Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag

Uwe, Monday, 16.06.2003, 23:50 (vor 8269 Tagen)

Fundstelle:
http://www.whitehouse.gov/news/releases/2003/06/20030613-8.html
Gefunden von Ingo Alberti

President's Father's Day Proclamation
By the President of the United States of America

A Proclamation Proklamation des Vatertags
Durch den Präsidenten der vereinigten Staaten von Amerika

Fatherhood is one of life's most challenging yet fulfilling endeavors. On
Father's Day, we honor America's fathers and express our appreciation for all
they do to help build a strong foundation for our children and our Nation. We
also reaffirm our commitment to supporting fathers and encouraging
responsible fatherhood in our society.

Vaterschaft ist eine der der herausfordernsten und erfüllendsten
Anstrengungen des Lebens. Am Vatertag ehren wir Amerikas Väter und drücken unseren Dank
für all das aus, was sie tun, um unseren Kindern und unserer Nation ein
starkes Fundament zu geben.

Fathers have indispensable roles to play in the lives of their children:
provider, protector, nurturer, teacher, and friend. Every caring father
unconditionally loves his sons and daughters and strives for the best for his
children in the future. In seeking to give their children the opportunity to
succeed, fathers offer needed strength, guidance, and discipline.

Väter haben unentbehrliche Rollen im Leben ihrer Kinder zu spielen:
Versorger, Beschützer, Ernährer, Lehrer, und Freund. Jeder sorgende Vater liebt seine
Söhne und Töchter bedingungslos und strebt nach dem Besten für ihre Zukunft.
Im Bemühen, ihren Kindern Erfolg zu ermöglichen, vermitteln Väter die
erforderliche Stärke, Führung und Disziplin.

Fathers teach their children many basic things in life: how to read a book,
throw a ball, tie a necktie, ride a bike, or drive a car. More importantly,
they also help instill time-honored values in their children, such as hard
work, respect, honesty, and good citizenship. Through their words, actions, and
sacrifices, fathers play an important role in shaping the characters of their
sons and daughters.

Väter lehren ihren Kindern viele grundlegende Dinge des Lebens: wie man ein
Buch liest, einen Ball wirft, eine Krawatte bindet, Fahrrad fährt oder ein
Auto steuert. Noch wichtiger ist, dass sie ihren Kindern höhere Werte wie
Fleiß, Respekt, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft vermitteln. Durch ihre Worte,
Taten und Hingabe spielen Väter eine wichtige Rolle bei der Bildung der
Charaktere ihrer Söhne und Töchter.

The time and attention that a father gives to a child is irreplaceable --
there is no substitute for the involvement and commitment of a responsible
father. Not only are fathers essential to the healthy development of children,
they also influence the strength of families and the stability of communities.

Die Zeit und Aufmerksamkeit, die ein Vater einem Kind gibt, ist unersetzlich
– es gibt keine Alternative zum Engagement und zur Selbstverpflichtung
eines verantwortlichen Vaters. Väter sind nicht nur für die gesunde
Entwicklung von Kindern unerlässlich, sie bewirken auch die Stärke von Familien und
die Stabilität von Gemeinschaften.

For this reason, our Government is working to help fathers succeed in this
challenging, but life-affirming, role. Over the last 2 years, my
Administration has taken important steps to promote responsible fatherhood and encourage
community-based initiatives that help them fulfill their important roles. We
are working to provide funds for healthy marriage and parenting education and
for community mentoring programs to help fathers become more engaged and
involved in their children's lives.

Aus diesem Grund arbeitet unsere Regierung daran Vätern zu helfen,
erfolgreich in dieser herausfordernden und lebenswichtigen Rolle zu sein. Während der
vergangenen zwei Jahre hat meine Regierung wichtige Schritte unternommen, um
für verantwortliche Vaterschaft zu werben und örtliche Initiativen zu
ermutigen, ihnen bei der Erfüllung ihrer wichtigen Rolle zu helfen. Wir bemühen uns
um die Bereitstellung von Geldern für Bildungsmaßnahmen zur Förderung von Ehe
und Elternschaft und für kommunale Beratungsprogramme, die Vätern dabei
helfen, stärker in das Leben ihrer Kinder integriert zu werden.

