Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Lexikon der Tabubrüche" erschienen

Arne Hoffmann, Wednesday, 07.05.2003, 13:25 (vor 8309 Tagen)

Howdy :-)

Wie bereits vor einigen Tagen hier im Forum angekündigt, erscheint mein "Lexikon der Tabubrüche" aktuell auf dem deutschen Markt (Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin, 14,90 Euro). Auf seinen 634 Seiten finden sich mit über 450 Stichworten auch zahlreiche Themen der Männerbewegung, beispielsweise sexuelle Gewalt gegen Jungen und Männer, Beschneidung, Gendercide und weiblicher Sexismus. Wo es nötig war, habe ich die Weiterentwicklung der Debatte seit "Sind Frauen bessere Menschen?" einfließen lassen. So ist etwa das Thema "häusliche Gewalt gegen Männer" auf dem neuesten Stand. Andere Themen betreffen die unterschiedlichsten sexuellen Minderheiten (z. B. Homosexuelle, Sadomasochisten und Transgender); aufsehenerregende und umstrittene Bücher, Stars und Filme insbesondere der letzten Jahre; gesellschaftspolitische Themen vom Klonen über Selbstmordforen im Internet, die Debatte über Folter in Deutschland sowie die Ausstellung "Körperwelten" bis zum Möllemann-Friedman-Konflikt.

Männerpolitisch bedeutet dieses Lexikon einen Versuch, unsere Anliegen auch solchen Lesern nahezubringen, die sich nicht schon von sich aus dafür interessieren. Wer also vor allem an Harald Schmidts politisch unkorrekten Späßen oder an der Behandlung lesbischer Liebe in der TV-Serie "Buffy" interessiert ist, wird beim Schmökern auch auf das Tabuthema der Männerdiskriminierung stoßen. Umgekehrt stellt mancher Männerrechtler vielleicht überrascht fest, dass es da noch ganz andere Tabuthemen gibt, von denen er wiederum noch nichts gehört hat. Es kommt hier inhaltlich also zu einer Vernetzung der unterschiedlichsten gesellschaftlichen Randgruppen, die ihre Sichtweise bislang nur punktuell im Medien-Mainstream der Gesellschaft unterbringen konnten.

Politisch steht das "Lexikon der Taubrüche" weder links noch rechts, sondern ist im besten Sinne des Wortes liberal. Ich habe mich als Autor mit meiner eigenen Wertung zurückgehalten, da das Lexikon anders als stellenweise "Sind Frauen bessere Menschen?" keine Kampfschrift ist. Bei umstrittenen Themen habe ich in der Regel versucht, alle Seiten gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen und die letztliche Bewertung dem Leser zu überlassen. Zahlreiche Verweise auf Bücher und Websites machen es jedem möglich, sich problemlos weiterzuinformieren. Trotzdem erwarte ich wegen der Auswahl meiner Beiträge hier und da durchaus die eine oder andere empörte Reaktion - eine Erwartung, die bekanntlich auch bei meinen früheren Titeln erfüllt wurde ... :-)

In einem Anschlussposting hieran veröffentliche ich mal als kleine Leseprobe den für dieses Forum themenrelevanten Eintrag zu dem französischen Kinofilm "Baise-moi".

Zur näheren Info hier der Link zur Verlagsseite dieses Lexikons: http://www.schwarzkopf-schwarzkopf.de/2003/dasbesonderelexikon/tabubrueche

Herzlicher Gruß

Arne

Leseprobe: Eintrag "Baise-moi"

Arne Hoffmann, Wednesday, 07.05.2003, 13:37 (vor 8309 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen von Arne Hoffmann am 07. Mai 2003 10:25:52:

"Baise-moi"

