Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Abtreibung...

carlos , Thursday, 12.06.2003, 02:43 (vor 8274 Tagen)

Servus!
Die folgenden Beiträge habe ich vor einiger Zeit einmal bei Moni geschrieben. Leider habe ich zu wenig Zeit, sie jetzt nochmals abzuändern; ich erbitte Nachsicht. Es geht lediglich um deren Inhalt.
Grüße,
carlos

Re: Abtreibung...

carlos, Thursday, 12.06.2003, 02:44 (vor 8274 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:43:43:

Hui, jetzt führen wir einen philsophischen Diskurs (Anknüpfungspunkt zu Foucault),
„Deinen letzten Satz könnte man mit folgendem Beispiel widerlegen: Wenn 1000 Menschen von einer Brücke springen - springst Du dann auch? Immerhin könnten ja 1000 Menschen recht haben. Drücken wir es anders aus. Gemeinhin wird "Realität" als "Wahrheit" verstanden. Aber was ist "Wahrheit"? Wahrheit ist ziemlich relativ und hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. "Wahrheit" an sich wird eigentlich nie erreicht. Sie ist immer nur eine Übereinkunft der Mehrheit, wobei nicht gesagt ist, daß eben diese Mehrheit recht hat. Gehen wir in die Vergangenheit zurück: Es galt damals, die Welt ist eine Scheibe. Dies galt als wahr, da die Meinung der Mehrheit. War es wahr?
Wenn ich sage, der "Wahnsinn" ist eine andere Form der Wirklichkeit, so sage ich, daß der angeblich "Wahnsinnige" eine Sichtweise der Dinge hat, die er versteht, die für ihn logisch ist. Es ist seine Realität. Mag sein, daß ich eine andere Sichtweise habe. In seinen Augen bin ich vielleicht der Wahnsinnige - wer weiß. Wer hat aber jetzt recht? Und vor allem - wer hat das Recht zu urteilen, wer jetzt wahnsinnig ist?“
Hm... Da gerät einiges durcheinander, wird unscharf; da werden grundverschiedene Dinge in einen Topf geworfen.
Was ist „Wahrheit“? Eines ist sie mit Sicherheit nicht: grundsätzlich relativ. Unterscheiden wir zunächst einmal zwischen absoluter (gemessen an unseren irdischen, solchermaßen bekannten Regeln) und emphemärer, i.e. (meinetwegen; mir fällt jetzt keine besserer Terminus ein:) relativer Wahrheit. Erstere Wahrheit findet sich wieder in der einzig wahren Wissenschaft: der Mathematik, bzw. zusätzlich aller anderen Wissenschaften, die sich derer Regeln und Gesetze bedienen (die sogenannten „Naturwissenschaften“). Ich weiß, in früheren Zeiten marschierten Philosophie und Mathematik in trauter Einigkeit (siehe Pascal), aber die spätere strikte Auftrennung und Abgrenzung zwischen den beiden war schon goldrichtig, wenn auch weiterhin noch einige wenige Berührungspunkte existieren mögen: Es sei ihnen unbenommen. Die mathematische Wahrheit bedingt wechselseitig das Wissen, die Realität und deren Beweisbarkeit (meistens jedenfalls: 1+1=2; komme darauf noch zurück). Eine mathematische Wahrheit gilt genau so lange als solche, bis es jemandem gelingen sollte, sie zu widerlegen; allerdings: Einmal bewiesen, kann ich mich nicht entsinnen, wann jemals ein mathematischer Lehrsatz wieder widerlegt worden wäre. Die mathematische, die vermittels Mathematik bewiesene Wahrheit hängt also ganz klar und in keinem Falle vom „Standpunkt des jeweiligen Betrachters, von irgendwelchen Konventionen ab“, wie Du sagst, sondern entzieht sich komplett irgendeinem persönlichen Firlefanz. Genau diese Tatsache treibt ja so viele strunzdumme Femi-Mösen auf die Barrikaden und veranlaßt sie zu groteskem Müllgesprudel, wie etwa: „Wir Frauen haben unsere eigene Wahrnehmung, unsere eigenen Gefühlsebenen und deswegen auch unsere eigenen Wahrheiten, und die lassen wir uns von euch bösen Mackern nicht kaputtmachen, weswegen... labbersabbersülzkotzkack...“ Ein einfaches Beispiel, zwei Aussagen dazu: „Der Himmel ist grün, und das Gras ist blau. Und 1+1=3. Verdammt noch mal, laß mir doch meine Wahrnehmungen und meine Realitäten, so, wie ich sie nun mal wahrnehme!“ Das ist er, der Femi-Salat, wie wir ihn lieben... Wie schön muß doch das Mittelalter gewesen sein, als man noch über brandheiß gesicherte Entsorgungswege für komplett durchgeknallte Hexi-Tölen verfügte... lolol. 1+1=2; diese Aussage ist übrigens nicht beweisbar im streng mathematischen Sinne, sondern nur über den Umweg von sogenannten Axiomen. Ich belasse es dabei... lol.
Die andere Wahrheit, die emphemäre, hängt hauptsächlich mit unseren Wahrnehmungen und Konventionen zusammen; also all das, was eine allgemeine Mehrheit als gut und richtig ansieht und will. Im eigentlichen, im strengen Sinne hat das mit „Wahrheiten“ nix zu tun, wiewohl genau darin das Dilemma zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ hängt. Die widerwärtigste Schlampe im Bett dieser sogenannten Wahrheit ist die Jurisdiktion. Sie kann sich über echte Wahrheiten hinwegsetzen und juristische, also per Mehrheit abgesegnete Wahrheiten in unsere Welt setzen. Sie schafft ganze Litaneien von Alibitermini, die uns, oftmals bösartig motiviert (wenn auch nicht als solche nachweisbar), den Blick auf die wirkliche, die echte Wahrheit vernebeln sollen. Ein