Es kommt mir hier manchmal so vor....
Jolanda, Thursday, 28.11.2002, 16:02 (vor 8468 Tagen)
...wie wenn meine 6 jährige Tochter heimkommt, mir erzählt, dass sie einen Sreit hatte mit einem anderen Kind und am Schluss haben sie sich geschlagen und dann gleich sagt:"Aber das andere Kind hat angefangen, das andere Kind hat zuerst böse geredet, es hat mich zuerst geschlagen.
Meine älter Tochter kam heute nach Hause und hat gesagt:"Sorry, dass ich erst jetzt nach Hause komme, aber ich und meine Freundin mussten zuerst den Mario zusammenschlagen"
Ich sagte:" Wie bitte? Würdest du das bitte wiederholen, geht es dir eigentlich noch, du kommst zu spät nach Hause und sagst mir dann ganz locker, du hättest zusammen mit deiner Freundin den Mario zusammenschlagen müssen?"
Sie hat dann sofort aufbegehrt und gesagt, aber Mama, er hat doch zuerst geschlagen, wir mussten uns doch wehren.
Dann meinte ich, ich kann verstehen, wenn ihr euch verteidigt, wenn ihr geschlagen werdet, aber hast du dir schon mal überlegt, dass schlagen nie die richtige Lösung ist? Mich stört vor allem, wie locker du darüber sprichst, als wenn es selbstverständlich wäre, dass man so etwas tut.
Carmen, ich sage dir nun, es heisst nicht, wenn andere diese falschen Taten wählen, dass man dann das Recht hat, genauso zu handeln. Ich möchte, dass du dann zuerst versuchst das mit Worten zu klären und wenn es nicht bessert, dann reden wir zusammen, dann finden wir gemeinsam eine Lösung, dann reden wir eben alle zusammen, du, ich, der Mario, seine Mama, wie auch immer. Aber ich möchte nicht, dass du es als normal betrachtest, dass Fehlverhalten von anderen automatisch berechtigt sich auch fehl zu verhalten. Bitte denke mal darüber nach!
Hier ist es doch oft auch so. Es heisst dann, aber wer hat damit angefangen, das waren doch die Feministinnen, es waren doch die "Weiber". Wir haben nicht damit angefangen, wir wehren uns nur.
Klar muss man sich wehren, wenn man ungerecht behandelt wird. Aber muss man das wirklich, indem man genauso falsch agiert und reagiert wie das die sogenannten Feinde/Gegner tun.
Ich weiss nicht, ich habe mit solchen Argumenten echt Mühe und zwar genauso hier wie bei meinen Mädchen.
Wenn ich hier gewisse Männer manchmal so lese, dann bin ich mir zumindest bewusst, dass ich Recht habe, dass ich bei meinen Mädchen da so daran arbeite, ich wünsche mir nämlich, dass wenn sie erwachsen sind, dass sie dann nicht so argumentieren, sondern dass sie dann erkannt haben, dass ein falscher Weg immer ein falscher Weg ist und dass ein falscher Weg nicht besser wird, nur weil der ANDERE ihn gewählt hat!
Es grüsst euch alle
Jolanda
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Manfred, Thursday, 28.11.2002, 17:00 (vor 8468 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Jolanda am 28. November 2002 14:02:16:
Hm, ist für mich einfach so nicht akzeptabel...
Dann meinte ich, ich kann verstehen, wenn ihr euch verteidigt, wenn ihr geschlagen werdet, aber hast du dir schon mal überlegt, dass schlagen nie die richtige Lösung ist?
Da steckt zwar der Wille zur grenzenlosen Gutmütigkeit drin, aber das Problem ist doch eben wirklich, daß diese Gutmütigkeit erst dann praxistauglich sein kann, wenn sie auch umsetzbar ist. Daß wiederum hätte aber bedingt, daß der Angriff der anderen erst gar nicht hätte stattfinden dürfen!
Nochmal zu Deinem obigen Satz, welchen Schluß soll man (für ein besseres Verhaltensmuster) daraus ableiten?
Vielleicht habe ich da ein Kindheitstrauma
aber tatsächlich hatte ich schon immer Probleme mit Friedensaposteln (z.B. Schullehrern), die ständig zu spät kamen um rechtzeitig Gewalt zu verhindern, dann aber bei ihrem Eintreffen, wenn die Situation (unter Gerechtigkeitsaspekten gesehen) sich im größtmöglichen Ungleichgwicht befand, mit sonorer moralisierender Stimme
zum sofortigen "Waffenstillstand" aufriefen, um dann ohne weiteres nachzufragen eine gleichverteilte Strafe zu verhängen.
Sie wirken auf mich wie ein Schiedsrichter bei einem Fußballfinale, der 85 Minuten lang ignorant pennt, der foul spielenden Mannschaft 3 Tore unberechtigterweise zubilligt, und dann in den letzten 5 Minuten mit großer Selbstverliebtheit verkündet: "aber jetzt wollen wir die restliche Zeit fair spielen"
Pfeif drauf! Das wird niemals meine Zustimmung finden können! Wer solche Schiedsrichter hat, braucht wahrlich keine Feinde!
Letztlich wurde so immer der beginnende Übeltäter belohnt. Wirklich Friede ist mehr als nur äusserliche Ruhe, letztere ist für mich nicht das höchste Ziel. Wahrer Friede muß immer mit einem "Seelenfrieden" für beide Seiten einhergehen.
Das paßt jetzt auf die Sache mit Deiner Tochter nur sehr bedingt, umso mehr aber auf die Männer-Frauen Auseinandersetzung.
