TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Howdy 
Die Hardcore-Transgender werden ihn natürlich längst kennen, aber für jeden, für den das Thema etwas neuer ist, mag dieser Film sehr illustrativ sein: "Mein Leben in Rosarot" kommt heute um 22:30 Uhr auf Hr 3. Er ist nicht so heftig wie "Boys don´t cry", aber auch ziemlich aussagestark.
Der mal als Melodram, mal als Tragikomödie eingeordnete Film, Frankreich/Belgien/England 1997, entstand unter der Regie Alain Berliners, der dafür gemeinsam mit Chris Vander Stappen auch das Drehbuch erstellte. Die Grundeinteilung dieses Filmes, auf die sein Titel schon anspielt, himmelblau für Jungen und rosarot für Mädchen, gerät für Ludovic (Georges du Fresne), das jüngste Kind der Familie Fabre, gehörig durcheinander: Ludovic nämlich, biologisch eindeutig ein Junge, hat sich fest dazu entschlossen, ein Mädchen zu sein. Um dies nach außen hin zu unterstreichen, erscheint er etwa zu einer Gartenparty, die seine Eltern nach einem Umzug vor der neuen Nachbarschaft geben, im rosa Kleid, er schminkt sich und stellt seinen Klassenkameraden im Schulunterricht als Lieblingsspielzeug seine Barbie-Puppe vor. Die Haare will er sich nicht kurz schneiden lassen, und sehnsüchtig wartet er auf seine erste Regel. Damit nicht genug, gesteht er seiner Großmutter sogar, dass er sich in seinen Freund Jerome (Julie Riviere) verliebt habe: "Wenn ich kein Junge mehr bin, werden wir heiraten." Sämtliche elterlichen Erziehungsmaßnahmen vom zwangsweise verordneten Fußballspiel bis zur herbeigezogenen Schulpsychologin führen lediglich dazu, dass Ludovic sich weiter zurückzieht in seine aus Werbefilmen und TV-Serien zusammengefügten Barbie-Träumereien. Jeromes Vater ist nun leider der Chef von Ludovics Vater, und die Spannung zwischen den Familien steigt. Der Umschlagspunkt ist erreicht, als Ludovic in einer Schulaufführung heimlich die Rolle des Schneewittchens übernimmt, damit er Jerome bei dieser Gelegenheit küssen kann ...
Was bei dem Film zunächst einmal auffällt, ist, dass sich jene Person, die von allen anderen als gestört bzw. als Störung wahrgenommen wird, ganz unbefangen und authentisch präsentiert, während alle anderen, insbesondere die Erwachsenen, von ihren obsessiven Normzwängen ins Neurotische gedrängt werden. In ihrer Überforderung, mit dem Ungewohnten umzugehen, verstellen und verbiegen sie sich. Geschlechterklischees werden so immer wieder mit sanfter, spielerischer Ironie hinterfragt. Dabei erfährt der Konflikt weder im eigentlichen Sinne eine Auflösung, noch folgen wir seiner Hauptfigur ins erwachsene Leben, in dem sie ihre (trans)sexuelle Identität stärker ausagieren könnte. Das ist nicht notwendig für das Thema dieses Filmes, ja, es würde sogar seiner programmatischen Offenheit zuwiderlaufen. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, selbst Stellung zu beziehen. So landet das Thema Transgender in keiner der üblichen Schubladen, die von der Komödie über die selbstzerfleischende Innenschau bis zum Serienkiller-Genre reichen, sondern fügt sich in den filmischen Mainstream ein.
Die Nähe des Filmes zur Realität gilt auf mehrfache Weise als belegt. Zum einen kennt Drehbuchautorin Chris Vander Stappen dasselbe Problem umgekehrt: Als Kind wollte sie immer ein Junge sein. Zum anderen erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen von Zuschauern, die sich mit ihren eigenen Erlebnissen in "Mein Leben in Rosarot" sehr gut wiederfanden.