schönes Beispiel hierzu, welches im Forum wiederholt diskutiert wird: Die „Abtreibung“. Die Jurisdiktion hat uns eine ganze Reihe von Alibi-Konnotationen geliefert, wie „Schwangerschaftsabbruch“, „Abtreibung“; den Vogel aber schießt die „Schwangerschaftsunterbrechung“ ab, wenn man die Heisenberg´sche Unschärferelation zugrundelegt. Nein, die Wahrheit liegt in der Wahrheit dessen, was Abtreibung faktisch, also ohne die ganze juristische Stinksülze drumrum, bedeutet, nämlich: Der Massenmord an ungeborenen Artgenossen. Nicht nur naheliegend, sondern, gemessen an Logik und Gesetzen der Mathematik, zwingend geboten ist demzufolge der Begriff des „Babycausts“. Völlig scheißegal, welche „persönlichen Wahrnehmungen“ man hat, völlig scheißegal auch, was irgendwelche demokratischen Mehrheiten wollen; mathematisch-naturwissenschaftlich ist der Mensch von Anfang an einer, gemessen an dem Gerülpse der Juristen ist man das lediglich im Rahmen einer Rechtsfolge. Und die kann, je nach Stimmung der Massen, heute so und morgen anders sein. Demokratie ist auch immer Ausdruck eines Durchschnitts; auch in Sachen Dummheit. Oder anders gesagt: Zur Demokratie gehört integral und elementar auch das Recht auf Dummheit. Albert Einstein hat das einmal sehr schön so formuliert: „Auf dieser Welt sind nur zwei Dinge unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit“.
Worin liegt aber denn nun der Unterschied zwischen 1+1=2 und der wahren Tatsache, daß der Mensch von Anfang an einer ist?
Es gibt Wahrheiten, die man unbedingt beachten muß, will man nicht unter die Räder kommen, will man nicht sofort härteste Konsequenzen aufgebrummt bekommen; mißachtet man dagegen andere, dann ließe uns die Mathematik das nicht so hammerhart spüren. Viele Wahrheiten sind als solche schnell erkennbar, andere unter anderem deswegen nicht, weil sie eben erst als solche bewiesen werden müssen. Den Weg über den Beweis mußte z.B. ja der Mensch antreten, um zu wissen, ab wann er denn einer sei. Mittlerweile ist klar, daß er einer ist ab dem Moment der Verschmelzung von Ei und Samen. Daß wir ihn nicht sogleich als solchen zu erkennen vermögen, ist kein Problem „mangelnder“ Wahrheit an sich, sondern liegt in dem Umstand unserer begrenzten sinnlichen Wahrnehmung begründet: Wir können ihn kaum sehen, kennen sein Geschlecht, seine Haar- und Augenfarbe nicht, können uns nicht mit ihm unterhalten, etc etc; ist also ausschließlich eine relative Frage von Relationen, aber keine prinzipielle. Auch hier geistert haufenweise Idiotengelalle, wie z.B. „himbeerähnliches Gebilde“, „werdendes menschliches Leben“, „vormenschliches Stadium“ und anderer Müll durch unsere Alltags- oder Juristensprache; alles blödsinniges Zeugs, dem eines gemeinsam ist: Es mißachtet faktische, bewiesene Wahrheiten unter Zuhilfenahme von Alibibegriffen.
Wenn ich dagegen in meinem Geldbeutel das 1+1=2 nicht mehr gebacken kriege, kriege ich die diesbezügliche Wahrheit sofort zu spüren, dann komme ich recht schnell in Teufels Küche, was sich unter anderem an der steigenden Anzahl von überschuldeten Privathaushalten, aber auch an den Schuldenorgien im Drecksstaat Bumsrepublik Dummland ersehen läßt; auch Georgy-Boy auf des Teichs anderer Seite macht das momentan ja in geradezu gigantischem Maße so, obwohl er von seinem Vorgänger einen ausgeglichenen Haushalt übernommen hatte, woran wir wiederum ersehen können, daß Dummheit international verteilt ist; auch deswegen, weil, gemessen an den bereits gesammelten Erfahrungen mit überschuldeten Staatshaushalten, ihm eigentlich irgendeiner in den Arm fallen müßte, was aber keiner tut... lol.
Die Mißachtung der Wahrheit, daß der Mensch von Anfang an einer ist, bestraft uns nicht sofort mit den gleich knallharten Bandagen, wie im ersten Fall, weswegen ja viele so tun, als gäbe es besagte Wahrheit nicht, und man bräuchte sich nur an das Gelalle der Juristen zu halten. Kann man ja auch. Das nackte Überleben ganzer Staaten geriete mit Sicherheit auch nicht außer Kontrolle, so grausam das klingen mag.
Erfrecht sich allerdings nun eine Femanze, in meine Aura zu treten und mir zu dozieren, in ihrer Wahrnehmung sei nun mal der Himmel grün und das Gras blau, und ich als böser Chauvi müsse das nun mal akzeptieren, dann erweist sie sich damit zunächst einmal nur für mindestens einen Happen dusselig wie viele andere auch; insofern also weder Beinbruch noch brandneu. Kann mir aber auch scheißegal ein. Ich hab ja nicht ihre Kopfschmerzen. Ich bin ja nicht die... lol. Altruist und Mensch, der ich nichtsdestoweniger bin, würde ich ihr womöglich noch die baldige Konsultation eines Augenarztes sowie eines Gehirnspezialisten ans arme Herzerl legen, sich ein Buch über Physik und eines über Biologie zu Gemüte zu führen, auch wenn da wahrscheinlich Hopfen und Malz verloren sein mögen, oder aber ganz schlicht einen Gütetermin mit der örtlichen Freibank zwecks Notschlachtung und einen mit Schappi-Hundefutter zu vereinbaren... lolol.
MfG,
carlos