This Father's Day, we recognize the many fathers who are heroes and role
models for their children, and we encourage more men to fulfill this
responsibility by loving their sons and daughters with all their heart and demonstrating
this love daily. By working together to encourage America's fathers, we can
strengthen our society and help ensure the well-being of all our children.

An diesem Vatertag sehen wir die vielen Väter, die Helden und
Rollenvorbilder für ihre Kinder sind und wir ermutigen mehr Männer, diese Verantwortung
wahrzunehmen, indem sie ihre Söhne und Töchter mit ihrem ganzen Herzen lieben
und diese Liebe täglich zeigen. Indem wir bei der Stärkung der Väter Amerikas
zusammenarbeiten, können wir unsere Gesellschaft stärken und das Wohl unserer
Kinder sichern.

NOW, THEREFORE, I, GEORGE W. BUSH, President of the United States of
America, in accordance with a joint resolution of the Congress approved April 24,
1972, as amended (36 U.S.C. 109), do hereby proclaim June 15, 2003, as Father's
Day. I encourage all Americans to express love, admiration, and thanks to
their fathers for their contributions to our lives and to society. I direct the
appropriate officials of the Government to display the flag of the United
States on all Government buildings on this day. I also call upon State and
local governments and citizens to observe this day with appropriate programs,
ceremonies, and activities.

Ich, George W. Bush, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, in
Entsprechung einer vom Kongreß am 24. April 1972 genehmigten gemeinsamen
Resolution (beigefügt unter 36 U.S.C. 109), proklamiere hiermit den 15. Juni 2003 als
Vatertag. Ich ermutige alle Amerikaner dazu, ihren Vätern gegenüber Liebe,
Bewunderung und Dank für ihren Beitrag zu unserem Leben und zu unserer
Gesellschaft auszudrücken. Ich weise die zuständigen Beamten der Regierung an, an
diesem Tag vor allen Regierungsgebäuden die Flagge der Vereinigten Staaten
aufzuziehen. Weiter rufe ich die einzelnen Regierungsbehörden und die Bürger zu
entsprechende Programmen, Feiern und Veranstaltungen an diesem Tag auf.

IN WITNESS WHEREOF, I have hereunto set my hand this thirteenth day of June,
in the year of our Lord two thousand three, and of the Independence of the
United States of America the two hundred and twenty-seventh.

Zur Beurkundung unterzeichne ich hier am 13. Juni im Jahre des Herrn
Zweitausenddrei und zweihundertsiebenzundzwanzig Jahre nach der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.


GEORGE W. BUSH

Zickenthron

Re: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag

Andreas, Tuesday, 17.06.2003, 00:19 (vor 8269 Tagen) @ Uwe

Als Antwort auf: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag von Uwe am 16. Juni 2003 20:50:49:

Hallo Uwe,

ich habe heute irgendwo mal einen kleinen Vermerk in der Berliner Zeitung dazu gelesen. Ansonsten ist diese Proklamation in unserer Medienlandschaft bezeichnenderweise vollständig untergegangen. Jedenfalls konnte ich dazu in den Zeitungen und in den Nachrichten nichts darüber erfahren.

Danke für diesen Beitrag. Ich überlege gerade, ob ich ihn an www.bundesregierung.de schicken soll.

live long and prosper!
Andreas

Ich traue...

Xenia, Tuesday, 17.06.2003, 01:51 (vor 8269 Tagen) @ Uwe

Als Antwort auf: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag von Uwe am 16. Juni 2003 20:50:49:

...dem Braten nicht, Dubya instrumentalisiert hier doch eine althergekommene und überholte und auch klischeehafte Vorstellung vom Vatersein, und das vermutlich nur, um noch mehr patriotische Soldaten heranzuzüchjten, die dann das Kanonenfutter für die nächsten Kriege sind.
Viel zu viel machismo.

Best wishes, Xenia

du alter Miesepeter...

