Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Daddeldu, Saturday, 21.06.2003, 20:08 (vor 8264 Tagen)
Hallo,
ich habe eine Antwort von Herrn Magat, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag auf die Email erhalten, die ich im Rahmen der Aktion Ende der Wehrpflicht jetzt! geschrieben habe.
Da es sich um eine Massenemail handeln dürfte, die Herr Magat auch in offiziöser Funktion sandte, darf man wohl von einem konkludenten Einverständnis mit der namentlichen Veröffentlichung ausgehen.
Der Text ist allerdings verblüffend nichtssagend:
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Sehr geehrter Herr [Dadddeldu],
in den letzten Wochen haben mich und viele andere Kolleginnen und Kollegen der Landtage und des Bundestags zahllose Mails zum Thema Abschaffung der Wehrpflicht erreicht.
Ich bitte deshalb um Verständnis, dass ich nur kurz und in allgemeiner Form antworten kann.
Die Bundeswehr steht vor einer veränderten Aufgabenstellung, die sich aus ihrer neuen Rolle im internationalen Sicherheitskonzept ergibt. Dieses erfordert mit Sicherheit eine Neustrukturierung der Streitkräfte, bei der auch die Frage der Wehrpflicht zu berücksichtigen ist.
Der Bundesverteidigungsminister hat in seinen verteidigungspolitischen Leitlinien natürlich auf die jetzt geltende Rechtslage, einschließlich Wehrpflicht, abstellen müssen.
Eine endgültige Entscheidung der Bundesregierung über die Wehrpflicht ist jedoch nicht gefallen. Ein Antrag zur Abschaffung liegt dem Bundestag derzeit nicht vor. Ich gehe jedoch davon aus, dass bis zum Ende der Legislaturperiode diese Grundsatzentscheidung getroffen werden wird.
Stärker als bisher muss zweifellos die Wehrgerechtigkeit berücksichtigt sein. Ich selbst bin Vater eines 16-jährigen Sohnes und deshalb auch persönlich daran interessiert, dass dieses Problem gelöst wird.
Gleichzeitig muss die Bedeutung des Zivildienstes für soziale Aufgaben beachtet werden. Ich halte ein abgestimmtes Konzept für erforderlich, das auch die sozialen Belange und die Bewältigung der vielfältigen sozialen Aufgaben berücksichtigt.
Vielfach höre ich die Frage "Wieso klaut mir der Staat ein Jahr meines Lebens?". Ich kann diese Frage gut verstehen. Andererseits erfordert das Gemeinwesen auch einen Beitrag von allen. Deswegen bin ich kein Anhänger von Schnellschüssen, sondern erwarte vom Deutschen Bundestag ein umfassendes und tragfähiges Konzept für die Zukunft der Wehrpflicht und des Zivildienstes.
Ich bin sicher, dass dies in spätestens zwei Jahren vorliegen wird.
Mit freundlichen Grüßen bin ich
Franz Maget
Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Ferdi, Saturday, 21.06.2003, 21:34 (vor 8264 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Daddeldu am 21. Juni 2003 17:08:25:
Hallo
Im Bonner General-Anzeiger ist heute ein Bericht über eine Stellungnahme von Verteidigungsminister Struck zur Wehrpflicht, dessen Lektüre mich mal wieder aus dem Rock fahren liess und den ich in einem Leserbrief kommentieren werde. Ich werde dazu auch die Stellungnahme von Franz Magat verwerten. Insbesondere stört mich der Satz von Herrn Magat: "Andererseits erfordert das Gemeinwesen auch einen Beitrag von allen". Ich nagele den Herrn Magat in meinem Leserbrief auf diesen Satz fest. Der bedeutet nämlich, wenn ich die deutsche Sprache richtig beherrsche, dass die Frauen auch einen Beitrag für das Gemeinwesen zu leisten haben.
