Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Arne Hoffmann, Saturday, 24.05.2003, 01:54 (vor 8293 Tagen)

Aus den aktuellen Männer-News:

--- CDU/CSU FRAKTION IM DEUTSCHEN BUNDESTAG

13. März 2003
Markus Grübel

Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik
Rede in der Debatte zur Gleichstellungspoltik

In der heutigen Debatte zur Gleichstellungspolitik führte Markus Grübel u.a. folgendes aus:

Wir beraten heute den "Fünften Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau". Dieses Übereinkommen ist das wichtigste internationale Dokument zu diesem Thema. Der fünfte Bericht beschreibt, wie die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland seit dem letzten Bericht vom Juni 1998 vorangeschritten ist.

Ich rede heute bewusst als "männliches" Mitglied meiner Fraktion zum "Fünften Bericht zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau".

Für mich ist die Gleichstellung eine Aufgabe, die Frauen und Männer gleichermaßen betrifft.

Bildlich gesprochen: Wir versuchen, dass Frauen und Männer die gleiche Stellung haben. Wenn eine Seite stehen bleibt, wird es verhältnismäßig lange dauern, bis beide Seiten zusammen sind. Schneller wird es gehen, wenn beide Seiten aufeinander zu gehen.

Gleichstellungspolitik ist daher nicht nur Frauenpolitik. Eine gute Gleichstellungspolitik hat Frauen und Männer im Blick. Diese Blickrichtung kommt meines Erachtens im vorgelegten Bericht zu kurz. Ich möchte dies an einigen Beispielen darstellen:

Im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern im Berufsleben wird im Bericht dargestellt, wie sich der Frauenanteil in Männerdomänen entwickelt hat. Es wird zum Beispiel gezeigt, dass sich die Zahl der selbständigen Unternehmerinnen im letzten Jahr nicht erhöht hat - was sicherlich auch an der allgemeinen Wirtschaftslage und der aktuellen Wirtschaftspolitik liegt -, während sich der Frauenanteil von 1991 bis 2001 um 2 % auf 28 % gesteigert hat.

Was meiner Meinung nach fehlt ist die Betrachtung der anderen Seite: Wie hat sich die Zahl der Männer in sogenannten Frauenberufen entwickelt? Es ist sicherlich sehr begrüssenswert, Mädchen z.B. in Naturwissenschaften zu fördern.

Doch warum fordert die Gesellschaft männliche Abiturienten nicht auf, verstärkt Sozialpädagogik zu studieren oder Grundschullehrer zu werden? Warum machen fast keine jungen Männer, die gut mit kleinen Kindern umgehen können, eine Ausbildung zum Erzieher? Nach wie vor stellen Geschlechterbilder ein großes Hindernis dafür dar, dass Menschen gemäß ihren Fähigkeiten und Talenten etwa in Unternehmen oder sozialen Einrichtungen tätig sind. Potentiale und Kompetenzen bleiben auf diese Weise ungenutzt.

Die sogenannten "Männerberufe" sind nicht das Maß aller Dinge. Wenn der fünfte Bericht nur darstellt, wieviel Frauen in die "Männerberufe" gehen, wird in den Köpfen der Menschen weiter das Vorurteil bestehen bleiben, dass sogenannte "Frauenberufe" weniger wert sind. Das hätte dann auch Auswirkungen auf die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern.

Hätten wir in Zukunft mehr Grundschullehrer und Erzieher, hätte dies auch noch einen anderen Vorteil für Jungen und Mädchen. Sie würden mit einem neuen Frauen- und Männerbild aufwachsen.

Ein stärkeres Engagement von Männern in so genannten Frauenberufen ist aber auch für viele Frauen eine Herausforderung.

Eine Studie in Schweden hat ergeben, dass männliche Erzieher überdurchschnittlich Mobbing durch die Kolleginnen ausgesetzt sind, die Kolleginnen diese Erzieher als unmännlich betrachten und ihnen gleichzeitig fachliche Kompetenz absprechen.

Wir müssen also beide Seiten sehen um das Ganze zu betrachten.