(dt. eigentlich "Fick mich", wurde allerdings für die englische Fassung auch als "Rape me" übersetzt) Roadmovie, Frankreich 2000, unter der Regie Virginie Despentes und Coralie Trinh This. Despentes, geboren 1969 in Nancy, arbeitete in Massagesalons und als Stripperin in Peep-Shows, bevor sie die mit autobiographischen Elementen durchsetzte Romanvorlage zu "Baise-moi" (in Deutschland zunächst unter "Wölfe fangen" veröffentlicht) 1999 bei dem hochrenommierten französischen Literaturverlag Gallimard unterbringen konnte und damit aus dem Stand einen Bestseller landete. Gemeinsam mit der in Frankreich ebenfalls sehr bekannten, damals 24jährigen Pornodarstellerin Coralie Trinh Thi setzte sie ihn innerhalb von nur einer Woche in ein Drehbuch um. Da beide Frauen mit dem Genre Porno keinerlei Probleme hatten, bedurfte es keiner langen Überlegungen, auch die Sexszenen in ihrem Film authentisch darstellen zu lassen, also tatsächlichen Geschlechtsverkehr mit der Handkamera in Großeinstellungen abzufilmen und die Hauptdarstellerinnen dabei nicht doublen zu lassen. Mit dem Einzug des pornographischen Darstellungsstils ins Mainstream-Kino war indes ein gravierender Tabubruch verbunden, der zu einer der größten internationalen Zensurdebatten der letzten Jahre führen sollte.

Zunächst aber einmal zur Handlung: Die ehemalige Pornodarstellerin Manu (Raffaëla Anderson) und die Prostituierte Nadine (Karen Bach) lernen sich in einer französischen Vorstadt kennen, in der Gewalt an der Tagesordnung ist. So wird Nadine Opfer einer Vergewaltigung und rächt sich – allerdings nicht an dem Täter, sondern an ihrem Bruder, den sie deshalb erschießt, weil er nicht einfühlsam genug reagiert. Nadine bringt fast gleichzeitig ihre Mitbewohnerin um, weil diese ihr vorwirft, dass sie ihrem drogensüchtigen Freund hörig sei. Die beiden Frauen treffen am Bahnhof aufeinander, machen sich dann aber doch per Auto auf zu einer Überlandtour, auf der eine exzessive Gewalttat die andere ablöst. Immer wieder machen sie fremde Männer erst an, um sie dann umzubringen. Manchmal haben sie dazwischen noch schnell Sex mit ihnen, manchmal gibt ihnen schon eine falsche Bemerkung den Anlass, dafür die Todesstrafe zu vollziehen. Aber auch Frauen und ein Kind werden zum Opfer des Paares. Der Höhepunkt ihrer immer willkürlicheren Serienmorde bildet ein an Sadismus kaum zu übertreffendes Massaker in einem Swinger-Club. Die beiden Frauen leben ihre homoerotische Beziehung nie direkt körperlich aus, sondern nur über Dritte, etwa wenn sie die Männer tauschen oder einander beim Sex zusehen. Nachdem Manu bei einem Überfall erschossen wird, verbrennt Nadine die tote Komplizin an einem See, um wenig später mit ihrem Revolver an der Schläfe von einem gewaltigen Polizeiaufgebot umzingelt und verhaftet zu werden.

In Rezensionen wurde der Film häufig als konsequente Fortsetzung von "Thelma & Louise" gesehen, nachdem die Schranken hinsichtlich der offenen Darstellung von Sexualität und der Verherrlichung insbesondere weiblicher Gewalt in den neunziger Jahren noch weiter gefallen seien. Auch "Thelma & Louise" war dafür kritisiert worden, weibliche Gewalt als positive Reaktion gegen eine fast durchgehend bösartig gezeichnete Männerwelt zu propagieren und dabei nicht nur das Konzept der Rache gutzuheißen, sondern sich auch an Menschen zu rächen, die mit den eigentlichen Tätern nur das Geschlecht gemeinsam hatten. "Baise-moi" hielt man entgegen, ein etwas merkwürdiges Konzept von Gleichberechtigung zu verfolgen, wenn der Film Frauen "mit ihren Knarren so phallisch wie jeder Revolverheld" (Christiane Peitz im Berliner "Tagesspiegel", siehe unten) posieren lasse, und Gewalt zu erotisieren, solange die Täter nur weiblich, jung und attraktiv seien. (In Despentes Romanvorlage ist Nadine noch korpulent und Manu trashig.) Verschiedene Rezensenten, unter anderem auf der Homosexuellen-Website "eurogay", warfen den Regisseurinnen vor, die Vergewaltigung als aufgesetzte Begründung herbeizuzerren, so dass das Publikum dem irrsinnigen Amoklauf der "Heldinnen" wenigstens noch einen Ansatz von Verständnis entgegenbringen könne.