Schöne Grüsse,
Ferdi
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Joachim, Saturday, 21.06.2003, 21:59 (vor 8264 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Ferdi am 21. Juni 2003 18:34:38:
Hallo Ferdi,
ich bin der Meinung, dass es schon lange nicht mehr um die Wehrpflicht geht, sondern im Prinzip um das Problem dem Zivildienst. Mit Abschaffung der Wehrpflicht müsste auch der Zivildienst daran glauben, es gäbe nämlich dann keine Rechtfertigung mehr nur Männer den sozialen Pflichtdienst aufzuerlegen und man will keinesfalls Frauen einen sozialen Pflichtdienst aufbrummen, deshalb ist wahrscheinlich die ASF so scharf auf die Beibehaltung der Wehrpflicht, weil dann nur Männer zu den Zwangsdiensten gezwungen werden! Man müsste denen mal die Frage stellen, warum es in USA, England, Frankreich usw. schon lange keine MännerWehrpflicht mehr gibt, aber man sie in Deutschland um jeden Preis aufrecht erhalten will, für mich gibt es da nur eine klare Antwort: "Zivildienst -> Männer als sehr billige Pflegekraft ausbeuten will".
meint Joachim
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Maesi, Monday, 23.06.2003, 23:20 (vor 8262 Tagen) @ Joachim
Als Antwort auf: Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Joachim am 21. Juni 2003 18:59:49:
Hallo Joachim
ich bin der Meinung, dass es schon lange nicht mehr um die Wehrpflicht geht, sondern im Prinzip um das Problem dem Zivildienst. Mit Abschaffung der Wehrpflicht müsste auch der Zivildienst daran glauben, es gäbe nämlich dann keine Rechtfertigung mehr nur Männer den sozialen Pflichtdienst aufzuerlegen und man will keinesfalls Frauen einen sozialen Pflichtdienst aufbrummen, deshalb ist wahrscheinlich die ASF so scharf auf die Beibehaltung der Wehrpflicht, weil dann nur Männer zu den Zwangsdiensten gezwungen werden! Man müsste denen mal die Frage stellen, warum es in USA, England, Frankreich usw. schon lange keine MännerWehrpflicht mehr gibt, aber man sie in Deutschland um jeden Preis aufrecht erhalten will, für mich gibt es da nur eine klare Antwort: "Zivildienst -> Männer als sehr billige Pflegekraft ausbeuten will".
Ich glaube ebenfalls, dass die 'Allgemeine' Wehrpflicht v.a. deshalb aufrechterhalten wird, damit genuegend Zivildienstleistende zur Verfuegung stehen, die arbeitsmaessig ausgebeutet werden koennen.
Daneben gibt es IMHO noch weitere Gruende:
- eine gewisse Traegheit in der Politik; die Wehrpflicht abschaffen bedeutet eine ziemlich grosse politische und organisatorische Anstrengung. Die Psychologie der Politiker ist aber so, dass tendenziell erst dann gehandelt, wenn der Handlungsbedarf uebermaechtig erscheint. Heute ist es so, dass es zwar eine gewisse Zahl von Totalverweigerern gibt; diese sind jedoch vergleichsweise selten. Die meisten absolvieren, ohne gross zu klagen, den Wehr- oder ersatzweise den Zivildienst. Solange keine Grossproteste aus der Bevoelkerung kommen, wird es deshalb kaum eine Systemaenderung geben; auch weil eine Umstellung mit gewissen finanziellen und organisatorischen Risiken behaftet ist, andererseits dafuer jedoch politisch kaum Lorbeeren zu ernten sind.
- Initialkosten; voruebergehend wuerden die Kosten steigen, da gewisse Investitionen getaetigt sowie eine neue Organisationsstruktur aufgezogen werden muesste und zwangslaeufig waehrend einer gewissen Zeitspanne zweigleisig gefahren werden muesste (Berufs- und Zivilarmeearmee parallel). Momentan ist es nicht besonders opportun, im Bereich Verteidigung hoehere Kosten zu budgetieren, selbst wenn es nur voruebergehend waere.
- Wiederkehrende Kosten; nicht wenige erhoffen sich wohl von der Berufsarmee eine weitere Kostenreduktion im Verteidigungsbudget. Ob diese Hoffnungen begruendet sind, ist aeusserst fraglich. Es muss jedenfalls beruecksichtigt werden, dass eine Wehrpflichtarmee zwar einen sehr hohen Mannschaftsbestand aufweist, gleichzeitig der einzelne Wehrverpflichteten jedoch vergleichsweise geringe Personalkosten verursacht; bei einer Armee aus Profis muesste fuer jeden Soldat lohn- und ausbildungsmaessig wesentlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. Ausserdem muesste eine Berufsarmee modernste Waffensysteme einsetzen koennen, um glaubwuerdig zu bleiben (Klasse statt Masse), was wiederum Auswirkungen bei den Ruestungskosten haette. In der Schweiz gehen Experten jedenfalls davon aus, dass eine Berufsarmee ohne Einbusse bei der Kampfkraft mindestens so teuer waere wie die jetzt bestehende Milizarmee; ob dies auch auf die BRD zutrifft, weiss ich jedoch nicht.
