Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Brief an den SPD-Vorstand wegen Wehrpflicht

Stefan G., Tuesday, 05.11.2002, 15:01 (vor 8491 Tagen)

Hier ein Auszug aus der Mail, die ich heute an den SPD-Parteivorstand geschickt habe. Wird wahrscheinlich noch Jahre dauern, bis eine Antwort kommt - wenn überhaupt. Aber ich kann nur jedem empfehlen, Briefe oder Mails an diese Leute zu schicken, damit auch mal irgendjemand mitkriegt, was Männer von der ganzen Sache halten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

im Hinblick auf die im Augenblick anhaltende Diskussion
ueber die Wehrpflicht und das noch ausstehende Urteil des
Europaeischen Gerichtshofes zu dieser Frage, haette ich
von Ihrer Partei gerne gewusst, aus welchen Gruenden Sie an der Maennerwehrpflicht festhalten, da sich mir der Sinn dieses Zwangsdienstes nicht mehr erschliessen laesst. Zwar steht die hohle Phrase im Raum, die auch seitens der verschiedenen Parteien immer wieder gebetsmuehlenartig wiederholt wird und die besagt, dass eine derartige Einrichtung wie die Maennerwehrpflicht wichtig sei fuer die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft - ich kann aber beim besten Willen nicht erkennen, dass bei einer Freiwilligenarmee wie bspw. den US-Streitkraeften etwas Gegenteiliges der Fall waere.
Ueberdies gibt es auch meiner Ansicht nach keinen ueberzeugenden Beweis dafuer, dass eine Maennerwehrpflicht fuer die bessere Einbettung der Bundeswehr in gesellschaftliche Strukturen dienlicher waere als eine Freiwilligenarmee. Oft verwendete historische Vergleiche halte ich fuer stark "konstruiert".
Davon einmal abgesehen, stellt sich mir die Frage, ob eine Maennerwehrpflicht ueberhaupt noch zeitgemaess ist. Krisensituationen in der heutigen Zeit erfordern wohl eher eine technisch hochentwickelte, spezialisierte und hervorragend ausgebildete Armee, insbesondere Ingenieure, Computerspezialisten und Kraefte, die besonders auf Krisenmanagement hin trainiert wurden und die genau wissen, wie sie sich in bestimmten Situation zu verhalten haben. Wie soll ich mir Ihr Modell und den Sinn einer Maennerwehrpflicht in einem wirklichen Ernstfall
ganz konkret vorstellen? Wollen Sie etwa Maenner in einem Ernstfall einsetzen, die irgendwann vor 20 Jahren einige Monate an einem Gewehr ausgebildet wurden, das heute schon keiner mehr verwendet?
Wie wollen Sie junge wehrpflichtige Maenner mit einer Grundausbildung von 2 oder 3 Monaten in einem Kriegsfall einsetzen? Da steht der junge Wehrpflichtige mit einem veralteten Gewehr, aufgepflanztem Bajonett und preussischer Disziplin auf dem Kraehenfeld und wartet auf den Feind, waehrend die britische Royal Air Force bereits Experimente mit computergesteuerten Kampfflugzeugen durchfuehrt.

Wie wollen Sie denn jungen Maennern heute noch den Sinn einer Maennerwehrpflicht vermitteln? In einer Zeit, in der fast alle westlichen Maechte die Maennerwehrpflicht abgeschafft haben oder zumindest gerade im
Begriff sind, die Wehrpflicht fuer Maenner zu beenden. Wie wollen Sie jungen Maennern einen Begriff fuer "Wehrgerechtigkeit" vermitteln, wo doch nur noch ein geringer Bruchteil der Maenner eines Jahrganges tatsaechlich herangezogen wird?
Wie koennen Sie ueberhaupt noch von "Gerechtigkeit" sprechen, wo doch Frauen freiwillig eine Ausbildung bei der Bundeswehr beginnen koennen, wenn sie das wollen, Maenner hingegen nach wie vor dazu gezwungen werden? In meinen Augen wird hier jeder Gleichbehandlungsgrundsatz mit den Fuessen getreten.

Ich kann hier beim besten Willen keine "Wehrgerechtigkeit" mehr erkennen und muss feststellen, dass diese Einrichtung der Maennerwehrpflicht nicht
nur eine staatlich institutionalisierte Diskriminierung von Maennern darstellt - was bereits schlimm genug ist, sie vermittelt auch keinen nachvollziehbaren Sinn mehr.
Mich beschleicht langsam der Eindruck, dass hier gegen jeglichen gesunden Menschenverstand und gegen jegliche Form von gesundem Rechtsempfinden an einer Institution festgehalten wird, die vollkommen veraltet ist und die den gegenwaertigen und zukuenftigen Herausforderung, welche die Welt an uns stellt, nicht einmal mehr annaehernd gewachsen ist.
usw usf...