Re: Abtreibung...

carlos , Thursday, 12.06.2003, 02:46 (vor 8274 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:44:31:

„... Ich sah das Ich, den Blick aus seinen Augen, ich erweiterte ihm die Pupille, sah tief in sie hinein, sah tief aus ihr heraus, den Blick aus solchen Augen: Fast ausdrucksschwach, mehr witternd, Gefahr witternd, eine uralte Gefahr. Aus Katastrophen, die latent waren, die vor dem Worte lagen, grauenvolle Erinnerungen des Geschlechts, Zwitterhaftiges, Tiergestaltiges, Sphinxgebeuteltes des Urgesichts...“; aus: Gottfried Benn: „Das Urgesicht“

„Krieg bedeutet Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke!“; Inschrift auf dem Wahrheitsministerium in George Orwells „1984“
„Γνώθι σεαυτόν! (Erkenne dich selbst!)“; Orakelinschrift auf dem Apollotempel in Delphi
Servus!
Wieso soll das Zeigen von Bildern abgetriebener Föten „nicht hilfreich“, für den Betrachter zu „schockierend“ sein? Wie würdest Du denn die Bilder von den Millionen Opfern von Flucht und Vertreibung, von den Toten des Irak-Krieges, von KZ-Toten beurteilen? Soll man die denn nicht zeigen? Ich glaube, den Gemordeten ist es scheißegal, weswegen sie gemordet wurden, welcher Ideologie oder momentanen „Rechtsauffassung“ sie zum Opfer gefallen sind; ob nun von tschechischen Partisanen, Rote-Armee-Soldaten oder im Auftrage demokratisch abgesicherter Mehrheiten. Sie wollen eigentlich leben, bzw. weiterleben. Wann hat denn dem Wißbegierigen, dem Intelligenten Erkenntnis je geschadet, vor allem dann, wenn es sich um eigenmenschliches Tun und eben nicht um einfaches Geschehen gehandelt hat? Befürchtest Du eine Emotionalisierung der Debatte? Ich gebe unumwunden zu, mir tun die abgetriebenen Föten leid. Nein, Eugen, diese Fotos sind Dokumentationen menschlichen Handelns, sorgen für Klarheit in der Debatte, und man soll genau wissen, wovon man spricht, wenn man über Abtreibung diskutiert. Jegliche Verschleierung diesbezüglicher Tatsachen wäre höchst unredlich. Die Wahrheit kann furchtbar sein; öfters als uns lieb ist, hat sie eine unangenehme Eigenschaft: Sie tut weh und macht uns vor uns selbst, vor der „Bestie Mensch“ (Emile Zola), schaudern. Der Blick, der unverschleierte Blick auf die Wahrheit erfordert indes Mut und Stärke, und meinetwegen ist er auch nicht des Dummkopfs Sache. Eugen, ich schätze Dich sehr, und erachte Dich ganz im Gegenteil als äußerst intelligent; Du verstehst es trefflich, die logisch-verbale Klinge messerscharf zu kreuzen, weswegen ich bei Dir auch ein Höchstmaß an kritischem Urteilsvermögen und den streitbaren Mut zur Wahrheit, i.e. deren Auffindung und Schilderung voraussetze und unterstelle. Also noch mal: Was um Himmels Willen soll denn am Zeigen jener Fotos „nicht hilfreich“ sein? Es ist der Blick auf das, was wir getan, zum mindesten aber haben geschehen lassen; es ist der Blick auf winzig kleine Menschen, die gezeugt und dann umgebracht wurden: Beides haben sie nicht selbst getan, sondern wir, die bereits Geborenen, und gefragt um deren Einwilligung wurden sie beide Male auch nicht. Es werden Ungeborene abgetrieben in einem Stadium, in dem man sich andernfalls rührend um sie als Frühgeburten kümmern würde; man kann Hirnströme und Herzschlag messen zu einem Zeitpunkt, an dem die Frau noch überhaupt nichts weiß von ihrer Schwangerschaft. Nicht lebensfähig ohne seine Mutter ist auch ein Neugeborenes: Wenn man es nach der Geburt (also genau so wie nach einer Abtreibung) in den Müll schmeißt, dann stirbt es. Auch am Ende des Lebens ist man auf die Hilfe von Mitmenschen angewiesen; man stirbt schneller, wenn man als Bettlägriger keine Hilfe bekommt.
Nochmals: Du brauchst überhaupt keinen religiösen Weg zum lieben Gott, zu Allah oder sonst wem beschreiten, ich tue das auch nicht, und auch niemand anderes muß das für seine ganz persönliche Katharsis und Erkenntnis tun; ganz abgesehen davon, daß uns bei Erkenntnis und Selbsterkenntnis auch kein Gott helfen könnte; zwecklos darauf zu hoffen: Das ist schon unser ureigenster Job! Es ist demokratisch abgesegnete Juristenwillkür, den Ungeborenen ihre Menschenrechte vorzuenthalten; dieses Vorgehen ist eine Vergewaltigung der Wahrheit!
Versuch´ Dich als postmoderner Faust, jag´ die Juristen, die Winkeladvokaten, Linksanwälte und Rechtsverdreher, jenes Pack mit seinen meisterhaften Euphemismen und seinem Tatsachen und Wahrheiten verschleiernden Gelalle, zum Teufel, und halte Dich an die Wahrheit und deren Erkenntnis! Es lohnt sich! Könnte man jetzt fragen: Warum lohnt sich das denn? Was gewinne ich denn durch Erkenntnis? Nun, pekuniär läßt sich kein Gewinn aus ihr messen; der Gewinn besteht ausschließlich im Selbstwert ihrer Erlangung. Zugegeben: Woanders läßt sich wesentlich schneller auch ein pekuniärer Wert erkennen, wenn z.B. jemand das 1+1=2 richtig für sich spielen läßt. Der Papst hatte einmal gesagt, der Mensch sei immer wieder aufs Neue Sklave jeder neuer Erkenntnis. Nun, das ist gar nicht so falsch, wenn man das Gegenteil dessen unterstellt, was ich zuletzt geschrieben habe; es hängt also ganz entscheidend von jedem einzelnen von uns ab, was wir aus gewonnener Erkenntnis machen, ob wir womöglich einen Nutzen daraus ziehen können.
Schlüsse habe ich selbst noch keine zum besten gegeben, was denn im postgnostischem Stadium zu tun sei; wenn man also die Bürde der Erkenntnis nicht mehr abschütteln kann, obzwar aus meiner Formulierungsweise in diesem wie in meinem Beitrag eins weiter oben mein persönlicher Standpunkt natürlich ersichtlich wird. Seine Schlußfolgerungen muß jeder selbst ziehen und sich entscheiden; das kann einem keiner abnehmen, auch wenn es weh tut!
MfG,
carlos

