Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Lustiges Quellenraten

susu, Friday, 27.06.2003, 20:03 (vor 8258 Tagen)

Hallo Zusammen.

Aus welchem Radikalmaskulinistischen Käseblatt stammt wohl der folgende Text?

"Vielverprechend [..] schien es den Frauenpolitikerinnen [..], die Potentiale hervorzuheben, die durch mangelnde Förderung von Frauen in der Gesellschaft verloren gehen, oder auf Eigenschaften zu verweisen, die Frauen, anders als Männer, mitbringen. Diese Hinwendung der Frauenpolitik zur Differenztheorie als Machtinstrument war so wirkungsvoll wie nachhaltig. Forscherinnen, die von Politikerinnen Rückendeckung, Stellen, Förderprogramme, Frauenbeauftragte etc. wollten, und die nicht ohne Grund glaubten, schneller mit der Frauenpolitik vorwärts zu kommen als im Kampf mit den männlichen Kollegen - das > > Netzwerk Frauenforschung<< in NRW ist dafür ein beredtes Zeugnis - hatten allen Grund, den Wunsch nach Untermauerung der Differenztheorie im Sinne algemeiner Aussagen über > > die Frauen<< mit Theorien und Forschungsprojekten zu bedienen.

Gleichklang müsste herschen und Streit vermieden werden; die Frauenpolitik zur natürlichen Verbündeten der Frauenforschung werden und die Forschung die Politik bedienen. Wobei aus dem Blick geriet, dass Ministerinnen und Bürgermeisterinnen immer zugleich, und oft in erster Linie, Parteipolitikerinnen waren, die mit der Differenzpolitik auf Wählerinnen-Zustimmung hofften (Frauen sind anders, Frauen sind besser etc.)."

Also, wo stand das?

susu

Re: Lustiges Quellenraten

Lambretta, Saturday, 28.06.2003, 16:48 (vor 8257 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Lustiges Quellenraten von susu am 27. Juni 2003 17:03:01:

Also, wo stand das?
susu

Möglicherweise in einer Zeitschrift, die annimmt, daß differenztheoretische Ansätze zwar zunächst erfolgversprechend Interessen einer (Geschlechter-)Gruppe durchzusetzen können, aber langfristig keine gerechte, unabhängige Geschlechterpolitik entstehen lassen können.

Mich würde interessieren, wo wird dieser Text irgendwann einmal stehen:

„Vielversprechend [..] schien es den Männerpolitikern [..], die Potentiale hervorzuheben, die durch mangelnde Förderung von Männer in der Gesellschaft verloren gehen, oder auf Eigenschaften zu verweisen, die Männer, anders als Frauen, mitbringen. Diese Hinwendung der Männerpolitik zur Differenztheorie als Machtinstrument war so wirkungsvoll wie nachhaltig. Forschern, die von Politikern Rückendeckung, Stellen, Förderprogramme, Männerbeauftragte etc. wollten, und die nicht ohne Grund glaubten, schneller mit der Männerpolitik vorwärts zu kommen als im Kampf mit den weiblichen Kollegen - das > > Netzwerk Männerforschung<< in XXX ist dafür ein beredtes Zeugnis - hatten allen Grund, den Wunsch nach Untermauerung der Differenztheorie im Sinne allgemeiner Aussagen über > > die Männer<< mit Theorien und Forschungsprojekten zu bedienen.
Gleichklang müsste herrschen und Streit vermieden werden; die Männerpolitik zur natürlichen Verbündeten der Männerforschung werden und die Forschung die Politik bedienen. Wobei aus dem Blick geriet, dass Minister und Bürgermeister immer zugleich, und oft in erster Linie, Parteipolitiker waren, die mit der Differenzpolitik auf Wähler-Zustimmung hofften (Männer sind anders, Männer sind besser etc.)."

Gruß
L.

