Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Odin, Tuesday, 29.04.2003, 19:17 (vor 8317 Tagen)

44-Jähriger aus Westeregeln kritisiert Polizei
„Ich bin doch noch nie straffällig geworden“
Von Ren Kiel
Westeregeln. Gentests werden in Sachsen-Anhalt beileibe nicht nur zur Aufklärung von Verbrechen und schwerwiegenden Vergehen eingesetzt.
Diese Erfahrung machte jetzt Ulrich Biermann aus Westeregeln. Wie der 44-jährige Elektrotechniker von der Staßfurter Kriminalpolizei erfuhr, hat eine Familie aus dem Nachbardorf gegen ihn Anzeige wegen Nötigung erstattet. „Ich soll ihr einen Brief geschrieben haben“, sagte Biermann. Doch das Schriftstück, das aus seiner Feder stammen soll, bekam er für eine Stellungnahme nie zu sehen.
Stattdessen baten ihn die Kripobeamten, er solle sich freiwillig einem Speicheltest unterziehen. Dabei verwiesen sie auf eine schriftliche Verfügung eines Magdeburger Staatsanwaltes. Zugleich teilten sie ihm mit, dass die Kripo einen richterlichen Beschluss erwirken werde, falls er sich weigern sollte. Denn eine Untersuchung von DNA- Material darf in Deutschland laut Paragraf 81 f der Strafprozessordnung nur durch einen Richter angeordnet werden.
Da er sich unter Druck gesetzt fühlte, willigte Biermann schließlich ein. „Für mich ist das verfassungswidrig. Das hat nichts mit einem Rechtsstaat zu tun“, so der Westeregelner. „Ich bin doch noch nie straffällig geworden.“ Deshalb will sich Biermann jetzt bei Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad beschweren.
Gerhard Dorl, der Kripochef des Kreises, rechtfertigt das Vorgehen seiner Beamten. Eine Drohung kann er darin nicht erkennen. Biermann habe der Speichelentnahme ja zugestimmt. Im Verdachtsfall müsse sich auch jeder Kraftfahrer freiwillig einer Alkoholkontrolle unterziehen. Ansonsten werde er zur Blutabnahme ins Krankenhaus gefahren, was viel schmerzhafter sei als eine Speichelentnahme.
„Eine solche DNA-Analyse“, so der Erste Kriminalhauptkommissar, „ist für die Beweisführung das Beste und Treffsicherste, was wir gegenwärtig haben. Als Beweismittel allein reicht das allerdings nicht aus.“ Als weiteres Argument führte Dorl die Kosten an. Während ein Schriftgutachten sehr aufwändig und teuer sei, koste ein Gentest nur rund 30 Euro.
Das Justizministerium wollte sich zu diesem Fall nicht äußern.

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Martin, Tuesday, 29.04.2003, 22:26 (vor 8317 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Odin am 29. April 2003 16:17:43:

Wo liegt das Problem? Der soll seine Probe abgeben und seine Unschuld ist erwiesen (falls Spucke am Briefumschlag). Nur soll die Polizei auf das zynische "freiwillig" verzichten, wenn bei Weigerung die Zwangsabnahme kommt!

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Jörg, Tuesday, 29.04.2003, 22:41 (vor 8317 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Martin am 29. April 2003 19:26:54:

Wo liegt das Problem? Der soll seine Probe abgeben und seine Unschuld ist erwiesen (falls Spucke am Briefumschlag).

Stimmt. Sehe ich genauso. Problematisch sind aus meiner Sicht in erster
Linie die Massengentests, bei denen Hunderte oder Tausende von Männern ohne
konkreten Anfangsverdacht
wie Kriminelle behandelt werden bis ihre Unschuld
erwiesen ist.

Nur soll die Polizei auf das zynische "freiwillig" verzichten, wenn bei Weigerung die Zwangsabnahme kommt!

Das ist in der Tat nur noch als zynisch zu bezeichnen.

Gruß, Jörg

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Odin, Wednesday, 30.04.2003, 15:45 (vor 8316 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Martin am 29. April 2003 19:26:54:

Wo liegt das Problem? Der soll seine Probe abgeben und seine Unschuld ist erwiesen (falls Spucke am Briefumschlag). Nur soll die Polizei auf das zynische "freiwillig" verzichten, wenn bei Weigerung die Zwangsabnahme kommt!

Sicher kein Problem. Außerdem wäre es doch ein guter Vorschlag, wenn Du Dein Telefon freiwillig abhören läßt und in Dein Auto einen Fahrtenschreiber einbauen läßt. Schließlich hast Du ja nichts zu befürchten, wenn Du Dich ordentlich verhältst. Ich hab Dich nämlich schon lange in Verdacht, daß Du hin und wieder zu schnell fährst - und Du wirst das sicher nicht abstreiten können.