Andreas, Tuesday, 17.06.2003, 11:05 (vor 8268 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Ich traue... von Xenia am 16. Juni 2003 22:51:27:

...hast auch immer was zu meckern! ich wüßte nicht, was daran "machismo" sein sollte. Gut, man kann vielleicht über die eine oder andere Passage streiten und hier und dort anderer Meinung sein, aber ich finde es insgesamt bemerkenswert, daß sich ein Regierungsoberhaupt mal die Mühe macht, die Bedeutung von Vätern hervorzuheben. Bei uns würde sich wohl niemand trauen, gegen den Mainstream des vorherrschenden Frauenverherrlichungswahns einmal herauszuheben, daß auch Väter wertvolle und wichtige Arbeit tun. Es wäre auch bei uns einmal angebracht, Vätern Dank auszusprechen, aber das kann man von dem Kabinett des Grauens, das sich Bundesregierung nennt, wohl nicht erwarten.

live long and prosper!
Andreas

Re: Ich traue...

Garfield, Tuesday, 17.06.2003, 13:57 (vor 8268 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Ich traue... von Xenia am 16. Juni 2003 22:51:27:

Hallo Xenia!

Ich traue Bush auch nicht. Aber an dieser Erklärung finde ich nichts auszusetzen.

Was verstehst du eigentlich unter Machismo? Man könnte diesen Text ohne größere Änderungen auch für Mütter umschreiben. Ich glaube, daran hätte dann wohl kaum jemand etwas auszusetzen. Wenn dasselbe aber über Männer geschrieben oder gesagt wird, ist das Machismo?

Freundliche Grüße
von Garfield

Vatertag

Expatriate, Tuesday, 17.06.2003, 14:15 (vor 8268 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: du alter Miesepeter... von Andreas am 17. Juni 2003 08:05:21:

Es wäre auch bei uns einmal angebracht, Vätern Dank auszusprechen,

Hier war gerade "Daddy's Day", ein genaues Ebenbild des Muttertags.
"Say thank you to your daddy" war das Motto.
Letzten Samstag oder so.

Re: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag

Karin, Tuesday, 17.06.2003, 17:52 (vor 8268 Tagen) @ Uwe

Als Antwort auf: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag von Uwe am 16. Juni 2003 20:50:49:

– es gibt keine Alternative zum Engagement und zur Selbstverpflichtung
eines verantwortlichen Vaters. Väter sind nicht nur für die gesunde
Entwicklung von Kindern unerlässlich, sie bewirken auch die Stärke von
Familien und
die Stabilität von Gemeinschaften.

Das ist wohl der zentrale Satz....

Die Presseerklärung (ich schreibe bewusst jetzt nicht "Mr. Bush") redet von verantwortungsvollen Vätern....

und DIE sind, ganz unstrittig, genauso wichtig wie verantwortungsvolle Mütter.

Nur ist die Welt leider nicht in rosarote und hellblaue Watte gepackt.... es gibt solche und solche Väter UND Mütter.... aber solange dann immer "Alle Väter" oder "Alle Mütter" über einen kamm geschoren werden, wird es nur sehr schwen "gemeinsame" Erkenntnisse zwischen den Extrem-Fraktionen geben.

Es kann doch nicht so schwer sein, einen Vater, der gerne Vater sein möchte, zu erlauben das auch zu sein.... genauso wenig wie einem Vater, der eben NICHT "mitspielen" will, wenigstens seinen materiellen Anteil am Kind erfüllen zu lassen.... Es braucht immer 2 dazu ein Kind zu zeugen, warum sollen dann nicht BEIDE (je nach Willen, und NUR wenn einer garnicht WILL, wenigstens nach Leistungsfähgigkeit) ihren Beitrag zur Erziehungsarbeit leisten ?´

P.S. dazu gehört m.E natürlich genauso, dass eine Mutter sich nicht lebenslang auf einem Kind "ausruhen" darf.... genausowenig wie ein Vater sich drücken darf.....

Re: Ich traue...

Xenia, Wednesday, 18.06.2003, 00:53 (vor 8268 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Ich traue... von Garfield am 17. Juni 2003 10:57:56:

Garfield, du erwartest doch wohl keine Antwort, hm? Nö, denke ich nicht.
Kriegst aber trotzdem eine, das hast du jetzt davon, böser Bube!

Ich traue Bush auch nicht. Aber an dieser Erklärung finde ich nichts auszusetzen.

Macht ja auch ix.

Was verstehst du eigentlich unter Machismo?