Gnothi sautòn

Xenia, Thursday, 12.06.2003, 17:39 (vor 8273 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:46:02:

"... Ich sah das Ich, den Blick aus seinen Augen, ich erweiterte ihm die Pupille, sah tief in sie hinein, sah tief aus ihr

heraus, den Blick aus solchen Augen: Fast ausdrucksschwach, mehr witternd, Gefahr witternd, eine uralte Gefahr.
Aus Katastrophen, die latent waren, die vor dem Worte lagen, grauenvolle Erinnerungen des Geschlechts,
Zwitterhaftiges, Tiergestaltiges, Sphinxgebeuteltes des Urgesichts..."; aus: Gottfried Benn: "Das Urgesicht"

Und was soll uns das jetzt sagen?

"Krieg bedeutet Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke!"; Inschrift auf dem Wahrheitsministerium

n George Orwells "1984"

Ja, los, alle Pessimisten schnell mal aufzeigen.

"? ?! (Erkenne dich selbst!)"; Orakelinschrift auf dem Apollotempel in Delphi

Im Orginal "Gnothi sautòn", lateinisch "Nosce te ipsum!" tststs, hier den Bildungsmenschen raushängen lassen, aber das nicht wissen.
Ja, und die alten Griechen sind jetzt wirklich die Besten, die man zitieren sollte. Phobos und Eleos lassen grüßen.

Wieso soll das Zeigen von Bildern abgetriebener Föten "nicht hilfreich", für den Betrachter zu "schockierend"

sein?

Von nicht hilfreich für den Betrachter meinte ich nicht, aber ist nicht hilfreich für eine Forumsdiskussion, weil es die Menschen nur unnötig emotionalisiert. Was hier ja auch geschehen ist.

Wie würdest Du denn die Bilder von den Millionen Opfern von Flucht und Vertreibung, von den Toten des

Irak-Krieges, von KZ-Toten beurteilen? Soll man die denn nicht zeigen?

Soll man, aber aufgrund dieser Bilde lässt sich wohl kaum diskutieren, wie es zum Irak-krieg bzw. zum Holocaust kam.

Ich glaube, den Gemordeten ist es

scheißegal, weswegen sie gemordet wurden, welcher Ideologie oder momentanen "Rechtsauffassung" sie zum
Opfer gefallen sind;

Sehe ich auch so, hat aber mit dem Zeigen von Bildern imho nichts zu tun.

ob nun von tschechischen Partisanen, Rote-Armee-Soldaten oder im Auftrage demokratisch

abgesicherter Mehrheiten. Sie wollen eigentlich leben, bzw. weiterleben. Wann hat denn dem Wißbegierigen, dem
Intelligenten Erkenntnis je geschadet, vor allem dann, wenn es sich um eigenmenschliches Tun und eben nicht um
einfaches Geschehen gehandelt hat? Befürchtest Du eine Emotionalisierung der Debatte?

