Tag Archiv: Alte Weisheit

Die Verfassung in der Praxis

Lange Zeiten der Ruhe begünstigen gewisse optische Täuschungen. Zu ihnen gehört die Annahme, daß sich die Unverletzbarkeit der Wohnung auf die Verfassung gründe, durch sie gesichert sei. In Wirklichkeit gründet sie sich auf den Familienvater, der, von seinen Söhnen begleitet, mit der Axt in der Tür erscheint.”

Ernst Jünger: Der Waldgang, 1951

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Gebet von 1883

„Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lass die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen das letzte Wort und erinnere die Männer an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche, die im öffentlichen Leben wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Lehre uns die Einsicht, wer reich im Portemonnaie ist, ist nicht immer reich auch im Herzen.

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.

Lass uns sagen, was wir denken und lass uns tun, was wir sagen. Also lass uns das auch sein, was wir sagen und tun.

Herr sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen, aber – bitte – nicht sofort.  Amen.“

 

Dieses Gebet sprach der Pfarrer Hermann Kappen aus Münster beim Neujahrsempfang des Jahres 1883 in der Kirche St. Martini et Nicolai zu Steinkirchen.
Gefunden von Oliver im Forum

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Wie das Denken ausgeschaltet wird

Vor langer Zeit hatte ich einmal gehört: Wahrnehmung ist Wahr-nehmung, nicht Falsch-Nehmung. Das wollte ich noch einmal auffrischen.

Herausgekommen bei meinen Überlegungen ist ein allgemeiner Überblick über den Wahrnehmungsprozess. Obwohl es über 100 Wahrnehmungstheorien gibt, dürfte er State of the Art sein. Quellen führe ich nicht an, reiche sie jedoch bei Interesse gerne nach.
Meine wichtigste Erkenntnis beim Schreiben war, wie ausgeprägt die emotionale Beeinflussung und Steuerung inzwischen ist und wie indirekt. Das war auch mein Ziel – das etwas genauer zu verstehen. Natürlich hoffe ich, daß es auch Euch beim Lesen einige interessant gefüllte Momente Lebenszeit bietet.

Um Handeln zu können, müssen wir die Welt um uns herum wahrnehmen und diese Wahrnehmung bewerten. Beide Schritte müssen wir lernen. weiterlesen…»

Häusliche Gewalt

„Känsterle“ ist eine Kurzgeschichte von Rainer Brambach von 1972. Früher stand die sogar noch in einem Schulbuch. Heute wäre es undenkbar.

Wallfried Känsterle, der einfache Schlosser, sitzt nach Feierabend vor dem Fernsehschirm. Wo denn sonst? – Tagesschau, Wetterkarte; die Meisterschaft der Gewichtheber interessiert Känsterle.

„Mach den Ton leiser, die Buben schlafen!“ ruft Rosa, die in der Küche Geschirr gespült hat und nun hereinkommt.

Känsterle gehorcht.

„Es ist kalt draußen“, plaudert sie, „wie gut, daß wir Winterfenster haben. Nur frisch anstreichen sollte man sie wieder einmal. Wallfried, im Frühjahr mußt du unbedingt die Winterfenster streichen. Und kitten muß man sie! Überall bröckelt der Kitt. Niemand im Haus hat so schäbige Winterfenster wie wir! Ich ärgere mich jedesmal, wenn ich die Winterfenster putze. Hast du gehört?“

„Ja, ja“, sagt Känsterle abwesend. weiterlesen…»

Cicero über das Wesen der Frau

„Frauen ersehnen sich nur die Wärme eines Herdes und den Schutz eines Dachs. Sie leben in beständiger Furcht vor Unheil, und keine Sicherheit ist ihnen genügend sicher; in ihren Augen ist die Zukunft nicht bloß etwas Unbekanntes, sonder Unheilvolles.

Um dieses unbekannte Unheil abzuwehren, gibt es für sie keine Täuschung, zu der sie nicht ihre Zuflucht nähmen; keine Raffgier, die sie nicht betätigten, und keine andere Unterhaltung und keine Belehrung, die sie nicht bekämpften. Wäre die Zivilisation in den Händen der Frauen geblieben, wir hausten noch immer in Berghöhlen, und menschliche Erfindungen hätten mit der Zähmung des Feuers ihr Ende genommen.

Darüber hinaus, daß eine Höhle ihnen Schutz biete, verlangen sie von ihr nur, daß sie um einen Grad protziger sei als die der Nachbarsfrau; und für das Glück ihrer Kinder verlangen sie nur, daß die in einer der ihren ähnlichen Höhle in Sicherheit seien.“

Marcus Tullius Cicero