Im Artikel über die Beteiligung von Frauen am politischen und öffentlichen Leben stellt der Bericht beispielhaft dar, dass der Anteil der Frauen in der Arbeitsgruppe "Frauenhandel" sehr groß ist. Dieses Gremium wurde 1997 von der unionsgeführten Bundesregierung eingerichtet. Die Arbeit ist sehr gut und wichtig. Dennoch muss zumindest die Frage erlaubt sein, ob ein möglichst hoher Frauenanteil wirklich ein Erfolg ist. Denkbar wäre sicher auch, dass es für die Beseitigung von Diskriminierung und Gleichstellung gut wäre, wenn Frauen und Männer gleichermaßen zusammenarbeiten. Entsprechendes gilt auch für viele soziale Bereiche. Man kann den hohen Frauenanteil als Erfolg darstellen, man muss aber wohl eher beklagen, dass es zu wenig Sozial-Männer gibt.

Aber auch im Bundestagsausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend muss die Frage erlaubt sein, ob es unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung sinnvoll ist, dass bei den Grünen ausschließlich Frauen und bei der SPD fast ausschließlich Frauen tätig sind. Die Männer in diesen Fraktionen werden für meinen Geschmack zu stark aus der gemeinsamen Verantwortung entlassen. In der CDU/CSU-Fraktion sind starke Frauen und starke Männer gleichermaßen im zuständigen Ausschuss tätig. Dies zeigt sehr deutlich, welchen hohen Stellenwert für uns Unionsmänner die Gleichstellungspolitik hat.

Ein Blick in das zuständige Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt, dass auch dort Gleichstellungspolitik ausschließlich Frauensache ist. Unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung von Frau und Mann wäre es sicher sinnvoll, wenn im zuständigen Bereich des Ministeriums Frauen und Männer an der Gleichstellung arbeiten würden, so wie es auch sinnvoll wäre, wenn in anderen Ministerien Frauen und Männer auch in Führungspositionen tätig sind.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Männer zu leicht aus der gemeinsamen Verantwortung entlassen werden. Am 2. April wollen wir den vorliegenden fünften Bericht in einer öffentlichen Sitzung weiter besprechen. Die vorläufige Liste der einzuladenden Verbände zu dieser Sitzung weist alles auf, was in Deutschland im Bereich von Frauenorganisationen, Frauengruppen, Frauenvereinigungen usw. Rang und Namen hat. Von den Frauenorganisationen der Parteien bis hin zur Genossenschaft "Weiberwirtschaft" sind über 70 Verbände aufgelistet. Mag sein, dass in dieser Runde schnell Einigkeit herzustellen ist. Für mich wäre es sinnvoll, wenn Gleichstellungsthemen breiter in die gesellschaftlichen Gruppen getragen würden. Sonst bleiben Gleichstellungspolitikerinnen und - politiker und Frauenverbände in einer Nische unter sich.

Liebe Kolleginnen und Kollegen: Frauen und Männer sollten sich gleichermaßen an der Erziehung der Kinder und an der Hausarbeit beteiligen. Eltern sollten die Möglichkeit haben, frei zu entscheiden, wer in welchem Umfang berufstätig und wer für die Erziehung und Hausarbeit zuständig ist.

Voraussetzung hierfür sind auch eine angemessene finanzielle Ausstattung der Familien und ein ausreichendes Angebot an Betreuungseinrichtungen.

Bessere Betreuungsangebote können nur gemeinsam mit den Kommunen und Ländern erreicht werden. Größtes Hindernis und größter Hemmschuh für den Ausbau des Betreuungsangebots ist dabei die schlechte Haushaltslage der Kommunen. Wir dürfen gespannt sein, wann und wie die Bundesregierung hier tätig wird.

Es geht aber auch um Rollenbilder. Es kann nicht angehen, dass ein Mann, der Erziehungsurlaub nehmen möchte oder Teilzeit arbeiten möchte, von seinen männlichen Vorgesetzen oder von seinen männlichen Kollegen schief angeschaut wird. Das Rollenbild der Frauen ist nicht viel besser. Nach einer früheren Umfrage des Instituts "Allensbach" finden Frauen Hausmänner zwar "sympathisch" sie nehmen sie aber gleichzeitig nicht mehr als richtige "Männer" wahr. Auch hier kommen wir nur weiter, wenn wir beide Seiten sehen.

