Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Zurückgezogene Väter

Odin, Sunday, 06.07.2003, 22:52 (vor 8249 Tagen)

Der Rückzug des Vaters nach der Scheidung: Profile der Vaterschaft während und nach der Ehe - Zum Rückzug beitragende psychologische und strukturelle Faktoren
Auszüge aus einer wissenschaftlichen Untersuchung von vor 10 Jahren (1993) von Edward Kruk, Kanada

Die kanadische Studie untersucht die Situation von Vätern, die sich aus dem Leben ihrer Kinder zurückgezogen haben und ihre Gründe für den Rückzug. Unbeteiligte und zurückgezogene Väter sind die Underdogs der deutschen Scheidungsszene. Sie gelten gemeinhin als verantwortungslos, desinteressiert und kindeswohlgefährdend - zumal wenn sie keinen Unterhalt bezahlen. Sind Väter allgemein als Forschungsobjekte in der Scheidungswissenschaft kaum untersucht, so gilt das in noch größerem Maße für die Umgangsväter und die zurückgezogenen Väter. In der deutschsprachigen Forschung wird diese letzte Gruppe vollständig ignoriert.

40 Väter sprechen aus, wie es sich für sie dargestellt hat. Die Erfahrungen von paPPa.com decken sich nahezu vollständig mit diesem Bericht ... Einige Feststellungen und Zitate von Vätern:
# "Die vor der Scheidung am höchsten an der Erziehung beteiligten und an ihre Kinder am höchsten gebundenen Väter sind diejenigen, die die negativen Auswirkungen des Verlustes oder der Abwesenheit ihrer Kinder am Schärfsten erfahren und sie sind die Gruppe, die das größte Risiko haben, den Kontakt zu ihren Kindern in Folge der Scheidung zu verlieren."
# "Es ist eine verzweifelte Art Sehnsucht."
# "Ein großer Teil meines Lebens, das ich hatte - und wofür ich lebte -, es wurde mir weggenommen, einfach so".
# "Ein Gefühl des völligen Horrors darüber, was die Gesellschaft tut, indem sie einen Vater zwingt, durch einen schrecklich langen Prozeß zu gehen, gerade damit er die Erlaubnis bekommt, sein Kind zu sehen, mal ganz abgesehen davon, eine halbwegs normale Vater-Kind-Beziehung zu haben."
# "Das Justizsystem wurde deshalb von allen zurückgezogenen Vätern als ungeeignetes Forum zur Lösung von Sorgerechts- und Umgangsfragen aufgefaßt."
# "Vor der Trennung hatte ich an das Rechtssystem geglaubt. Ich bin da durchgegangen, und jetzt habe ich jegliches Vertrauen zum System verloren. Ich glaubte an die Wahrheit und ich konnte nicht glauben, wie verlogen dieses ganze Rechtssystem ist."
# "Der Staat hat ein starkes Interesse an der Erhaltung des traditionellen Arbeits- und Familien-Rollenverhaltens."

Besonders beeindruckt hat mich noch folgendes:
"Das ist genau das, was meine Frau will - sie will mich nicht dabei haben. Und es ist sehr schwierig für mich, weil ich mich immer schuldig fühle und mich frage: 'Hab ich wirklich alles probiert um Umgang zu kriegen?'
Ich weiß, ich habe wirklich alles versucht, und es gibt nicht wirklich etwas, was ich noch tun könnte außer dem, was ich bereits getan habe. Und das Rechtssystem hat meiner Frau erlaubt, ja sie sogar bestärkt darin, den Kontakt zwischen mir und meinem Sohn abzuschneiden. Sie sagen, ich wäre ein Schwein, wenn ich keinen Unterhalt bezahle, aber sie sagen nichts darüber, dass mir der Kontakt zu meinem Sohn nicht erlaubt ist."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

"... Die Spannung und der Konflikt, die Wut, die den gesamten Kontakt zu meiner Frau und den Kindern durchdrang, war unmöglich zu ertragen. Sie war wirklich, wirklich wütend. Immer zitterten ihre Hände, ihre Stimme - Konflikt war das zentrale Element unserer Beziehung. Jeder Kontakt führte zu einem größeren Streit. Verletzende Schreianfälle, in denen wir uns richtig grausame Sachen an den Kopf warfen. Es war ein einziges riesiges Trauma für die Mädchen. Jedesmal dasselbe: Wir stritten und kämpften, ich nahm meine Töchter, brütete den ganzen Nachmittag, brachte sie zurück, und es gab eine weitere große Szene. Meine Töchter bekamen alles mit, sie schrien und heulten. Meine Frau drohte damit, die Polizei zu holen; ich war in blinder Wut.
Letztendlich gab ich auf - es war hoffnungslos. Meine Tochter stand dazwischen, sie war unglücklich, näßte ein.
Du hast das Wohlergehen des Kindes doch im Herzen, das meine Frau als nützliche Waffe gegen mich einsetzte. Sie sah mich als Verursacher des ganzen Schadens, als den zerstörenden Einfluß im Leben meiner Tochter.
Folglich war die Lösung, diesen zerstörerischen Einfluß zu beseitigen. Mir wurde aufgegeben, wegzubleiben; ich sei emotional schädlich für meine Kinder.
Keine Rede jedoch von dem beständigen Flehen meiner Tochter nach ihrem Papa; keine Rede davon, daß meine Frau meiner Tochter erzählt, ich hätte sie verlassen.
Dies sind alles subtile Dinge, die meine Frau niemals, nicht einmal sich selbst, zugeben würde, aber diese Dinge haben zu dem geführt, was jetzt ist.
Nach einiger Zeit, hatte ich Angst vor Kontakt. Meine Frau war vollständig damit zufrieden, dass ich nicht ins Leben meiner Kinder zurückkehre: Das wird zu einer schrecklichen Barriere - du kriegst Angst vor dem Umgang. Nach einiger Zeit richtest du dein Leben neu ein, sie richten ihres ein - es wird leichter, den Status quo zu akzeptieren."

- 'zurückgezogener' kanadischer Vater

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