Ganz genau das befürchtete ich, denn da es ja nun mal eingetroffen ist, siehst du ja, dass das nicht weiterbringt.

Ich gebe unumwunden

zu, mir tun die abgetriebenen Föten leid.

Ja toll, Mitleid. Geht es nicht sparsamer? Was ist mit Trauer?

Nein, Eugen, diese Fotos sind Dokumentationen menschlichen Handelns,

sorgen für Klarheit in der Debatte, und man soll genau wissen, wovon man spricht, wenn man über Abtreibung
diskutiert.

Da hilft aber so ein Foto nicht weiter, zumal es die Frau ausklammert, wieder mal fötuszentriert gedacht.

Jegliche Verschleierung diesbezüglicher Tatsachen wäre höchst unredlich. Die Wahrheit kann furchtbar

sein; öfters als uns lieb ist, hat sie eine unangenehme Eigenschaft: Sie tut weh und macht uns vor uns selbst, vor der
"Bestie Mensch" (Emile Zola), schaudern.

Komisch, DAS weißt du in Bezug auf das Kind, aber die Frau ist dir so was von scheißegal....und du willst vermutlich menschlicher sein als ich.

Der Blick, der unverschleierte Blick auf die Wahrheit erfordert indes

Mut und Stärke, und meinetwegen ist er auch nicht des Dummkopfs Sache.

Tja, nur leider ist dieses Bild nicht die ganze Wahrheit, so schauts aus.

Eugen, ich schätze Dich sehr, und

erachte Dich ganz im Gegenteil als äußerst intelligent; Du verstehst es trefflich, die logisch-verbale Klinge
messerscharf zu kreuzen, weswegen ich bei Dir auch ein Höchstmaß an kritischem Urteilsvermögen und den
streitbaren Mut zur Wahrheit, i.e. deren Auffindung und Schilderung voraussetze und unterstelle. Also noch mal:
Was um Himmels Willen soll denn am Zeigen jener Fotos "nicht hilfreich" sein? Es ist der Blick auf das, was wir
getan, zum mindesten aber haben geschehen lassen; es ist der Blick auf winzig kleine Menschen, die gezeugt und
dann umgebracht wurden: Beides haben sie nicht selbst getan, sondern wir, die bereits Geborenen, und gefragt um
deren Einwilligung wurden sie beide Male auch nicht. Es werden Ungeborene abgetrieben in einem Stadium, in
dem man sich andernfalls rührend um sie als Frühgeburten kümmern würde; man kann Hirnströme und Herzschlag
messen zu einem Zeitpunkt, an dem die Frau noch überhaupt nichts weiß von ihrer Schwangerschaft. Nicht
lebensfähig ohne seine Mutter ist auch ein Neugeborenes: Wenn man es nach der Geburt (also genau so wie nach
einer Abtreibung) in den Müll schmeißt, dann stirbt es. Auch am Ende des Lebens ist man auf die Hilfe von
Mitmenschen angewiesen; man stirbt schneller, wenn man als Bettlägriger keine Hilfe bekommt.
Nochmals: Du brauchst überhaupt keinen religiösen Weg zum lieben Gott, zu Allah oder sonst wem beschreiten,
ich tue das auch nicht, und auch niemand anderes muß das für seine ganz persönliche Katharsis und Erkenntnis tun;
ganz abgesehen davon, daß uns bei Erkenntnis und Selbsterkenntnis auch kein Gott helfen könnte; zwecklos
darauf zu hoffen: Das ist schon unser ureigenster Job! Es ist demokratisch abgesegnete Juristenwillkür, den
Ungeborenen ihre Menschenrechte vorzuenthalten;

Was ist mit den bereits Geborenen, haben die keine Rechte?!

dieses Vorgehen ist eine Vergewaltigung der Wahrheit!

Jaja, und schon wieder extreme Emotionalisierung, dein Text trieft nur so davon, wie willst du darüber rational diskutieren, wenn du über das Bild des toten Fötus nicht hinauskommst?

Versuch´ Dich als postmoderner Faust, jag´ die Juristen, die Winkeladvokaten, Linksanwälte und

Rechtsverdreher, jenes Pack mit seinen meisterhaften Euphemismen und seinem Tatsachen und Wahrheiten
verschleiernden Gelalle, zum Teufel, und halte Dich an die Wahrheit und deren Erkenntnis!

Und schon wieder die Wahrheit, schon schlimm, wenn die eigene Weltsicht auf so tönernen Füßen steht.

Es lohnt sich! Könnte

man jetzt fragen: Warum lohnt sich das denn? Was gewinne ich denn durch Erkenntnis? Nun, pekuniär läßt sich
kein Gewinn aus ihr messen; der Gewinn besteht ausschließlich im Selbstwert ihrer Erlangung. Zugegeben:
Woanders läßt sich wesentlich schneller auch ein pekuniärer Wert erkennen, wenn z.B. jemand das 1+1=2 richtig
für sich spielen läßt.

Nicht schon wieder....

