Re: Antifeministischer Blubb
Als Antwort auf: Re: Antifeministischer Blubb von Xenia am 06. Juli 2003 20:16:21:
Hallo Xenia,
ich will gar nicht bestreiten, daß es in den Medien auch heute noch Fälle gibt, in denen das alte Frauenbild (Sex und Hausarbeit) noch nachklingt, der Punkt ist aber:
Dieses alte Frauenbild ist erstens seit 30 Jahren am verblassen und zweitens ist die Kritik an diesem Frauenbild heute ein Allgemeinplatz. Das von mir beschriebene negative Männerbild ist hingegen voll im Trend und hier gibt es in der Öffentlichkeit bislang überhaupt kein Problembewußtsein.
Zu Deinen Einwänden im einzelnen:
Während die Frauen dort ja die reinsten Lichtgestalten sind, nicht wahr? Frauen, die ihren Männern Kuckuckbabys unterschieben, die ihren Ex ausnehmen, die den Beruf der Prostituierten total geil finden, die ihrer Freundin den Freund ausspannen - wirklich, DAS sind Vorbilder für unsere Jugend...
Also in den Folgen, die ich gesehen habe (ich guck das ja nicht jeden Tag! *G*), gab´s am Ende nur Vaterschafts-Teste, die bewiesen, daß die Frau natürlich Recht gehabt hatte. (Nebenbei: Wenn´s um Prostituierte oder Freund-Auspannerinnen geht, dann werden erstere doch von den meisten Anwesenden ganz klar als Dumme Tussies KRITISIERT und letztere stellen ein "UNTER-uns-Frauen"-Problem dar) Und die beabsichtigte Anti-Männer-Stoßrichtung kommt in der Art eines freudschen Fehlers doch oft schon in der Themen-Ankündigung zum Ausdruck: ´Morgen: "Du Schuft (mask.), warum hast Du mir das angetan?´Wenn auch Sie ihrem ehemaligen Partner (mask.) ..." Bei diesem TV-Format liegt das dann wohl auch daran, daß zu dieser Zeit überwiegend Frauen vorm TV sitzen, die werder einem Job noch der Hausarbeit nachgegehen.
- In den "Reportagen" kriegt man auf die Dauer den Eindruck, mindestens jeder zweite >Mann sei ein
Gewaltverbrecher
Welche Reportagen?
"Taff", "SAM", "Explosiv" ect.
- In der Werbung kommt der Mann nur noch als Trottel vor, oder als Gentleman, der ihr >den Vortritt läßt.
Das ist ja furchtbar! Nebenbei: was ist an dem Gentlemantypen den so verwerflich?
Der Mix macht es: Die einzige Rolle, in der der Mann weder als Rüpel/Gewaltverbrecher/Looser (Talkshows, Reportagen, Magazine)) oder
als Trottel (div. Werbespots, z. B. "Zewa wisch und weg" oder "Paul, wer ist eigentlich Paul?"), sondern (der Darstellungsintention nach) positiv rüberkommt ist die des ganz auf die Frau bezogenen und sich dabei zurücknehmenden Gentleman.
Und: was ist eigentlich mit den Auto-Reklamen? Den Rasiererreklamen? SOOO häufig kommt das nicht vor!
Bei Produkten, bei denen Männer für sich ihre Kaufentscheidung treffen, kommen sie selber natürlich auch besser rüber. Klar.
. was ist Typen wie Marylin Manson, Robbie Williams, DJ Panjabi MC und der unvermeidliche Eminem
Letzerer ist möglicherweise wirklich eines der ersten Phänomene einer Gegenbewegung; diesen DJ kenne ich nicht; Robbie Williams ist sozusagen nicht boygroup sondern Men-strip (wogegen nichts einzuwenden ist; aber eine Identifikationsfigur für Jungs in der Pubertät ist er wohl auch nicht); Manson kann nur in der Alternative-Nische existiereen und würde es anders als z. B. Pink (hier als Beispiel für Künstler, die nicht darauf abzielen, dem anderen Geschlecht zu gefallen) nie auf das Bravo-Cover schaffen.
Hüstel, siehst du diese Musiksender eigentlich oft? Hast du noch nie diese RapVideos gesehen, wo die Damen als Fleischbeilage fungieren und nur dazu da sind, ihre Titten über den Kühler des protzigen Wagens zu legen? Mir fällt gerade ein, dass in diesen Videos die Wagen in letzter Zeit immer so komisch auf und ab hüpfen...
Ich meinte ja schon in meinem Posting: Gangsta-Rap als Ausnahme (Und was Du beschreibts stört mich natürlich weniger *g*, allerdings fehlt in meinem Wagen noch die Hüpf-Hydraulik ... )
ich erinnere mich wie in einer der letzten Emma-Ausgaben Nora Sow zu JLo fragte: Warum zum Teufel sieht man ihre Muschi? Ich erweitere diese Frage um den Zusatz: Und warum wackelt die mit ihrem Arsch immer so in die Kamera?
Ach laß sie doch ...! *g*
- Feministisches Vokabular (wie "sexistisch") wird unreflektiert in den TV->Sprachbebrauch übernommen.
Das ist wahr, aber so wie ich das sehe, wird auch von manchem Maskulisten das Wort sexistisch unreflektiert benutzt. Nein, das macht es nicht besser, es ist beides schlimm. Ich finde es aber nicht fair, dem Feminismus alles zuzuschieben.
Ich selber verwende diesen Ausdruck nie, sondern eher "Männer(bzw.Frauen-)Benachteiligung" o. ä. Das ist konreter, handfester, nachprüfbarer. Und "sexistisch" wird oft einfach nur prüde im Sinne von "unanständig" verwendet, wannimmer einer Frau die Darstellung einer anderen zu frivol ist, und sie aus einem intoleranten Impuls heraus zensierend eingreifen möchte.
Nee, mal im Ernst: Das Publikum bestimmt, was gesendet wird, die Medien verstärken diese Wünsche nur, indem sie sie erfüllen - oder sie wecken neue Wünsche. Was dahinter steckt, ist der weibliche backlash, der durchaus unangenehme Formen annehmen kann. Finde ich auch nicht gut, im Gegenteil. Aber es kann nicht sein, dass man immer nur die eine Seite sieht...
Best wishes, Xenia
Das mit dem weiblichen Backlash verstehe ich jetzt nicht: Der Begriff meinte doch mal das scheinbare Zurückfallen von Frauen in die Sex-und-Hausarbeit-Rolle. Wie paßt das jetzt hier?
Gruß
Lars
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