Der fünfte Bericht geht im Abschnitt "Neues Väterbild" kurz auf dieses Thema ein.

Bei der Lektüre des umfangreichen "Fünften Berichts" fehlt ein wichtiger Bereich. Das Thema Gleichstellung von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund kommt kaum vor. Dies wundert mich schon sehr, da die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung gleichzeitig auch Staatssekretärin im Ministerium ist.

Der Botschafter der Türkei hat uns diese Woche eine Broschüre zur Integration der Türken in Deutschland vorgelegt. Dort ist dargestellt (Seite 62 ff.) dass bei über 40% der Türken die Ehefrau bei Heirat aus der Türkei zugezogen ist.

Dies hat ganz erhebliche Auswirkungen auf die Integration und ganz erhebliche Auswirkungen auf die Sprachkompetenz türkischer Kinder. Dies hat aber sicher auch ganz erhebliche Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund und ist möglicherweise Ausdruck eines Rollenverständnisses junger türkischer Männer - auch wenn sie schon längere Zeit in Deutschland leben. Dieser Bereich sollte noch ausführlich dargestellt werden.

Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ich möchte abschließend noch einmal klar sagen: Gleichstellung funktioniert nur wenn Frauen und Männer gleichermaßen daran arbeiten. Dazu fordern wir alle auf.

http://www.cducsu.de/TextVersion/aktuelles/reden_detail.jsp?ID=1115&NavID=null

Markus Grübel mit Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag

www.markus-gruebel.de ---

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Stefan G., Saturday, 24.05.2003, 12:48 (vor 8292 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Arne Hoffmann am 23. Mai 2003 22:54:44:

Hallo Arne,

danke für den Hinweis. Diese Rede ist sehr interessant. Vielleicht sollte man den Abgeordneten (die offen sind für Männerpolitik) auch einmal einen Hinweis zukommen lassen, daß sie mit ihrer Meinung nicht alleine stehen. Ich werde mal eine Mail an diesen Mann schicken.

Gruß
Stefan

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Ferdi, Saturday, 24.05.2003, 13:23 (vor 8292 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Arne Hoffmann am 23. Mai 2003 22:54:44:

Hallo Arne!

Vielen Dank für die Wiedergabe dieser hervorragenden Rede. Ich glaube auch, wir kommen aus dem Geschlechterdilemma nur raus, wenn alle an einem Strang ziehen und Männer und Frauen gemeinsam daran arbeiten. Was mir insbesondere gefallen hat ist, dass Markus Gruebel herausgestellt hat, dass insbesondere der unselige Begriff "unmännlich" als Hindernis gesehen werden muss, wenn es darum geht, Männer in Frauenberufe wie Erzieher oder Grundschullehrer zu bringen. Die schwedische Studie ist bezeichnend dafür. Oder hat schon jemals jemand gehört, dass Frauen, die in "Männerberufen" tätig sind, etwa Ministerinnen, Amtsleiterinnen, Rechtsanwältinnen, Unternehmerinnen oder Physikerinnen als "unweiblich" hingestellt wurden? Ich nicht. Für mich ist dieser verdammte Begriff das Unwort nicht nur eines Jahres, sondern eines ganzen Jahrzehnts. Er wurde bisher erfolgreich dazu missbraucht, Männer an der Entfaltung ihrer Fähigkeiten auf den Gebieten, auf denen die Frauen Exklusivkompetenzrechte beanspruchen, zu hindern. Offenbar scheuen manche Frauen die Konkurrenz der Männer wie der Teufel das Weihwasser, denn sie könnten von fähigen Männern ja regelrecht "vorgeführt" werden und ihre überbezahlten Pfründe verlieren. Aber auch im übrigen täglichen Leben wird dieser Begriff dazu missbraucht, Männer an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu hindern und sie in ein sehr enges Rollenklischee zu pressen. Aber gleichzeitig wird dann beklagt, dass Männer so machohafte Allüren an den Tag legen. Ja watt denn nu? Da sollten Frauen sich auch mal fragen, ob das denn alles seine Richtigkeit hat. Ist doch so, dass Frauen in dem Bestreben, aus Männern den Mann ihrer Idealvorstellungen zu machen, an den Männern und an ihren Eigenschaften so lange rumdoktern, bis sie ihnen am Scluss überhaupt nicht mehr gefallen. Mit mir kann man sowas jedenfalls nicht machen, aber leider sind viele Männer nicht so konsequent und selbstbewusst wie ich und gehen um des lieben Friedens willen viel zu viele Kompromisse ein - auf Kosten ihrer eigenen Lebensqualität.