Mal sehen, was die antworten!
Gruß
Stefan

Tut mir leid...Übertragung etwas schlecht formatiert! (n/t)

Stefan G., Tuesday, 05.11.2002, 15:02 (vor 8491 Tagen) @ Stefan G.

Als Antwort auf: Brief an den SPD-Vorstand wegen Wehrpflicht von Stefan G. am 05. November 2002 13:01:27:

Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Karl, Tuesday, 05.11.2002, 16:01 (vor 8491 Tagen) @ Stefan G.

Als Antwort auf: Brief an den SPD-Vorstand wegen Wehrpflicht von Stefan G. am 05. November 2002 13:01:27:

So rational und unaufgeregt müssen wir argumentieren, um Wirkung zu erzielen. Immer sachlich bleiben. Sollen die anderen schreien und unsachlich werden. Wir bleiben ruhig, denn wir haben die besseren Argumente. Und je mehr sie schreien, umso ruhiger müssen wir werden.
Wir müssen die andere Seite löchern, löchern und nochmals löchern. Sie müssen merken, daß es viele Leute gibt, die unzufrieden sind.
Sie meinen nämlich allen Ernstes, daß die Mehrheit hinter ihnen stünde.
Das meinen sie wirklich, das kann man ihnen gar nicht zum Vorwurf machen. Sie wissen es nicht besser.
Wir müssen unser Unbehaben deutlich artikulieren. Aber immer sachlich, rational, unaufgeregt bleiben.

Dann werden wir früher oder später Erfolg haben, das geht gar nicht anders.

Super, Stefan.

mfg
Karl

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Jörg, Tuesday, 05.11.2002, 16:42 (vor 8491 Tagen) @ Karl

Als Antwort auf: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Karl am 05. November 2002 14:01:21:

So rational und unaufgeregt müssen wir argumentieren, um Wirkung zu erzielen. Immer sachlich bleiben. Sollen die anderen schreien und unsachlich werden. Wir bleiben ruhig, denn wir haben die besseren Argumente. Und je mehr sie schreien, umso ruhiger müssen wir werden.

Das kann ich nur dick unterstreichen.

[...]

Wir müssen unser Unbehaben deutlich artikulieren. Aber immer sachlich, rational, unaufgeregt bleiben.
Dann werden wir früher oder später Erfolg haben, das geht gar nicht anders.

Davon bin ich fest überzeugt.

Gruß, Jörg

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Jolanda, Tuesday, 05.11.2002, 18:26 (vor 8491 Tagen) @ Karl

Als Antwort auf: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Karl am 05. November 2002 14:01:21:

---richtig Karl...:-)

Gruss
Jolanda

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Stefan G., Tuesday, 05.11.2002, 20:07 (vor 8491 Tagen) @ Karl

Als Antwort auf: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Karl am 05. November 2002 14:01:21:

Hallo Karl,

danke für die Blumen. :-)
Aber bei diesem Thema ruhig zu bleiben, fällt mir nicht immer leicht. Manchmal könnte ich sogar aus der Haut fahren, wenn ich mitansehe, wie vor allem bei diesem Thema Wehrpflicht seitens der Politik mit der Mine des biederen Saubermannes Unrecht als Recht verkauft wird.
Wichtig ist wohl, daß wir uns bemerkbar machen. Immer wenn die SPD ihre Nonsens-Antworten vom Sinn der Wehrpflicht an die Leute bringen will, muß erneut Einspruch erhoben werden und zwar solange, bis sie irgendwann begreifen, daß sie mit ihrer Meinung alleine dastehen.

Gruß
Stefan

Re: Brief an den SPD-Vorstand wegen Wehrpflicht

pit b., Tuesday, 05.11.2002, 22:00 (vor 8491 Tagen) @ Stefan G.

Als Antwort auf: Brief an den SPD-Vorstand wegen Wehrpflicht von Stefan G. am 05. November 2002 13:01:27:

Vielleicht hättest sie noch auf den Zivildienst eigehen müßen. Jeden ist klar das das Sozialsystem ohne die Zwangsarbeite zusammen bricht.
Dass man es erst zu so einer Abhängigkeit von billigen Zwangsatbeiten hat kommen lassen und sich, wo die Wehrpflicht auf der Kippe steht (januar 2000), noch nichtmal bequemt sich um alternativen zu bemühen zeugt meiner Meinung nach von Inkompetens.