Gruß,
Manfred
Re:@Manfred
Jolanda, Thursday, 28.11.2002, 19:08 (vor 8468 Tagen) @ Manfred
Als Antwort auf: Re: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Manfred am 28. November 2002 15:00:02:
Hallo Manfred
Ich bin nicht unbedingt für das Faustrecht!
Wer soll deiner Meinung nach dann den ersten Schritt machen, damit es nicht immer nur darum geht, wer zuerst geschlagen hat und warum?
Wo willst du denn ansetzen?
Du sagst, dann hätte der andere nicht anfangen müssen, klar hätte er das nicht dürfen. Und nun?
Wer macht den ersten Schritt?
Ich bin nun mal der Meinung, dass Probleme nicht mit Schlägen und Gegenschlägen gelöst werden können. Mag weltverbessend erscheinen, kann gut sein. Aber wie soll ich meinen Kindern denn beibringen, dass Gewalt nicht der richtige Weg ist.
Zeige mir eine akzeptable Lösung auf, die allen gerecht wird. Die nicht radikal aber auch nicht zu naiv ist.
Klar empfindet das jeder anders, ist ja auch eine sehr persönliche Sache,hat ja viel mit mir selbst zu tun.
Und was denkst du Manfred? Ist so eine Haltung, wie die meine in deinen Augen einfach nur "nutzlos", ist sie "kontraproduktiv" oder würdest du sie gar als "gefährlich" einstufen?
Würde mich echt interessieren, ich erlebe nämlich, dass Menschen genauso ablehnend auf zuviel "Verständnis" reagieren wie auf zuviel "Gewalt".
Es heisst dann, weisst du, es stinkt mir echt, du scheinst ja jeden zu verstehen, das ist doch nicht normal!
Nun ja, normal ist es auf keinen Fall, aber ich hatte noch nie den Wunsch auf jeden Fall normal sein zu müssen 
Es war für mich aber eine durchaus lernreiche Erfahrung, festzustellen, dass zuviel Verständnis und Toleranz genauso Unbehagen verursachen können, wie zuviel aggressives Verhalten und unkontrolliertes Ausflippen.
Es grüsst dich
Jolanda
Re:@Manfred
Manfred, Friday, 29.11.2002, 00:33 (vor 8468 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re:@Manfred von Jolanda am 28. November 2002 17:08:50:
Hallo Jolanda,
das ist auch für mich nicht leicht zu beantworten, bzw. in dieser Allgemeinheit wohl gar nicht. Aber dadurch, daß ich mir die Kompliziertheit der Thematik eingestehe, komme ich evtl. der Lösung in vielen Fällen näher als wenn ich eine patentfähige Formel erzwingen möchte.
Ich bin nicht unbedingt für das Faustrecht!
Wenn ich das so wörtlich nehme stimme ich zu. Ich auch nicht, ich bin jedoch BEDINGT dafür. Genauso wie ich z.B. auch ein Notwehrrecht nicht ablehnen kann.
Wer soll deiner Meinung nach dann den ersten Schritt machen, damit es nicht immer nur darum geht, wer zuerst geschlagen hat und warum?
Warum soll es denn nicht darum gehen? Ist das nicht eigentlich eine ganz wesentliche Basis einer jeglichen zivilisierten Rechtsprechung, einen Fall möglichst so klar zu beleuchten bis der komplette Hergang und damit auch seine Kausalität durchleutet werden kann?
Daß dieses nicht immer geleistet werden kann, ist bedauerlich und ich weiß es! Aber es ändert doch nichts an der Zielsetzung.
Wo willst du denn ansetzen?
Du sagst, dann hätte der andere nicht anfangen müssen, klar hätte er das nicht dürfen. Und nun?
Erst mal akzeptieren, daß der Zustand "bevor einer angefangen hat" nicht mehr herzustellen ist. Eine äusserlich erzwungene Ruhe ist kein gleichwertiger Ersatz für echten Frieden (gibt es da Definitionsunterschiede zwischen uns?) weil diese keinerlei Rücksicht auf seelische und psychische Befindlichkeiten der Konfliktparteien nimmt.
Nur weil der selbsternannte Schlichter sich dabei moralisch wohl fühlt muß das nicht zwingend auf die Konfliktparteien zutreffen (und das meine ich nicht sarkastisch)
Konflikte müssen BEWÄLTIGT werden, damit es zu einem Frieden kommt der auch die Gefühle der Beteiligten umfasst. Einen Konflikt zu BEENDEN ist meist nicht dasselbe.
Wer macht den ersten Schritt?
Gute Frage, am besten derjenige der angefangen hat 
Wenn das nicht geht, und niemand einen ganzen Schritt machen mag, wie wäre es wenn jeder einen halben macht?
In jedem Fall spielen Würde und verletzter Stolz auch bei Kindern bereits eine große Rolle. Bei Erwachsenen sowieso!
Ich bin nun mal der Meinung, dass Probleme nicht mit Schlägen und Gegenschlägen gelöst werden können. Mag weltverbessend erscheinen, kann gut sein. Aber wie soll ich meinen Kindern denn beibringen, dass Gewalt nicht der richtige Weg ist.
Kann ich nicht beantworten, da ich das differenzierter sehe. Gewalt sollte wohl meistens der letzte Weg sein, völlig ausschließen tue ich sie nicht.
Aber sogar wenn man es tut (was ich -wie gesagt- für einen Fehler halte), dann muß man zumindest dafür sorgen, daß beide Seiten gewaltfrei bleiben. Kann man das stets?
Alles andere hieße aber, das Opfer zu entwaffnen, beim Täter hingegen auf Selbsteinsicht zu vertrauen.
Zeige mir eine akzeptable Lösung auf, die allen gerecht wird...
