Zwischenbericht Medienoffensive
Hallo alle miteinander, 
kleine Zwischeninfo von der Medienfront: Das Aufgreifen des Themas Männerrechte entwickelt sich weiterhin positiv.
Zum einen stelle ich fest, dass zumindest die abgedruckten FOCUS-Leserbriefe zu dem Artikel über Männer als benachteiligtes Geschlecht sich überwiegend begeistert darüber äußern, dass dieses Tabu endlich geknackt wurde. Gut, es gibt auch zwei Frauen, die befinden, dass das Leben der verschleierten Frauen in Afghanistan nicht gerade beneidenswert ist und dass eine Schwangere nicht an den Presslufthammer gehört, aber davon abgesehen waren die veröffentlichten Rückmeldungen sehr enthusiastisch.
Nun kann ich schlecht zu einem Artikel, in dem ich selbst gefeatured werde, einen Leserbrief schreiben. (Obwohl manche mir DAS bestimmt auch noch zutrauen würden.
) Allerdings konnte ich einen Brief an die "Bild am Sonntag" zu dem Artikel über Homes Buch "Von der Mutter missbraucht" verfassen, in dem ich es begrüßte, dass auch über dieses Thema nicht länger geschwiegen wird. Am 13.4. hatte die BamS die Geschichte eines männlichen Missbrauchsopfers dokumentiert und daneben ein Interview mit Homes und das Cover seines Buches gestellt. Auch meinen Leserbrief dazu hat die BamS eine Woche später erfreulicherweise abgedruckt.
Heute morgen war ich dann im Sat.1-Frühstücksfernsehen. Ging alles ziemlich flott: Gestern hin, Übernachtung im Hilton auf Kosten des Senders (sehr empfehlenswert), heute morgen das Gespräch mit mir, dann nach einem zweieinhalbstündigen Frühstück noch mal kurz durch Berlin und dann in den Taunus zurück. Mit der Art, wie das Gespräch gelaufen ist, bin ich hochzufrieden.
Die Herausforderung lag für mich darin, in wenigen Sätzen ein "Exotenthema" als gesellschaftlich relevant darzustellen und klarzumachen, dass es uns nicht um einen reaktionären Backlash oder um einen Kampf gegen die Frauen geht. Und das live und direkt nach dem Aufstehen, also eigentlich noch im Halbschlaf.
Hätte ich einen Hänger gehabt, wäre das ebenfalls live über den Sender gegangen.
Da hat es sehr geholfen, dass der Redakteur, der das Gespräch vorbereitete, unserem Anliegen extrem aufgeschlossen gegenübersteht und mich auf sehr faire Weise auf das Gespräch vorbereitete. Ausschlaggebend für meine Einladung war natürlich der FOCUS-Artikel, der in der Sat.1-Redaktion zu kleinen Kontroversen geführt haben soll. Offenbar bewegten sich die Frauen zwischen empörtem "Das muss ich mir nicht antun!" und ironischer Bemitleidung der Männer, während diese weiblichen Reaktionen für die Männer erst recht ein Grund waren, mich als Gast einzuladen. Beim Betreten des Studios wurde ich dann auch zweimal angeknurrt: einmal von dem Studiohund, einem Mops, der auch in der Sendung manchmal zu sehen ist, und dann von der weiblichen Co-Moderatorin, die mir von einer meiner Betreuerinnen als "Frau Wittig-irgendwas, na so ein komischer Doppelname halt" vorgestellt wurde. (In ihrer Abwesenheit natürlich.)
Das Gespräch wurde zweimal ausgestrahlt, live um 6:50 und als Aufzeichnung noch mal um 8:30 Uhr. Ein kleiner Weckruf und Muntermacher also.
Die Dinge, bei denen wir Männer gesellschaftlich benachteiligt werden, wurden bereits in einem kleinen Trailer benannt (Sorge- und Umgangsrecht, Quotenregelung macht Parteikarriere für Frauen leichter als für Männer, sexistischer Kriegsdienst, Männer in die härtesten und schmutzigsten Jobs), so dass ich nur Kleinigkeiten nachzureichen brauchte (häusliche Gewalt, Justiz- und Gesundheitssystem, männerfeindliche Klischees in den Medien). Im Wesentlichen konnte ich mich im Gespräch aber auf die Feinheiten konzentrieren. Das heißt im Klartext:
- Ich konnte vermitteln, dass mir nicht an einem ideologischen Kampf zweier Fronten (Maskulisten gegen Feministinnen) gelegen ist, sondern an einer Zusammenarbeit von Männern und Frauen, bei der beide Geschlechter nur gewinnen können. Bei der Gelegenheit konnte ich darauf verweisen, dass es in den USA bereits seit über zehn Jahren eine Männerbewegung gibt und deren Mitglieder längst mit liberalen Feministinnen zusammenarbeiten. Neu war für viele Zuschauer wohl auch die Info, dass in Deutschland gerade ebenfalls eine neue Männerbewegung entsteht.
