Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Andreas, Wednesday, 04.06.2003, 01:10 (vor 8282 Tagen)

Mir ist in der letzten Zeit aufgefallen, daß Hilfsorganisationen immer mehr Projekte in Gang setzen, die sich ausschließlich mit Mädchen und Frauen beschäftigen, Männer und Jungen werden hingegen vernachlässigt. Das ist bei Amnesty International der Fall, aber auch in sehr starkem Maße bei der Unicef Deutschland. Dort gibt es Broschüren zum Runterladen über Menschenrechtsverletzungen an Frauen und Mädchen, aber keine vergleichbaren Informationsmaterialien über Menschenrechtsverletzungen an Jungen oder Männern. Auch wenn man sich die verschiedenen Projekte anschaut, eine Vielzahl davon richtet sich an Mädchen oder Frauen, es gibt aber keine Projekte, die sich ausschließlich mit Jungen beschäftigen. (www.unicef.de)

Ich befinde mich gerade in einer Auseinandersetzung mit Unicef deswegen und habe folgenden Brief aufgesetzt (Rohfassung und Auszug):

Ich bin es leid, auf Seite 1 jeder Zeitung in fetten Großbuchstaben lesen zu müssen, daß Frauen in Afghanistan Schleier tragen müssen, während die Verschleppung und Zwangsrekrutierung tausender junger Männer aus ihren Dörfern nirgends erwähnt wird. Ich bin es leid, auf Seite 1 jeder
Zeitung in fetten Großbuchstaben lesen zu müssen, daß Frauen in Afghanistan nicht studieren dürfen, während die Meldung über
Massaker an jungen Männern auf Seite 13 unter "Weitere Meldungen" am unteren Rand vermerkt wird. Ich bin es leid, auf Seite 1 jeder Zeitung in fetten Großbuchstaben lesen zu müssen, daß Mädchen in Afghanistan nicht
zur Schule gehen dürfen, während über die Jungen, die an den Schulen von religiösen Fanatikern indoktriniert und zu Kanonenfutter abgerichtet werden und die in ihrem Leben nichts anderes als Haß kennenlernen, kein Wort in den Medien verloren wird.

Von geschlechtsspezifischen Menschenrechtsverletzungen sind Jungen UND Mädchen gleichermaßen betroffen. Jungen UND Mädchen sind Opfer.
Dort, wo Mädchen verletzt, entwürdigt und in ihren Rechten beschränkt werden, dort werden auch Jungen in ihren Rechten beschränkt, verletzt und entwürdigt.
Ich halte Ihre Vorgehensweise für sehr fragwürdig. Sie erwähnen explizit das Leid von Mädchen und Frauen, viele Ihrer Projekte haben Frauen und Mädchen als ausschließliche Zielgruppe, aber das Leid von Jungen und Männern verschweigen Sie bewußt. Mich erinnert das sehr stark an das
Grundsatzprogramm der Grünen. Dort steht einiges über "Kinder- und Mädchenarbeit". Nicht "Jungen- und Mädchenarbeit", sondern "Kinder- und Mädchenarbeit"! Man verzichtet bewußt darauf, das Wort "Jungen" mit dem Begriff "Menschenrechtsverletzung" in Verbindung zu bringen.
Warum spricht man nicht von Jungen- und Mädchenarbeit? Weil es offensichtlich nicht in unser feministisch geprägtes Weltbild paßt, welches nur Mädchen/Frauen als Opfer und nur Jungen/Männer als Täter akzeptiert. So wird man auf einem Auge blind. Man weiß, daß
auch Jungen leiden müssen, aber es darf nicht ausgesprochen werden. Genau wie in diesem Lande Gewaltschutzgesetze unter dem Motto "Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt" von den Parteien gefordert werden, obwohl man genau weiß, daß es mittlerweile sogar hunderte von nationalen und internationalen Studien gibt, wonach Männer ebenso oft Opfer von häuslicher Gewalt werden wie dies auch bei Frauen der Fall ist. Aber es ist ein Tabu. So verschwinden die Studien in den Schubladen der Ministerien. Und Abgeordnete, die soetwas in parlamentarischen
Sitzungen ansprechen, werden von den Frauen ausgebuht und ausgelacht.