Laut Dirk Jaspers Rezension in "CyberKino" ist das Hauptthema dieses Films das "allgegenwärtige Misstrauen gegenüber allem, was `anders´ ist. Kinder leben noch in einer Welt voller Möglichkeiten, nichts ist unabänderlich. Aber die Erwachsenenwelt wird bestimmt durch feste Definitionen: Blau für Jungen und Rosa für Mädchen. Der Film zeigt die alte Geschichte von Klatsch und Tratsch, Seitenblicken, Intoleranz und Ausgrenzung, aber auch von Träumen, Magie und Hoffnung."
Herzlicher Gruß
Arne
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von Arne Hoffmann am 12. April 2003 13:09:08:
Hi Arne.
Die Hardcore-Transgender werden ihn natürlich längst kennen, aber für jeden, für den das Thema etwas neuer ist, mag dieser Film sehr illustrativ sein: "Mein Leben in Rosarot" kommt heute um 22:30 Uhr auf Hr 3. Er ist nicht so heftig wie "Boys don´t cry", aber auch ziemlich aussagestark.
Stimmt. Der Film war bis gestern leider immer auf meiner "muß ich unbedingt mal sehen"-Liste (diese Woche werde ich auch Billy Elliot abharken können), irgendwie bin ich immer dran vorbeigeschlittert.
Was bei dem Film zunächst einmal auffällt, ist, dass sich jene Person, die von allen anderen als gestört bzw. als Störung wahrgenommen wird, ganz unbefangen und authentisch präsentiert, während alle anderen, insbesondere die Erwachsenen, von ihren obsessiven Normzwängen ins Neurotische gedrängt werden. In ihrer Überforderung, mit dem Ungewohnten umzugehen, verstellen und verbiegen sie sich. Geschlechterklischees werden so immer wieder mit sanfter, spielerischer Ironie hinterfragt. Dabei erfährt der Konflikt weder im eigentlichen Sinne eine Auflösung, noch folgen wir seiner Hauptfigur ins erwachsene Leben, in dem sie ihre (trans)sexuelle Identität stärker ausagieren könnte. Das ist nicht notwendig für das Thema dieses Filmes, ja, es würde sogar seiner programmatischen Offenheit zuwiderlaufen. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, selbst Stellung zu beziehen. So landet das Thema Transgender in keiner der üblichen Schubladen, die von der Komödie über die selbstzerfleischende Innenschau bis zum Serienkiller-Genre reichen, sondern fügt sich in den filmischen Mainstream ein.
Wobei ich mir ein kürzeres Ende gewünscht hätte. Alles, was nach der Stelle kommt, in der Ludovic Christine zum ersten mal trifft und sie von ihrer Mutter gerufen wird, war IMO unnötig. Außerdem würde ich die Schulpsychologin aus dem Reigen der NeurotikerInnen herausnehmen, sie ist da um einiges offener als alle anderen.
Die Nähe des Filmes zur Realität gilt auf mehrfache Weise als belegt. Zum einen kennt Drehbuchautorin Chris Vander Stappen dasselbe Problem umgekehrt: Als Kind wollte sie immer ein Junge sein. Zum anderen erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen von Zuschauern, die sich mit ihren eigenen Erlebnissen in "Mein Leben in Rosarot" sehr gut wiederfanden.
Laut Dirk Jaspers Rezension in "CyberKino" ist das Hauptthema dieses Films das "allgegenwärtige Misstrauen gegenüber allem, was `anders´ ist. Kinder leben noch in einer Welt voller Möglichkeiten, nichts ist unabänderlich. Aber die Erwachsenenwelt wird bestimmt durch feste Definitionen: Blau für Jungen und Rosa für Mädchen. Der Film zeigt die alte Geschichte von Klatsch und Tratsch, Seitenblicken, Intoleranz und Ausgrenzung, aber auch von Träumen, Magie und Hoffnung."