- Ich konnte zum Ausdruck bringen, wie wichtig es mir ist, dass Männer einerseits den Mund gegen sie betreffende Benachteiligungen aufmachen, ohne das als Jammerei und Selbstmitleid abwerten zu lassen, dass sie aber mit den Frauen andererseits kein Wettrennen starten sollten, wer das größere Opfer ist.
- Ich konnte bestimmte politische Forderungen äußern (Frauen- und Männerministerium, Öffnung der Medien für Themen der Männerbewegung, weniger feministische Einseitigkeit in den Geschlechterstudien an den Unis). Auf die abschließende Frage, was ich dem männlichen Zuschauer dieser Sendung raten würde, habe ich geantwortet, er möge sich informieren, was Sache ist (dazu hätte ich mein Buch geschrieben), und sich dann trauen, den Mund aufzumachen.
Als ich heute abend online gegangen bin, lag "Sind Frauen bessere Menschen?" bei Amazon auf Platz 113. Das war allerdings so ca. 12 Stunden nach der Sendung. Wie sich das Buch über den Tag hinweg entwickelt hat, weiß ich nicht, weil ich da ja auf der Heimreise war. Inzwischen ist es wieder deutlich gefallen. Da ist der direkte Effekt der Sendung wohl zunächst mal vorbei. Trotzdem bewerte ich das als Indiz dafür, dass einiges von dem, was ich gesagt habe, bei den Zuschauern angekommen sein muss.
Herzlicher Gruß
Arne
Re: Zwischenbericht Medienoffensive
Als Antwort auf: Zwischenbericht Medienoffensive von Arne Hoffmann am 22. April 2003 22:25:46:
Lieber Arne
Das sind ja richtig gute Nachrichten
)
Ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Ich freue mich sehr darüber
))
Also ich muss dir sagen, du bist in letzter Zeit ein "Daueraufsteller" in deiner Mission für die Männer....und das motiviert unheimlich, finde ich 
Einen lieben Gruss
schickt dir
Jolanda
Re: Zwischenbericht Medienoffensive
Als Antwort auf: Zwischenbericht Medienoffensive von Arne Hoffmann am 22. April 2003 22:25:46:
Hallo Arne,
auch ich möchte es nicht versäumen, Dir zu Deinem neuerlichen Medienerfolg
herzlich zu gratulieren.
Der Durchbruch scheint geschafft zu sein - jetzt kommt es wohl "nur" noch
darauf an, das Thema auf noch breiterer Ebene und auch auf längerer Sicht
in den Medien zu verankern.
Gruß, Jörg
P.S.: Wer hatte bei dem Thema Männerrechte eigentlich stärker geknurrt -
der Studiohund oder die weibliche Co-Moderatorin?
)
Re: Laß schonmal nachdrucken...
Als Antwort auf: Zwischenbericht Medienoffensive von Arne Hoffmann am 22. April 2003 22:25:46:
Moin Arne,
schaut ja gut aus... Es tut sich also was in deutschen Landen...
Es scheint wohl was zu werden mit der prognostizierten Plazierung in der Focus-Bestseller-Liste... Wenn das tatsächlich passiert, dann wir das Thema endlich allgemein ernst genommen...
Gruß
terVara
Re: Zwischenbericht Medienoffensive
Als Antwort auf: Re: Zwischenbericht Medienoffensive von Jörg am 22. April 2003 23:01:19:
Hallo Arne!
Höchsten Respekt! Ich finde das genial, was Du da gemacht hast. Vielen vielen Dank. Schade nur, dass Du nicht mehr Zeit hattest, den Fernsehauftritt anzukündigen. So ist er den meisten wohl entgangen, denn ich habe morgens alles andere zu tun als Frühstücksfernsehen zu schauen. Ich hätte diese Sendung gerne gesehen. Was Du für die Interessen der Männer durch die Veröffentlichung Deines Buches und in der Zeit danach getan hast, ist von unschätzbarem Wert. Und die feindseligen, diffamierenden Reaktionen der RadFems zeigen doch nur, dass Du vollkommen richtig liegst. Da bewahrheitet sich doch nur wieder der Spruch "Viel Feind, viel Ehr' ". Die Ehre gebührt Dir zweifellos. Dass man Dich von der anderen Seite aus als "drittklassigen SM-Autor" bezeichnet solltest Du als das bewerten, was es ist: Das öffentliche Eingeständnis geistiger Leere und das Fehlen jeglicher tragfähiger Gegenargumentation.