Sie könnten durchaus ein Broschüre über Menschenrechtsverletzungen an Jungen und Männern schreiben, wenn Sie es wollten. Es gibt genügend Gründe, die dafür sprechen und es gibt mehr als genügend
traurige Fälle, die eine solche Broschüre rechtfertigen. Aber Sie tun es nicht.
Nicht, weil Ihnen die Mittel dazu fehlen würden, sondern weil Sie es nicht wollen. Auf Konferenzen fordert man nicht den Schutz von Kindern, Männern und Frauen in Kriegsgebieten, sondern den
Schutz von Frauen und Mädchen. Die Männer und die Jungen sind nicht mehr schutzbedürftig oder relevant. So werden heimlich und unter vorgehaltener Hand aus Menschenrechten Frauen- und Mädchenrechte. Sie tun im Grunde genommen genau das selbst, was sie in Ihrem Informationsblatt über Menschenrechtsverletzungen an Mädchen in großen Buchstaben anklagen: Sie betreiben eine geschlechterbezogene Apartheidspolitik.
Es ist so, wie es in der Vergangenheit schon hin und wieder an verschiedenen Stellen bemerkt wurde: Jungen und Männer haben keine Lobby. Mittlerweile habe ich den Eindruck, daß es wirklich Zeit wird für eine weltweite Männerrechtsbewegung.

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

michail, Wednesday, 04.06.2003, 02:04 (vor 8282 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Andreas am 03. Juni 2003 22:10:03:

Hi Andreas,

ich habe vor einigen Wochen ebenfalls an Unicef geschrieben (e-mail), dass ich ihren Spendenaufruf ignoriere, weil mir ihr Prospekt zu einseitig sexistisch war.

Passt gut!

Grüße
Michail

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Manfred, Wednesday, 04.06.2003, 02:12 (vor 8282 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Andreas am 03. Juni 2003 22:10:03:

Solange Deutschland, das selbsternannte Gewissen der Welt, selbst vor keinem Verbrechen zurückschreckt sich billiges Kanonenfutter zwangszurekrutieren, und der überwiegende Teil der Bevölkerung dies durchaus billigt, ist es per se schwierig, so etwas wie Männerrechte überhaupt ernsthaft zu diskutieren. Schließlich gibt es mittlerweile doch mehr und mehr Personen (etwa wie Götz Alsmann, Sonntag in NDR bei "Herrmann und Titjen") die es immer wieder wagen obige Ungerechtigkeit einfach offen auszusprechen. Solange es aber den Zwangsrekrutierungsverbrechern und ihren Sympathisanten erlaubt wird, sich so billig und mit den ewig gleichen heuchlerischen Floskeln ("Frauen haben ja sonst sooo viele Nachteile") aus der Affäre zu ziehen, ist es kein Wunder wenn mann zuweilen resignieren möchte bei Themen wo das Unrecht noch etwas weniger offensichtlich zutage tritt.
Anders gesagt, solange man Jungs schon mit 17 der Wehrüberwachung ausliefern kann und sie den ganzen entwürdigenden Käse "Wehrpflicht" aussetzen darf und alle bis auf die Betroffenen findens "supi", solange man sie dazu zwingen kann ein Gelöbnis für die abzulegen, denen das Leben der Betroffenen -weil olivgrün verpackt- sowas am Arsch vorbeigeht, währenddessen sie selbst das Lied von den Rechten der Zivilbevölkerung singen, wobei sie nur sich selbst meinen... ja, solange das so geht und so einfach geht, wäre es echt dumm sojemanden ernst zunehmen, wenn er z.B. einen "Boys Day" fordert.

Sorry für mene Mammutsätze. Ich neige dazu mich in Rage zu tippen ;-) und alles was mir im Hirn umhersprudelt will dann sofort in einen Satz...

Schöne Nachtgrüße
Manfred

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Odin, Wednesday, 04.06.2003, 15:00 (vor 8281 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Andreas am 03. Juni 2003 22:10:03:

Recht deutlich.
Ich hätte nicht soviele Themen hineingepackt sondern wäre bei einem geblieben (mit Fallbeispielen), aber das ist ein weiterer Tropfen, der den Stein höhlt.

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Garfield, Wednesday, 04.06.2003, 19:29 (vor 8281 Tagen) @ Andreas

Als Antwort auf: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Andreas am 03. Juni 2003 22:10:03:

Hallo Andreas!

Volle Zustimmung. Ich bin ohnehin der Meinung, daß es den hauptberuflichen Funktionären der meisten Hilfsorganisationen zuallererst um ihre eigenen Einkommen und um die Rechtfertigung ihrer beruflichen Existenz geht. Bei Umweltschutzorganisationen sieht man das z.B. deutlich. Da kommt es tatsächlich vor, daß in einem Park einer durch Spendengelder finanzierten Umweltschutzorganisation illegal Tropenbäume gefällt oder Tiere gejagt werden. Oft scheuen die Mitarbeiter dieser Organisationen davor zurück, sich mit korrupten Politikern und mächtigen Wirtschaftsbossen anzulegen. Wieso auch - sie haben ihr Auskommen und betrachten ihre Tätigkeit im Ausland als so eine Art Dauerurlaub. Wenn sie gewissen Leuten zu sehr auf die Füße treten, gefährden sie nicht nur das, sondern manchmal auch ihre Gesundheit oder sogar ihr Leben. Also läßt man lieber die Finger davon und sieht weg, solange man auch Geld fürs Nichtstun bekommt.