- Auswirkungen auf die NATO; eine Umstellung von der Miliz- zur Berufsarmee hat eindeutig Auswirkungen auf die NATO. Zwar bringt mittel- bis langfristig eine deutsche Armee aus Berufssoldaten der NATO eindeutig Vorteile durch die hoehere Professionalisierung, kurzfristig jedoch sind die Auswirkungen der Umstellung IMHO eher negativ. Die Ressourcen werden kurzzeitig staerker fuer die Umorganisation beansprucht, sodass deutsche Beteiligungen an Krisenherden (z.B. Afghanistan, etc.) voruebergehend moeglicherweise etwas zurueckgestutzt werden muessten und als Folge, davon andere NATO-Staaten staerker beansprucht wuerden. Der wichtigste NATO-Partner USA moniert die europaeischen Verbuendeten schon seit Jahren, sie taeten verteidigungspolitisch zu wenig; Deutschland hat das Verhaeltnis zu den USA wegen seiner Opposition im Irak-Krieg in den letzten 10 Monaten auch nicht gerade verbessert. Eine Umstellung zur jetzigen Zeit koennte das Verhaeltnis noch weiter verschlechtern, wobei es darauf ankommt, wie die deutsche Regierung die Umstellung anpackt und diese bei den NATO-Partnern verkauft.
Gruss
Maesi
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Collantix, Tuesday, 24.06.2003, 19:40 (vor 8261 Tagen) @ Joachim
Als Antwort auf: Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Joachim am 21. Juni 2003 18:59:49:
Hallo Joachim,
ich bin der Meinung, dass es schon lange nicht mehr um die Wehrpflicht geht, sondern im Prinzip um das Problem dem Zivildienst.
Das sehe ich genauso. Hier wird ein Problem, das offensichtlich immer wieder hinausgechoben.
Es gibt nicht genügend Freiwillige /gelernt wie ungelernt), die alten Frauen den A... abwischen, also hält man am Zivildienst fest. Zivis sind natürlich auch billiger als gelernete Altenpfleger / -innen.
Allerdings passiert es immer häufiger, daß sich die großen Wohlfahrtsverbände die Zivis erst einmal für ihre Verwaltungen sichern (Kopierer-Betreuung, etc.) sichern¹. Was dann noch übrigbleibt, wird dann auf die Einrichtungen verteilt. Und es werden immer weniger...
Andererseits weigern sich manche Verbände, FSJotten (Freiwilliges Soziales Jahr) für ein halbes Jahr einzustellen (u.a. der BDKJ) , mit der Begründung, die Seminare seien auf ein ganzes Jahr angelegt...
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¹ Ich arbeitete letztes Jahr in einem AWO-Kindergarten. Mittwochs wurde immer die Post des Bezirksverbandes an die Einrichtungen geschickt. Wenn die Zivis in der HV auf Lehrgang waren, kam die Post immer später...
Der Zivildienst macht noch mehr kaputt!
pit b., Friday, 27.06.2003, 01:07 (vor 8259 Tagen) @ Joachim
Als Antwort auf: Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Joachim am 21. Juni 2003 18:59:49:
Der Zivildienst sorgt dafür das freiwilliges Angagement im Kein erstickt wird.
Wie Manfred schon sagte, die wenigsten deutschen jungen Männer würden nach dem Wehr/Zivildienst noch ein freiwilliges soziales Jahr dran hängen.
Warum auch? Sie haben doch schon mehr geleisten als es die meisten Bundesbürger es jemals tun würden.
Und warum, sollten Nichtwehrpflichtige ein fsJ machen, wenn sich schon die Zivis um alles kümmern?