Virginie Despentes und Coralie Trin Thi räumen ohne Umschweife ein, dass ihr Film aus dem Bauch und nicht aus dem Kopf geboren sei. "Baise-moi ist deshalb so roh geworden, weil mir für vieles die Worte und die Erklärungen fehlen", wird Despentes zitiert. Sie fand es beispielsweise einfach lustig, an einem in ihren Augen so erbärmlichen Ort wie einem Swinger-Club ein grausames Massentöten stattfinden zu lassen. Auch ihre Regie-Partnerin spricht erheitert von ihrem Wunsch nach einem Ende mit "viel Fleisch und Blut". Um ihren Sexismus gegenüber Menschen, die mit dem anderen Geschlecht zur Welt gekommen sind, macht Despentes keinen Hehl: "Es stimmt, dass ich ein ziemlich großes Problem mit Männern habe. Ich habe ein Problem mit allem, was von Natur aus überlegen sein will. Ich habe ein Problem mit allem, was mich niederhalten oder unterdrücken will." Ihre Protagonistinnen hingegen seien keineswegs schlechte Mädchen, erklärt die Regisseurin: "Sie fühlen sich lebendig, wenn sie töten. Und wenn sie ficken, lassen sie sich einfach nur gehen, fühlen, dass sie existieren." Insofern möchte sie Nadine und Manu als Avantgarde eines "kriegerischen Feminismus" und ihren Film als "schrillen Schrei gegen Gewalt an Frauen" verstanden wissen. Frauen stellten sich in ihrem Werk der Gewalt ebenso wie der Sexualität.

Nur wenige Kritiker können den Regisseurinnen hier noch folgen. So erkannte die französische "Libération" in dem Film "ein Roadmovie aus Sex und Blut, feminin, genauer: feministisch, eine bittere Farce mit den Männern als den Schuldigen, den Opfern, den Zielscheiben" und kann sich allein "Männerhass" als Motiv der Filmemacherinnen vorstellen. Bei einem Vergleich dieser und weiterer französischer Besprechungen gelangt der "Tagesspiegel" vom 8.7.2000 zu dem Fazit: "Männer sind Schweine, sagt der Film. Männer sind - arme - Schweine, ist der von der Regisseurin wohl kaum beabsichtigte Subtext, wie er durch die in Frankreich erschienenen Kritiken hindurchscheint."