Habe ich grade ansatzweise versucht
...Die nicht radikal aber auch nicht zu naiv ist.
Das wäre die Quadratur des Kreises, den Anspruch habe ich nicht!
Warum nicht einer radikalen Aktion eine radikale Reaktion entgegensetzen, wenn es nicht eleganter geht?
Und was denkst du Manfred? Ist so eine Haltung, wie die meine in deinen Augen einfach nur "nutzlos", ist sie "kontraproduktiv" oder würdest du sie gar als "gefährlich" einstufen?
Naja, alles was nicht perfekt ist, hat ein bisschen was von diesen drei Eigenschaften, insofern eine sehr relative Sache. Ich würde meine eigene Haltung natürlich auch nicht als perfekt bezeichen.
Ich glaube mal (etwas philosophisch gesagt) Deine Forderung nach dem schnellen, bedingungslosen und echten Frieden ist in gewisser Weise "radikal". Verständlich, aber in meinen augen schon etwas naiv, da sehe ich auch den Fehler.
Würde mich echt interessieren, ich erlebe nämlich, dass Menschen genauso ablehnend auf zuviel "Verständnis" reagieren wie auf zuviel "Gewalt".
Es heisst dann, weisst du, es stinkt mir echt, du scheinst ja jeden zu verstehen, das ist doch nicht normal!
Nun ja, normal ist es auf keinen Fall, aber ich hatte noch nie den Wunsch auf jeden Fall normal sein zu müssen
Ja, das strebe ich auch nicht an.
Ich glaube nunmal, daß es solche Gefühle wie Genugtuung,Stolz, Racheverlangen oder Scham gibt. Man mag dazu stehen wie man will, aber sie zu ignorieren ist naiv. Und wenn man nun einem Menschen das Instrument Genugtuung durch Rache (oft gewalttätige Rache) nimmt, dann muß dieser Instrumentarien besitzen um anders erfolgreich mit seinem Gefühldefizit fertig zu werden.
Verständnis aufzubringen stellt dich in gewisser Weise über einen Täter und könnte Dein Instrument zum Umgang mit Aggresionen sein. Das werden Kinder erst lernen müssen. Aber sogar dann ist zu fragen ob das ein Allheilmittel sein kann. Kann/muß man alles verstehen?
Es war für mich aber eine durchaus lernreiche Erfahrung, festzustellen, dass zuviel Verständnis und Toleranz genauso Unbehagen verursachen können, wie zuviel aggressives Verhalten und unkontrolliertes Ausflippen.
Das hat wohl einen anderen Grund. Wenn Du "zuviel" Verständnis für den Gegner hast, und andere Mitglieder "Deiner Seite" das nicht nachvollziehen können oder wolen, dann wirst Du für diese selbst zu einem unberechenbar Faktor. Man wird teilweise selbst zum Gegner erklärt. Menschen neigen oft dazu, klare Fronten sehen zu wollen. Freund und Feind möchte man sauber abgrenzen können, weil dann die Schlacht leichter zu gewinnen ist.
Es grüsst Dich
Manfred
Re:@Manfred
Jolanda, Friday, 29.11.2002, 12:59 (vor 8467 Tagen) @ Manfred
Als Antwort auf: Re:@Manfred von Manfred am 28. November 2002 22:33:32:
Hallo Manfred
Aber dadurch, daß ich mir die Kompliziertheit der Thematik eingestehe, komme ich evtl. der Lösung in vielen Fällen näher als wenn ich eine patentfähige Formel erzwingen möchte.
---Ueber diesen Satz habe ich viel nachgedacht seit gestern...wirklich...eine sehr realistische Ansicht, das sollte ich mir wohl auch ein bisschen mehr verinnerlichen.
Erst mal akzeptieren, daß der Zustand "bevor einer angefangen hat" nicht mehr herzustellen ist. Eine äusserlich erzwungene Ruhe ist kein gleichwertiger Ersatz für echten Frieden (gibt es da Definitionsunterschiede zwischen uns?)
---Nein, ich denke nicht, dass wir das unterschiedlich definieren, ich denke eher, dass ich es ganz spezifisch auf diesen Konflikt bezogen hatte, den ich beschrieben hatte und das war mehr so ein belangloses Streiten, es ging hier nicht um einen wirklichen Konflikt.
Ich verstehe aber, was du mir sagen willst und es ist schon so, dass äusserlich erzwungene Ruhe keinen wirklichen Frieden darstellt, hier ist die Gefahr gross, dass der Konflikt bei der nächstbesten Gelegenheit wieder aufflammt.
weil diese keinerlei Rücksicht auf seelische und psychische Befindlichkeiten der Konfliktparteien nimmt.
---Richtig, es wird alles abgewürgt und das kann unter Umständen noch viel mehr Wut und Verzweiflung erwecken, als wenn man sich mal richtig fetzt und es evtl. auch zu Handgreiflichkeiten kommt.
Wieder ein Ansatz, über den ich nachgedacht habe.
Ich bin zwar ein Mensch, der Konflikte nicht einfach unter den Tisch kehrt, ich will alles klären und bereden, aber was ist, wenn das eben nicht geht, dann schwebt alles in der Luft und ich kann so etwas nicht einfach abwürgen, hmmm....kommt eben immer darauf an, wie man etwas betrachtet, denn jeder Konflikt hat zumindest zwei Seiten.
Nur weil der selbsternannte Schlichter sich dabei moralisch wohl fühlt muß das nicht zwingend auf die Konfliktparteien zutreffen (und das meine ich nicht sarkastisch)
---Ich weiss wie du es meinst, hmmm...auch darüber sollte ich mir noch so meine Gedanken machen.