Der Papst hatte einmal gesagt, der Mensch sei immer wieder aufs Neue Sklave jeder neuer

Erkenntnis. Nun, das ist gar nicht so falsch, wenn man das Gegenteil dessen unterstellt, was ich zuletzt geschrieben
habe; es hängt also ganz entscheidend von jedem einzelnen von uns ab, was wir aus gewonnener Erkenntnis
machen, ob wir womöglich einen Nutzen daraus ziehen können.
Schlüsse habe ich selbst noch keine zum besten gegeben, was denn im postgnostischem Stadium zu tun sei; wenn
man also die Bürde der Erkenntnis nicht mehr abschütteln kann, obzwar aus meiner Formulierungsweise in diesem
wie in meinem Beitrag eins weiter oben mein persönlicher Standpunkt natürlich ersichtlich wird. Seine
Schlußfolgerungen muß jeder selbst ziehen und sich entscheiden; das kann einem keiner abnehmen, auch wenn es
weh tut!

Aha, aber die Wahrheit ist so, wie DU sie siehst. Und die Wahrheit ist das, was auf einem Bild zu sehen ist. Sorry, aber das ist falsch. Die Bilder sind wichtig, streite ich nicht ab, aber sie keine Grundlage, um Entscheidungen zu treffen oder rational zu diskutieren, denn alle Einwände werden durch die Emotionen, die das Bild weckt, sofort als falsch dargestellt.
Was hat uns denn das Bild gezeigt, dass Ferdi hier reingestellt hat? Einen toten Fötus, der ein bisschen wie ein armes Würstchen aussah. Aufwühlend und traurig. Aber nur die halbe Wahrheit, wo ist das Bild, dass uns jetzt die Frau zeigt? Ihre Gebärmutter zum Beispiel? Wo ist das Bild, dass uns die Entscheidungsfindung der Frau zeigt? Brauchen wir alles gar nicht mehr, denn durch das Bild des toten Fötus ist unsere Entscheidung bereits gefallen, die Frau ist eine pöse Mörderin, ganz egal, wie sie zu ihrer Entscheidung gekommen ist. Ich frage mich, wie ihr reagiert hätte, wenn ihr z.B. gewusst hättet, dass dieses Kind durch eine Vergewaltigung zustande gekommen wäre. Auch nicht anders, nicht wahr? Denn die Vergewaltigung wäre nicht mehr zu sehen gewesen auf dem Bild, JEDER Mensch würde sich mit dem toten Fötus solidarisieren. Und genau darum sind diese Bilder nicht hilfreich, denn sie zeigen einem nicht die ganze Wahrheit, sondern, wie üblich, nur die halbe.

Best wishes, Xenia

Hihi

Xenia, Thursday, 12.06.2003, 11:36 (vor 8273 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:44:31:

Es gibt gar keine 1

Also pack deinen populärwissenschaftlichen Schmockes wieder in die naturalistische Wissenschfts-Mottenkiste.

Best wishes, Xenia

Re: Abtreibung...

Uwe, Thursday, 12.06.2003, 11:54 (vor 8273 Tagen) @ carlos

Als Antwort auf: Re: Abtreibung... von carlos am 11. Juni 2003 23:44:31:

Moin Carlos,
stimmt - die Antwort auf dieses Posting war ich Dir noch schuldig. Ich werde Dir kurz antworten.

Wahrheit (was ist überhaupt Wahrheit?) ist tatsächlich nur relativ gültig, obwohl sie unter bestimmten Voraussetzung den Anspruch auf Absolutheit erhebt. Du greifst hier den alten Streit zwischen Naturwissenschaften und Geistenwissenschaften auf, wobei die Mathematik, als Vertreterin der NAturwissenschaften, einen absoluten Wahrheitsanspruch erhebt, die Geisteswissenschaften indes nur einen relativen - nämlich auf Grund einer Übereinkunft der Mehrheit. Du führst dabei etwas wichtiges an: Regeln und Gesetze. Du hast es also mit einem System zu tun. Dieses System kann mehr oder weniger offen oder geschlossen sein. In diesem System werden Regeln vereinbart, die bestimmen, was als Wahr oder Falsch zu gelten hat. Innerhalb dieses Systems und innerhalb dieser Gesetze kannst Du sicherlich einen absoluten Wahrheitsanspruch geltend machen. Die Wahrheit ist aber dennoch relativ, weil es auch andere Systeme gibt, die zu einer ganz anderen Wahrheit kommen können. Dies gilt für die Naturwissenschaften wie auch für die Geisteswissenschaften. Insgesamt kannst Du dich einer "absoluten Wahrheit" immer nur annähern - Du wirst sie aber nicht erreichen.

So viel in kurzen Worten.