Es empfiehlt sich auch dringend, das auf der Webseite von Markus Gruebel angebotene Audio-File, ein Originalmitschnitt seiner Bundestagsrede zu diesem Thema, anzuhören. Da sind nämlich interessante Details drin, die zwangsläufig in der Textwiedergabe fehlen müssen. Neben der interessanten Applausverteilung und deutlich hörbaren Zwischenrufen im bevorzugten weiblichen Keif-Frequenzbereich auch die Zwischenfrage eines Abgeordneten von den Grünen (Winkler). Er wies auf den hohen Frauenanteil in der Grünen-Fraktion hin (60%) und fragte doch tatsächlich, ob es nicht angesagt wäre, dass auch die CDU/CSU-Fraktion ihren Frauenanteil via Quote erhöhen solle. Gruebel wies in seiner Antwort darauf hin, dass die Vorsitzenden der CDU und der CSU Frauen sind und dass die Frauen der Unionsfraktionen in den Medien sehr stark vertreten seien. Verwunderung äusserte er darüber, dass trotz der hohen Frauenanteile in den Regierungsfraktionen im Ressort für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht ein einziger Mann an einer Arbeisgruppe in leitender Funktion tätig ist. Es sind noch mehr feine Details in dem Mitschnitt drin, die mich schmunzeln liessen und die schlagartig deutlich werden lassen, auf welchem dünnen Eis diese ganzen hochbezahlten Quotenfrauen in den Regierungsfraktionen sitzen. Man braucht eigentlich nur ein bisschen mehr an dieser Eisscholle zu sägen als bisher und - blubb blubb weg wären sie.

Das Audiofile ist auf der Webseite von Markus Gruebel abrufbar.

Schöne Grüsse,
Ferdi

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Jolanda, Saturday, 24.05.2003, 13:55 (vor 8292 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Ferdi am 24. Mai 2003 10:23:33:

Hallo Ferdi

Grundsätzlich gebe ich dir Recht. Ich muss dazu aber sagen, dass wenn es um das Wort "unmännlich" geht, vor allem auch die Männer an sich arbeiten müssen.

Du weisst aus eigener Erfahrung, dass du oftmals damit konfrontiert wirst, wenn es um das Rock tragen geht. Und du weisst auch, dass die extremsten Reaktionen von den Männer selbst kommen.

Genauso sehe ich es mit den Berufen, es sind vor allem auch Männer, die gewisse Berufe als "unmännlich" ansehen. Wobei ich anfügen muss, dass ich in der heutigen Situation viele Männer verstehen kann, wenn sie sich nicht um den Beruf Kindergärtner oder Lehrer reissen.

Denn erstens sind sie den ganzen Tag von halbnackten Mädchen umgeben, schau dir die jungen Dinger mal an, wie die in die Schule gehen. Bei uns im Kanton Tessin wollen sie den Mädchen verbieten mit Hüfthosen wo man den halben Tanga Slip sieht, wenn sie sich hinsetzen und mit bauchfreien Oberteilen in der Schule zu erscheinen. Ich wäre für einheitliche Schuluniformen, echt nun.

Dann würden die Kinder nicht diesem Markenartikel-Fetisch unterliegen und jedes wäre genau gleich.