Bei der UNICEF dürfte das auch nicht anders sein. So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, daß man bei der Jagd nach Spendengeldern eben auch populäre feministische Dogmen aufgreift, in der Hoffnung, den durch die sinkenden Realeinkommen immer spärlicher fließenden Strom der Spendengelder wieder anschwellen zu lassen.

Pro7 hat vor kurzem einen "Red Nose Day" veranstaltet, bei dem für Hilfsorganisationen gesammelt wurde. U.a. wurden auch notleidende Kinder in Indien gezeigt, für die dann natürlich ebenfalls gespendet werden sollte. Dazu muß man wissen, daß der indische Militärhaushalt den deutschen weit übersteigt. Die indische Marine beispielsweise leistet sich einen Flugzeugträger, ein Flugzeugträger-Neubau ist in Planung, und eventuell kauft Indien auch noch den aufgelegten russischen Träger "Admiral Gorshkov" an. Das indische Atomwaffenprogramm verschlingt auch die eine oder andere Milliarde. Momentan wird daran gearbeitet, auch Kriegsschiffe der indischen Marine mit Nuklearwaffen auszurüsten.

Wer angesichts dessen noch behauptet, daß wir das indische Sozialsystem mit Spenden unterstützen müssen, ist entweder nicht ganz bei Trost, weiß das alles nicht oder aber ist schlicht und einfach nur scharf aufs Geld, weil ein Teil davon auch in seine oder ihre Tasche fließt. Faktisch sieht es jedenfalls so aus, daß das Geld, daß Indien durch die Hilfe westlicher Organisationen im Sozialbereich einspart, dem indischen Militärhaushalt zugute kommt. Wäre die Spendenbereitschaft auch so hoch, wenn man dazu aufrufen würde, Geld für den indischen Flugzeugträgerneubau zu geben?

In vielen anderen Ländern, in denen internationale Hilfsorganisationen tätig sind, läuft das ähnlich. Man kann kein Problem wirklich lösen, indem man einfach nur Geld verteilt.

Na ja, und so gesehen wundern mich die von dir geschilderten Mißstände auch überhaupt nicht.

Freundliche Grüße
von Garfield


Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Arne Hoffmann, Wednesday, 04.06.2003, 20:17 (vor 8281 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Garfield am 04. Juni 2003 16:29:17:

U.a. wurden auch notleidende Kinder in Indien gezeigt, für die dann natürlich ebenfalls gespendet werden sollte. (...) Wer angesichts dessen noch behauptet, daß wir das indische Sozialsystem mit Spenden unterstützen müssen, ist entweder nicht ganz bei Trost, weiß das alles nicht oder aber ist schlicht und einfach nur scharf aufs Geld, weil ein Teil davon auch in seine oder ihre Tasche fließt.

Das scheint mir ebenfalls absurd. Ich bin nun wahrlich kein Indien-Experte (hatte allerdings mal eine Brieffreundin von dort und jetzt wieder eine gute Bekannte), aber nach allem, was ich weiß, lebt eine dortige Mittelstandsfamilie kaum anders als hierzulande. Wir sehen in den Medien aber immer nur die Bilder von den Slums in Kalkutta und denken uns: "DAS ist Indien" ...

Arne

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Dieter, Thursday, 05.06.2003, 09:55 (vor 8280 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Arne Hoffmann am 04. Juni 2003 17:17:00:

U.a. wurden auch notleidende Kinder in Indien gezeigt, für die dann natürlich ebenfalls gespendet werden sollte. (...) Wer angesichts dessen noch behauptet, daß wir das indische Sozialsystem mit Spenden unterstützen müssen, ist entweder nicht ganz bei Trost, weiß das alles nicht oder aber ist schlicht und einfach nur scharf aufs Geld, weil ein Teil davon auch in seine oder ihre Tasche fließt.

Das scheint mir ebenfalls absurd. Ich bin nun wahrlich kein Indien-Experte (hatte allerdings mal eine Brieffreundin von dort und jetzt wieder eine gute Bekannte), aber nach allem, was ich weiß, lebt eine dortige Mittelstandsfamilie kaum anders als hierzulande. Wir sehen in den Medien aber immer nur die Bilder von den Slums in Kalkutta und denken uns: "DAS ist Indien" ...
Arne

