Männer und Verantwortungslosigkeit
Andreas, Friday, 18.04.2003, 12:41 (vor 8328 Tagen)
hallo,
gestern habe ich mit einer Bekannten von mir eine recht hitzige Diskussion geführt. Ihre These: Männer seien verantwortungslos! Der Grund ist wohl der, dass sie von ihrem Freund sitzengelassen wurde, nachdem sich schwanger wurde. Nun sind mir bei der Debatte einige Punkte eingefallen.
Interessant finde ich, dass man Frauen das Recht zugesteht, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden (der Bauch gehört der Frau), Männer hingegen dieses Recht nicht haben. Wenn die Frau entscheidet, das Kind abzutreiben und der Vater möchte das Kind ganz gerne, dann muß er sich der Entscheidung der Frau beugen. Im umgekehrten Fall ist es ebenso. Wenn die Frau das Kind haben möchte und der Mann nicht, dann muß er trotzdem die Verantwortung tragen. Der Mann ist auf jeden Fall von der Entscheidung der Frau abhängig und hat keinerlei Mitspracherecht.
Weiter: wenn Frauen sich für eine Abtreibung entscheiden, dann bekommen sie von jeder Seite Verständnis. Wir alle kennen ja den Spruch: "ja, die Frau war eben verzweifelt und in dieser Situation konnte man ihr das Kind nicht zumuten". Wenn Männer sich aber gegen das Kind entscheiden - aus welchen Gründen auch immer, dann bezeichnet man sie als verantwortungslos.
Außerdem ist mir auch folgendes aufgefallen. In Diskussionen höre ich von Femis immer wieder den Vorwurf, hunderttausende von Männern würden sich in einer solchen Situation einfach aus dem Staub machen und damit zeigen, daß sie keine Verantwortung tragen können. Dann frage ich mich aber: was ist mit den hunderttausenden von Frauen in Deutschland, die abtreiben lassen? Die machen sich ja auch gewissermaßen "aus dem Staub"! Komischerweise ist das nie Gegenstand der Diskussion oder eine Diskussion darüber wird mit den Worten: sie wird schon ihre Gründe gehabt haben, abgewürgt. Das auch Männer "Gründe haben" können, darüber wird nicht nachgedacht. Das ist doch alles sehr merkwürdig. Frauen gesteht man hier eine autonome Entscheidung zu, Männern hingegen nicht.
schöne Grüße
Andreas
Re: Männer und Verantwortungslosigkeit
Arne Hoffmann, Friday, 18.04.2003, 13:14 (vor 8328 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Männer und Verantwortungslosigkeit von Andreas am 18. April 2003 09:41:44:
Hi Andreas,
Interessant finde ich, dass man Frauen das Recht zugesteht, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden (der Bauch gehört der Frau), Männer hingegen dieses Recht nicht haben. Wenn die Frau entscheidet, das Kind abzutreiben und der Vater möchte das Kind ganz gerne, dann muß er sich der Entscheidung der Frau beugen. Im umgekehrten Fall ist es ebenso. Wenn die Frau das Kind haben möchte und der Mann nicht, dann muß er trotzdem die Verantwortung tragen. Der Mann ist auf jeden Fall von der Entscheidung der Frau abhängig und hat keinerlei Mitspracherecht.
Das halte ich auch für einen Punkt der Abtreibungsdebatte, der bislang komplett übersehen wurde. Dabei kann es sicherlich auch für Väter eine schlimme Erfahrung sein, wenn sie zum Beispiel hilflos miterleben müssen, wie ihr zukünftiges Kind abgetrieben (getötet?) wird. In der USA wird über dieses Problem bereits diskutiert, hierzulande noch nicht.
Ich habe über die neusten Erkenntnisse auch in "Sind Frauen bessere Menschen?" geschrieben und stelle die entsprechende Passage mal hier rein:
--- (...) Im selben Jahr führte Catherine T. Coyle, Psychologin an der Universität von Wisconsin, Madison, gemeinsam mit Professor Robert Enright eine Studie unter Männern durch, die sich von der Entscheidung ihrer Partnerinnen, eine Abtreibung vornehmen zu lassen, tief verletzt zeigten. Die Teilnehmer waren zwischen 21 und 43 Jahren alt und waren zu 60% Christen und zu 30% konfessionslos. Die Mehrzahl dieser Männer war durchgehend mit dem Entschluss ihrer Partnerinnen nicht einverstanden, tendierten aber zu der in der Rechtssprechung und der öffentlichen Diskussion vorherrschenden Meinung, dass die Entscheidungsmacht hauptsächlich bei den Frauen und nur zu einem geringen Teil bei ihnen selbst lag. Als Folge der Abtreibung stellten sich bei den verhinderten Vätern emotionale Belastungszustände heraus, die traditionell allein Frauen zugeschrieben werden. Das Spektrum rangierte von Wut und Hilflosigkeit über Trauer bis zu Schuldgefühlen und Beziehungsproblemen.