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Manfred, Thursday, 07.11.2002, 01:21 (vor 8490 Tagen) @ Jörg

Als Antwort auf: Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Jörg am 05. November 2002 14:42:44:

Seid Ihr Euch da wirklich so sicher?
Also in einem habt Ihr recht, wer zu sehr schreit und mit Emotionen kämpft, der gibt dem Gegner die Chance das Anliegen ins Lächerliche zu ziehen und schadet auch seiner eigenen Argumentationskraft. Da ich also keine starken Gegenargumente habe stimme ich Euch im wesentlichen zu und obwohl ich hier weder ablenken und auch nicht provozieren will, habe ich gewisse Zweifel. Irgendwas läßt mich fragen, ob nicht eben gerade die Frauenbewegung mit ihrer lautstarken, teilweise zickig-unverschämten Propaganda Erfolge erzielen konnte, die ihnen bei sachlicher leiser Argumentation verwehrt geblieben wäre. Oder glaubt Ihr, die Emanzipation wäre dann noch viel zügiger vorangeschritten?
^Eine ernst gemeinte Frage^
Gruß,
Manfred

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Jörg, Thursday, 07.11.2002, 02:02 (vor 8490 Tagen) @ Manfred

Als Antwort auf: Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Manfred am 06. November 2002 23:21:02:

Hallo Manfred!

Also in einem habt Ihr recht, wer zu sehr schreit und mit Emotionen kämpft, der gibt dem Gegner die Chance das Anliegen ins Lächerliche zu
ziehen und schadet auch seiner eigenen Argumentationskraft.

Hinzu kommt: Auf psychologischer Ebene löst man durch "Schreien" bei allen
gemäßigten Vertretern (und das dürfte die Mehrheit sein) vor allen Dingen
eines aus: Abwehrreaktionen. Einen ähnlichen Effekt hat man übrigens wenn
man mit Vorwürfen arbeitet. Ein Protestbrief an "amnesty international"
beispielsweise kann noch so gut gemeint sein; wenn er jedoch mit Vorwürfen
vollgespickt ist, KANN er mehr oder weniger zwangsläufig nur entweder keine
Antwort oder eine negative Antwort hervorrufen. Man sollte niemals
versuchen, seine Ziele gewissermaßen mit der Brechstange zu erreichen. Das
geht letzten Endes sowieso in die Hose.

Da ich also keine starken Gegenargumente habe stimme ich Euch im wesentlichen zu
und obwohl ich hier weder ablenken und auch nicht provozieren will, habe ich gewisse Zweifel. Irgendwas läßt mich fragen, ob nicht eben gerade
die Frauenbewegung mit ihrer lautstarken, teilweise zickig-unverschämten Propaganda Erfolge erzielen konnte, die ihnen bei sachlicher leiser
Argumentation verwehrt geblieben wäre. Oder glaubt Ihr, die Emanzipation wäre dann noch viel zügiger vorangeschritten?
^Eine ernst gemeinte Frage^

Offengestanden kann ich Deine Frage auch nicht beantworten.

Mit "Schreien" assoziiere ich jedoch in erster Linie ein unkontrolliertes
Ablassen von Emotionen. Was ist dadurch gewonnen?

Babys schreien wenn sie Hunger haben oder ihre Windeln vollgemacht haben.

Erwachsene, die sich streiten, schreien sich an, wenn alle anderen
Konfliktlösungsstrategien versagt haben.

In meiner Werteskala jedenfalls ist "Schreien" - soweit es Erwachsene
betrifft - eindeutig negativ besetzt.

Natürlich wird es für die Männerbewegung nicht ausreichen, sich im
Elfenbeinturm ein paar Theorien bzw. Lösungsstrategien zu überlegen und
diese anschließend unter Verschluß zu halten. Natürlich ist auch
Öffentlichkeitsarbeit nötig - aber doch bitte auf eine halbwegs
zivilisierte Art und Weise.

Gruß, Jörg

Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle.

Jolanda, Thursday, 07.11.2002, 10:03 (vor 8490 Tagen) @ Jörg

Als Antwort auf: Re: Stefan ist ein Vorbild für uns alle. von Jörg am 07. November 2002 00:02:14:

Lieber Jörg

Das sehe ich genauso, penedrante, aber freundliche Beharrlichkeit und vor allem Solidarität unter den Männern dürften hier wichtig sein.

Ein schönes Wochenende
und liebe Grüsse
schickt dir
Jolanda

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