Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Männer wurden Opfer sexueller Gewalt

Arne Hoffmann, Tuesday, 27.05.2003, 22:48 (vor 8289 Tagen) @ HemmaNedDo

Als Antwort auf: Re: Männer wurden Opfer sexueller Gewalt von HemmaNedDo am 27. Mai 2003 18:44:51:

Mein Fehler. Meines Erachtens wurden Massenvergewaltigungen beschrieben...an Männern in diesem Fall. Aber das ist meine Interpretation.
In den Artikeln waren meist muslimische Männer die Opfer und serbische Männer die Täter. So wie es beschrieben ist, kommt es mir nciht wie der Bericht über Einzelfälle vor.
Und die Massenvergewaltigungen gab es nicht. Sagst Du.

Sagen meine Quellen. Selbst war ich auch nicht im Kosovo. Ich kann die entsprechende Passage gerne noch mal zitieren:

--- So erkannte die taz-Redakteurin Ulrike Winkelmann, dass die Nachricht der angeblichen "Massenvergewaltigungen" in Jugoslawien "als rhetorisches Instrument zur Rechtfertigung der Nato-Einsätze verwendet" wurde (541, 6).
Eine Journalistin, die von entsprechenden Meldungen alarmiert wurde und sich selbst auf den Weg ins Krisengebiet machte, um sie zu überprüfen, fand keine brauchbaren Hinweise auf die behaupteten Massenvergewaltigungen. Selbst die Frauenbeauftragte der Menschenrechtsorganisation Helsinki Watch in New York, die Berichte über Vergewaltigungen auf allen Seiten gesammelt hatte, hält sexuelle Übergriffe als von höchster Stelle angeordnetes Mittel zur Vertreibung nicht zu beweisen (35, 143). Auch der Mona-Lisa-Redakteurin Maria von Welser, die für ihre Berichterstattung über vermeintliche Gräueltaten zur "Frau des Jahres" gewählt wurde, wird mittlerweile vorgeworfen, dass sie es offenbar nicht für nötig befand, die in Zagreber Flüchtlingslagern erhaltenen Aussagen an Ort und Stelle im serbischen Teil Bosniens nachzu-prüfen. Vom ZDF-Magazin Mona Lisa bis zur Süddeutschen Zeitung berichteten die verschiedensten Medien über die Leiden einer Frau, die angeblich in Manjaca in einem Stadi-on vor 1.500 Leuten vergewaltigt worden sei. Es gibt in Manjaca kein Stadion. Nach dem Ausbleiben sämtlicher Beweise für "die systematische Vergewaltigung von 50.000 Frauen in Konzentrationslagern" werfen Kritiker den Medien vor, kriegstypische Gräuelpropaganda voneinander abgeschrieben und verbreitet zu haben: "unseriöser Journalismus ... schlampige Recherche, Informationen vom Hörensagen, aus dritter Hand, kühne Hochrechnungen, psychologische Spekulationen", so lauten die Vorwürfe. Einige Redakteure wussten es offenbar besser. "Aber keiner traute sich damals, gegen den Wind der öffentlichen Meinung zu blasen. Wer die Vergewaltigungslager anzweifelte, lief Gefahr, als Vergewaltigungsverharmloser und Serbenfreund verschrien zu werden. Eine Medienkarriere ist schnell beendet ..." (35, 48-49)
Im Juni 1999 berichtet der Chirurg Richard Munz, der in einem mazedonischen Lager Flüchtlinge aus dem Kosovo behandelte, der Welt: "Es gab die fast konstante Frage, was wir mit den vergewaltigten Frauen machen, ob wir Abtreibungen vornehmen oder ähnliches. Unsere Antwort war einfach: Wir hatten in der ganzen Zeit, die wir hier sind, keinen solchen Fall einer vergewaltigten Frau. Und wir sind insgesamt für 60.000 Flüchtlinge zuständig ..." (257, 16). Zwei Monate zuvor hatte schon die deutsche Gynäkologin Monika Hauser nach einer Albanienreise abgelehnt, von systematischen oder von Massenvergewaltigungen zu sprechen. Dazu lägen keine Zahlen vor (531, 7). ---