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Odin, Tuesday, 24.06.2003, 01:46 (vor 8262 Tagen) @ Ferdi
Als Antwort auf: Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Ferdi am 21. Juni 2003 18:34:38:
Im Bonner General-Anzeiger ist heute ein Bericht über eine Stellungnahme von Verteidigungsminister Struck zur Wehrpflicht, dessen Lektüre mich mal wieder aus dem Rock fahren liess und den ich in einem Leserbrief kommentieren werde.
Strucks Geschwätz habe ich mir heute auch schon ein paar Mal reingezogen. Das ist wirklich die Höhe! Da ist ganz klar in den Koalitionsvereinbarungen festgelegt, daß die Diskussion über die Wehrpflicht auf der Tagesordnung steht und der Typ legt sich schon im vorhinein fest. Was sollen das noch für Diskussionen geben, wenn das Ergebnis schon feststeht?
Noch dazu hat die SPD von Baden Würthemberg sich GEGEn die WEhrpflicht ausgesprochen (letztes WE).
Meine Hoffnungen schwinden wieder, daß sich da was tut 
Angeblich soll das Ganze bis 2006 jetzt festgeschrieben werden und wenn nachher die CDU/CSU/FDP regiert habe ich noch weniger HOffnung
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
pit b., Saturday, 21.06.2003, 22:46 (vor 8264 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Daddeldu am 21. Juni 2003 17:08:25:
Traurig, dass solche Personen über solch wichtige Fragen mit zu entscheiden haben, denn so leid es mir tut: Dieser Mann hat keine Ahnung was eine Wehrpflicht ist und worum es dabei geht.
Vermutlich weiss er auch nicht dass es nur mit der Möglichkeit der Zwangsrekrutierung junger Männer zu verdanken ist das es in unserer Geschichten zwei Weltkriege gab.
Und dann kommt da sowas!
Stärker als bisher muss zweifellos die Wehrgerechtigkeit berücksichtigt sein. Ich selbst bin Vater eines 16-jährigen Sohnes und deshalb auch persönlich daran interessiert, dass dieses Problem gelöst wird.
--- Soll das heisen, er möchte unbedingt dass sein Sohn im Notfall als Wehrersatz verheitzt wird!?
Dann hoffe ich für seinen Sohn das kein Krieg ausbricht.
Wer soeinen Vater hat breucht keine Feinde mehr!
Gleichzeitig muss die Bedeutung des Zivildienstes für soziale Aufgaben beachtet werden. Ich halte ein abgestimmtes Konzept für erforderlich, das auch die sozialen Belange und die Bewältigung der vielfältigen sozialen Aufgaben berücksichtigt.
--- Ja ja, dass kennen wir ja schon.
Was würden wir nur ohne unsere Zwangsarbeiter machen.
Wie gut das die da sind, dann brauchen wir uns ja nicht selber die Hände schmutzig machen.
Mit absolut reinem Gewissen natürlich.
Vielfach höre ich die Frage "Wieso klaut mir der Staat ein Jahr meines Lebens?". Ich kann diese Frage gut verstehen. Andererseits erfordert das Gemeinwesen auch einen Beitrag von allen.
--- Was versteht der unter Allen?
Es gibt in Deutschland rund 42mio. Frauen und rund 40mio. Männer.
Das sind sowieso schon weniger, dazu kommen noch die ganzen Wehrausnahmen (Pfarreramtsanwerter, Nachfahren rassistisch verfolgter Minderheiten währen der NS-Zeit usw.)
Was bleibt da noch übrig?
Ich weiss es nicht genau, auf jedenfall ist es erheblich weniger als die
Hälfte der Gesamteinwohnerzahl.
Da kann man weiss Gott nicht von einem Beitrag von Allen reden.
Eher ist es eine Minderheit.
Dann nennt man das die so genannte "Mitverantwortung" die die Minderheit für die Mehrheit der Bundesbürger zu tragen hat.
Dreisst, echt dreisst!
Der kriegt auch noch eine Mail von mir.
Übrigends die AsF hat immer noch nichts von sich hören lassen.
Ob die Angst haben?
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Manfred, Sunday, 22.06.2003, 02:13 (vor 8264 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Daddeldu am 21. Juni 2003 17:08:25:
in den letzten Wochen haben mich und viele andere Kolleginnen und Kollegen der Landtage und des Bundestags zahllose Mails zum Thema Abschaffung der Wehrpflicht erreicht.