In der Tat wird die Bewertung von "Baise-moi" sehr stark durch den ideologischen Hintergrund und die eigentliche Befindlichkeit der Bewertenden geprägt, auch wenn etwa Nadine Holtwick unter filmrezension.de ihren persönlichen Eindruck folgendermaßen verallgemeinert: "Man spürt die anfängliche Demütigung der Frauen hautnah und kann sich der innerlichen Beklemmung parallel zur aufbauenden Gewalt des Filmes nicht entziehen. `Baise-moi´ ist belebend und bedrückend zugleich und weist auf, dass Menschen Wärme und eine soziale Struktur brauchen, um innerhalb der human akzeptierten Norm leben zu können. Menschen kreieren `UN-Menschen´ durch Grausamkeit und Kälte, sodass der Mensch in sämtlichen Facetten letztendlich nicht existieren kann, da die tiefsten Abgründe Selbstvernichtung zur Folge haben." Alice Schwarzers feministisches Magazin "Emma" feierte das Werk als neue Offenbarung. "Eurogay" hingegen bezeichnete es schon in der Überschrift zu seiner Besprechung als "brutal, sexistisch und wenig glaubhaft". Der so genannte Frauenfilm sei "in keiner Weise von jener Ware unterscheidbar, die bei der Videothek um die Ecke in der Abteilung für die Kundschaft über 18 Jahren in allen Variationen bereitliegt. Man stelle sich eine mutierte Kreuzung aus `Thelma & Louise´, `Bonnie & Clyde´ und einem Porno vor, der gelegentliche lesbische Untertöne mit sich bringt. (...) Was immer die Filmemacherinnen uns damit versinnbildlichen wollen - eventuell ja tiefen Ekel an allzu großer sexueller Freiheit: Sie gebrauchen dazu Mittel, die lediglich Sensationsgier und Voyeurismus bedienen, aber intellektuell und emotional armselig sind." Mehr noch spräche gegen den Film indes "seine mangelnde psychologische Glaubwürdigkeit, seine dramaturgischen Patzer und seine erstaunlich unsensible Darstellung sexueller Lust, die man von einer Regisseurin eigentlich nicht erwartet. Um das zu sehen, hätte es nicht bombastischer feministischer Ideologisierungen bedurft, wie sie in der Zensurdebatte im Nachbarland laut wurden. Wenn es aber andererseits um die Verquickungen zwischen Sex und Gewalt geht, bot in den letzten Monaten `American Psycho´ ein emotional erheblich mitreißenderes filmisches Konzept." (-> „American Psycho“)

Der Vorwurf, statt auf handwerkliches Können auf eine sinnentleerter Aneinanderreihung von Schocks zu setzen, wird von vielen Seiten erhoben. So nennt die Leipziger Volkszeitung vom 23.11.2000 den Film "Anarcho-Krachkino im Leerlauf" und die "Neue Zürcher Zeitung" befindet ebenso knapp wie sarkastisch: "Zwar ist das Blut künstlich, aber auf die Echtheit der Penetration kann man sich verlassen. Kurzum, man weiß schon: Tabubruch! Im übrigen fehlt es allerorten am dramatischen Handwerk und am schauspielerischen Ausdruck."

Unter der das Problem gekonnt zusammenfassenden Überschrift "Scharf, schärfer, unscharf" gelangt Christiane Peitz im "Tagesspiegel" vom 16.11.2000 zu dem auch zahlreiche andere Kritiken spiegelnden Befund, der Film sei den Skandal keineswegs wert, den er ausgelöst habe: "Die provokante Überschreitung der Grenze zwischen Porno und Film bleibt in `Baise-moi´ die einzige Regelverletzung. Ansonsten hält er sich an das Mittelmaß filmischer Handlungsmuster, samt Initialszene (Vergewaltigung), blutigem Showdown und angeklebtem melodramatischem Ende. Es ist kaum möglich, den Film anders als derart mechanistisch zu beschreiben. Zumal die Musik jeden dramaturgischen Einwand übertönt, wenn der Plot in den Scharnieren knirscht. Dazu ein bisschen Dogma-Ästhetik (Video, natürliches Licht, Laiendarsteller) und eine dicke Portion feministischer Filmtheorie. `Baise-moi´, sagen die Filmemacherinnen, gibt den Frauen das Recht auf ihren eigenen Körper zurück und entreißt ihn dem begrenzten Blickfeld der Männer. Klingt gut. Ist aber nicht zu sehen. Denn das Blickfeld des Films bleibt innerhalb der gleichen Begrenzung. Anders als der Körper der vergewaltigten Frau, einer knochigen, hässlichen Schlampe, sind Nadine und Manu jung, makellos, sexy. Die Knochige taucht fortan im Film nicht mehr auf, während die Kamera die Bodies der Heldinnen genauso stilisiert und zurichtet, wie Männer es mögen. Merke: Opfer törnen ab, Täterinnen sind geil. Nur wer um sich schlägt oder schießt, taugt für die Schaulust. Die niederen Instinkte der Vergewaltiger gehorchten der gleichen Logik. Hinzu kommt, dass die Serienmorde von Nadine und Manu mehr schlecht als recht die Actionmuster von B-Pictures kopieren. Ein Möchtegern-Splatter: verbrauchte, billige Bilder, die durch den Anblick von `echtem´ Sex nicht aufgefrischt werden. Die Provokation zielt ins Leere. (...) Am Ende ist `Baise-moi´ doch vor allem ein Stück Pornographie."