Gruß

Uwe

Hui, jetzt führen wir einen philsophischen Diskurs (Anknüpfungspunkt zu Foucault),
„Deinen letzten Satz könnte man mit folgendem Beispiel widerlegen: Wenn 1000 Menschen von einer Brücke springen - springst Du dann auch? Immerhin könnten ja 1000 Menschen recht haben. Drücken wir es anders aus. Gemeinhin wird "Realität" als "Wahrheit" verstanden. Aber was ist "Wahrheit"? Wahrheit ist ziemlich relativ und hängt vom Standpunkt des Betrachters ab. "Wahrheit" an sich wird eigentlich nie erreicht. Sie ist immer nur eine Übereinkunft der Mehrheit, wobei nicht gesagt ist, daß eben diese Mehrheit recht hat. Gehen wir in die Vergangenheit zurück: Es galt damals, die Welt ist eine Scheibe. Dies galt als wahr, da die Meinung der Mehrheit. War es wahr?
Wenn ich sage, der "Wahnsinn" ist eine andere Form der Wirklichkeit, so sage ich, daß der angeblich "Wahnsinnige" eine Sichtweise der Dinge hat, die er versteht, die für ihn logisch ist. Es ist seine Realität. Mag sein, daß ich eine andere Sichtweise habe. In seinen Augen bin ich vielleicht der Wahnsinnige - wer weiß. Wer hat aber jetzt recht? Und vor allem - wer hat das Recht zu urteilen, wer jetzt wahnsinnig ist?“
Hm... Da gerät einiges durcheinander, wird unscharf; da werden grundverschiedene Dinge in einen Topf geworfen.
Was ist „Wahrheit“? Eines ist sie mit Sicherheit nicht: grundsätzlich relativ. Unterscheiden wir zunächst einmal zwischen absoluter (gemessen an unseren irdischen, solchermaßen bekannten Regeln) und emphemärer, i.e. (meinetwegen; mir fällt jetzt keine besserer Terminus ein:) relativer Wahrheit. Erstere Wahrheit findet sich wieder in der einzig wahren Wissenschaft: der Mathematik, bzw. zusätzlich aller anderen Wissenschaften, die sich derer Regeln und Gesetze bedienen (die sogenannten „Naturwissenschaften“). Ich weiß, in früheren Zeiten marschierten Philosophie und Mathematik in trauter Einigkeit (siehe Pascal), aber die spätere strikte Auftrennung und Abgrenzung zwischen den beiden war schon goldrichtig, wenn auch weiterhin noch einige wenige Berührungspunkte existieren mögen: Es sei ihnen unbenommen. Die mathematische Wahrheit bedingt wechselseitig das Wissen, die Realität und deren Beweisbarkeit (meistens jedenfalls: 1+1=2; komme darauf noch zurück). Eine mathematische Wahrheit gilt genau so lange als solche, bis es jemandem gelingen sollte, sie zu widerlegen; allerdings: Einmal bewiesen, kann ich mich nicht entsinnen, wann jemals ein mathematischer Lehrsatz wieder widerlegt worden wäre. Die mathematische, die vermittels Mathematik bewiesene Wahrheit hängt also ganz klar und in keinem Falle vom „Standpunkt des jeweiligen Betrachters, von irgendwelchen Konventionen ab“, wie Du sagst, sondern entzieht sich komplett irgendeinem persönlichen Firlefanz. Genau diese Tatsache treibt ja so viele strunzdumme Femi-Mösen auf die Barrikaden und veranlaßt sie zu groteskem Müllgesprudel, wie etwa: „Wir Frauen haben unsere eigene Wahrnehmung, unsere eigenen Gefühlsebenen und deswegen auch unsere eigenen Wahrheiten, und die lassen wir uns von euch bösen Mackern nicht kaputtmachen, weswegen... labbersabbersülzkotzkack...“ Ein einfaches Beispiel, zwei Aussagen dazu: „Der Himmel ist grün, und das Gras ist blau. Und 1+1=3. Verdammt noch mal, laß mir doch meine Wahrnehmungen und meine Realitäten, so, wie ich sie nun mal wahrnehme!“ Das ist er, der Femi-Salat, wie wir ihn lieben... Wie schön muß doch das Mittelalter gewesen sein, als man noch über brandheiß gesicherte Entsorgungswege für komplett durchgeknallte Hexi-Tölen verfügte... lolol. 1+1=2; diese Aussage ist übrigens nicht beweisbar im streng mathematischen Sinne, sondern nur über den Umweg von sogenannten Axiomen. Ich belasse es dabei... lol.
Die andere Wahrheit, die emphemäre, hängt hauptsächlich mit unseren Wahrnehmungen und Konventionen zusammen; also all das, was eine allgemeine Mehrheit als gut und richtig ansieht und will. Im eigentlichen, im strengen Sinne hat das mit „Wahrheiten“ nix zu tun, wiewohl genau darin das Dilemma zwischen „Recht haben“ und „Recht bekommen“ hängt. Die widerwärtigste Schlampe im Bett dieser sogenannten Wahrheit ist die Jurisdiktion. Sie kann sich über echte Wahrheiten hinwegsetzen und juristische, also per Mehrheit abgesegnete Wahrheiten in unsere Welt setzen. Sie schafft ganze Litaneien von Alibitermini, die uns, oftmals bösartig motiviert (wenn auch nicht als solche nachweisbar), den Blick auf die wirkliche, die echte Wahrheit vernebeln sollen. Ein schönes Beispiel hierzu, welches im Forum wiederholt diskutiert wird: Die „Abtreibung“. Die Jurisdiktion hat uns eine ganze Reihe von Alibi-Konnotationen geliefert, wie „Schwangerschaftsabbruch“, „Abtreibung“; den Vogel aber schießt die „Schwangerschaftsunterbrechung“ ab, wenn