Übersteigertes Männlichkeitsgefühl, was bei Bush ja überall zu sehen ist. Wobei ich zugebe, dass der Schwachpunkt im Worte Männlichkeit liegt, also sagen wir mal: ein übersteigertes Gefühl klischeehafter Männlichkeit.

Man könnte diesen Text ohne größere Änderungen auch für

Mütter umschreiben. Ich glaube, daran hätte dann wohl kaum jemand etwas auszusetzen.

Ich schon, dann wäre der Text ja noch schlimmer, weil er einen nicht viel stärkeren Mythos bestärkt

Wenn dasselbe aber

über Männer geschrieben oder gesagt wird, ist das Machismo?

Ich glaube es gibt eigentlich kein adäquates weibliches Synonym für Machismo, oder? Na ja, vielleicht Feminismus looooooooooool

Best wishes, Xenia

Miesmuschel

Xenia, Wednesday, 18.06.2003, 01:31 (vor 8268 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: du alter Miesepeter... von Andreas am 17. Juni 2003 08:05:21:

...hast auch immer was zu meckern!

Hihi, nö, immer nicht, und ich habe auch gar nicht gemeckert, komisch, dass du das so siehst, kleine Interpretation von dir?

ich wüßte nicht, was daran "machismo" sein sollte. Gut, man kann vielleicht

über die eine oder andere Passage streiten und hier und dort anderer Meinung sein, aber ich finde es insgesamt
bemerkenswert, daß sich ein Regierungsoberhaupt mal die Mühe macht, die Bedeutung von Vätern
hervorzuheben.

Darum geht es nicht, sondern um das Bild vom Vater, das hier transportiert wird, sowie die Hintergedanken Bushs. Ich finde es jedenfalls nicht gut, so eine klischeehafte Vaterrolle instrumentalisieren zu lassen, schon gar nicht von Dubya.

Bei uns würde sich wohl niemand trauen, gegen den Mainstream des vorherrschenden

Frauenverherrlichungswahns einmal herauszuheben, daß auch Väter wertvolle und wichtige Arbeit tun.

Weiß ich ehrlich gesagt nicht. Von diesem Frauenverherrlichungswahn habe ich allerdings noch nicht viel mitbekommen.

Es wäre

auch bei uns einmal angebracht, Vätern Dank auszusprechen, aber das kann man von dem Kabinett des Grauens,
das sich Bundesregierung nennt, wohl nicht erwarten.

Tja, das fürchte ich allerdings auch. Leider, es wäre gut, wen sich Vaterschaft mal etwas mehr finanziell und gesellschaftlich mehr lohnen würde.

Best wishes, Xenia

Re: Ich traue...

Garfield, Wednesday, 18.06.2003, 13:43 (vor 8267 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Re: Ich traue... von Xenia am 17. Juni 2003 21:53:14:

Hallo Xenia!

Ich weiß nicht so recht, was ich von Bush halten soll. Er scheint mir einer der Politiker zu sein, die keine eigenen Überzeugungen haben, sondern sich immer so drehen, wie es ihnen am besten paßt.

Deshalb glaube ich auch nicht, daß sein Handeln durch irgendein übersteigertes Männlichkeitsgefühl bestimmt wird. Er hält gern "patriotische" Reden, weil das beim Durchschnittsamerikaner eben gut ankommt und große Teile der Bevölkerung auf seine Seite zieht.

"weil er einen nicht viel stärkeren Mythos bestärkt"

Ist es wirklich ein Mythos, daß sowohl Mütter als auch Väter für ihre Kinder eine Vorbildfunktion haben und daß sie ihre Kinder auf ihr Leben als Erwachsene vorbereiten? Ich denke, wer das für einen Mythos hält, sollte besser keine Kinder haben.

"Ich glaube es gibt eigentlich kein adäquates weibliches Synonym für Machismo, oder?"

Vielleicht sollte man das mal die Frauen im "Las Machas"-Forum fragen.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Miesmuschel

Garfield, Friday, 20.06.2003, 14:55 (vor 8265 Tagen) @ Xenia

Als Antwort auf: Miesmuschel von Xenia am 17. Juni 2003 22:31:12:

Hallo Xenia!

"Von diesem Frauenverherrlichungswahn habe ich allerdings noch nicht viel mitbekommen."