Wer hatte bei dem Thema Männerrechte eigentlich stärker geknurrt -
[quote]der Studiohund oder die weibliche Co-Moderatorin?
)[/quote]
Ich bin sicher, dass es die Moderatorin war. Die sieht wohl langsam ihre feministischen Felle davonschwimmen. Das unschuldige Möpschen ist ein Tier. Und Tiere sind vertrauenswürdige, liebenswerte und berechenbare Lebewesen.
Dankbare Grüsse,
Ferdi
Re: Zwischenbericht Medienoffensive
Als Antwort auf: Re: Zwischenbericht Medienoffensive von Jörg am 22. April 2003 23:01:19:
Hi Jörg, hallo ihr anderen,
auch ich möchte es nicht versäumen, Dir zu Deinem neuerlichen Medienerfolg
herzlich zu gratulieren.
vielen Dank für eure netten Worte. 
Der Durchbruch scheint geschafft zu sein - jetzt kommt es wohl "nur" noch
darauf an, das Thema auf noch breiterer Ebene und auch auf längerer Sicht
in den Medien zu verankern.
Ja, erstens das und zweitens natürlich die Politiker und andere gesellschaftliche Gruppen dazu zu bewegen, sich den Problemen zuzuwenden, die wir benennen. Es wäre ja nicht so gut, wenn "Männerrechte" mal eben Modethema 2003 würden, aber sich konkret und langfristig nichts ändert. Aber nachdem ich in den letzten Jahren schon gesehen habe, wie viele neue Mitglieder zur Männerbewegung gestoßen sind, von denen sich manche auch sehr stark engagieren, bin ich insgesamt hoffnungsvoll.
P.S.: Wer hatte bei dem Thema Männerrechte eigentlich stärker geknurrt -
der Studiohund oder die weibliche Co-Moderatorin?
)
LOL, ich will der Dame jetzt auch nicht ZU nahe treten. Es ist auch möglich, dass sie mit meinem Thema einfach nichts anfangen konnte und sehr im Stress war. Das ganze lief sowieso ab wie am Fließband: Rein in den Sender, Maske, Tonverkabelung, rein ins Studio, Co-Moderatorin ab, der Co-Moderator schüttelt mir kurz die Hand, ich werde in Position gerückt, alles ganz schnell, und schon werde ich angekündigt, der Trailer läuft und es geht los. Dann wieder ohne Verabschiedung raus, weil ja alle Beteiligten an der Sendung ohne Unterbrechung weiterarbeiten müssen. Es war schon ziemlich klar erkennbar, dass da ein Produkt hergestellt wurde und die ganze Sendung nicht mal im Ansatz so gemütlich-plauschig ist, wie sie für den Zuschauer rüberkommt. Für mich als Medienwissenschaftler hochinteressant.
Trotzdem bin ich froh, dass ich am Tag vorher (also am Ostermontag) schon mal in der Redaktion war und mit dem verantwortlichen Redakteur ein bisschen plaudern konnte.
Herzlicher Gruß
Arne
Re: Zwischenbericht Medienoffensive
Als Antwort auf: Re: Zwischenbericht Medienoffensive von Ferdi am 22. April 2003 23:46:58:
Hi Ferdi,
Dass man Dich von der anderen Seite aus als "drittklassigen SM-Autor" bezeichnet solltest Du als das bewerten, was es ist: Das öffentliche Eingeständnis geistiger Leere und das Fehlen jeglicher tragfähiger Gegenargumentation.
Also speziell DAS ist jetzt einer der Angriffe, die mich am wenigsten geärgert haben. Ich wusste doch, bevor ich mich dem Schreiben von SM-Erotik zugewandt habe, dass dieses Genre für den Mainstream quasi automatisch Schund darstellt und meine Chancen eher nicht so hoch waren, von Reich-Ranicki oder in "Aspekte" vorgestellt zu werden.
Meine eigentliche Zielgruppe hält mich aber für alles andere als drittklassig, das belegen sämtliche Rezensionen und Rückmeldungen der LeserInnen. Und darauf kommt es mir an.
Ansonsten gebe ich dir Recht, dass Angriffe auf Personen-Ebene häufig mangelnde Kompetenz auf der Sach-Ebene zeigen.
Herzlicher Gruß
Arne