Stimmt, es ist ein Film in dem es nicht nur um Transgender geht, sondern generell um Kindheit und Ausgrenzung. Und als Film über gender deshalb so gut, weil er das Problem bei den anderen sieht, nicht bei Ludovic. Und damit weder eine Lösung anbietet, noch das Problem als prinzipiell unlösbar darstellt (beides gern gewählte Cop-Outs).
susu
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von susu am 13. April 2003 11:59:38:
Huhu Ihr 
Danke, Arne, für den Tip... der Film war auch bei mir ein Unbedingt-mal-sehen-will. Nur weiß ich normalerweise so wenig über's TV-Programm bescheid, dass ich entweder gegen Ende durch Zufall reinzappe, oder sowas meist ganz verpasse... Danke Dir!
Susu schrieb:
Wobei ich mir ein kürzeres Ende gewünscht hätte. Alles, was nach der Stelle kommt, in der Ludovic Christine zum ersten mal trifft und sie von ihrer Mutter gerufen wird, war IMO unnötig.
Nicht ganz: Die Einsicht der Mutter "Egal was Du tust, Du bist mein Kind" war schon noch wichtig. Ich habe öfter mitbekommen, dass es in der Familie entweder auf diese Einsicht hinausläuft, oder ein nicht zu kittender Bruch entsteht. Es scheint wenig weitere Möglichkeiten zu geben.
Und diese Einsicht mußte eben in der Handlung auch vorbereitet werden.
Susu schrieb:
Außerdem würde ich die Schulpsychologin aus dem Reigen der NeurotikerInnen herausnehmen, sie ist da um einiges offener als alle anderen.
Ja, ok... allerdings ist von der Psychologin auch nicht sehr viel zu sehen.
Alle anderen reagieren ziemlich neurotisch....
Ich muß gestehen, bei der Heiratsszene hab ich Tränen gelacht, als Jeromes Mutter in Ohnmacht fiel. Ich weiß... eigentlich ist das nicht nett von mir... aber ich kann nichts dagegen tun, bei solchen Szenen einen gewissen Sadismus gegenüber manch intolerantem Exemplar zu entwickeln... ich kann es mir nicht verkneifen 
Stimmt, es ist ein Film in dem es nicht nur um Transgender geht, sondern generell um Kindheit und Ausgrenzung. Und als Film über gender deshalb so gut, weil er das Problem bei den anderen sieht, nicht bei Ludovic. Und damit weder eine Lösung anbietet, noch das Problem als prinzipiell unlösbar darstellt (beides gern gewählte Cop-Outs).
Ja, der Film zeigt deutlich, wie alle anderen die Probleme machen. Und auch wie real existenzbedrohend das Umfeld die Probleme dann werden läßt.
Es ist nicht damit getan, dass Ludovic seelischer Grausamkeit ausgesetzt ist. Der Vater verliert den Job, der Hauskauf wird zur Gefahr, Umzug, ect. was sich dann durch den sozialen Druck wieder in weiteren Grausamkeiten gegenüber Ludovic zeigt.
Alles in allem ein sehr gelungener Film. Nochmals danke für den Tip, Arne
Liebe Grüße
Alex
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von Alex am 13. April 2003 19:28:54:
Hi Alex.
Nicht ganz: Die Einsicht der Mutter "Egal was Du tust, Du bist mein Kind" war schon noch wichtig. Ich habe öfter mitbekommen, dass es in der Familie entweder auf diese Einsicht hinausläuft, oder ein nicht zu kittender Bruch entsteht. Es scheint wenig weitere Möglichkeiten zu geben.
Und diese Einsicht mußte eben in der Handlung auch vorbereitet werden.
Ich fand sie kam relativ plötzlich. Diese eine Traumsequenz und dann hat sich das... I don´t belive in epiphany.
Alle anderen reagieren ziemlich neurotisch....