Alle solchermaßen psychisch belasteten Teilnehmer dieser Studie hatten ihre Beziehung zu den früheren Partnerinnen mittlerweile aufgelöst, weil sie glaubten, diesen Frauen im Hinblick auf zukünftige Verletzungen nicht weiter vertrauen zu können. Darüber hinaus drückten sie generelle Schwierigkeiten auch im Zusammenhang mit zukünftigen Liebesbeziehungen aus, insbesondere was gegenseitiges Vertrauen anging.
Das Gefühl das Ohnmacht gegenüber der Entscheidung ihrer Partnerin, was die gemeinsame Nachkommenschaft anging, wurde als starke Belastung erlebt. Aber selbst diejenigen Männer, die verzweifelt versucht hatten, ihre Partnerinnen von einer Abtreibung abzubringen, machten sich selbst Vorwürfe und hatten stark damit zu kämpfen, sich selbst zu vergeben, weil ihr Zureden letztlich erfolglos geblieben war.
Zum Abschluss ihrer Studie weist Coyle ausdrücklich darauf hin, dass die seelische Belastung von Männern nach einer Abtreibung von der wissenschaftlichen Literatur bislang ausgeklammert und auch in der gesellschaftlichen Diskussion durchgehend ignoriert wurde. Die Debatte über die Legitimität von Abtreibungen wurde bislang immer zwischen den beiden Polen Freiheit der Mutter auf Selbstbestimmung und Lebensrecht des Kindes gesehen. Die Rechte des Vaters kommen de facto bis heute nicht vor.
Insofern gibt Coyle auch ihrer Enttäuschung über die Frauenbewegung Ausdruck, die dieses Problem trotz der Proteste vieler betroffener Männer bislang ignoriert hat. Coyle: "Sie mag als eine Bewegung begonnen haben, der es um Gleichheit ging, aber jetzt geht es ihr um Macht. Männern das Mitspracherecht an der Fortpflanzung zu verweigern hat mit Gleichberechtigung nichts zu tun." Inzwischen hat Catherine Coyle versucht, diese Lücke in der Literatur wenigstens mit einem einzigen Buch zu schließen: 1999 erschien in den USA ihr Ratgeber "Men and Abortion: A Path to Healing" (...) ---
Allerdings fällt mir bislang kein vernünftiges Lösungskonzept für dieses Dilemma ein. Die Abtreibungsdebatte war ja schon hitzig genug, bevor der Vater ins Spiel kam. Dass Väter hier ständig übergangen werden, ist natürlich übel, aber wie will man Mutter und Vater gleichermaßen gerecht werden? Deshalb habe ich dieses Problem bisher nicht in den Vordergrund meiner politischen Arbeit gestellt.
Herzlicher Gruß
Arne
Re: Männer und Verantwortungslosigkeit
Martin, Friday, 18.04.2003, 15:09 (vor 8328 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Männer und Verantwortungslosigkeit von Andreas am 18. April 2003 09:41:44:
Hallo Andreas,
gestern habe ich mit einer Bekannten von mir eine recht hitzige Diskussion geführt. Ihre These: Männer seien verantwortungslos!
Es gibt jede Menge Praxisbeispiele, in denen Frauen jede Eigenverantwortung abgesprochen wird: Urteile in Sachen Unterhalt oder Kindestötung, sexuelle Belästigung, Nischen, Quoten etc.
Wenn die Frau das Kind haben möchte und der Mann nicht, dann muß er trotzdem die Verantwortung tragen.
In dem Fall sollte er halt Verhütungsmittel anwenden. Und schon ist er auf der sicheren Seite, es sei denn, sie zeigt ihn wegen Vergewaltigung an...
Martin
Frauen und Verantwortung
pit b., Tuesday, 22.04.2003, 19:24 (vor 8324 Tagen) @ Martin
Als Antwort auf: Re: Männer und Verantwortungslosigkeit von Martin am 18. April 2003 12:09:31:
In dem Fall sollte er halt Verhütungsmittel anwenden. Und schon ist er auf der sicheren Seite, es sei denn, sie zeigt ihn wegen Vergewaltigung an...