Gerade letzerer wegen der drastischen Sexszenen immer wieder erhobene Vergleich ("Art House Porn Movie Shocks Even the French" titelte etwa der Londoner "Independent") spielte auch in der Verbotsbegründung des französischen Staatsrats eine Rolle ("extrem gewalttätige und nichtsimulierte sexuelle Szenen"). Er wurde von Verteidigern des Filmes indes mit dem Argument zurückgewiesen, kennzeichnend für Pornos sei, dass sie sexuell stimulierten und Lust verschafften: "Baise-moi" erreiche beim Betrachter aber das genaue Gegenteil (vgl. hierzu auch -> Selby, Hubert). Nichtsdestotrotz wurde mit "Baise-moi" erstmals seit zwanzig Jahren wieder ein Film in Frankreich auf den Index gesetzt und somit in die Pornokinos und Videotheken verbannt. Die Regisseurinnen selbst zeigten sich überrascht: Schließlich war Despentes Romanvorlage selbst weder verboten, noch auch nur angegriffen worden, und die französische Kulturministerin Catherine Tasca hatte den Roadmovie ab 16 für die Kinos freigegeben. Nachdem es aber schon auf den internationalen Filmfestspielen in Cannes Tumulte gegeben hatte (der Film war unter Ausschluss der Öffentlichkeit gezeigt worden, und wegen der starken Mundpropaganda versuchten zu viele Journalisten gleichzeitig, sich ins private Publikum zu mogeln), verbot der französische Staatsrat "Baise-moi" zwei Tage nach seinem Kinostart. Die Kommentare in den Feuilletonen überschlugen sich geradezu in der Debatte um Kunstfreiheit und ihre Grenzen und verlangten eine Neudefinition von Pornographie. Filmproduzent Philippe Godeau sprach von einem rechtsradikalen Komplott. Auch die Website zum Film unter www.baisemoilesite.com (mit über einer Million Zugriffen) forderte: "Schreiben Sie uns, damit die Zensur nicht siegt. Bruno Mégret und seine Truppen freuen sich über dieses Verbot." Mégret ist Generalsekretär der rechtsextremen "Front National".

Eigentlicher Initiator des Filmverbotes war allerdings nicht Mégret, sondern André Bonnet und sein konservativer Verband "Promouvoir", der das Verbot durch eine Bürgerbeschwerde bewirkt hatte. Die französische Kulturszene protestierte gegen die Indizierung mit offenen Briefen und Petitionen. In der vordersten Reihe stand dabei Catherine -> Breillat, die mit -> "Romance" einen ebenfalls von vielen Kritikern angefeindeten Film gedreht hatte. Es hielt sich auch nicht jedes Kino an das Leinwandverbot: Einige machten den Film insgesamt 40.000 Franzosen zugänglich und müssen dafür jetzt mit Geldstrafen von etwa 50.000 Euro rechnen. Kultusministerin Tasca, eine Gegnerin der -> Zensur, arbeitet aktuell an einer Reform der Regularien zur Altersfreigabe: Bislang gilt jeder Film in Frankreich, der nicht frei ab 16 ist, automatisch als Porno und wäre damit allein als Video zu erhalten.