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Realist, Thursday, 01.05.2003, 00:42 (vor 8316 Tagen) @ Martin

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Martin am 29. April 2003 19:26:54:

Wo liegt das Problem? Der soll seine Probe abgeben und seine Unschuld ist erwiesen (falls Spucke am Briefumschlag). Nur soll die Polizei auf das zynische "freiwillig" verzichten, wenn bei Weigerung die Zwangsabnahme kommt!

Stell Dir mal folgende Situation vor Martin:

Du forderst bei einer Tanzverantstaltung eine Dame zum Tanzen auf und sie gibt Dir ausnahmsweise keinen Korb. Beim Tanzen verlierst Du unbemerkt ein Haar welches an ihren Blazer oder Kleid haften bleibt. Nach dem Tanzen siehst Du sie nie wieder. Am gleichen Abend läßt sie sich von einem Glatzkopf nach Hause bringen, der sie in ihrer Wohnung ermordet. Mit dem Glatzkopf hat sie zufällig niemand gesehen, mit Dir hingegen sahen sie einige Zeugen.
Die Kripo findet ein fremdes Haar auf der Kleidung der Ermordeten!
Wenn Du nun zum DNA-Test aufgefordert wirst und selbiger positiv ausfällt weil man Dein Haar fand, was meinst Du, wer dann noch an Deine Unschuld glauben würde?

Leider ist im wahren Leben nicht immer alles so einfach!

MfG
Realist

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Jolanda, Thursday, 01.05.2003, 01:29 (vor 8315 Tagen) @ Realist

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Realist am 30. April 2003 21:42:47:

Hallo

Nun ja, ich weiss schon was du sagen willst.

Nur in diesem speziellen Beispiel, wenn du beweisen kannst, dass du mit ihr getanzt hast an diesem Abend und das dürfte machbar sein, ausser du hast mit ihr im Park getanzt, dann ist dieses Haar kein Beweis um dich zu überführen, das würde nie genügen. Also so einfach ist es nun auch wieder nicht.

Zudem wird man versuchen herauszufinden, wie ihr letzter abend aussah und dann so oder so früher oder später auf dich stossen. Wenn man dir aber nicht beweisen kann, dass du mit ihr nach Hause gegangen bist, dann kann man dir keinen Mord unterschieben.

Ich bin auch realistisch, ich weiss schon, was du sagen willst, aber so schnell bist du nun auch nicht als Mörder überführt.

Es grüsst dich
Jolanda

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Odin, Thursday, 01.05.2003, 16:20 (vor 8315 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Jolanda am 30. April 2003 22:29:26:

Hallo
Nun ja, ich weiss schon was du sagen willst.
Nur in diesem speziellen Beispiel, wenn du beweisen kannst, dass du mit ihr getanzt hast an diesem Abend und das dürfte machbar sein, ausser du hast mit ihr im Park getanzt, dann ist dieses Haar kein Beweis um dich zu überführen, das würde nie genügen. Also so einfach ist es nun auch wieder nicht.
Zudem wird man versuchen herauszufinden, wie ihr letzter abend aussah und dann so oder so früher oder später auf dich stossen. Wenn man dir aber nicht beweisen kann, dass du mit ihr nach Hause gegangen bist, dann kann man dir keinen Mord unterschieben.
Ich bin auch realistisch, ich weiss schon, was du sagen willst, aber so schnell bist du nun auch nicht als Mörder überführt.

Schön wärs!
Ich weiß nicht, ob die Sendung regelmäßig kommt, aber auf K1 oder RTL2 habe ich mal eine Serie gesehen, mit Verurteilten, die nach Jahren wieder freigelassen wurden, weil ihre Unschuld erwiesen wurde - mit teilweise felsenfesten Zeugenaussagen, die gegen sie standen (die Leute hatten zum Teil ihre "Taten" gestanden, weil sie nur so mit Haftvergünstigungen hoffen konnten)
Man sollte also immer vorsichtig sein.

Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt....

Jolanda, Friday, 02.05.2003, 03:08 (vor 8314 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Wenn man den Anfängen nicht wehrt.... von Odin am 01. Mai 2003 13:20:23:

Hallo Odin

Klar sollte man immer vorsichtig sein und klar gibt es Fehlurteile und Falschbeschuldigungen, aber ich warne auch vor "Hysterie", zumal diese Art und Weise des Vorgehens doch eher bei den "überemanzipierten" Frauen üblich ist oder....also...mich dünkt...ich hätte das hin und wieder gelesen ;-))))

Es grüsst dich
Jolanda

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