Konflikte müssen BEWÄLTIGT werden, damit es zu einem Frieden kommt der auch die Gefühle der Beteiligten umfasst. Einen Konflikt zu BEENDEN ist meist nicht dasselbe.
---Dessen bin ich mir schon bewusst Manfred, ich muss mir wohl einfach öfters Gedanken darüber machen, ob das möglich ist, wenn ich immer davon ausgehe, dass einer nachgeben sollte. Konfliktbewältigung heisst wohl manchmal auch, sich eben wirklich zu fetzen und auch mal zu verletzen, rauslassen, was ich nicht ab kann, was mich wütend macht, was ich ungerecht finde.
Zudem kann ich als erwachsene Frau eigentlich alles verbal lösen, ich muss mich dazu nicht schlagen. Bei Kinder sieht das wohl ein bisschen anders aus.
Die Quintessenz ist also die, ich sollte nicht immer von mir aus gehen, meine Möglichkeiten der Konfliktbewältigung, müssen nicht unbedingt die meiner Kinder oder die von anderen Menschen sein.
Gewalt sollte wohl meistens der letzte Weg sein, völlig ausschließen tue ich sie nicht.
Völlig ausschliessen tue ich sie auch nicht, aber ich sollte sie wohl ein bisschen näher betrachten und es nicht gleich als "Katastrophe" ansehen, wenn eine Problembewältigung eben nicht ohne sie auskommt.
Aber sogar wenn man es tut (was ich -wie gesagt- für einen Fehler halte), dann muß man zumindest dafür sorgen, daß beide Seiten gewaltfrei bleiben. Kann man das stets?
---Wohl kaum, kann man wohl kaum.
Alles andere hieße aber, das Opfer zu entwaffnen, beim Täter hingegen auf Selbsteinsicht zu vertrauen.
---Was wiederum ein Ungleichgewicht der Chancen herstellen würde, hmm...so betrachtet sieht das natürlich schon ein bisschen anders aus.
Ich glaube mal (etwas philosophisch gesagt) Deine Forderung nach dem schnellen, bedingungslosen und echten Frieden ist in gewisser Weise "radikal". Verständlich, aber in meinen augen schon etwas naiv, da sehe ich auch den Fehler.
---Schmunzelt....ist doch irgendwie heiss....ich bin radikal in meinen Forderungen, das heisst, auch ich neige zu radikalen Ansätzen, auch wenn die auf den ersten Blick nicht für jeden ersichtlich sind, nicht mal für mich selbst 
Ich glaube nunmal, daß es solche Gefühle wie Genugtuung,Stolz, Racheverlangen oder Scham gibt. Man mag dazu stehen wie man will, aber sie zu ignorieren ist naiv. Und wenn man nun einem Menschen das Instrument Genugtuung durch Rache (oft gewalttätige Rache) nimmt, dann muß dieser Instrumentarien besitzen um anders erfolgreich mit seinem Gefühldefizit fertig zu werden.
---Das hier ist für mich eine wirklich wichtige Aussage. Also wir sind uns erst mal absolut einige, dass man Gefühle, vor allem wenn sie negativ sind, ausdrücken muss, dass man mit Konflikten, die aus ihnen erwachsen ferig werden muss.
Verständnis aufzubringen stellt dich in gewisser Weise über einen Täter und könnte Dein Instrument zum Umgang mit Aggresionen sein. Das werden Kinder erst lernen müssen. Aber sogar dann ist zu fragen ob das ein Allheilmittel sein kann.
---Stimmt...hmmm...ich musste das ja auch lernen und gerade für Kinder dürfte diese Art der Konfliktlösung wohl ein bisschen schwer sein. Vor allem, wenn sie noch jung sind. Und ein Allheilmittel kann es nicht sein, weil der, der so agiert und reagiert, damit klar kommen muss, es muss für ihn stimmen und das tut es bestimmt nicht für jeden!
Kann/muss ich alles verstehen?
---Ganz klar nein!
Es war etwas vom schwersten für mich, zu lernen und zu verstehen, dass ich eben nicht alles verstehen muss, das hilft mir auch sehr, aber das war ein weiter Weg, ich bin immerhin bald 42 Jahre alte, also es ist bestimmt kein Weg, den ich anderen abverlangen kann und schon gar nicht meinen Kindern.
Das hat wohl einen anderen Grund. Wenn Du "zuviel" Verständnis für den Gegner hast, und andere Mitglieder "Deiner Seite" das nicht nachvollziehen können oder wolen, dann wirst Du für diese selbst zu einem unberechenbar Faktor. Man wird teilweise selbst zum Gegner erklärt. Menschen neigen oft dazu, klare Fronten sehen zu wollen. Freund und Feind möchte man sauber abgrenzen können, weil dann die Schlacht leichter zu gewinnen ist.
---Das hätte ich wohl nicht besser sagen können.
Deine Antwort hat mir einige Anreize gegeben, ich bin immer noch die selbe, meine Art hat sich nicht verändert, aber du hast andere Perspektiven beleuchtet, die in meinem Kopf einiges zum Nachdenken ausgelöst haben.