meine Quellen:
- Winkelmann, Ulrike: Wie Vergewaltigung instrumentalisiert wird. Scharping und Fischer nutzen Gewalt gegen Frauen für ihre politischen Zwecke. In: die tageszeitung vom 17.5.1999, S. 6
- Bittermann, Klaus (Hg.): Serbien muss sterbien. Wahrheit und Lüge im jugoslawischen Bürgerkrieg. Berlin 1994
- konkret Nr. 8 1999, S. 16: Die Propagandastaffel. Dokumentation eines Interviews mit dem Chirurgen Richard Munz, zuvor veröffentlicht in der "Welt" vom 18. Juni
- Wieden, Yvonne: Frauen im Krieg. In: die tageszeitung vom 24.4.1999, S. 7

Nun sind die taz und "konkret" beim besten Willen kein Teil der rechten, "patriarchalen" Kampfpresse (wenn es so etwas überhaupt geben sollte), sondern Printorgane, die eigentlich der politischen Linken nahestehen, ebenso wie Klaus Bittermanns Tiamat-Verlag. Ich halte die Frage, ob typische Kriegspropaganda mit ihren Greuelgeschichten unüberprüft geglaubt, wenn nicht sogar noch einmal aufgebauscht wurde, um das Flächenbombardement einer dichtbesiedelten Region durchzusetzen, für sehr legitim. Scharpings andere Propagandalügen sind ja inzwischen ebenso aufgeflogen: von der ARD bis zu einem EMMA-Artikel, den sogar ich als emsiger Kritiker dieser Zeitschrift für herausragend in seiner Deutlichkeit halte. Und ich muss auch sagen, dass ich den Grünen die Fahrlässigkeit, mit der sie sich darauf eingelassen haben, dass sich Deutschland aufgrund von durchschaubarer Propaganda zum dritten Mal an einem Angriffskrieg auf Jugoslawien beteiligt, noch deutlich mehr nachtrage als ihre IMHO sehr unbefriedigende Männerpolitik.

Wie Norbert schon erklärt hat: Dass es in Kriegen zu Vergewaltigungen kommt, und zwar eben weil dann die ansonsten bejammerte "patriarchale Ordnung" zusammenstürzt, ist unbestritten.

Das Problem ist, dass in der Berichterstattung über Vergewaltigungsopfer im Kosovo-Krieg wie selbstverständlich nur über die weiblichen Opfer berichtet wird. Bei Männern ist das egal; die sollen offenbar sehen, wo sie bleiben. Anderthalb Jahre vor der "taz" habe ich in meinem Buch darauf hingewiesen:

--- Anfang 2001 kritisierte erstmals ein wissenschaftlicher Artikel die Marginalisierung männlicher Vergewaltigungsopfer in der Berichterstattung über den Kosovo. Adam Jones untersuchte hierbei anhand von Presseartikeln, mit welchen Strategien die Medien männliche Opfer an den Rand drängen und ignorieren und allein "würdigen" Opfern wie Frauen und Kindern in der Berichterstattung Raum geben. Dabei stellt er Fragen wie: Warum wird Vergewaltigung ganz selbstverständlich als schlimmer bewertet als Folter und Mord? Und warum werden nur die vergewaltigten Frauen als Opfer beklagt, obwohl es fast mit Gewissheit weit mehr männliche Vergewaltigungsopfer gibt? Der Artikel ist im Internet einzusehen unter http://adamjones.freeservers.com/effacing.htm. ---

Insofern ist es für die Diskussion nicht hilfreich, wenn du hier solche Postings wie "Ich dachte, es gab keine Vergewaltigungen in Bosnien?" absetzt. Wie ernst würdest du jemanden nehmen, der seit Jahren in deinem Grünen-Forum mit dir diskutiert und dann immer noch Sachen postet wie "Ich dachte, die Grünen wollen den elektrischen Strom abschaffen?"

Herzlicher Gruß

Arne


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