Heute wo ein Mann sehr aufpassen muss, dass er keine Anklage wegen sexueller Belästigung in die Schuhe geschoben bekommt, ist das bestimmt auch eine Hemmschwelle sich solchen Berufen zu widmen.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

Liebe Grüsse
schickt dir
Jolanda

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Collantix, Saturday, 24.05.2003, 15:08 (vor 8292 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Arne Hoffmann am 23. Mai 2003 22:54:44:

Hallo,

normalerweise steht es mir fern, Abgeordnete aus CDU / CSU zu loben.
Aber was Gruebel sagt, geht in die richtige Richtung.

Besonders positiv finde ich, daß er den Dialog zwischen den Geschlechtern einfordert, und es ihm anscheinend nicht darum geht, die Frauen dabei auszubremsen.

Aus einer Forderung, Jungen füe sog Frauenberufe zu begeistern, könnte man auch wieder einen Boys-Day postulieren. Ich würde allerdings einen Schultag in den Einrichtungen bevorzugen. Das heißt, Jungs sollten für die Frauenberufe erwärmt werden, und Mädels sollten für die "Männerberufe" erwärmt werden. Das Ideal wäre allerdings, daß alle Schülerinnen und SAchüler darin bestärkt, das zu lernen, wonach ihnen ist...

Die schwedische Mobbing-Studie würde mich sehr interessieren. Hat da jemand einen Link. Ich arbeite als Erzieher. Der Vorwurf mangelnder Kompetenz wurde mir allerdings noch nicht gemacht...

Es liegt allerdings auch uns Männern, die Rechte auch einzufordern und auch danach zu leben. Ich wirke in Augen mancher Kolleginnen unmännlich, weil ich als Erzieher arbeite und auch während der Arbeit im Rock rumrenne. Aber vielleicht liegt das auch daran, daß ich das sehr selbstverständlich mache und von daher auf wenig weiblichen Widerstand stoße...

Sehr aufschlußreich ist IMHO auch die überproportional starke Präsenz7 von Frauenverbänden. Hier giltz es wirklich, den Hebel einmal anzusetzen.

Gruß

Collantix

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Ferdi, Saturday, 24.05.2003, 16:08 (vor 8292 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Jolanda am 24. Mai 2003 10:55:37:

Hallo liebe Jolanda!

Ich muss dazu aber sagen, dass wenn es um das Wort "unmännlich" geht, vor allem auch die Männer an sich arbeiten müssen.
Du weisst aus eigener Erfahrung, dass du oftmals damit konfrontiert wirst, wenn es um das Rock tragen geht. Und du weisst auch, dass die extremsten Reaktionen von den Männer selbst kommen.

Ja richtig, aber Du weisst auch, dass mir sowas am ***** vorbeigeht. Ich bin so selbstbewusst und überzeugt, dass ich dagegen völlig immun bin. Nach meiner nunmehr 4jährigen Erfahrung damit ist es nur der blanke Neid und der Ärger, dass die Betreffenden erkennen müssen, dass letzlich sie die "unmännlichen Weicheier" sind, weil sie das nicht bringen. Der weitaus überwiegenden Anzahl der Männer ist es egal, was ich trage. Und von den Frauen kommt tatsächlich nur begeisterte Zustimmung.

Aber hier geht es doch um was ganz anderes. Markus Gruebel moniert, dass Männer, die bereit sind in diesen Berufen zu arbeiten, von den dort tätigen Frauen gemobbt werden und von denen als "unmännlich" bezeichnet werden. Das ist genau so ein Begriffsmissbrauch wie das Wort "frauenfeindlich" für Feminismuskritiker.

Denn erstens sind sie den ganzen Tag von halbnackten Mädchen umgeben, schau dir die jungen Dinger mal an, wie die in die Schule gehen. Bei uns im Kanton Tessin wollen sie den Mädchen verbieten mit Hüfthosen wo man den halben Tanga Slip sieht, wenn sie sich hinsetzen und mit bauchfreien Oberteilen in der Schule zu erscheinen.

Ja ich sehe das auch täglich. Aber mich lässt sowas kalt, ich fahre darauf nicht ab. Ich kann einfach nicht glauben dass ein normal veranlagter Mann, der als Lehrer vor so ner Klasse steht, sich davon beeindrucken lässt.