Manchmal könnte an beinahe meinen, es gibt auch in diesen Kreisen noch sowas wie Gewissensbisse.
Ich bitte deshalb um Verständnis, dass ich nur kurz und in allgemeiner Form antworten kann.
Verständnis habe und hatte ich dafür nie, weil sich meines Erachtens dahinter die Unfähigkeit und Unwilligkeit zu redlicher Argumentation verbirgt. Allerdings sind wir das gewohnt.
Die Bundeswehr steht vor einer veränderten Aufgabenstellung, die sich aus ihrer neuen Rolle im internationalen Sicherheitskonzept ergibt.
Von wegen neu! Der 11. September 2001 war nur das i-Tüpfelchen, das eine Umstrukturierung der BW sinnvoll sein würde war doch schon seit dem Mauerfall und Zusammenbruch des Warschauer Paktes vorhersehbar.
Der Bundesverteidigungsminister hat in seinen verteidigungspolitischen Leitlinien natürlich auf die jetzt geltende Rechtslage, einschließlich Wehrpflicht, abstellen müssen.
Gewäsch! Da wird ja grade so getan, als sei die WP gesetzlich "bedauerlicherweise" vorgeschrieben.
Mir wäre es lieber wenn man mal auf die Frage der Menschenrechte und -Würde abstellen würde.
Ich gehe jedoch davon aus, dass bis zum Ende der Legislaturperiode diese Grundsatzentscheidung getroffen werden wird.
Immerhin...
Stärker als bisher muss zweifellos die Wehrgerechtigkeit berücksichtigt sein.
Gerechtigkeit als frei zur Disposition stehender Luxus? Sie sind Deutsch und Männlich - darf's ein bisschen weniger sein...?
Wie jede Form der Gerechtigkeit sollte auch die Wehrgerechtigkeit
JEDERZEIT optimal gewährleistet sein. Sie war es aber nie!
Gleichzeitig muss die Bedeutung des Zivildienstes für soziale Aufgaben beachtet werden.
KNALLHART: Sagt dem Volk, daß soziale Aufgaben immer etwas kosten. Wenn 80 Millionen Einwohner in ihrer Gesamtheit das nicht bezahlen "können" (wollen!), warum können es dann einige -zigtausende Zivis? Sie bezahlen es bisher mit ihrer Freiheit und mit ihrem Einkommen.
Ich halte ein abgestimmtes Konzept für erforderlich, das auch die sozialen Belange und die Bewältigung der vielfältigen sozialen Aufgaben berücksichtigt.
Wie sozial können Zwangsdienste sein, und für wen? Es gibt keine Sozialität ohne Gerechtigkeit!
Vielfach höre ich die Frage "Wieso klaut mir der Staat ein Jahr meines Lebens?". Ich kann diese Frage gut verstehen.
Manche handeln aus Dummheit, manche aus Vorsatz.
Andererseits erfordert das Gemeinwesen auch einen Beitrag von allen.
Das ist der "Terror des Gemeinwohls" in seiner deutlichsten Form!
Ich pfeife darauf, daß es dem "Gemeinwohl" gut geht, Menschen soll es gut gehen! Nicht das "Gemeinwohl" hat etwas einzufordern, Menschen haben es!
Das Individuum existiert auch ohne "Gemeinwohl", aber das Gemeinwohl ist ein Dreck ohne den Einzelnen!
"Du bist nichts, aber der Staat ist alles" - wie ich diese Formel hasse!
Deswegen bin ich kein Anhänger von Schnellschüssen, sondern erwarte vom Deutschen Bundestag ein umfassendes und tragfähiges Konzept für die Zukunft der Wehrpflicht und des Zivildienstes.
Es kann hierzulande nur eines Zukunft haben, die Wehrpflicht oder die demokratische Kultur.