Re: Lustiges Quellenraten

susu, Saturday, 28.06.2003, 19:23 (vor 8257 Tagen) @ Lambretta

Als Antwort auf: Re: Lustiges Quellenraten von Lambretta am 28. Juni 2003 13:48:31:

Hallo Lambretta

Möglicherweise in einer Zeitschrift, die annimmt, daß differenztheoretische Ansätze zwar zunächst erfolgversprechend Interessen einer (Geschlechter-)Gruppe durchzusetzen können, aber langfristig keine gerechte, unabhängige Geschlechterpolitik entstehen lassen können.

Möglicherweise *g*. Ich denke du hast es auch gelesen, die Frage ist, warum so viele aus der Leserschaft differenztheoretisch denken, vieleicht existiert da auch ein Subtext? Und wenn dieser Ansatz als Gefahr für eine langfristige, gerechte und unabhängige Geschlechterpolitik gesehen wird, warum dann keine Namen, wer übt den Druck konkret aus? Und wenn in dem Artikel z.B. steht "Erst als es Frauenhäuser gab, konnte das Ausmaß an Gewalt gegen Frauen erforscht werden", gilt selbiges nicht auch umgekehrt? Können wir sichere Aussagen über das Ausmaß von Gewalt gegen Männer treffen, wenn es keine Männerhäuser gibt und trotzdem davon ausgehen, daß wir uns auf wissenschaftlich solidem Boden bewegen? Und wer verhindert diese Fragestellung? Sind es nicht dieselben, die von der Frauenforschung und/oder den Genderstudies erwarten, daß sie mit dem Ergebnis aus ihren Forschungen herausgehen, daß Frauen die besseren Menschen seien? Und wenn die Person, die diese Zeitschrift herausgibt schon mal Studien nur da wiedergibt, wo sie ihr passen und die anderen Ergebnisse verschweigt, trifft dann nicht dieser Satz auch auf sie zu: "Für ein Denken, das auf halben Wege stehen bleibt, um nicht unbequem zu werden, braucht man keine Wissenschaftlerinnen"?

Mich würde interessieren, wo wird dieser Text irgendwann einmal stehen:

Hoffentlich nirgends, wenn die kritische Männerforschung sich weiterhin auf nicht-differenzialistische Theorien beruft (Sowohl existenzialistische, als auch diskurskritische). Männerforschung wird von Seiten der Politik nicht unbedingt gewünscht, gerade weil die Politik als Machtfaktor im Bezug auf Geschlecht ein Thema ist. Wenn du Texte aus diesem Bereich kennst, auf die dein Text passen würde, gib mir bitte eine Quelle, mir zumindest ist noch keine Bekannt (bekannt sind mir natürlich ältere Schriften, die Essentialistisch argumentierten, diese stehen allerdings nicht im Kontext der Männerforschung, die erst seit Mitte der 80er überhaupt existiert, im speziellen denke ich da an Connell und da auch hauptsächlich in den USA).

susu

Re: Lustiges Quellenraten

Lambretta, Tuesday, 01.07.2003, 13:22 (vor 8254 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Lustiges Quellenraten von susu am 28. Juni 2003 16:23:10:

Hi susu,

ich war am WE offline und gestern nacht Schreibsperre, daher meine Antwort erst jetzt.

Möglicherweise in einer Zeitschrift, die annimmt, daß differenztheoretische Ansätze zwar zunächst erfolgversprechend Interessen einer (Geschlechter-)Gruppe durchzusetzen können, aber langfristig keine gerechte, unabhängige Geschlechterpolitik entstehen lassen können.
Möglicherweise *g*. Ich denke du hast es auch gelesen, die Frage ist, warum so viele aus der Leserschaft differenztheoretisch denken, vieleicht existiert da auch ein Subtext?

Nein, habe ich nicht gelesen. Ist der Artikel wirklich aus der Emma? Ich habe die Emma erst einmal gelesen (auch wenn gerne mal im dazugehörigen Forum schreibe und lese *g*). Ich hatte zwar ein Vermutung in diese Richtung, war mir aber nicht wirklich sicher.