Heute wo ein Mann sehr aufpassen muss, dass er keine Anklage wegen sexueller Belästigung in die Schuhe geschoben bekommt, ist das bestimmt auch eine Hemmschwelle sich solchen Berufen zu widmen.

Das ist allerdings ein sehr schwerwiegendes Hindernis. Wenn frau fordert, dass Männer sich mehr in sozialen und Erziehungsberufen engagieren dann muss frau auch fordern dass die Hysterie um den Begriff "sexuelle Belästigung" beseitigt wird. Dazu gehört, dass der Begriff im Gesetz so haargenau beschrieben wird wie die Begriffe in den Naturwissenschaften. Ausserdem muss die Beweispflicht sehr ernst genommen werden und es darf auf keinen Fall - wie beim Gewaltschutzgesetz - zu einer Beweislastumkehr kommen.

Es muss endlich damit Schluss gemacht werden, alles, was üblicherweise von Frauen gemacht wird (Frauenberufe, Hausarbeit, Kindererziehung), von vorneherein gering zu schätzen. Dann werden sich auch mehr Männer, die sich für diese Tätigkeiten "berufen" fühlen, hierfür ernsthaft bewerben. Das wird dann auch dazu führen, dass diese Berufe anständig bezahlt werden, wovon dann auch die hier tätigen Frauen etwas hätten.

Liebe Grüsse,
Ferdi

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Andreas, Saturday, 24.05.2003, 16:42 (vor 8292 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Ferdi am 24. Mai 2003 10:23:33:

Verwunderung äusserte er darüber, dass trotz der hohen Frauenanteile in den Regierungsfraktionen im Ressort für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nicht ein einziger Mann an einer Arbeisgruppe in leitender Funktion tätig ist.

halloechen Ferdi,

hmmm...das wusste ich noch gar nicht. Ich erlaube mir in der kommenden Woche folgenden Scherz: als ich vom Frauenministerium die Studie "Equal Pay" angefordert habe, hat man mir unter anderem auch ein kleines Buechlein mitgeliefert ueber das Thema Gender Mainstreaming usw. und wie Gleichstellungspolitik in Gesellschaft und Wirtschaft aktiv umgesetzt werden kann. Ich schicke dem Ministerium naechste Woche einen Brief mit der Anfrage, aus welchen Gruenden das Frauenministerium keine aktive Gleichstellungspolitik im eigenen Haus betreibt. Als Informationsbroschuere schicke ich ihnen dann ihr eigenes Informationsmaterial ueber GM mit - als Leitfaden sozusagen.

schoenen Gruss
Andreas

Re: unmännlich

Peter, Saturday, 24.05.2003, 22:35 (vor 8292 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Ferdi am 24. Mai 2003 10:23:33:

Hallo Ferdi,

du schreibst:

Oder hat schon jemals jemand gehört, dass Frauen, die in "Männerberufen" tätig sind, etwa Ministerinnen, Amtsleiterinnen, Rechtsanwältinnen, Unternehmerinnen oder Physikerinnen als "unweiblich" hingestellt wurden? Ich nicht.

Ich habe es gelesen - in Schriften von vor fünfzig Jahren. Wer es heute so benutzt, gilt zu Recht als Gegner der Gleichberechtigung und als Ewiggestriger. Ich hoffe, das gilt bald auch für den Begriff 'unmännlich'.

Er (der Begriff 'unmännlich') wurde bisher erfolgreich dazu missbraucht, Männer an der Entfaltung ihrer Fähigkeiten auf den Gebieten, auf denen die Frauen Exklusivkompetenzrechte beanspruchen, zu hindern. Offenbar scheuen manche Frauen die Konkurrenz der Männer wie der Teufel das Weihwasser, denn sie könnten von fähigen Männern ja regelrecht "vorgeführt" werden und ihre überbezahlten Pfründe verlieren.

Ja, manche Frauen hätten gerne in 'ihren' Gebieten Exklusivkompetenz. Mir ist die Benutzung des Begriffes 'unmännlich' bei der Behauptung ihrer Exklusivkompetenz allerdings selten aufgefallen, mir scheint die Hauptwaffe eher in einem Heruntermachen des männlichen Arbeitseinsatzes zu liegen - wenn Mann das Kind versorgt hat, muss Frau es zur Kontrolle nochmal tun, und sowas demotiviert natürlich den Mann.