Das liegt vielleicht daran, daß du als Frau dich von in den Medien immer wiederkehrenden männerfeindlichen Äußerungen kaum betroffen fühlst. Und es könnte auch daran liegen, daß es für dich wie für viele Menschen ganz selbstverständlich ist, daß Frauen friedfertiger, sanftmütiger usw. sind als Männer und daß du deshalb gar nicht auf die Idee kommst, entsprechende Behauptungen in Frage zu stellen.

"Leider, es wäre gut, wen sich Vaterschaft mal etwas mehr finanziell und gesellschaftlich mehr lohnen würde."

Warum finanziell? Dabei muß man immer bedenken, daß unser System leider so aufgebaut ist, daß gerade finanzielle Leistungen in der Regel von irgendjemandem erarbeitet werden müssen. Es ist jetzt schon so, daß die Menschen, die selbst keine Kinder haben und auf Vollzeit arbeiten, den größten Teil der Steuern zahlen und damit auch Familien mit Kindern das Kindergeld und andere Unterstützungen wesentlich mit finanzieren.

Im Gegensatz zum immer wieder erzählten Märchen von der Rentensicherung durch Kinder bekommen diese (zum nicht unwesentlichen Teil übrigens unfreiwillig) kinderlosen Menschen für diese von ihnen zugunsten von Familien mit Kindern erbrachten Leistungen rein gar nichts zurück. Ihre spätere Rente wird nämlich nur nach den ebenfalls von ihnen selbst eingezahlten Beiträgen berechnet. (Denn den sogenannten Arbeitgeberanteil erarbeiten sie selbstverständlich auch allein.) Aber der größte Schwachpunkt an diesem Märchen ist folgender: Nur wer legal arbeitet, zahlt auch Rentenbeiträge ein. Die Zahl der Arbeitsplätze erhöht sich aber nicht proportional zur Bevölkerungszahl. Wenn es jetzt also plötzlich einen enormen Geburtenanstieg gäbe, würde das vor allem die Zahl der Arbeitslosen in späteren Jahrzehnten erhöhen, nicht aber die Zahl der Beschäftigten. Und Menschen ohne Erwerbstätigkeit nützen weder der Rentenkasse noch den Sozialkassen, sondern belasten diese noch zusätzlich. Für die heutigen Berufstätigen im jüngeren und mittleren Alter bedeutet das also, daß die Kinder von heute ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur nicht die Rente finanzieren werden, sondern daß sie für diese heutigen Kinder später im Alter mit ihren Steuergeldern sogar noch die Sozialleistungen finanzieren dürfen.

Schuld daran sind weder Eltern noch Kinder noch kinderlose Berufstätige. Schuld daran ist die Politik, die das mangelhafte deutsche Rentensystem aus Bequemlichkeit und Ignoranz einfach nicht reformiert, obwohl schon lange absehbar ist, daß der ganze Schwachsinn nicht mehr lange finanzierbar ist. Dabei machen die Holländer uns schon lange vor, wie es besser laufen könnte. Da werden die Rentenbeiträge nämlich nicht wie in Deutschland sofort wieder ausgegeben, sondern sie werden gewinnbringend angelegt, so daß die Renten dort wesentlich sicherer sind. Obendrein bekommen die Holländer für weniger Beiträge als Rentner mehr heraus als die Deutschen.

Angesichts dessen halte ich es für fatal, den kinderlosen Berufstätigen, die mit dem jetzigen Kurs der deutschen Politik ohnehin in vieler Hinsicht die A-Karte ziehen und bis zum Tod ziehen werden, zugunsten von Familien mit Kindern noch mehr finanzielle Lasten aufzubürden.

Wir können natürlich auch alle zu Hause bleiben und Kinder zur Welt bringen oder adoptieren. Wer aber erledigt dann sämtliche außer Erziehungsarbeit noch anfallenden Arbeiten?

Was ich vermisse, ist nicht nur Anerkennung für Väter oder Mütter, sondern Anerkennung für Leistung allgemein. Heute werden nur noch bestimmte Gruppierungen, die einflußreiche Lobbies haben, als Leistungsträger anerkannt. Alle anderen bleiben außen vor, und darunter ist leider auch die überwiegende Zahl derjenigen, die in unserem Lande alles am Laufen halten.