Auch in Deutschland kam es dabei nach Angaben der Zeitschrift "Emma" zu Zensurversuchen. So verbot der Kölner DuMont-Verlag die bloße Nennung des Filmes in der Programmvorschau, und die Süddeutsche Zeitung untersagte zunächst die Werbung für diesen Film, erlaubte dann aber zumindest die phonetische Schreibweise des Titels. Was "Emma" nicht berichtet, ist indes, dass hier weniger eine patriarchale Unterdrückung feministischen Gedankengutes als vielmehr Angst vor juristischen Konsequenzen eine Rolle gespielt haben könnte: Die Werbung für Gewaltpornographie ist in Deutschland gesetzlich untersagt.

Insgesamt konnten die Produzentinnen von "Baise-moi" von dem Wirbel um ihren Film weitgehend profitieren: Sie verkauften ihn in 24 Länder, bis hin zu Taiwan und Südkorea.

Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen

Ferdi, Wednesday, 07.05.2003, 14:03 (vor 8309 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen von Arne Hoffmann am 07. Mai 2003 10:25:52:

Hallo Arne!

vielen Dank für diesen Hinweis!

Umgekehrt stellt mancher Männerrechtler vielleicht überrascht fest, dass es da noch ganz andere Tabuthemen gibt, von denen er wiederum noch nichts gehört hat.

Zum Beispiel dass Männer Röcke tragen (mach ich schon seit 4 Jahren). Wobei ich das angesichts 99% hosentragender Frauen nicht einmal als "Tabu" betrachte. Und jetzt werde ich mich in die Stadt aufmachen (bei dem Wetter natürlich in einem kurzen Rock), um das Buch zu kaufen, da habe ich für den Rest des Urlaubs was interessantes zu schmökern.

Herzliche Grüsse,
Ferdi

Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen

Ferdi, Wednesday, 07.05.2003, 21:31 (vor 8309 Tagen) @ Arne Hoffmann

Als Antwort auf: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen von Arne Hoffmann am 07. Mai 2003 10:25:52:

Hi Arne!

Dein Lexikon der Tabubrüche scheint erfolgreich zu sein. In zwei grossen Buchhandlungen in Köln war das Buch ausverkauft. Daraufhin habe ich es in Bonn versucht und dort auch bekommen. Jetzt habe ich was interessantes zu lesen.

Freundliche Grüsse,
Ferdi

Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen

terVara, Wednesday, 07.05.2003, 22:30 (vor 8309 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen von Ferdi am 07. Mai 2003 18:31:19:

Moin Ferdi,

bring das Buch doch mal am WE mit, wenn du kommst. Ich denke, das dürfte eine ganze Reihe von den Anwesenden interessieren...

Und vergiß nicht das Reißdorf... Sonst schicke ich dich umgehend wieeder nach Hause... ;-)

Gruß

terVara

Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen

Arne Hoffmann, Thursday, 08.05.2003, 00:16 (vor 8309 Tagen) @ Ferdi

Als Antwort auf: Re: "Lexikon der Tabubrüche" erschienen von Ferdi am 07. Mai 2003 18:31:19:

Hi Ferdi,

Dein Lexikon der Tabubrüche scheint erfolgreich zu sein. In zwei grossen Buchhandlungen in Köln war das Buch ausverkauft.

Jetzt schon? Krass. Okay, kann natürlich sein, dass die sich erst mal nur ein oder zwei Exemplare haben schicken lassen.

Daraufhin habe ich es in Bonn versucht und dort auch bekommen. Jetzt habe ich was interessantes zu lesen.

Wenn du dir die von mir empfohlenen Links unter dem Eintrag "Transgender" anschaust, wirst du möglicherweise auf eine Website stoßen, die dir bekannt vorkommen dürfte. :-)

Viel Spaß bei der Lektüre, herzlicher Gruß

Arne

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