Ich muß gestehen, bei der Heiratsszene hab ich Tränen gelacht, als Jeromes Mutter in Ohnmacht fiel. Ich weiß... eigentlich ist das nicht nett von mir... aber ich kann nichts dagegen tun, bei solchen Szenen einen gewissen Sadismus gegenüber manch intolerantem Exemplar zu entwickeln... ich kann es mir nicht verkneifen 
Die Szene kannte ich schon aus einem Video-Vortrag zum Thema Transgender im Film (im Anschluß daran war die Doubtfire-Diskussion um hier mal die Brücke zwischen den beiden Postings in den beiden Foren zu schlagen...). Wir alle haben uns kaputt gelacht.
Ja, der Film zeigt deutlich, wie alle anderen die Probleme machen. Und auch wie real existenzbedrohend das Umfeld die Probleme dann werden läßt.
Es ist nicht damit getan, dass Ludovic seelischer Grausamkeit ausgesetzt ist. Der Vater verliert den Job, der Hauskauf wird zur Gefahr, Umzug, ect. was sich dann durch den sozialen Druck wieder in weiteren Grausamkeiten gegenüber Ludovic zeigt.
Stimmt, wobei das im Grunde noch relativ harmlos ist. Wäre Ludovic nur ein paar Jahre älter, dann könnte das noch ganz andere Formen annehmen.
susu
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von susu am 13. April 2003 23:06:23:
Hi Susu.
Nicht ganz: Die Einsicht der Mutter "Egal was Du tust, Du bist mein Kind" war schon noch wichtig. Ich habe öfter mitbekommen, dass es in der Familie entweder auf diese Einsicht hinausläuft, oder ein nicht zu kittender Bruch entsteht. Es scheint wenig weitere Möglichkeiten zu geben.
Und diese Einsicht mußte eben in der Handlung auch vorbereitet werden.
Ich fand sie kam relativ plötzlich. Diese eine Traumsequenz und dann hat sich das... I don´t belive in epiphany.
Ja, das stimmt... ich glaube die Entwicklung dahin wäre eher einen eigenen Film wert gewesen...
In der Realität ist es schon oft erstaunlich, wie viel Leid notwendig ist, um Menschen zu dieser Einsicht kommen zu lassen. Hier sollte das wohl eher durch die klassische Läuterung mittels einer Vision symbolisch dargestellt werden, weil der Film sonst in eine ganz andere thematische Richtung gelaufen wäre.
BTW: Mich würde mal interessieren, wie "Männer" und "Frauen" (also Menschen, die sich so identifizieren und in dieser Logik denken) einen solchen Film sehen.
Außerdem hab ich mir noch eine weitere Frage gestellt: Was wäre, wenn ich einen kleinen Ludovic bekommen würde.
Die Frage ist nur auf den ersten Blick trivial. Mit Sicherheit wären solcherlei Eltern-Kind Probleme nicht vorhanden.
ABER... wie würde das Umfeld damit umgehen? Würde man mir unterstellen, das Kind "zu dem gemacht" zu haben?... gar versuchen mir das Kind wegzunehmen, da ich ja offensichtlich nicht in der Lage bin es "richtig" zu erziehen?
Was würde heute passieren? Ich muß gestehen, ich hätte große Angst, dass auch heute noch jemand versuchen würde, mir das Kind wegzunehmen, und mir fällt keine Lösung für dieses Problem ein.
Kennst Du aktuelle Fälle, wo Eltern mit ähnlichen Ansichten wie wir, ein Kind haben, das Trans* ist oder keine GI hat?
Die Szene kannte ich schon aus einem Video-Vortrag zum Thema Transgender im Film (im Anschluß daran war die Doubtfire-Diskussion um hier mal die Brücke zwischen den beiden Postings in den beiden Foren zu schlagen...). Wir alle haben uns kaputt gelacht.
*hihi* ok... ich bin scheinbar mit solchen Anwandlungen nicht allein *g*, das beruhigt mich etwas, scheint eine natürliche Reaktion zu sein *schmunzel*
Auf die restliche Dinge antworte ich im anderen Forum... wir finden uns ja
Stimmt, wobei das im Grunde noch relativ harmlos ist. Wäre Ludovic nur ein paar Jahre älter, dann könnte das noch ganz andere Formen annehmen.