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Miesmuschel

Manfred, Friday, 20.06.2003, 22:52 (vor 8265 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Miesmuschel von Garfield am 20. Juni 2003 11:55:39:

Hat meine Zustimmung.

So wichtig Kinder für den Fortbestand der Gesellschaft auch sein mögen, darf man doch einige andere grundsätzliche Betrachtungen nicht vergessen.
Einerseits ist der Fortbestand "an sich" kein erstrebenswertes Ziel, wenn nicht auch gleichzeitig lebensfreundliche Bedingungen für diese folgenden Populationen gewährleistet werden können. Das ist zumindest meine Überzeugung.
Zweitens ist es nicht recht weit her mit einer Solidargemeinschaft, die zwar fordert Beitragszahler zur Rettung leerer Rentenkassen in die Welt zu setzen, sich gleichzeitig aber relativ wenig darum schert, wer denn wiederum deren Rentenansprüche einmal decken soll.

Gruß,
Manfred

Re: Miesmuschel

Garfield, Monday, 23.06.2003, 15:47 (vor 8262 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Miesmuschel von Manfred am 20. Juni 2003 19:52:36:

Hallo Manfred!

Meiner Meinung nach besteht das Hauptproblem darin, daß sowohl Politiker als auch Wirtschaftsbosse alles nach dem Motto "nach mir die Sintflut" betrachten.

Die Manager großer Konzerne sehen sich ohnehin als "Global Player", und der Standort Deutschland interessiert die nur solange, wie sie hier noch durch überhöhte Preise und staatliche Subventionen den fetten Reibach einfahren können. Daß sie durch Lohndrückerei und zunehmende Arbeitslosigkeit den deutschen Binnenmarkt immer weiter schwächen, interessiert die nicht die Bohne. Die sehen in Asien, insbesondere in China, die Märkte der Zukunft und bauen dort immer mehr Produktionskapazitäten auf. Dabei geht es keineswegs nur um die niedrigeren Löhne (so mancher Facharbeiter in Japan oder Singapur verdient mittlerweile genauso viel oder sogar mehr als seine deutschen Kollegen), sondern viel mehr noch darum, direkt am Markt zu produzieren. Die Großkonzerne werden ihre Produktion also so oder so ins Ausland verlagern, ganz egal, wie weit die Realeinkommen in Deutschland noch sinken werden. Zwar könnten niedrigere Löhne für manches Groß-Unternehmen ein Grund sein, noch einige Standorte in Deutschland zu erhalten, da aber mit sinkenden Realeinkommen eben der deutsche Binnenmarkt geschwächt wird, hebt sich dieser Pluspunkt auch gleich wieder auf, mit dem Ergebnis, daß Lohnsenkungen nichts weiter bringen als zusätzliche Profite, die dann im Ausland investiert werden.

Aufgabe der Politik wäre es nun, da gegenzusteuern. Großunternehmen dürften grundsätzlich keine Subventionen und Steuererleichterungen bekommen. Solche Förderung dürften nur kleine und mittlere Unternehmen erhalten. Aber genau das Gegenteil passiert weiterhin. Zwar liegen die deutschen Nominalsteuern für Unternehmen sehr hoch, aber durch einen undurchsichtigen Dschungel von Abschreibungsmöglichkeiten und sonstigen Steuerschlupflöchern liegen die tatsächlich gezahlten Unternehmenssteuern in Deutschland unter dem Niveau der USA oder Großbritanniens. Da es sich nur Großunternehmen leisten können, ganze Stäbe von Fachleuten zu beschäftigen, die nichts weiter tun, als nach neuen Fördertöpfen und Steuersparmöglichkeiten Ausschau zu halten, profitieren auch nur sie von den niedrigen deutschen Unternehmenssteuern, während kleine und mittlere Unternehmen umso mehr belastet werden. Mittlerweile gibt es Großunternehmen in Deutschland, die die Produktionsanlagen bereits komplett ins Ausland verlagert haben und hier nur noch Forschungszentren unterhalten. Und das auch nur deshalb, weil sie dafür von der deutschen Regierung Fördergelder erhalten. Deutsche Steuergelder werden also dafür eingesetzt, Produkte zu entwickeln, die dann im Ausland produziert werden.

Der Staatskasse schadet das alles natürlich auch nur. Wieso also erhält die deutsche Politik das alles so aufrecht?

