Frauen trotzen der Krise besser
Quelle: Saarbrücker Zeitung
Nr. 131, Seite A 1
Pfingsten 2003
Frauen trotzen der Krise besser
Arbeitslosigkeit in Deutschland trifft bei weitem mehr Männer - Experten: Hohe Flexibilität ausschlaggebend
Die Konjunktur-Flaute und ihre unliebsamen Folgen haben das Saarland fest im Griff. Entlassungen aber treffen vor allem Männer. Frauen dagegen spielen am Arbeitsmarkt offenbar eine immer größere Rolle.
Von Martin Ruf
Saarbrücken. Schadenfreude ist hier völlig fehl am Platz: Die anhaltende Konjunktur-Flaute in Deutschland scheint Frauen bisher weniger hart zu treffen als Männer. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden verloren in den ersten drei Monaten dieses Jahres 354 000 Männer ihren Job - dagegen waren es "nur" 127 000 Frauen. Will heißen: Die Gruppe der erwerbstätigen Männer schrumpfte von Januar bis März um 1,7 Prozent, die der Frauen um lediglich 0,7 Prozent.
"Frauen zählen derzeit zu den Beschäftigungsgewinnern", sagt Susanne Summe vom Referat Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland (LAA) in Saarbrücken. Eine Einschätzung, die nicht von ungefähr - auch wenn nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Saarbrücken keine vergleichbaren Zahlen für das Saarland vorliegen. "Im Jahr 2001 waren an der Saar 13 400 Frauen mehr erwerbstätig als das noch zehn Jahre zuvor der Fall war", zieht die Expertin des LAA eine andere Statistik zu Rate. Und diese zeigt auch: Bei den Männern wuchs die Gruppe der Erwerbstätigen innerhalb von zehn Jahren im Gegensatz dazu um gerade mal 100 Personen. Die Gründe für diese Entwicklung könnten nicht zweifelsfrei bestimmt werden, sagt Summa. Eines aber stehe fest: "Frauen sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten flexibler als Männer." Und das vor allem mit Blick auf die Arbeitszeiten. Viele Frauen würden sich den Gegebenheiten anpassen und ohne weiteres auch Teilzeitjobs annehmen. Männer dagegen setzten eher auf die "klassischen" Arbeitszeiten. "Frauen sind inzwischen in stärkerem Maße darauf angewiesen, Geld zu verdienen, als das früher der Fall war" erklärt die Arbeitsmarkt-Expertin. "Sie steuern ihren Teil zum Familieneinkommen bei." Auch deshalb, damit nicht der Partner allein das Risiko einer möglichen Arbeitslosigkeit und einem damit verbundenen Einkommensverlust für die Familie auf seinen Schultern tragen müsse. Zudem, sagt Summa, hätten Frauen im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten einen "gewissen Nachholbedarf", was ihre Präsenz auf dem saarländischen Arbeitsmarkt angehe.
Bei aller Diskussion dürfe man jedoch nicht vergessen, in welchen Branchen der Großteil der Frauen im Saarland eine Arbeit gefunden habe. So sei vor allem im Bereich der Dienstleistung (hier stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen in zehn Jahren von 5600 auf 7000) oder bei den so genannten sozialen Berufen wie beispielsweise der Kranken- oder Altenpflege (dort gab es einen Anstieg von 7800 auf 11 800) ein Aufwärtstrend zu erkennen. Und dies seien beileibe keine Männerdomänen, im Gegenteil. Zudem, erklärte Susanne Summa, seien Frauen nach wie vor seltener in Führungspositionen zu finden und würden in der überwiegenden Zahl der Fälle schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Auch aus diesem Grund will die Expertin des Referats für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen allzu oft wiederkehrenden Vorwurf gleich im Keim ersticken: Das Argument, Frauen würden Männer die Arbeitsplätze wegnehmen, lassen wir nicht gelten.
Re: Frauen trotzen der Krise besser
Als Antwort auf: Frauen trotzen der Krise besser von Uwe am 10. Juni 2003 22:26:
Hallo Uwe,
meine Mail an Frau Summe und die Zeitung:
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu obigem Artikel möchte ich Ihnen meine Meinung schreiben. Ich bitte Sie, diese Meinung auch der "Chancengleichheits"-Beauftragten des Saarlandes zuzustellen.
Frau Susanne Summe verschweigt in Ihren Aussagen die Gründe für die höhere Flexibilität der Frauen anzugeben:
Es werden jährlich 200 Millionen Euro Frauenfördergelder für die Integration von Frauen in "Männerberufe" ausgegeben. Nicht zu vergessen die für die Behörden geltenden "Gleichstellungsgesetze", die eine Diskriminierung der männlichen Beschäftigten bei Einstellung und Beförderung gesetzlich erzwingen. Es ist überflüssig zu erwähnen, dass es etwas Vergleichbares für Männer - trotz höherer Arbeitslosenquote - nicht einmal ansatzweise gibt.