Es grüsst dich
Jolanda
Re:@Manfred
Manfred, Friday, 29.11.2002, 14:00 (vor 8467 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Re:@Manfred von Jolanda am 29. November 2002 10:59:00:
Deine Antwort hat mir einige Anreize gegeben...
freut mich
ich bin immer noch die selbe, meine Art hat sich nicht verändert...
freut mich ebenso! Wäre in den allermeisten Fällen ja auch schlimm wenn der Wesenkern gereifter Persönlichkeiten schon durch äussere Argumente ad hoc
grundlegend beeinflußbar werden könnte. Leider ist das ohnehin viel zu oft der Fall, daß wir uns ohne zu reflektieren einem Meinungsdruck beugen, der uns selbst eigentlich nicht gerecht wird.
aber du hast andere Perspektiven beleuchtet, die in meinem Kopf einiges zum Nachdenken ausgelöst haben...
geht mir auch so, ich versuche jeden Tag in irgendeiner Form zu lernen und ärgere mich doch immer wieder wie wenig man schließlich in manchner Situation dann offensichtlich weiß
Sogar beim Schreiben meines letzten Postings ist mir aufgefallen, wieviel offene Probleme auch meine eigene Position hinterläßt. Der Verstand ist nunmal unser mächtigstes Instrument, wir sollten es weiterhin redlich und intensiv gebrauchen.
Schöne Grüße,
Manfred
Ein kräftiger Schlag kann vieles bewirken...
Stefan G., Thursday, 28.11.2002, 17:07 (vor 8468 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Jolanda am 28. November 2002 14:02:16:
Hallo Jolanda,
Sie hat dann sofort aufbegehrt und gesagt, aber Mama, er hat doch zuerst geschlagen, wir mussten uns doch wehren.
Dann meinte ich, ich kann verstehen, wenn ihr euch verteidigt, wenn ihr geschlagen werdet, aber hast du dir schon mal überlegt, dass schlagen nie die richtige Lösung ist?
Das ist so nicht ganz richtig - wie ich finde! 
Gewalt kann hin und wieder durchaus eine Lösung sein. Ich finde auch Prügeleien unter Kindern oder Jugendlichen ganz normal - solange es sich innerhalb gewisser Grenzen bewegt und niemand dabei wirklich zu Schaden kommt.
Ich kann mich an eine Geschichte erinnern, die während meiner Grundschulzeit ablief. Da wurde ich fast täglich auf dem Nachhauseweg von drei Jungs verprügelt. Die wollten nichts von mir, die fanden einfach nur Spaß daran, mich zu quälen. Als ich meinen Eltern davon erzählt habe, haben die auch nur gesagt...ja, da muß man mit diesen Jungs reden. Meine Mutter hat sich dann auch wirklich die Mühe gemacht, die drei darauf anzusprechen und ihnen klarzumachen, daß Gewalt keine Lösung ist. Die Jungs haben sich das alles ganz geduldig angehört und zustimmend genickt. Am nächsten Tag wurde ich wieder verprügelt. Erst mein Großvater (ein weiser Mann alten Schlags) sagte mir dann, daß ich zurückschlagen müsse und zwar kurz, gezielt, schmerzvoll und nachhaltig! 
Am Anfang habe ich mich nicht getraut, aber eines Tages ging mir das ganze so auf die Nerven, daß ich dem Anführer der Bande richtig eine reinhaute, so mit Schmackes eben, daß die Lippe aufplatzte und die Brille zerbrochen auf dem Gehweg und er weinend nebendran lag. Was soll ich sagen? Einen Tag später kam er auf mich zu und fragte mich: Wollen wir Freunde werden?
Du siehst also, liebe Jolanda, daß Schmerz hin und wieder ein guter Lehrer sein kann - vor allem für die, die nur langsam lernen. 
Gruß
Stefan
Re: Ein kräftiger Schlag kann vieles bewirken...
Jolanda, Thursday, 28.11.2002, 19:19 (vor 8468 Tagen) @ Stefan G.
Als Antwort auf: Ein kräftiger Schlag kann vieles bewirken... von Stefan G. am 28. November 2002 15:07:05:
Hallo Stefan
Auch wenn du es vielleicht nicht glauben wirst...ich weiss schon, was du mir damit sagen willst.
Mir hat ein Lehrer erzählt, dass er Jungs hatte, die hätten sich so dermassen daneben benommen im Turnunterricht und die anderen geboxt und gestört, dass ein normaler Unterricht nicht mehr statt finden konnte.
Bis ihm eines Tages der Kragen geplatzt ist und er einen der Schüler gepackt hat und meinte, hey mein Freundchen, willst du wirklich herausfinden, wer von uns beiden der Stärkere ist, kannst es gerne versuchen, aber dann tue es richtig, wir können es gerne ausprobieren.
Von diesem Tag an war Ruhe, er war innerhalb dieser Gruppe von pupertierenden Jungs akzptiert.
So naiv bin ich auch nicht Stefan...auch wenn ich so wirke 
Ich weiss, dass gerade Kinder und Jugendliche oftmals Grenzen suchen und nicht aufgeben, bis man sie ihnen setzt und wenn man das nicht tut, dann wird ihr Verhalten unkontrollierbar.
Es ging mir nicht mal in erster Linie darum, dass sie sich gewehrt hat, sondern wie sie das als das Normalste angesehen hat, dass auf Schläge selbstverständlich Gegenschläge zu erfolgen haben, dass das total ok ist, wenn der andere anfängt, dann kann ich doch das selbe tun.
Es ist eh schwer, immer das Richtige zu tun und oft macht man bestimmt genau das Falsche.
Aber es erschreckt mich, wenn ich sehe, wie heute sofort und wegen jeder Kleinigkeit geschlagen wird, als wäre das die einzige Möglichkeit, die man hat um sich durchzusetzen.
Es grüsst dich
Jolanda
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Garfield, Friday, 29.11.2002, 11:08 (vor 8468 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Jolanda am 28. November 2002 14:02:16:
Hallo Jolanda!