Also, ich habe viele Monate in Indien gelebt und gearbeitet. Der Lebensstandard einer Mittelstandsfamilie ist sicher nicht mit unserem hier vergleichbar. Man teilt sich eine kleine Wohnung mit den Großeltern, ein ein Auto ist immer noch Luxus und ein Auslandsurlaub nicht finanzierbar. Aber: man hat ein gesichertes Einkommen und nicht wirklich das Gefühl, etwas zu verpassen oder zu vermissen. Von daher ist ist der relative Lebensstandard vergleichbar.
Insgesamt wird Indien bei uns immer unterschätzt und aus falschen Blickwinkeln gesehen. Es gibt sehr vile mehr reiche Leute (reich nach UNSERM Standard) als bei uns. Die beiden großen Luxushotels in Calcutta werden von Indern benutzt, die paar Ausländer sind dort eine zu vernachlässigende Minderheit. Af der anderen Seite gibt es auch unvorstellbare Armut, nur einen Steinwurf von diesen Luxustempeln entfernt. Diese weite Spanne ist eher ein Problem der Verteilung im Land, wobei Religion und Erziehung eine große Rolle dabei spielen, daß sichdie Armen nicht mit Gewalt etwas mehr von dem Kuchen abschneiden. Interessant ist sicher auch, daß Indien in der Lage ist, mit der eigenen Argrarproduktion seine Bevölkerung zu ernähren.

Ich mag das Land sehr und ich bin auch nicht der Meinung, daß man jede Hilfstätigkeit für Indien einstellen sollte, aber es ist sehr richtig, die Aufwände für Rüstung und Verteidigung öffenlich zu machen und mit dieser Begründung das eine oder andere Projekt in Frage zu stellen. Zudem gibt es sicher ärmere Länder als Indien, in denen sich allerdings auch erst die Politiker die Taschen voll machen, bevor die Bevölkerung etwas abbekommt.

Gruß

Dieter

Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert

Maesi, Monday, 23.06.2003, 21:52 (vor 8262 Tagen) @ Garfield

Als Antwort auf: Re: Hilfsorganisationen: Menschenrechtsverletzungen an Männern/Jungen ignoriert von Garfield am 04. Juni 2003 16:29:17:

Hallo Garfield

Pro7 hat vor kurzem einen "Red Nose Day" veranstaltet, bei dem für Hilfsorganisationen gesammelt wurde. U.a. wurden auch notleidende Kinder in Indien gezeigt, für die dann natürlich ebenfalls gespendet werden sollte. Dazu muß man wissen, daß der indische Militärhaushalt den deutschen weit übersteigt. [...]
Wer angesichts dessen noch behauptet, daß wir das indische Sozialsystem mit Spenden unterstützen müssen, ist entweder nicht ganz bei Trost, weiß das alles nicht oder aber ist schlicht und einfach nur scharf aufs Geld, weil ein Teil davon auch in seine oder ihre Tasche fließt. Faktisch sieht es jedenfalls so aus, daß das Geld, daß Indien durch die Hilfe westlicher Organisationen im Sozialbereich einspart, dem indischen Militärhaushalt zugute kommt. Wäre die Spendenbereitschaft auch so hoch, wenn man dazu aufrufen würde, Geld für den indischen Flugzeugträgerneubau zu geben?
In vielen anderen Ländern, in denen internationale Hilfsorganisationen tätig sind, läuft das ähnlich. Man kann kein Problem wirklich lösen, indem man einfach nur Geld verteilt.

Interessant ist beispielsweise auch, dass die Verteidigungsetats in etlichen afrikanischer Laendern ein Drittel und mehr des jeweiligen Jahresbudgets verschlingt. Auch hier muss man sich fragen, ob Spenden fuer Projekte in solchen Laendern sinnvoll sind, da damit ebenfalls indirekt die haeufig unnoetig hohen Verteidigungsausgaben subventioniert werden, von der dort weit verbreiteten Korruption und dem Nepotismus ganz zu schweigen.

Der Problemkreis der Hilfe von wirtschaftlich weit entwickelten Laender an die wirtschaftlich unterentwickelten Laender ist sehr komplex und laengst nicht nur mit Geld zu loesen. Ausserdem duerfen wir nicht vergessen, dass diese Laender zwar wirtschaftlich auf schwachen Fuessen stehen moegen, nichtsdestotrotz jedoch souveraen sind und haeufig einen gesunden Nationalstolz besitzen; wenn westliche Entwicklungshelfer und Wirtschaftsexperten daherkommen und den dortigen Bevoelkerungen irgendwelche Hilfs- und Entwicklungsplaene aufnoetigen, schafft das begreiflicherweise boeses Blut. Andererseits lassen sich westliche Regierungen oftmals allzuschnell ein schlechtes Gewissen einreden, wenn von Vertretern von Entwicklungslaendern wieder mal der fruehere Kolonialismus zur Erklaerung der dortigen schlechten Wirtschaftssituationen bemueht wird.

Na ja, und so gesehen wundern mich die von dir geschilderten Mißstände auch überhaupt nicht.

Mich auch nicht.

Gruss

Maesi

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