man die Heisenberg´sche Unschärferelation zugrundelegt. Nein, die Wahrheit liegt in der Wahrheit dessen, was Abtreibung faktisch, also ohne die ganze juristische Stinksülze drumrum, bedeutet, nämlich: Der Massenmord an ungeborenen Artgenossen. Nicht nur naheliegend, sondern, gemessen an Logik und Gesetzen der Mathematik, zwingend geboten ist demzufolge der Begriff des „Babycausts“. Völlig scheißegal, welche „persönlichen Wahrnehmungen“ man hat, völlig scheißegal auch, was irgendwelche demokratischen Mehrheiten wollen; mathematisch-naturwissenschaftlich ist der Mensch von Anfang an einer, gemessen an dem Gerülpse der Juristen ist man das lediglich im Rahmen einer Rechtsfolge. Und die kann, je nach Stimmung der Massen, heute so und morgen anders sein. Demokratie ist auch immer Ausdruck eines Durchschnitts; auch in Sachen Dummheit. Oder anders gesagt: Zur Demokratie gehört integral und elementar auch das Recht auf Dummheit. Albert Einstein hat das einmal sehr schön so formuliert: „Auf dieser Welt sind nur zwei Dinge unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit“.
Worin liegt aber denn nun der Unterschied zwischen 1+1=2 und der wahren Tatsache, daß der Mensch von Anfang an einer ist?
Es gibt Wahrheiten, die man unbedingt beachten muß, will man nicht unter die Räder kommen, will man nicht sofort härteste Konsequenzen aufgebrummt bekommen; mißachtet man dagegen andere, dann ließe uns die Mathematik das nicht so hammerhart spüren. Viele Wahrheiten sind als solche schnell erkennbar, andere unter anderem deswegen nicht, weil sie eben erst als solche bewiesen werden müssen. Den Weg über den Beweis mußte z.B. ja der Mensch antreten, um zu wissen, ab wann er denn einer sei. Mittlerweile ist klar, daß er einer ist ab dem Moment der Verschmelzung von Ei und Samen. Daß wir ihn nicht sogleich als solchen zu erkennen vermögen, ist kein Problem „mangelnder“ Wahrheit an sich, sondern liegt in dem Umstand unserer begrenzten sinnlichen Wahrnehmung begründet: Wir können ihn kaum sehen, kennen sein Geschlecht, seine Haar- und Augenfarbe nicht, können uns nicht mit ihm unterhalten, etc etc; ist also ausschließlich eine relative Frage von Relationen, aber keine prinzipielle. Auch hier geistert haufenweise Idiotengelalle, wie z.B. „himbeerähnliches Gebilde“, „werdendes menschliches Leben“, „vormenschliches Stadium“ und anderer Müll durch unsere Alltags- oder Juristensprache; alles blödsinniges Zeugs, dem eines gemeinsam ist: Es mißachtet faktische, bewiesene Wahrheiten unter Zuhilfenahme von Alibibegriffen.
Wenn ich dagegen in meinem Geldbeutel das 1+1=2 nicht mehr gebacken kriege, kriege ich die diesbezügliche Wahrheit sofort zu spüren, dann komme ich recht schnell in Teufels Küche, was sich unter anderem an der steigenden Anzahl von überschuldeten Privathaushalten, aber auch an den Schuldenorgien im Drecksstaat Bumsrepublik Dummland ersehen läßt; auch Georgy-Boy auf des Teichs anderer Seite macht das momentan ja in geradezu gigantischem Maße so, obwohl er von seinem Vorgänger einen ausgeglichenen Haushalt übernommen hatte, woran wir wiederum ersehen können, daß Dummheit international verteilt ist; auch deswegen, weil, gemessen an den bereits gesammelten Erfahrungen mit überschuldeten Staatshaushalten, ihm eigentlich irgendeiner in den Arm fallen müßte, was aber keiner tut... lol.
Die Mißachtung der Wahrheit, daß der Mensch von Anfang an einer ist, bestraft uns nicht sofort mit den gleich knallharten Bandagen, wie im ersten Fall, weswegen ja viele so tun, als gäbe es besagte Wahrheit nicht, und man bräuchte sich nur an das Gelalle der Juristen zu halten. Kann man ja auch. Das nackte Überleben ganzer Staaten geriete mit Sicherheit auch nicht außer Kontrolle, so grausam das klingen mag.
Erfrecht sich allerdings nun eine Femanze, in meine Aura zu treten und mir zu dozieren, in ihrer Wahrnehmung sei nun mal der Himmel grün und das Gras blau, und ich als böser Chauvi müsse das nun mal akzeptieren, dann erweist sie sich damit zunächst einmal nur für mindestens einen Happen dusselig wie viele andere auch; insofern also weder Beinbruch noch brandneu. Kann mir aber auch scheißegal ein. Ich hab ja nicht ihre Kopfschmerzen. Ich bin ja nicht die... lol. Altruist und Mensch, der ich nichtsdestoweniger bin, würde ich ihr womöglich noch die baldige Konsultation eines Augenarztes sowie eines Gehirnspezialisten ans arme Herzerl legen, sich ein Buch über Physik und eines über Biologie zu Gemüte zu führen, auch wenn da wahrscheinlich Hopfen und Malz verloren sein mögen, oder aber ganz schlicht einen Gütetermin mit der örtlichen Freibank zwecks Notschlachtung und einen mit Schappi-Hundefutter zu vereinbaren... lolol.
MfG,
carlos

Zickenthron

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