Ja, richtig, aber ich glaube nicht, dass der Film dann so gut geworden wäre. Hier arbeitet man teilweise mit äußerst feinen Eindrücken. Das wäre mit einem etwas älteren Ludovic nicht mehr gegangen.
Die Unschuldigkeit von Ludo schafft hier ja das Kunststück, die Macken der Umwelt hervortreten zu lassen.... an Ludo KANN nichts "falsch" sein, er ist unschuldig, ein Kind,.... dadurch ist die neurotische Umwelt erst so gut zu erkennen.
Ein paar Jahre später, wäre das ein gänzlich anderer Film geworden.
Ich hab mir selber oft Gedanken gemacht, was passiert wäre, wenn ich mit meinem heutigen Wissen und meiner heutigen Einstellung in ein Kind zurück versetzt würde.
Ich denke, ähnliches dürfte sich die Drehbuch-Autorin auch gefragt haben. Was wäre gewesen, wenn ich mit der Natürlichkeit eines unschuldigen Kindes aber dennoch unbeirrbar meine Überzeugung offen gelebt hätte und mich nicht hätte dazu verleiten lassen, teilweise die "Spielregeln" von Eltern und Umfeld zu beachten.
Lieben Gruß
Alex
Nachtrag, weil vergessen
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von Alex am 14. April 2003 08:22:25:
Susu, in dem Film wurde Ludovics Mutter gefragt, "was sie sich in der Schwangerschaft wünschte". Hast Du irgendwelche Informationen, ob da ein Zusammenhang bestehen könnte? Gibts da Untersuchungen zu?
Gruß
Alex
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von Alex am 14. April 2003 08:22:25:
Huhu Alex.
In der Realität ist es schon oft erstaunlich, wie viel Leid notwendig ist, um Menschen zu dieser Einsicht kommen zu lassen. Hier sollte das wohl eher durch die klassische Läuterung mittels einer Vision symbolisch dargestellt werden, weil der Film sonst in eine ganz andere thematische Richtung gelaufen wäre.
Stimmt, aber ich mag diese Erzählweise nicht so sehr.
BTW: Mich würde mal interessieren, wie "Männer" und "Frauen" (also Menschen, die sich so identifizieren und in dieser Logik denken) einen solchen Film sehen.
Hier sind die IMDB user comments. Interessant ist, daß der Film "R" ist, d.h. ab 17, es sei denn eine erwachsenen Betreuungsperson ist dabei. Ab 17! Was auch auffällt, sind die Kategorien, in die Ludovic gepackt wird: Cross-dresser, Gay, Transsexual. Ohne daß darüber wirklich eine Aussage möglich wäre. Wie sagt es die Psychologin: Vieleicht wirst du später die Worte finden... Und davor ist es doch echt nicht notwendig direkt mal eine andere Schublade zu finden. Ach ja, schau dir mal die Rezi von ufotds an. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor :)
Außerdem hab ich mir noch eine weitere Frage gestellt: Was wäre, wenn ich einen kleinen Ludovic bekommen würde.
Die Frage ist nur auf den ersten Blick trivial. Mit Sicherheit wären solcherlei Eltern-Kind Probleme nicht vorhanden.
ABER... wie würde das Umfeld damit umgehen? Würde man mir unterstellen, das Kind "zu dem gemacht" zu haben?... gar versuchen mir das Kind wegzunehmen, da ich ja offensichtlich nicht in der Lage bin es "richtig" zu erziehen?
Was würde heute passieren? Ich muß gestehen, ich hätte große Angst, dass auch heute noch jemand versuchen würde, mir das Kind wegzunehmen, und mir fällt keine Lösung für dieses Problem ein.