"Carmen, ich sage dir nun, es heisst nicht, wenn andere diese falschen Taten wählen, dass man dann das Recht hat, genauso zu handeln. Ich möchte, dass du dann zuerst versuchst das mit Worten zu klären und wenn es nicht bessert, dann reden wir zusammen, dann finden wir gemeinsam eine Lösung, dann reden wir eben alle zusammen, du, ich, der Mario, seine Mama, wie auch immer. Aber ich möchte nicht, dass du es als normal betrachtest, dass Fehlverhalten von anderen automatisch berechtigt sich auch fehl zu verhalten."
Oh oh, Jolanda, genau wie Manfred und Stefan befürchte ich auch, daß du deinen Töchtern damit keinen guten Dienst erweist...
Es ist zwar natürlich gut und richtig, wenn du deine Kinder dazu anhältst, Konflikte möglichst ohne Gewalt zu lösen. Und ich finde es ja auch schlimm, daß gerade Mädchen heutzutage oft ganz anders erzogen werden, nämlich dazu, schon bei allerkleinsten Konflikten sofort gewalttätig zu werden.
Aber du mußt deinen Kindern auch ganz klar sagen, daß es leider gewisse Mitmenschen gibt, bei denen man mit schönen Reden gar nichts erreicht.
Auch ich habe in meiner Schulzeit immer wieder die Erfahrung machen müssen, daß es Leute gibt, die ihr Selbstwertgefühl vor allem daraus beziehen, daß sie immer wieder verbal oder auch physisch auf anderen herumtrampeln. Was das auserwählte Opfer dazu zu sagen hat, ist dabei völlig uninteressant. Und wer sich nicht wehrt, wird gerade deshalb immer wieder als Fußabtreter benutzt.
Ich könnte da genau wie Stefan auch einige eigene Erlebnisse aus meiner Schulzeit beisteuern, belasse es aber bei einem:
Irgendwann pöbelte mich ein Junge aus einer höheren Klasse auf dem Schulhof plötzlich immer wieder grundlos an, wenn ich an ihm vorbei ging. Ich ignorierte das zunächst, was ihn aber offenbar erst recht anspornte. Er betrachtete mich nun als leichtes Opfer, und als er eines Tages mal an mir vorbei ging, schubste er mich plötzlich. Mir war klar, daß das immer weiter eskalieren würde, wenn ich mich nicht wehre. Ich hatte keine Lust, mich mit dem Deppen herumzuprügeln, also griff ich ihm einfach an den Unterkiefer und stieß ihn von mir weg. Er taumelte ein paar Schritte rückwärts, und ich bereitete mich seelisch und moralisch darauf vor, daß er jetzt richtig auf mich losgeht. Er guckte aber nur dumm und ging dann weiter, ohne noch etwas zu sagen.
Und dann auf einmal pöbelte er mich auch nicht mehr an. Ab und zu kamen zwar noch ein paar dumme Bemerkungen, aber die machte der bei jedem. Kurz darauf erzählte ein Mitschüler mir, daß dieser Typ einem seiner Mitschüler gesagt hatte, daß er mich jetzt lieber in Ruhe läßt, weil ich wohl stärker wäre als er.
DAS ist ALLES, was für solche Leute zählt. Wenn ich versucht hätte, mit ihm darüber zu diskutieren, hätte der mich nur dumm angesehen und kein Wort verstanden. Und mir dann wahrscheinlich allein schon aus Ratlosigkeit heraus erstmal die Faust ins Gesicht geschlagen. Und mit den Eltern solcher Kinder zu reden, hat oftmals auch nicht viel Sinn. Die sind häufig genauso asozial, denn der Apfel fällt selten weit vom Stamm. Und wenn die Eltern tatsächlich so verantwortungsbewußt sind und sich ihren Sohn oder ihre Tochter (denn mittlerweile werden ja auch immer mehr Mädchen gewalttätig) mal zur Brust nehmen, wird das dann häufig zum Anlaß genommen, um das Opfer später gleich nochmal zu verprügeln, und dann aber richtig...
Es gibt wirklich Kinder (und auch Erwachsene), die sowas einfach nur aus reiner Bosheit heraus tun. Dieser Typ, mit dem ich damals in der Schule mal kurz Ärger hatte, ist heute Gewohnheitskrimineller. Vor kurzem ist er gerade wieder aus dem Knast entlassen worden und fuhr prompt mit einem dicken BMW durchs Dorf. Der BMW kann natürlich nur geklaut sein.
Ein junger Mann aus dem Dorf hatte kürzlich mal folgendes Erlebnis mit diesem Knastie: Er kam von der Arbeit nach Hause, hielt in der Garageneinfahrt und stieg aus, um das Garagentor zu öffnen. Dabei sah er gegenüber unter einer Weide zwei Personen stehen. Eine davon war dieser Knastie, die andere ein Bekannter von ihm aus dem Dorf. Als der Knastie sah, daß dieser junge Mann zu ihm herübersah, rief er: "Was glotzt du so blöd?"
Der junge Mann wollte keinen Ärger haben, sagte nichts weiter dazu und ging zum Garagentor. Das ermutigte diesen Knastie erst recht, er ging nun zu dem Mann hin und trommelte plötzlich wie ein Irrer mit den Fäusten auf der Heckklappe seines Autos herum. Der junge Mann versuchte, ihn daran zu hindern, und es kam zu einer Prügelei. Schließlich flüchtete der Mann zur Eingangstür des Hauses und klingelte dort. Es ist das Haus seiner Eltern (er wohnt noch bei ihnen), und sein Vater kam nun heraus und bewaffnete sich auch gleich mit irgendetwas.