Maget, er war mir nie sympathisch, und hat hiermit eine Chance verspielt es zu werden 
Schöne Grüße,
Manfred
Meine Antwort an Herrn Magat
Daddeldu, Monday, 23.06.2003, 16:35 (vor 8262 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Daddeldu am 21. Juni 2003 17:08:25:
Sehr geehrter Herr Magat,
ich danke Ihnen für Ihre Antwort auf meine Mail Ende der Wehrpflicht jetzt! Die wenigsten der Angesprochenen haben bislang reagiert. Allerdings kann ich nicht verhehlen, dass ich von Ihrer Antwort auch etwas enttäuscht bin, da ich ihr keine sonderlich klaren Positionen entnehmen konnte, geschweige denn eine einschlägige Argumentation. Ich möchte kurz auf ein paar Aspekte eingehen:
IN DEN LETZTEN WOCHEN HABEN MICH UND VIELE ANDERE KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN DER LANDTAGE UND DES BUNDESTAGS ZAHLLOSE MAILS ZUM THEMA ABSCHAFFUNG DER WEHRPFLICHT ERREICHT.
ICH BITTE DESHALB UM VERSTÄNDNIS, DASS ICH NUR KURZ UND IN ALLGEMEINER FORM ANTWORTEN KANN.
Mein Verständnis hält sich in Grenzen, und zwar gerade weil Sie viele Mails erhalten haben. Auf diese haben sie offenkundig mit einer Standardmail geantwortet. Da hätte dieselbe aber dafür doch wenigstens ausführlich und speziell ausfallen können, statt kurz und allgemein. Wie oft wird ein allgemeiner Mangel an politischem Interesse beklagt, da sollte ein führender Politiker politisches Engagement nicht so leichtfertig abspeisen.
DIE BUNDESWEHR STEHT VOR EINER VERÄNDERTEN AUFGABENSTELLUNG, DIE SICH AUS IHRER NEUEN ROLLE IM INTERNATIONALEN SICHERHEITSKONZEPT ERGIBT.
Ein internationales Sicherheitskonzept gibt es nicht. Wer sollte dieses entwickelt haben? Es gibt allenfalls ein Konzept der internationalen Sicherheit der deutschen Bundesregierung. International gibt es lediglich ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Kräften mit unterschiedlichen Interessen und das Völkerrecht, welches mal mehr und mal weniger beachtet wird.
DIESES ERFORDERT MIT SICHERHEIT EINE NEUSTRUKTURIERUNG DER STREITKRÄFTE, BEI DER AUCH DIE FRAGE DER WEHRPFLICHT ZU BERÜCKSICHTIGEN IST.
Die Wehrpflicht steht zur Disposition des deutschen Gesetzgebers. Eine internationale Verpflichtung zur Wehrpflicht ist die Bundesrepublik nicht eingegangen.
DER BUNDESVERTEIDIGUNGSMINISTER HAT IN SEINEN VERTEIDIGUNGSPOLITISCHEN LEITLINIEN NATÜRLICH AUF DIE JETZT GELTENDE RECHTSLAGE, EINSCHLIESSLICH WEHRPFLICHT, ABSTELLEN MÜSSEN.
In politischen Leitlinien muss man natürlich von der vorgefundenen Rechts- und Faktenlage ausgehen. Aber Leitlinien sollen Zukunftskonzepte entwickeln. Der BMV hätte sich in ihnen durchaus für die Schaffung einer Berufsarmee aussprechen können. Er hat sich anstatt dessen ausdrücklich für die Beibehaltung der Wehrpflicht ausgesprochen.
EINE ENDGÜLTIGE ENTSCHEIDUNG DER BUNDESREGIERUNG ÜBER DIE WEHRPFLICHT IST JEDOCH NICHT GEFALLEN. EIN ANTRAG ZUR ABSCHAFFUNG LIEGT DEM BUNDESTAG DERZEIT NICHT VOR.
Das wäre auch verwunderlich, wenn die Regierung noch gar nicht entschieden hat. Denn sie ist es, die dem Bundestag den Antrag vorlegen müsste.
ICH GEHE JEDOCH DAVON AUS, DASS BIS ZUM ENDE DER LEGISLATURPERIODE DIESE GRUNDSATZENTSCHEIDUNG GETROFFEN WERDEN WIRD.
Die Koalitionsfraktionen haben meines Wissens abgemacht, bis zum 1. Juli zu entscheiden.
STÄRKER ALS BISHER MUSS ZWEIFELLOS DIE WEHRGERECHTIGKEIT BERÜCKSICHTIGT SEIN. ICH SELBST BIN VATER EINES 16-JÄHRIGEN SOHNES UND DESHALB AUCH PERSÖNLICH DARAN INTERESSIERT, DASS DIESES PROBLEM GELÖST WIRD.