Nicht die Frauen nehmen den Männern die Arbeitsplätze weg, sondern die Arbeitsämter und die Arbeitsmarktpolitik, indem einseitig nur Frauenintegration betrieben wird und man Männer, die dadurch auf die Straße gesetzt werden, kläglichst im Stich lässt, denn spezielle Förderprogramme für Männer in Frauenberufe im Erziehungs- und Sozialbereich gibt es bewusst nicht.
"Erfolgreiche" Arbeitsmarktpolitik, wird heute nur an der Frauenquote gemessen. Hat der stärkere Anstieg der Männerarbeitslosigkeit doch den Vorteil, dass die Beschäftigungsquote der Frauen relativ noch mehr gesteigert wird.
Chancengleichheit ist etwas schönes. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.
Quelle: Saarbrücker Zeitung
Nr. 131, Seite A 1
Pfingsten 2003
Frauen trotzen der Krise besser
Arbeitslosigkeit in Deutschland trifft bei weitem mehr Männer - Experten: Hohe Flexibilität ausschlaggebend
Die Konjunktur-Flaute und ihre unliebsamen Folgen haben das Saarland fest im Griff. Entlassungen aber treffen vor allem Männer. Frauen dagegen spielen am Arbeitsmarkt offenbar eine immer größere Rolle.
Von Martin Ruf
Saarbrücken. Schadenfreude ist hier völlig fehl am Platz: Die anhaltende Konjunktur-Flaute in Deutschland scheint Frauen bisher weniger hart zu treffen als Männer. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden verloren in den ersten drei Monaten dieses Jahres 354 000 Männer ihren Job - dagegen waren es "nur" 127 000 Frauen. Will heißen: Die Gruppe der erwerbstätigen Männer schrumpfte von Januar bis März um 1,7 Prozent, die der Frauen um lediglich 0,7 Prozent.
"Frauen zählen derzeit zu den Beschäftigungsgewinnern", sagt Susanne Summe vom Referat Chancengleichheit am Arbeitsmarkt des Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland (LAA) in Saarbrücken. Eine Einschätzung, die nicht von ungefähr - auch wenn nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Saarbrücken keine vergleichbaren Zahlen für das Saarland vorliegen. "Im Jahr 2001 waren an der Saar 13 400 Frauen mehr erwerbstätig als das noch zehn Jahre zuvor der Fall war", zieht die Expertin des LAA eine andere Statistik zu Rate. Und diese zeigt auch: Bei den Männern wuchs die Gruppe der Erwerbstätigen innerhalb von zehn Jahren im Gegensatz dazu um gerade mal 100 Personen. Die Gründe für diese Entwicklung könnten nicht zweifelsfrei bestimmt werden, sagt Summa. Eines aber stehe fest: "Frauen sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten flexibler als Männer." Und das vor allem mit Blick auf die Arbeitszeiten. Viele Frauen würden sich den Gegebenheiten anpassen und ohne weiteres auch Teilzeitjobs annehmen. Männer dagegen setzten eher auf die "klassischen" Arbeitszeiten. "Frauen sind inzwischen in stärkerem Maße darauf angewiesen, Geld zu verdienen, als das früher der Fall war" erklärt die Arbeitsmarkt-Expertin. "Sie steuern ihren Teil zum Familieneinkommen bei." Auch deshalb, damit nicht der Partner allein das Risiko einer möglichen Arbeitslosigkeit und einem damit verbundenen Einkommensverlust für die Familie auf seinen Schultern tragen müsse. Zudem, sagt Summa, hätten Frauen im Vergleich zu vergangenen Jahrzehnten einen "gewissen Nachholbedarf", was ihre Präsenz auf dem saarländischen Arbeitsmarkt angehe.
Bei aller Diskussion dürfe man jedoch nicht vergessen, in welchen Branchen der Großteil der Frauen im Saarland eine Arbeit gefunden habe. So sei vor allem im Bereich der Dienstleistung (hier stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen in zehn Jahren von 5600 auf 7000) oder bei den so genannten sozialen Berufen wie beispielsweise der Kranken- oder Altenpflege (dort gab es einen Anstieg von 7800 auf 11 800) ein Aufwärtstrend zu erkennen. Und dies seien beileibe keine Männerdomänen, im Gegenteil. Zudem, erklärte Susanne Summa, seien Frauen nach wie vor seltener in Führungspositionen zu finden und würden in der überwiegenden Zahl der Fälle schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen. Auch aus diesem Grund will die Expertin des Referats für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen allzu oft wiederkehrenden Vorwurf gleich im Keim ersticken: Das Argument, Frauen würden Männer die Arbeitsplätze wegnehmen, lassen wir nicht gelten.
Re: Frauen trotzen der Krise besser
Als Antwort auf: Frauen trotzen der Krise besser von Uwe am 10. Juni 2003 22:26:
Hallo Uwe
[...] Eines aber stehe fest: "Frauen sind im Rahmen ihrer Möglichkeiten flexibler als Männer." Und das vor allem mit Blick auf die Arbeitszeiten.
