Sendung. Sie haben damit ja großen Erfolg in Deutschland. Diese Sendung bestimmt die politische Agenda in Deutschland mittlerweile mehr als der deutsche Bundestag. Das betrübt mich, aber ist ein großer Erfolg."
Streichen wir, was an diesem Satz pure Liebedienerei eines Politikers ist, der im Kampf gegen eine dominante Vorsitzende jeden Verbündeten nimmt. Es bleibt: bedingungslose Unterwerfung eines Mannes unter eine Frau. Als Morgengabe liefert der Gratulant nicht nur die eigene Person, sondern gleich eine ganze Institution, das Verfassungsorgan des Bundestages, dem Salon der Frau Christiansen.
Die mächtigste Frau
Die Hausherrin hatte am selben Jubeltag in einem Interview des Berliner "Tagesspiegels" ihre Machtlosigkeit, Bescheidenheit und Gemeinnützigkeit annonciert. Daß "Sabine Christiansen" eine Marke geworden ist, findet sie fast unangenehm. Die zwei Körper der Königin sprechen zwei ganz verschiedene Idiome: die bescheidene private Christiansen und die öffentliche, auf deren Homepage zum Beispiel folgende Beschreibung hervorgehoben wird: "Die mächtigste Frau im deutschen Fernsehen".
Aber auch dieser "ÜbermenschIn" hat eine Kollegin den Mann ausgespannt. (Ehrlich gesagt: Wundert mich nicht bei einer derart herben Person, die sich jeglichen weiblichen Charme mit grauenerregendem Erfolg abtrainiert - oder nie besessen hat. Erstaunlich eher, daß sie überhaupt jemanden gefunden hat, der so lange bei ihr blieb.)
Frauen als Gastgeber
Das politische Leben der Bundesrepublik Deutschland wird zwar noch immer vorwiegend von Männern kommentiert, aber von Frauen kommuniziert.
In dem historisch-fiktionalen Roman "Ich, Claudius, Kaiser und Gott" von Robert von Ranke Graves findet sich der Satz: "Augustus ruled the world, but Livia ruled Augustus". ("Augustus herrschte über die Welt, Livia aber herrscht über Augustus".)
Die grauenhafte Bedeutung dieses genial formulierten Satzes kann sich jeder Mann gar nicht genug klarmachen! Kapiert endlich, ihr Blöd-Männer, daß wahrer Einfluß nicht auf Gewalt, sonder auf Macht beruht. Hierzu Ester Vilar:
"Jemandem, der Gewalt über mich hat, diene ich unter Zwang. Aber jemandem, der Macht über mich hat, diene ich freiwillig."
In dem Maße, in dem politische Meinungsbildung diskursiv geworden ist, haben die Fernsehsender Frauen zu "Gastgebern" des politischen Prozesses gemacht. ... Diese Operation ist sehr viel umfassender als bislang bekannt. Die entscheidenden Produktionsmittel zur Massen- und Bewußtseinsbildung in Deutschland liegen mittlerweile in der Hand von Frauen. In komplizierten, zuweilen von höfischen Intrigen begleiteten Strategien haben Frauen mehr oder minder deutlich die Zuständigkeit für gewaltige Komplexe der Bewußtseinsindustrie übernommen.
Dies ergänzt meine oben gemachte Anmerkung: Die Intrige ist eine extreme Form von Gewalt, aber sie wird nirgendwo thematisiert. Aus allen Medien werden wir vollgelabert zum Thema "physische Gewalt", und daß jeder Mann schon qua seiner Existenz Gewalt gegen Frauen ausübt, haben wir inzwischen auch zur Kenntnis genommen. *lol* Aber niemand, wirklich niemand thematisiert den Schaden, der durch Intrigen entsteht. Keine Frage, warum: Würde dies gegenüber einer breiten Öffentlichkeit zum Thema gemacht, dann würden sich die Frauen früher oder später als Intriganten allerübelster Sorte entlarvt sehen, und es käme zu einer Diskussion über das unermeßliche Leid, das dadurch angerichtet wird. Das wäre eine echte Revolution in menschheitsgeschichtlichem Maßstab. Und dafür, daß diese Revolution nicht kommt, sorgen die Weiber in den Medien. Denn was dort nicht besprochen wird, ist nicht existent.
Der größte Fernsehbetreiber Europas, der größte Magazinverlag, der größte Buchverlag der Welt, einer der fünf größten Musikkonzerne der Welt, kurzum: der Bertelsmann-Konzern untersteht längst dem Willen einer Frau, Liz Mohns, die die vergangenen Monate seid Thomas Middelhoffs Entlassung dazu nutzte, ihre Macht im Konzern auszubauen.