Es ist ja schön, dass Sie ein diesbezügliches Problembewusstsein haben. Aber Ihre Position hierzu haben Sie mir nicht verraten.
GLEICHZEITIG MUSS DIE BEDEUTUNG DES ZIVILDIENSTES FÜR SOZIALE AUFGABEN BEACHTET WERDEN. ICH HALTE EIN ABGESTIMMTES KONZEPT FÜR ERFORDERLICH, DAS AUCH DIE SOZIALEN BELANGE UND DIE BEWÄLTIGUNG DER VIELFÄLTIGEN SOZIALEN AUFGABEN BERÜCKSICHTIGT.
An dieser Stelle nun haben wir den Punkt erreicht, den als Form der öffentlichen Sklaverei zu bezeichnen ich nicht umhin komme. Der Staat hat KEIN RECHT, junge Männer zur Zwangsarbeit heranzuziehen, um der Allgemeinheit die Finanzierung sozialer Dienste zu ersparen. Ein Zivildienst, bei dem ein Bürger zur Verrichtung von Arbeit gezwungen wird, die als notwendig erachtet wird, muss durch Arbeit vom freien Arbeitsmarkt ersetzt und von der Allgemeinheit finanziert werden. Alles andere ist nicht nur illegal (laut Zivildienstgesetz müssen Zivildienstplätze arbeitsplatzneutral sein), sondern auch ein unsoziales Sonderopfer, welches den jungen, ohnehin finanzschwachen Männern abverlangt wird. Wo ein Zivi unnütz Arbeit verrichtet, ist auf den Zivildienst zu verzichten.
VIELFACH HÖRE ICH DIE FRAGE "WIESO KLAUT MIR DER STAAT EIN JAHR MEINES LEBENS?". ICH KANN DIESE FRAGE GUT VERSTEHEN.
Ich muss gestehen, dass Ihr Schreiben auf mich nicht den Eindruck macht, als hätten Sie sich wirklich mit der Frage gründlich auseinandergesetzt. Eher scheint Ihnen das Schicksal der jungen Zwangsarbeiter meilenweit am nun, es scheint Ihnen egal zu sein. Eher geht es Ihnen darum, dass sich möglichst nichts ändert.
ANDERERSEITS ERFORDERT DAS GEMEINWESEN AUCH EINEN BEITRAG VON ALLEN.
Hier fordert das Gemeinwesen aber ein Sonderopfer von jungen Männern. Deren Arbeitskraft wird mit einer Naturalsteuer von 100 % belegt. Dies ist leistungsfeindlich, volkswirtschaftlich ausgesprochen kontraproduktiv und im Übrigen auch offenkundig ungerecht - warum sollen ausgerechnet die jungen Männer diese Last allein tragen?
Übrigens besteht die Welt nicht nur aus Männern. Von einem Beitrag von allen zu sprechen, wenn von vornherein die Frauen ausgespart bleiben, ist ja nun völlig verfehlt. Dies enthält einen doppelten Sexismus, der Frauen für nicht so belastbar und daher für irrelevant hält und gleichzeitig Männer einseitig belastet.
DESWEGEN BIN ICH KEIN ANHÄNGER VON SCHNELLSCHÜSSEN, SONDERN ERWARTE VOM DEUTSCHEN BUNDESTAG EIN UMFASSENDES UND TRAGFÄHIGES KONZEPT FÜR DIE ZUKUNFT DER Wehrpflicht und des Zivildienstes.
Dem darf ich also letztlich, auch wenn Sie es nicht klar auszusprechen wagen, entnehmen, dass Sie für die Beibehaltung der Zwangsdienste sind?
ICH BIN SICHER, DASS DIES IN SPÄTESTENS ZWEI JAHREN VORLIEGEN WIRD.
Aber wäre zwei Jahre nicht doch ein bisschen sehr früh, mithin doch ein Schnellschuss? Die Wehrpflichtabschaffung ist doch erst seit ca. 12 Jahren in der Diskussion. Sollte man da nicht doch noch mal 10 oder besser 20 Jahre disputieren? Und dann vielleicht einen mutigen Reformschritt gehen und die Zwangsdienste schrittweise um einen Monat kürzen
Genug gescherzt.