Hoffentlich nirgends, wenn die kritische Männerforschung sich weiterhin auf nicht-differenzialistische Theorien beruft (Sowohl existenzialistische, als auch diskurskritische). Männerforschung wird von Seiten der Politik nicht unbedingt gewünscht, gerade weil die Politik als Machtfaktor im Bezug auf Geschlecht ein Thema ist. Wenn du Texte aus diesem Bereich kennst, auf die dein Text passen würde, gib mir bitte eine Quelle, mir zumindest ist noch keine Bekannt (bekannt sind mir natürlich ältere Schriften, die Essentialistisch argumentierten, diese stehen allerdings nicht im Kontext der Männerforschung, die erst seit Mitte der 80er überhaupt existiert, im speziellen denke ich da an Connell und da auch hauptsächlich in den USA).

Spontan fällt mir ein Buch von Martin van Creveld ein, der ja auch hier schon häufig zitiert und positiv erwähnt wurde, der in seinem Buch "Frauen und Krieg" differenztheoretisch und biologistisch argumentiert, wie ich finde. Aber ich glaube, man kann ihn nicht zur kritischen Männerforschung zählen.

Gruß
Lambretta

Re: Lustiges Quellenraten :-)

Arne Hoffmann, Saturday, 28.06.2003, 19:56 (vor 8257 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Lustiges Quellenraten von susu am 27. Juni 2003 17:03:01:

Hi susu,

Aus welchem Radikalmaskulinistischen Käseblatt stammt wohl der folgende Text?

Deine Konversation mit Lambretta legt ziemlich nahe, dass es sich um die "Emma" handelt. (Hab die aktuelle Ausgabe noch nicht gelesen, nur die Kurz-Replik auf den FOCUS-Artikel.) Da wäre ich allerdings vom Stil her nie drauf gekommen; Schachtelsätze sind so untypisch für dieses Magazin. Wörter wie "Differenztheorie" eigentlich auch. Vom Inhaltlichen dieser Passage ganz zu schweigen.

Herzlicher Gruß

Arne

Re: Lustiges Quellenraten :-)

susu, Saturday, 28.06.2003, 20:38 (vor 8257 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Lustiges Quellenraten :-) von Arne Hoffmann am 28. Juni 2003 16:56:59:

Hi Arne

Deine Konversation mit Lambretta legt ziemlich nahe, dass es sich um die "Emma" handelt.

Bingo!

(Hab die aktuelle Ausgabe noch nicht gelesen, nur die Kurz-Replik auf den FOCUS-Artikel.) Da wäre ich allerdings vom Stil her nie drauf gekommen; Schachtelsätze sind so untypisch für dieses Magazin. Wörter wie "Differenztheorie" eigentlich auch. Vom Inhaltlichen dieser Passage ganz zu schweigen.

Der Uni-Teil ist klasse. Vor allem ist ein Text über Gender Studies von vor 13 Jahren drin. Ich meinte zu einer Bekannten vom Uni-Frauenreferat, daß fände ich sehr humorvoll und sie sah mich an und meinte "Das schlimme ist: die meinen das ernst."

susu

Re: Lustiges Quellenraten :-)

Arne Hoffmann, Saturday, 28.06.2003, 21:43 (vor 8257 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Lustiges Quellenraten :-) von susu am 28. Juni 2003 17:38:23:

Hi susu,

Der Uni-Teil ist klasse. Vor allem ist ein Text über Gender Studies von vor 13 Jahren drin. Ich meinte zu einer Bekannten vom Uni-Frauenreferat, daß fände ich sehr humorvoll und sie sah mich an und meinte "Das schlimme ist: die meinen das ernst."

LOL, ja, solche Kommentare höre ich öfter von Feministinnen, Gender-StudentInnen und emanzipierten Frauen über die "Emma". Ich weiß ja auch nicht, was ich dazu noch sagen soll. Lieber Himmel, es machen doch angeblich lauter junge Frauen bei der "Emma" mit, die können doch nicht alle auf dem Stand von anno dunnemal sein! Den von dir erwähnten Beitrag bzw. das komplette Uni-Dossier muss ich mir demnächst selbst mal durchlesen.

Danke für den Hinweis, herzlicher Gruß

Arne

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