Gruß,

Peter

Re: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik"

Peter, Sunday, 25.05.2003, 01:02 (vor 8292 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: CSUler: "Gleichstellungspolitik ist nicht nur Frauenpolitik" von Arne Hoffmann am 23. Mai 2003 22:54:44:

Hallo Arne,

danke für dein Zitat der Rede. Wenn wir gehört werden wollen, müssen wir uns melden, entweder mit einer Beschwerde auf männerfeindliches Gedöns oder auch mit einer positiven Rückmeldung. Ich habe dem Herrn Grübel deswegen gleich mal einen Brief geschrieben (unten angehängt) und fordere auch euch anderen auf, öfter an eure Abgeordneten zu schreiben, gleich ob es ein CDU'ler oder Grüner ist - meldet euch bei Ihnen.

Gruß,

Peter

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Sehr geehrter Herr Markus Grübel,

ich möcht Ihnen meine Zustimmung geben zu Ihrer Rede zur
Gleichstellungspoltik (vom 13 Mai 2003).

Ich habe von der Rede in einem maskulistischen Internetforum gelesen
(f25.parsimony.net/forum63067) und mich beim Durchlesen darüber gefreut,
dass nicht alle Politiker zur herschenden Art und Weise der
Gleichstellungspolitik schweigen oder Beifall klatschen. Besonders gefallen
hat mir Ihre klare Aussage: "Gleichstellungspolitik ist daher nicht nur
Frauenpolitik. Eine gute Gleichstellungspolitik hat Frauen und Männer im
Blick." Leider kommt dieser Aspekt, wie Sie ja auch ausführen, zu kurz.

Ich selber würde noch über Ihre Beispiele hinausgehen und andere
Benachteiligung von Männern anprangern. Frauengesundheit wird hoch
gefördert, Männergesundheit ist als Thema nicht-existent - so hat es, trotzt
Anfragen beim Ministerium für Familie, Senioren usw., nie einen
Männergesundheitbericht gegeben. Ein anderes Beispiel: Männer müssen zum
Bund, Frauen dürfen, sie dürfen aber auch was anderes machen. Ich weiß,
dass in dieser Frage in Ihrer Fraktion zwar andere den Ton angeben, aber die
Situation wird aufgrund von Wehrungerechtigkeit auch zwischen Männern
unhaltbar, und schon darum sollte man nach gleichgestellten Lösungen suchen,
z.B. kein Pflichtdienst für niemand und ein gefördertes und beworbenes
Soziales Jahr, das auch in der Landesverteidigung abgeleistet werden kann,
dann von hoffentlich motivierteren Soldaten.

Bessere Programme der Gleichstellungspolitik nützen aber wenig, wenn, wie
Sie richtig sagen:
"Ein Blick in das zuständige Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend zeigt, dass auch dort Gleichstellungspolitik ausschließlich
Frauensache ist. Unter dem Gesichtspunkt der Gleichstellung von Frau und
Mann wäre es sicher sinnvoll, wenn im zuständigen Bereich des Ministeriums
Frauen und Männer an der Gleichstellung arbeiten würden, so wie es auch
sinnvoll wäre, wenn in anderen Ministerien Frauen und Männer auch in
Führungspositionen tätig sind."

Die Strukturen, wie wir sie dort im Ministerium haben, können halt nun mal
nur in eine Richtung laufen. Nur ein Politikwechsel, der von oben kommt
oder von außen, kann das ändern. Ein Zeichen für einen solchen Wechsels,
wenn auch noch nicht der Wechsel selber, könnte z.B. darin liegen, Männer
nicht mehr aus dem Aufgabenbereich des Ministeriums auszuschließen und dabei
seinen überlangen Namen zurecht zu kürzen in Ministerium für Geschlechter-
und Generationenfragen.

Ich verfolge die Politik in Deutschland im Moment nur als Beobachter von
außen, wünsche Ihnen aber viel Erfolg bei denen in Ihrer Rede dargestellten
Anliegen.

Gruß,

Peter

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