Ich appelliere an Sie und Ihre Kollegen:
Gehen Sie einen mutigen Reformschritt. Beenden Sie die Wehrpflicht.
Es ist an der Zeit, die Ungerechtigkeit des Wehrdienstes zu beenden. Die Koalition kann und muss dadurch zeigen, dass sie noch zu Reformen und Erneuerungen fähig ist. Es würde doch heute niemand den Dienst einführen wollen, wenn es ihn nicht schon gäbe. Das bedeutet aber, dass er abzuschaffen ist.
Die Wehrpflicht ist eine volkswirtschaftliche Fehlentscheidung erster Güte. Junge Männer auf der Höhe ihrer Leistungskraft und Leistungsbereitschaft werden vom Arbeitsmarkt fern gehalten. Anstatt ihnen zu ermöglichen, ihre Arbeitskraft nach ihren Neigungen und Fähigkeiten einzusetzen, was für sie und die Allgemeinheit das sinnvollste ist, wird ihre Arbeitskraft mit einer Naturalsteuer von 100 % belegt.
Die Dienstverpflichtung produziert auch Arbeitslosigkeit. Junge Männer müssen in Einstellungsgesprächen sagen, ob sie noch Wehrdienst leisten müssen. Jeder kluge Arbeitgeber wird jemanden, der noch gezogen werden kann, meiden.
Sie haben die Wahl zwischen dem, was richtig und gerecht ist, und dem, was bequem ist. Überwinden Sie Ihren Kleinmut und schaffen Sie endlich die Wehrpflicht ab!
Mit freundlichen Grüßen
[Daddeldu]
Re: Meine Antwort an Herrn Magat
Manfred, Monday, 23.06.2003, 18:41 (vor 8262 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Meine Antwort an Herrn Magat von Daddeldu am 23. Juni 2003 13:35:15:
Deine Fähigkeit -und auch die anderer- Unmut so diplomatisch zu verpacken, bewundere ich wirklich. Nebenbei gesagt.
Es gibt noch einen Punkt der mich an Maggat und seinen Gesinnungsgenossen/innen so ärgert. Ständig fordern sie Solidarität, tun aber alles dafür um jungen Männern genau diese Solidarität zu verweigern.
Die Zwangsdienste rauben jungen Männern sogar die Chance freiwillig etwas für das Gemeinwohl beizutragen. Man gönnt ihnen nicht einmal den hauch einer gesellschaftlichen Anerkennung dafür, daß sie ein Jahr ihrer Zeit opfern, damit auch die, die nichts tun es "gut" haben.
"Er hats ja nur getan weil er mußte, freiwillig wäre er nicht zum Bund gegangen" lautet der Tenor der Selbstgerechten. Als ob man das wüßte! Das ein Ex-Wehrpflichtiger nur der Anerkennung wegen, nach seinem Dienst nicht gleich noch ein freiwilliges soziales Jahr dranhängt, während Schwesterchen sich schon ins 4.Semester hochgequotet hat, dürfte verständlich sein.
Für mich ist die Wehrpflicht somit auch ein guter Grund einem Staat jegliche weitere freiwillige Solidarität zu versagen. Man muß es nicht zugeben, man muß es nicht zum Extrem werden lassen, aber ich gebe dem der mich bittet gerne, und ich trete den in den Arsch der mir etwas nimmt oder es versucht. So gesehen versagt der Staat auch als Erzieher und als Vorbild.
Gruß,
Manfred
Re: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat
Collantix, Tuesday, 24.06.2003, 19:30 (vor 8261 Tagen) @ Daddeldu
Als Antwort auf: Ende der Wehrpflicht jetzt Antwort von Franz Magat von Daddeldu am 21. Juni 2003 17:08:25:
Hallo,
Gleichzeitig muss die Bedeutung des Zivildienstes für soziale Aufgaben beachtet werden. Ich halte ein abgestimmtes Konzept für erforderlich, das auch die sozialen Belange und die Bewältigung der vielfältigen sozialen Aufgaben berücksichtigt.
Hier spricht wohl der ehemalige AWO-Landesvorstand, der natürlich ein berechtigtes Interesse an billigen Arbeitskräften hat...
Gruß
Collantix