Das ist schlichtweg Quatsch: Maenner sind sowohl was die Bereitschaft zu Ueberstunden anbelangt, als auch was die Laenge der Arbeitswege anbelangt flexibler als Frauen; das ist statistisch erwiesen. Maenner sind auch in einem wesentlich breiteren beruflichen Spektrum erwerbstaetig.
Viele Frauen würden sich den Gegebenheiten anpassen und ohne weiteres auch Teilzeitjobs annehmen. Männer dagegen setzten eher auf die "klassischen" Arbeitszeiten.
Putzig, wie Frau Summe (oder Summa?) wesentliche Aspekte weglaesst, um so eine groessere 'Flexibilitaet' von Frauen zu suggerieren. Maenner sind deshalb weit haeufiger vollzeiterwerbstaetig,
1. weil sie in Partnerschaften auch heute noch in weit ueberwiegendem Masse die Rolle des Haupterwerbstaetigen einnehmen, und sie nach einer Trennung/Scheidung aufgrund von Unterhaltsverpflichtungen auch weiterhin diese Rolle beibehalten muessen, und
2. weil sie durch die Erziehung noch immer wesentlich staerker auf ihre Rolle als Haupternaehrer fixiert werden als Frauen.
"Frauen sind inzwischen in stärkerem Maße darauf angewiesen, Geld zu verdienen, als das früher der Fall war" erklärt die Arbeitsmarkt-Expertin. "Sie steuern ihren Teil zum Familieneinkommen bei." Auch deshalb, damit nicht der Partner allein das Risiko einer möglichen Arbeitslosigkeit und einem damit verbundenen Einkommensverlust für die Familie auf seinen Schultern tragen müsse.
Frauen sind zwar in staerkerem Masse als frueher darauf angewiesen, Geld zu verdienen, aber halt immer noch nicht in vergleichbarem Masse wie Maenner. Der Schluesselsatz ist: "Sie (die Frauen) steuern ihren Teil zum Familieneinkommen bei." 'Ihren Teil' bedeutet aber immer noch groesstenteils in der Rolle der Zuverdienerin und nicht als Haupternaehrerin.
Bei aller Diskussion dürfe man jedoch nicht vergessen, in welchen Branchen der Großteil der Frauen im Saarland eine Arbeit gefunden habe. So sei vor allem im Bereich der Dienstleistung (hier stieg die Zahl der erwerbstätigen Frauen in zehn Jahren von 5600 auf 7000) oder bei den so genannten sozialen Berufen wie beispielsweise der Kranken- oder Altenpflege (dort gab es einen Anstieg von 7800 auf 11 800) ein Aufwärtstrend zu erkennen. Und dies seien beileibe keine Männerdomänen, im Gegenteil.
Inwieweit diese Tendenz sich in Zukunft fortsetzen wird, wird sich weisen. Im Bereich der Kranken- und Altenpflege ist zu sagen, dass die Krankenversicherungen aus dem letzten Loch pfeifen. Eine Redimensionierung aber auch die staerkere Konzentration auf eine eingeschraenkte und bezahlbare, dafuer aber gesicherte Grundversorgung wird sich angesichts der demographischen Entwicklung in den Industriestaaten von selbst aufdraengen; es sei denn, man riskiere den Kollaps des gesamten Gesundheitswesens. So gesehen, koennte den dort beschaeftigten Frauen und Maennern noch ein boeses Erwachen drohen...
Zudem, erklärte Susanne Summa, seien Frauen nach wie vor seltener in Führungspositionen zu finden und würden in der überwiegenden Zahl der Fälle schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.
Habe ich mir doch gedacht, dass diese sattsam bekannten, wenn auch heute mehrheitlich nicht mehr geltenden Argumente aus der ideologischen Mottenkiste geholt werden.
Auch aus diesem Grund will die Expertin des Referats für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen allzu oft wiederkehrenden Vorwurf gleich im Keim ersticken: Das Argument, Frauen würden Männer die Arbeitsplätze wegnehmen, lassen wir nicht gelten.
Angesichts der gezielten Foerderung von Frauen in vielen Bereichen hat diese 'Expertin' hoechstens ihre eigene Objektivitaet im Keim erstickt. Die Foerderung des einen bedeutet zwangslaeufig die Benachteiligung des anderen (naemlich des Nichtgefoerderten). Den professionellen 'Gleichstellerinnen' faellt dieser kausale Zusammenhang zwischen Privilegierten und Benachteiligten natuerlich schon laengst nicht mehr auf; zu tief ist der Irrglaube in deren Gehirnen verankert, das weibliche Geschlecht sei eine 'Behinderung', die mit entsprechender Foerderung ausgeglichen werden muesse. Aber in einem hat Frau Summe Recht: Nicht Frauen nehmen den Maennern die Stellen weg, sondern 'Chancengleichheitsexpertinnen' wie sie tun dies und schanzen sie dann den Frauen zu.
Gruss
Maesi