Es gibt dafür keine rechtliche Grundlage. D.h. es ist unmöglich dir ein Kind aus diesem Grund zu nehmen, Auflagen diesbezüglich sind nicht zulässig. (In Östereich wurde noch vor kurzem einem KV ein Besuchsrecht nur zugesprochen, wenn er sich "entschieden männlich" kleidete, nachdem sich seine Partnerin von ihm getrennt hatte. I Ö-Reich siehts überhaupt relativ düster aus, weil es da noch die Schuldfrage bei Scheidungen gibt und jede Form von GID als "Schuld" gewertet wird) Das einzige was es in Deutschland (rein formal nicht, aber in der Praxis eben schon) gibt, ist das Fehlen der Möglichkeit einer Adoption.
Kennst Du aktuelle Fälle, wo Eltern mit ähnlichen Ansichten wie wir, ein Kind haben, das Trans* ist oder keine GI hat?
Persönlich nicht, aber einige Transmänner schreiben auf Transfamily darüber und in der Village Voice beschreibt Pat Califa (kennen unsere BDSMler hier sicher auch, zumindest dem Namen nach) wie er und sein Freund ein Kind zur Welt brachten.
susu
Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von susu am 14. April 2003 19:25:00:
Nochmal huhu...
Hier sind die IMDB user comments. Interessant ist, daß der Film "R" ist, d.h. ab 17, es sei denn eine erwachsenen Betreuungsperson ist dabei. Ab 17!
Nein. Ich hab verschiedene Angaben dazu im Netz gefunden, weil ich schaun wollte, ob man den Film irgendwo runterladen kann... meine blöde TV-Karte hat nämlich ein AVI mit 3,7GB draus gemacht, und durch die verwendeten DirectShow Codecs lassen die sich nicht neu komprimieren.
Die Angaben die ich gefunden hab waren ab 12 Jahren und ab 10 Jahren, einmal auch ab 17.... die Leute, die darüber entscheiden wissen wohl nicht, wo sie das einordnen sollen.
Was auch auffällt, sind die Kategorien, in die Ludovic gepackt wird: Cross-dresser, Gay, Transsexual. Ohne daß darüber wirklich eine Aussage möglich wäre. Wie sagt es die Psychologin: Vieleicht wirst du später die Worte finden... Und davor ist es doch echt nicht notwendig direkt mal eine andere Schublade zu finden.
Jep... seh ich auch so... immer dieser Schubladen-Scheiß *grummel*
Ach ja, schau dir mal die Rezi von ufotds an. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor :)
ups... wo find ich die denn?
Es gibt dafür keine rechtliche Grundlage. D.h. es ist unmöglich dir ein Kind aus diesem Grund zu nehmen, Auflagen diesbezüglich sind nicht zulässig.
Najaaa... ob sich Jugendämter da immer so dran halten, oder ob dann andere Gummi§ vorgeschoben werden... ganz beruhigt wär ich da nicht.
(In Östereich wurde noch vor kurzem einem KV ein Besuchsrecht nur zugesprochen, wenn er sich "entschieden männlich" kleidete, nachdem sich seine Partnerin von ihm getrennt hatte. I Ö-Reich siehts überhaupt relativ düster aus, weil es da noch die Schuldfrage bei Scheidungen gibt und jede Form von GID als "Schuld" gewertet wird) Das einzige was es in Deutschland (rein formal nicht, aber in der Praxis eben schon) gibt, ist das Fehlen der Möglichkeit einer Adoption.
Oh toll! Die Ösis hinterm Mond.... ok, da wander ich mal nicht hin aus.
Gruß
Alex
Re: Badehäuser
Als Antwort auf: Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion von Alex am 14. April 2003 20:10:31:
Hi Alex
Nein. Ich hab verschiedene Angaben dazu im Netz gefunden, weil ich schaun wollte, ob man den Film irgendwo runterladen kann... meine blöde TV-Karte hat nämlich ein AVI mit 3,7GB draus gemacht, und durch die verwendeten DirectShow Codecs lassen die sich nicht neu komprimieren.