Als dieser Knastie nun zwei Gegner hatte, wurde er vorsichtiger. Er ging aber nicht, sondern pöbelte da immer noch herum. Schließlich drohte ihm der Vater des jungen Mannes damit, die Polizei zu rufen, und weil die ihn wohl sowieso schon wieder suchte, hat er sich dann schnell verpißt.
Mit solchen Idioten kann man eben nicht reden. Die verstehen nur eines: Gewalt. Nicht ohne Grund hat jeder Polizist eine Dienstpistole.
Du mußt deinen Kindern klarmachen, daß sie sich auch mit körperlicher Gewalt wehren müssen, wenn sie körperlich angegriffen werden. Aber natürlich nur dann. Es ist ein Unterschied, ob sie sich gegen den Angriff eines Mario zur Wehr setzen, oder ob sie ihm zu zweit irgendwo auflauern und ihn dann aus Rache für einen früheren Angriff zusammen schlagen. Außerdem müssen sie bei letzterem ja auch damit rechnen, daß er mal eine von ihnen allein erwischt und die dann umso gründlicher vermöbelt. Oder daß er sich auch ein paar Kumpels sucht und sie dann auch zu zweit nicht mehr dagegen ankommen.
Wenn man sich einfach nur gegen einen Angriff wehrt, wird das instinktiv als Verteidigung verstanden und in der Regel auch akzeptiert. Das erzeugt dann beim Täter oder bei der Täterin auch einen guten Lerneffekt. Verprügelt man aber jemanden später aus Rache für einen früheren Angriff, dann wird das nicht als Verteidigung akzeptiert und erzeugt wiederum ein Bedürfnis nach Rache. Insofern hast du schon recht, wenn du deine Kinder dazu zu bringen versuchst, so etwas zu unterlassen. Wenn sie aber körperlich angegriffen werden, müssen sie sich auch körperlich zur Wehr setzen. Sonst werden sie es in ihrer weiteren Schulzeit sehr schwer haben.
Und noch schlimmer dabei ist: Wenn du ihnen das nicht erklärst, lernen sie es im realen Leben. Und sie lernen dann noch etwas: Daß das, was du ihnen rätst, im realen Leben nicht unbedingt immer anwendbar ist. Das wird früher oder später den Effekt haben, daß sie sich dann in ähnlichen Fällen sagen, daß Mama davon sowieso keine Ahnung hat, daß sie dann brav nicken und "ja ja" sagen, und dann letztendlich doch tun, was sie selbst für richtig halten. Und das muß dann aber auch nicht unbedingt richtig sein...
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Jolanda, Friday, 29.11.2002, 12:11 (vor 8467 Tagen) @ Garfield
Als Antwort auf: Re: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Garfield am 29. November 2002 09:08:18:
Hallo Garfield
Wir beide denken gar nicht so verschieden, wie das hier erscheinen mag.
Ich bin einfach genau wie du der Meinung, dass Gewalt nicht der erste Lösungsansatz sein sollte, ich habe Carmen auch gesagt, dass sie sich wehren darf, wenn sie angegriffen wird, mich hat aber einfach gestört, wie locker die Kinder mit Gewalt umgehen, als wenn es ganz klar wäre, dass man bei Problemen einfach zuschlägt.
Und wegen dem Erklären musst du dir erst Recht keine Sorgen machen, wir reden über alles, ich habe eine sehr intensive Kommunikation mit meinen Töchtern, wir diskutieren über unsere Gefühle und Gedanken sehr ausgiebig 
Sie hat mir zum Beispiel gestern Nachmittag als sie nach Hause kam erzählt, dass genau dieser Mario geheult hat, weil er beim Schmücken eines grossen Tannenbaumes für Weihnachten nicht auf die Leiter steigen durfte.
Sie meinte dann:"Weisst du Mama, der Mario tut immer so cool und dann heult er weil er nicht auf die Leiter darf, sie hat das irgendwie ganz verständnislos gesagt.
Ich habe dann versucht ihr zu erklären, dass auch ein Junge, auch wenn er hin und wieder sehr cool tut, genauso verletzlich ist und wegen den genau selben Dingen traurig ist, wie auch ein Mädchen. Und dass dieses "cool" sein oft ein Schutz ist.
Ich mache mir aber durchaus meine Gedanken über all das, was mir hier so geschrieben wird, ich denke, es geht vor allem darum, den goldenen Mittelweg zu finden, ich meine damit, Gewalt nicht als die absolute Lösung zu sehen, aber auch einzusehen, dass es Situationen gibt, wo ein Kind sich wehren muss, damit es nicht untergeht.
Weisst du, meine beiden Mädchen sind keine Engel, die können sich schon ganz gut wehren, vor allem sind sie nicht auf den Mund gefallen. Und sie streiten sich auch oft untereinander und auch da wird mal "gehauen", es ist ist nicht so, dass sie sich hier nicht trauen würden.
Aber die Tendenz zum Schlagen ist eindeutig zunehmend, erst vor ein paar Tagen hat sich ein Mädchen den Finger gebrochen, weil es so verdrescht wurde von einem anderen Kind.
Es ist eben nicht einfach und man muss sich selbst immer wieder hinterfragen, ob man sich als Mutter hier wohl richtig verhält. Deshalb denke ich, kann ich aus diesen Meinungen hier auch einiges mitnehmen.
Es grüsst dich
Jolanda
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Harald, Friday, 29.11.2002, 11:44 (vor 8468 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Jolanda am 28. November 2002 14:02:16:
Hallo Jolanda,
Das schlimme bei so einem Konflikt ist: wenn er so lange andauert
und mehr oder weniger tiefe Wunden reißt und man sich ständig angegriffen
fühlt, da willst du irgendwann gar kein friedliches Zusammenleben mehr
Du willst erstmal nur Rache. Du willst das der Andere das durchmachen
muß , was du die ganze Zeit durchmachen musstest.