--- Mit der Verhütung ist das so eine Sache. Das Kondom ist die einzigen Verhütungsmetode für den mann und zeigt einen Fehlerquotienten von 3 - 5%. Die Pille für die Frau hingegen 0,2 - 0,9%.
Kein Wunder also das sich viele Paare für die Pille entscheiden.
Sie ist leichter und spontaner in der Anwendung, unterbricht das Vorspiel nicht und wie gesagt, sicherer ist sie auch noch!
Jedoch liegt die Anwendung ausschliesslich in der Verantwortung der Frau.
Und hier liegt das Problem!
Wer garantiert mir dass Frau sie wirklich nimmt?
Die Folgen einer fehlerhaften Anwendung oder ein vorzätzlicher Verzicht auf die Einnahme hat der Mann zu tragen.
OK, die Schwangerschaft hat die Frau, keine Frage. Aber das finanzielle Verantwortung liegt beim Mann. Unabhängig ob er einer Abtreibung zustimmt oder nicht. Wie schon gesagt wurde, hat der Mann nach der Zeugung nichts mehr zu melden.
So zeigt sich wie leicht es für eine Frau ist einen Mann die Ehe aufzuzwingen indem sie von ihm schwanger wird. Ich glaube nicht das es viele Männer gibt die Unterhalt zahlen müssen und sich noch eine eigene Familie dazu leisten können.
Jedoch sollte man bei der Diskussionen mit dem Thema nicht vergessen das der Mann zeugt und die Frau austrägt. Die werdende Mutter hat somit mehr Einschränkungen und Belastungen hinzunehemn als der werdende Vater und muss versorgt werden. Und das wird sie in der Regel vom Vater des Kindes.
Es ist jedoch falsch dem Mann hier eine besondere Verantwortung zu zusprechen.
Denn die Macht die Frauen besitzen reicht vom Kinderzeugen (w. Pille, m Kondom) über Kinderaustragen (w. Abtreibung) bis zum Kindergebären. Und der Vater kann nur zuschauen und zahlen natürlich!
Meines erachtens hat die Frau eine erheblich höhere Verantwortung als der Vater. Und den Väter alleine als Verhütungsmuffel an den Pranger zu stellen weil der One Night Stand jetzt einen dicken Bauch bekommt halte ich für dumm und engstirnig. Die Alte gehört nämlich direkt daneben!
Möglicherweise hat sie ihm auch noch erzählt sie würde verhüten und dabei schlicht gelogen. Dann ist das Täter/Opfer- Verhältniss nämlich umgekehrt.
Ob eine Mann hingegen ein Kondom benutzt oder nicht, das kann Frau doch wohl erkennen!
Die Macht kann nur gebrochen oder eingeschränkt werden indem Männer ihre Macht über die Zeugung ausbauen. Da kann der Mann eingreifen sonst nirgends.
Ich warte daher mit spannung auf die Pille für den Mann und könnte mich mit ihr als Alternativen oder gar als Zusatz zum Kondom durchaus anfreunden.
Dann kann eine Frau zwar auch nicht mehr erkennen ob ein Mann wirklich verhütet oder nicht, aber im Zweifelsfall rate ich dann den Frauen wie jetzt den Männen im Zweifelsfall auf ein Kondom zu bestehen. Schaden kann es nicht!
Re: Männer und Verantwortungslosigkeit
Max, Friday, 18.04.2003, 15:18 (vor 8328 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Männer und Verantwortungslosigkeit von Andreas am 18. April 2003 09:41:44:
Hallo Andreas,
fein bemerkt. Wenn´s um unsere Nachkommenschaft geht, dann haben wir Männer recht wenig zu melden. Wollen wir Kinder? Wollen wir keine? Who cares? Die Sache ist, wie Arne schon geschrieben hat, leider recht kompliziert. Kinder kriegen ist nunmal Frauensache.
Fatal ist nur, daß wir Männer jeden diesbezüglichen, weiblichen Entschluß akzeptieren und die Konsequenzen mittragen sollen. Das ist wirklich nicht einzusehen.
Höchst ärgerlich ist außerdem die weibliche Argumentation in dieser Frage. Einerseits gilt "Mein Bauch gehört mir", andererseits wird der private Frauenbauch recht schnell öffentlich, z.B. dann, wenn er dazu dienen soll, die weibliche Absenz bei der Ableistung gesellschaftlicher Zwangsdienste zu begründen.