Wir leben in einer sogenannten Demokratie. Dort muß eine Partei, wenn sie denn gewählt werden möchte, erst einmal Wahlkampf veranstalten. So ein Wahlkampf kostet natürlich einiges. Zwar wird das Geld später eventuell zurück erstattet, erst einmal muß es jedoch aufgebracht werden. Da greift man gern auf Spenden aus der Wirtschaft zurück. Die werden aber natürlich nicht uneigennützig getätigt, sondern die Wirtschaft erwartet, daß dafür auch ihre Interessen durchgesetzt werden. Große Unternehmen haben das meiste Geld, können somit die größten Spenden zahlen und sichern sich so die mächtigsten Lobbies.

Dazu kommt noch, daß die Politiker sich ja in den letzten Jahrzehnten sehr hohe Einkommen genehmigt haben. Wer selbst reich ist, tendiert aber natürlich eher dazu, im Interesse der Reichen im Lande zu regieren. Vor allem dann, wenn man selbst - wie das bei vielen Politiker(inne)n der Fall ist - selbst ein Unternehmen hat oder sonstwie mit der Wirtschaft verbunden ist. Obendrein haben sich Politiker auch in Bezug auf ihre Altersversorgung ideal abgesichert. Ein Abgeordneter beispielsweise braucht nur einen einzigen Tag als Minister tätig sein und hat dann, wenn er sich zur Ruhe setzt, Anspruch auf die volle Minister-Pension. Aber auch nach ein paar Jahren Tätigkeit als Abgeordneter ist man im Alter schon gut versorgt. Die Zeiten, als Abgeordneten-Bezüge nur eine Aufwandsentschädigung darstellten, sind längst vorbei. Also sagen Politiker sich eben auch "nach mir die Sintflut" und machen so weiter wie bisher. Ihnen geht es ja prima - wieso also sollte sich irgendetwas ändern?

Und so verschließt man weiter die Augen vor der Realität. Die Arbeitslosigkeit soll dadurch bekämpft werden, daß man die Arbeitslosen stärker dazu motivieren will, sich neue Arbeitsplätze zu suchen. Die Tatsache, daß aber nun einmal nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden sind, übergeht man einfach stillschweigend. Und wenn man doch einmal darauf angesprochen wird, verweist man auf irgendeinen ominösen Aufschwung, der schon irgendwann einmal kommen wird...

Ja, und wenn es um die Rente geht, drückt man sich mit der Forderung nach mehr Geburten um die wirkliche Problematik herum. Neulich hab ich mal eine Talkshow zum Thema Geburtenrückgang gesehen. Da kam natürlich auch wieder das Märchen von der Rentensicherung durch mehr Kinder. Dann rief jemand an und sagte, daß Kinder doch heute immer weniger Perspektiven haben, weil sie immer schwieriger Ausbildungs- und Arbeitsplätze finden. Und daß jemand, der nicht erwerbstätig ist, doch auch keine Rentenbeiträge zahlt. Da kam erstmal betretenes Schweigen. Dann wurde gesagt, daß man natürlich mehr Ausbildungsmöglichkeiten schaffen müsse, und danach wurde das Thema schnell wieder verdrängt. Bloß nicht zuviel darüber nachdenken - man könnte ja in Versuchung kommen, das Problem wirklich anzugehen und damit womöglich einigen Mächtigen auf die Füße treten... Und wer das tut, ist seinen einträglichen Posten schnell wieder los oder hat eventuell noch schlimmere Konsequenzen zu befürchten.

Und so hält man weiter die Hand auf und sieht ansonsten tatenlos zu, wie hier alles den Bach runtergeht. Bis es den meisten Menschen im Lande irgendwann so dreckig geht, daß sie endlich selbst die Inititative ergreifen, um etwas zu ändern. Nur das gibt dann erfahrungsgemäß das totale Chaos...

Freundliche Grüße
von Garfield

Re: Deswegen schickt man die Väter auch in den Krieg... (n/t)

Collantix, Tuesday, 24.06.2003, 20:06 (vor 8261 Tagen) @ Uwe

Als Antwort auf: Bush proklamiert den 15.06.2003 offiziell zum Vatertag von Uwe am 16. Juni 2003 20:50:49:

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