Ich ertappe mich auch öfters dabei. Bei dem Gedanken, den ganzen
Konflikt jetzt beseite zu legen, wenn es "die Frauen" nur auch alle
machen würden, kommt mir schon Unbehagen
Nein, denke ich mir, dann hätten die nichts gelernt, die sollen
erstmal 10 Jahre so diskriminert werden wie ich / wir es wurden und werden, dann sehen wir weiter.
Und das ist die Krux an der ganzen Sache. So ein Konflikt frißt sich
ins Herz und man kann ichn dann nicht so einfach aufgeben und tun, als
ob nichts gewesen sei.
Harald
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Jolanda, Friday, 29.11.2002, 12:14 (vor 8467 Tagen) @ Harald
Als Antwort auf: Re: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Harald am 29. November 2002 09:44:09:
Hallo Harald
Ein Konflikt der sich tief in deine Seele gefressen hat und immer wieder aufstösst, das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
Klar, wenn ich tief verletzt werde und diese Wunden immer wieder aufgerissen werden, dann kann ich irgendwann mal nicht mehr ruhig reagieren, das ist mir sehr wohl klar.
Wir alles sind nur Menschen und jeder hat seine Grenzen.
Es grüsst dich
Jolanda
Re: Es kommt mir hier manchmal so vor....
Stefan G., Saturday, 30.11.2002, 00:35 (vor 8467 Tagen) @ Harald
Als Antwort auf: Re: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Harald am 29. November 2002 09:44:09:
Naja...ich kann das schon irgendwo nachvollziehen...andererseits, ich glaube, wenn die Gegenseite die Waffen einmal niederlegen würde, dann würde ich das auch tun - schon um der Zukunft unserer Kinder willen. Soll dieses ganze Hin und Her, dieser ganze Hickhack ewig weitergehen? Irgendwann muß ja mal Schluß sein mit diesem ganzen Unfug. Ich würde mit Frauen lieber friedlich zusammenleben. Nur fürchte ich, wird das noch lange dauern.
Gruß
Stefan
Trau hau wem
Doc, Friday, 29.11.2002, 18:22 (vor 8467 Tagen) @ Jolanda
Als Antwort auf: Es kommt mir hier manchmal so vor.... von Jolanda am 28. November 2002 14:02:16:
Wenn gewaltbereite Menschen sich zu entfalten versuchen, dann sind sie nur durch Gewalt im Zaum zu halten. Da die Gewalt in der Regel irrationale Ursachen hat (Lust am Quälen etc.), kann sie nicht durch rationale Maßnahmen (Diskussion etc.) abgewehrt werden.
Doch was, wenn man dem Bösewicht körperlich unterlegen ist? - was immerhin der Regelfall ist, denn Nervensägen und Schläger lernen ihre Lektion sehr schnell und halten sich danach nur noch an Schwächere.
Ich bin diesbezüglich der Ansicht, daß man, wenn man die notwendige Physis dazu besitzt, nicht nur zur eigenen Verteidigung bestimmten problematischen Personen eine scheuern sollte, sondern auch in dieser Weise anderen zu Hilfe eilen, die drangsaliert werden und sich nicht selbst wehren können.
Den Fall deiner Tochter kann ich nicht im geringsten beurteilen, für mich ist da offen, ob sie überhaupt im Recht war oder nicht. Das ist jedoch das absolut Wesentlichste in der ganzen Sache. Und die Verhältnismäßigkeit.
Wenn man nicht im Recht ist, ist das ein Fall für die Erziehung. Das war falsch, es gibt keine Ausreden, sowas darf nicht vorkommen.
Wenn man im Recht ist, stellt sich immer noch die Frage der Verhältnismäßigkeit. Ich darf jemandem, der zu mir Arschloch sagt, nicht gleich den Arm brechen. Auch das wäre ein Fall für die Erziehung.
Ist man jedoch im Recht und verhältnismäßig, so darf man nicht getadelt werden. Man sollte allerdings auch nicht gelobt werden. Am passendsten ist eine Art Text wie "Schreckliche Sache. Hoffentlich mußt du sowas nicht nochmal tun."
Wie jemand über so etwas REDET, ist eine ganz andere Ebene. Ich könnte mir gut vorstellen, deine Tochter wollte mit der Äußerung nur cool wirken. Im übrigen: danke Gott dafür, daß sie dir das so freimütig erzählt. Das läßt auf ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis schließen.
Doc
Re: Trau hau wem
Jolanda, Monday, 02.12.2002, 17:48 (vor 8464 Tagen) @ Doc
Als Antwort auf: Trau hau wem von Doc am 29. November 2002 16:22:25:
Hallo Doc
Ist man jedoch im Recht und verhältnismäßig, so darf man nicht getadelt werden. Man sollte allerdings auch nicht gelobt werden. Am passendsten ist eine Art Text wie "Schreckliche Sache. Hoffentlich mußt du sowas nicht nochmal tun."
---Danke für den Tipp...eigentlich naheliegend, wenn man darauf kommt 
Wie jemand über so etwas REDET, ist eine ganz andere Ebene. Ich könnte mir gut vorstellen, deine Tochter wollte mit der Äußerung nur cool wirken. Im übrigen: danke Gott dafür, daß sie dir das so freimütig erzählt. Das läßt auf ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis schließen.
---Ja wir haben ein sehr offenes und gutes Verhältnis und meine Mädchen erzählen mir wirklich alles, ich hoffe, ich schaffe es auch in Zukunft, diese Offenheit zu bewahren.
Liebe Grüsse
Jolanda