Die Angaben die ich gefunden hab waren ab 12 Jahren und ab 10 Jahren, einmal auch ab 17.... die Leute, die darüber entscheiden wissen wohl nicht, wo sie das einordnen sollen.
Die Angabe bezog sich auf die Bewertung in den USA, keine Ahnung ab wann er in D-Land freigegeben ist.
ups... wo find ich die denn?
Bei den IMDB-Reviews ungefähr in der Mitte.
Najaaa... ob sich Jugendämter da immer so dran halten, oder ob dann andere Gummi§ vorgeschoben werden... ganz beruhigt wär ich da nicht.
Ich habe bei den Berichten auf Transfamily eigentlich nur positives gehört. Und ich kann mich erinnern, daß bei einem Vortrag zum Thema Transgender an der Uni Köln genau darüber kurz diskutiert wurde und ein Transmann, der sich mit genau diesem Thema länger beschäftigt hatte, da auch keinen Fall kannte in dem Trans* in den letzten Jahren von Jugendämtern eine große Rolle gespielt hätte. Und da wurde auch auf vorgeschobene Regelungen geachtet.
Grüße susu
Wünsche
Als Antwort auf: Nachtrag, weil vergessen von Alex am 14. April 2003 17:43:16:
Huhu Alex
Susu, in dem Film wurde Ludovics Mutter gefragt, "was sie sich in der Schwangerschaft wünschte". Hast Du irgendwelche Informationen, ob da ein Zusammenhang bestehen könnte? Gibts da Untersuchungen zu?
Ich kenne keine Untersuchungen zum Thema, allerdings ist das ein Element in vielen TI-Biographien, speziell in älteren. Die Vermutung ist, daß ein Kind mit ungewünschtem Geschlecht versucht, es den Eltern Recht zu machen, in dem es das Geschlecht wechselt. Allerdings bleibt diese Theorie eine Antwort auf die Frage schuldig, warum Kinder diesen Versuch nicht aufgeben, wenn kalr ist, daß solches Verhalten von den Eltern negativ bewertet wird.
susu
Re: Wünsche
Als Antwort auf: Wünsche von susu am 15. April 2003 15:01:33:
Huhu Alex
Susu, in dem Film wurde Ludovics Mutter gefragt, "was sie sich in der Schwangerschaft wünschte". Hast Du irgendwelche Informationen, ob da ein Zusammenhang bestehen könnte? Gibts da Untersuchungen zu?
Ich kenne keine Untersuchungen zum Thema, allerdings ist das ein Element in vielen TI-Biographien, speziell in älteren. Die Vermutung ist, daß ein Kind mit ungewünschtem Geschlecht versucht, es den Eltern Recht zu machen, in dem es das Geschlecht wechselt. Allerdings bleibt diese Theorie eine Antwort auf die Frage schuldig, warum Kinder diesen Versuch nicht aufgeben, wenn kalr ist, daß solches Verhalten von den Eltern negativ bewertet wird.
Ich denke nicht an Gefälligkeitsversuche des Kindes, sondern an weitergehende Veränderungen im Kind selbst. Bei mir weiß ich nicht, was meine Mutter sich wünschte oder erwartete... ich hab gefragt, und bekam keine Antworten, mit denen ich was anfangen konnte ("warum?", "wozu willst Du das wissen?", "weiß nicht mehr", "glaub war mir egal").
Und ebenso, wie Musik Kinder im Mutterleib beeinflusst, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass solche Gefühle das Kind beeinflussen, vielleicht sogar körperlich...bis zu einem Hodenhochstand beispielsweise? BTW.. da könnte man ja untersuchen, ob das bei M2F überdurchschnittlich häufig auftritt.
Nicht falsch verstehen, diese "wilden Ansätze" es geht mir hier nicht um Selbsterklärung (sowas kommt für mich lange nicht mehr in Frage)... ich find es nur spannend, sowas mal zu betrachten.