Recht bedenklich finde ich auch den Hang, beiden Geschlechtern gleichermaßen die Verantwortung für die Verhütung aufzuladen, denn: Wenn Kinderkriegen Frauensache ist (und das ist von jeder gesellschaftlichen Willensbildung unabhängig), warum ist es dann nicht selbstverständlich, daß auch Verhütung a priori Frauensache ist? De facto ist es wohl meistens so, dennoch: Die "emanzipierte" Frau stellt auch hier anderslautende Forderungen auf. Emanze findet es seltsamerweise angebracht, daß Männer sich um eine Verhütung kümmern sollen, die sie vor einer Schwangerschaft schützt.
Es ist beim Thema Kinder eben so, wie in den meisten anderen Bereichen des täglichen Lebens auch: Frau muß nichts, darf aber alles. Mann darf nichts, muß aber dann alles, wenn Frau will, daß er soll.
Wenn Mann keine Kinder will, Frau aber von diesem Mann unbedingt eins haben möchte, dann kommt es u.U. zum "Samenraub". Der Bestohlene muß dem Dieb in diesem Fall zu seinem Samen auch noch einen Haufen Geld mitgeben. Prominentes Diebstahlsopfer: Boris Becker.
Recht interessant war da vor einiger Zeit die Meinung einer wohlbekannten Internet-Emanze und drittklassigen Psychologin, die allen Ernstes behauptete, Boris Becker hätte eben besser über die Verwendung seines Samens aufpassen sollen, schließlich sei es ja seiner. Hätte Boris das getan und dem Blasmaul befohlen: "Schluck, du Luder!", dann wäre er allerdings in den Augen besagter Internet-Emanze ein "übles, patriarchal deformiertes Chauvischwein" gewesen.
Merke: Orale Dienste von Frauen dürfen von denselben einseitig und unter Bruch von Treu und Glauben vaginal verwertet werden, um sich am Vermögen eines reichen Mannes zu vergreifen. Hätte er eben auf seinen Samen aufgepassen sollen, der Depp.
Die oben erwähnte, drittklassige Psychologin wurde ominösen Quellen zufolge übrigens dabei erwischt, wie sie im Vorbeigehen an einem Obststand einen Apfel mitgehen ließ. Es half ihr nichts, daß sie zu bedenken gab: "Der dumme Obsthändler soll halt auf seine Äpfel aufpassen..." Auch hat sie vom Obsthändler nicht obendrein noch Hunderttausende von Euros bekommen, sondern sie mußte Strafe bezahlen. Sie, nicht er.
Wir fassen nun die Eigentumsverhältnisse von Bäuchen und Samen wie folgt zusammen:
1. Der weibliche Bauch gehört immer seiner Besitzerin. In Ausnahmefällen gehört er auch dem Staat und zwar dann, wenn sich durch die Inbesitznahme des weiblichen Bauches durch den Staat ein vorteilhafter Handel für die eigentliche Besitzerin begründen läßt. Niemals jedoch gehört ein weiblicher Bauch einem Mann, noch nicht mal zu einem eventuell noch näher zu definierenden Prozentsatz.
2. Der männliche Samen gehört nur bedingt seinem Besitzer. Sowie der Samenbesitzer sein Eigentum unbeaufsichtigt läßt, wird es Gegenstand weiblicher Verfügungsgewalt. Diese Verfügungsgewalt beinhaltet auch das weibliche Recht, den eigentlichen Besitzer für alles Schindluder, das infolge seiner Unachtsamkeit mit dem von ihm hinterlassenen Samen getrieben worden ist, haftbar zu machen.
Das wird in Zukunft beachtliche Konsequenzen haben. So wird ein Mann, dem von einer Frau der Wagen gestohlen worden ist, dieser Frau auch noch das Taxi nachhause bezahlen müssen, wenn der Wagen liegenbleibt, weil er nicht ausreichend betankt gewesen ist. Schließlich war es sein Wagen, der ihm gestohlen wurde.
Du siehst: Über das Thema Kinder kriegen oder nicht kommt man schnell in allgemeineres Fahrwasser hinsichtlich der Frage nach intergeschlechtlicher Gerechtigkeit. Dabei findet man dann heraus, daß Gerechtigkeit bei weitem nicht das ist, wofür man sie bislang gehalten hätte.
Freundlicher Gruß - Max
Mein Bauch gehört mir
Sven, Sunday, 20.04.2003, 11:58 (vor 8326 Tagen) @ Andreas
Als Antwort auf: Männer und Verantwortungslosigkeit von Andreas am 18. April 2003 09:41:44:
Mein Mann, mein Kind, mein Bauch, ...
und nach solchem Unsinn auch noch von verantwortungslosen Männer plappern. O_O