Zum Fall Middelhoff habe ich in diesem Form vor fast genau einem Jahr gepostet. Herrn Schirrmachers Anmerkung bestätigt meine Befürchtungen auf das Schlimmste. Da wurde eine wahre Lichtgestalt der deutschen Wirtschaft von einem intriganten Weib vernichtet.
Eine Telefonistin, ein Kindermädchen, eine Schauspielerin und Schriftstellerin und eine Stewardeß definieren das Land.
Man kann offensichtlich gar nicht ungebildet genug sein, um Karriere zu machen!
Was einer heute denkt, läuft vorher über die Fließbänder dieser Frauen.
Wie sollen wir da unsere Anliegen an eine breite Öffentlichkeit bringen? Wie, um Himmels willen, wie?!
Sensationelle Akkumulation von Macht
Eine solche Akkumulation weiblicher Macht ist noch nicht dagewesen in der Geschichte des Landes, das einst als "vaterlose Gesellschaft" begann. Sie ist auch ziemlich sensationell.
Könnte das der Grund sein, warum Deutschland nicht mehr vom Arsch auf die Füße kommt? "Höfische Intrigen" statt knallharter, rationaler, sachbezogener Arbeit! Pfui Teufel!
"Kleine zivilisierte Völker", so hat Arnold Gehlen einst vorhergesagt, "oder solche, denen alle Knochen zerschlagen sind, streben der Deckung zu, sie neigen zu Versicherungen, Krankenscheinen, zu sexuellen Libertinismen und moralischen Vorträgen an die Außenwelt. Aber gerade diese Atmosphäre kommt den innersten Bedürfnisses des Weibes entgegen".
Die meisten der o.g. Faktoren sind in der heutigen deutschen Gesellschaft tatsächlich nachzuweisen - mit einer Ausnahme: An den "sexuellen Libertinismen" - wenn es sie denn gibt [ich selber konstatiere eher eine zunehmende Prüderie wie im finstersten Mittelalter] - haben die Männer allenfalls dann Anteil, wenn sie schwul sind. Hingegen findet gegen gelebte männliche Heterosexualität ein beispielloser Krieg statt, geführt von herkömmlichen Sexualfeinden aus dem kirchlichen Bereich und Neo-Psychopathen aus der - weitgehend kirchenfeindlichen - Frauenbewegung.
Gemeint war: je zivilisierter eine Gesellschaft, je komplexer und subtiler die Notwendigkeit, unlösbare Konflikte ohne Aggression zu lösen, desto stärker setze eine solche Gesellschaft auf die Frauen als Vermittler; ja sie delegiert ihnen sogar die wirtschaftliche Macht. Es mag sein, daß wir uns heute einem solchen Zustand nähern. Dann aber, so Gehlen, verändert sich die Sozietät ein weiteres Mal: "Dann betreten Klytemnästra und Judith die Szene, Antigone und Gallia Placidia, Katharina und Charlotte Corday und zeigen den Männern, wie man sich aussetzt und einsetzt." Da braucht man dann auch die Komplimente des Herrn Merz nicht mehr.
Na, dann seien wir mal gespannt auf das Auftreten der ersten weiblichen Ungeheuer von historischem Format. Aber wenn es soweit ist, dann wird - da bin ich zuversichtlich - die Gegenreaktion einsetzen und erfolgreich sein. Vielleicht verläuft die Geschichte ja wirklich in sich wiederholenden Zyklen.
gesamter Thread:
- FAZ-Artikel "Männerdämmerung" -
Ferdi,
05.07.2003, 23:29
- Re: FAZ-Artikel "Männerdämmerung" - Der Artikel -
Andreas (der andere),
05.07.2003, 23:33
- Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
06.07.2003, 23:12
- Re: Mal wieder Langeweile gehabt, Xenia? (n/t) -
Pedro,
06.07.2003, 23:20
- Schlecht gekontert, ganz schlecht gekontert, Pedro (n/t) - Xenia, 06.07.2003, 23:48
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Manfred,
07.07.2003, 00:05
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
07.07.2003, 00:17
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Manfred,
07.07.2003, 00:33
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
07.07.2003, 00:36
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Manfred,
07.07.2003, 00:51
- Re: Schirrmacher macht kirre - Xenia, 07.07.2003, 01:05
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Manfred,
07.07.2003, 00:51
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
07.07.2003, 00:36
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Manfred,
07.07.2003, 00:33
- Re: Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
07.07.2003, 00:17
- Re: Mal wieder Langeweile gehabt, Xenia? (n/t) -
Pedro,
06.07.2003, 23:20
- Schirrmacher macht kirre -
Xenia,
06.07.2003, 23:12
- Re: FAZ-Artikel "Männerdämmerung" - Ekki, 07.07.2003, 23:02
- Re: FAZ-Artikel "Männerdämmerung" - Der Artikel -
Andreas (der andere),
05.07.2003, 23:33