Liebe Grüße
Alex
Re: Badehäuser
Als Antwort auf: Re: Badehäuser von susu am 15. April 2003 15:01:30:
Aloha auch hier 
Die Angabe bezog sich auf die Bewertung in den USA, keine Ahnung ab wann er in D-Land freigegeben ist.
D-Land war ab 12, wenn ich's noch richtig weiß. Welcher Trottel das in US als "R" eingestuft haben mag? Der fand den Film wohl subversiv *g* wer weiß...
ups... wo find ich die denn?
Bei den IMDB-Reviews ungefähr in der Mitte.
Gefunden... schön schreibt er das... nur das worüber er sich aufregt, find ich nicht.... die sind alle ziemlich begeistert von dem Film.... oder hab ich da was übersehen?
Ich habe bei den Berichten auf Transfamily eigentlich nur positives gehört. Und ich kann mich erinnern, daß bei einem Vortrag zum Thema Transgender an der Uni Köln genau darüber kurz diskutiert wurde und ein Transmann, der sich mit genau diesem Thema länger beschäftigt hatte, da auch keinen Fall kannte in dem Trans* in den letzten Jahren von Jugendämtern eine große Rolle gespielt hätte. Und da wurde auch auf vorgeschobene Regelungen geachtet.
Das klingt wirklich beruhigender
Danke Dir!
Lieben Gruß
Alex
Re: Wünsche
Als Antwort auf: Re: Wünsche von Alex am 15. April 2003 18:37:52:
Huhu Alex
>Ich kenne keine Untersuchungen zum Thema, allerdings ist das ein Element in vielen TI-Biographien, speziell in älteren. Die Vermutung ist, daß ein Kind mit ungewünschtem Geschlecht versucht, es den Eltern Recht zu machen, in dem es das Geschlecht wechselt. Allerdings bleibt diese Theorie eine Antwort auf die Frage schuldig, warum Kinder diesen Versuch nicht aufgeben, wenn kalr ist, daß solches Verhalten von den Eltern negativ bewertet wird.<<
Ich denke nicht an Gefälligkeitsversuche des Kindes, sondern an weitergehende Veränderungen im Kind selbst. Bei mir weiß ich nicht, was meine Mutter sich wünschte oder erwartete... ich hab gefragt, und bekam keine Antworten, mit denen ich was anfangen konnte ("warum?", "wozu willst Du das wissen?", "weiß nicht mehr", "glaub war mir egal").
Und ebenso, wie Musik Kinder im Mutterleib beeinflusst, halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass solche Gefühle das Kind beeinflussen, vielleicht sogar körperlich...bis zu einem Hodenhochstand beispielsweise? BTW.. da könnte man ja untersuchen, ob das bei M2F überdurchschnittlich häufig auftritt.
Nicht falsch verstehen, diese "wilden Ansätze" es geht mir hier nicht um Selbsterklärung (sowas kommt für mich lange nicht mehr in Frage)... ich find es nur spannend, sowas mal zu betrachten.^[/i]
Also prinzipiell wäre das möglich, Hodenhochstand liegt ja an zu niedrigem Testo-Wert in den letzten Schwangeschaftswochen und es ist ja bekannt, daß Verhalten und Empfinden starken Einfluß auf Hormonwerte haben. Allerdings weiß ich wirklich nichts von Studien in der Richtung, da müßte ich mal gezielt suchen.
Ich hab eben mal gefragt und eine ehrliche Antwort erhalten: "Eigentlich war´s mir egal, aber irgendwie wäre mir ein Junge lieber gewesen, weil ich in einer praktisch Männerlosen Familie aufgewachsen bin." Allerdings konnte sie berichten, daß ihre Eltern sich einen Jungen gewünscht hatten und sie erst nach Hormonbehandlung mit 16 die Regel bekam... Also prinzipiell schon eine Sache, die vieleicht bedenkenswert wäre, mit der pränatalen Psychosomatik... (Und mal wieder ein Einblick in meine anscheinend schon recht queere Familiengeschichte).
susu