Wenn der Mensch zur MenschIn wird - oder:

Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

How much »equality« the country can stand?

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Vom Goldgeld zum Papiergeld (Off-Topic)

Mus Lim ⌂ @, Samstag, 28.01.2017, 21:12 (vor 480 Tagen)

Es ist zwar Off-Topic. Aber nachdem ich im Internet so oft eine Forderung nach der Rückkehr zum Goldstandard gelesen habe, erlaube ich hier mal das Einstellen einer Gegenposition:

Vom Goldgeld zum Papiergeld

Als das Geld noch aus vollwertigen Goldmünzen bestand, schien
 es seinen Wert aus dem jeweiligen
 Wert
 des
 Edelmetalls
 plus
 Prägekosten
 zu
 beziehen.
 Dabei
 schienen
 der
 Arbeitsaufwand
 oder
 die
 Förderkosten
 einerseits
 und
 die
 Knappheit
 andererseits
 eine
 wesentliche
 Rolle
 zu
 spielen.
 Es
 gab
 auch
 eine
 Theorie
 des
 Goldautomatismus,
 die
 zu
 dem
 Ergebnis
 kam,
 dass
 die
 als
 Geld
 in
 Umlauf
 befindliche
 Goldmenge
 sich
 automatisch
 immer
 wieder
 der
 Entwicklung
 des
 Sozialprodukts
 anpasst
 und
 dadurch
 sowohl
 eine
 größere Inflation als auch eine größere Deflation vermieden würden. Allerdings beruhte
 diese
 Theorie
 auf
 Annahmen,
 die
 mit
 der
 Realität
 immer
 weniger
 überein
stimmten
 (zum
 Beispiel
 die
 unterstellte
 Flexibilität
 der
 Preise
 und
 Löhne
 nach
 oben
 und
 unten
 sowie
 die
 unbegrenzte
 Reproduzierbarkeit
 von
 Gold).
 Gleichwohl
 wurde
 an
 diesem
 Goldmythos
 lange,
 viel
 zu
 lange
 festgehalten.
 Es
 bedurfte
 erst
 starker
 weltwirtschaftlicher
 Erschütterungen
 nach
 1929,
 um
 sich
 von
 diesem
 Mythos
 zu
 verabschieden.
 Das
 zu
 lange
 Festhalten
 an
 der
 internationalen
 Goldkernwährung
 und
 ihren
 Spielregeln
 war
 nicht
 zuletzt
 ein
 Verstärker
 in
 der
 Übertragung
 der
 amerikanischen
 Wirtschaftskrise
 auf
 Europa,
 das
 in
 Folge
 der
 Goldabflüsse
 seine
 nationalen
 Geldmengen
 jeweils
 um
 das
 Dreifache
 der
 Goldabflüsse
 reduzieren
 musste
 –
 und dadurch den Geldfluss völlig abwürgte und die Wirtschaft in die Deflation trieb. (Um
 so
 erstaunlicher
 ist
 es,
 dass
 der
 Goldmythos
 in
 letzter
 Zeit
 eine
 gewisse
 Renaissance
 erlebt.)


Was
 in
 der
 Theorie
 unter
 anderem
 übersehen
 wurde,
 war
 die
 Tatsache,
 dass
 die
 Goldmenge
 aufgrund
 der
 besonderen
 Knappheit
 des
 Goldes
 mit
 dem
 Wachstum
 des
 Sozialprodukts
 im
 sich
 stürmisch
 entfaltenden
 Industriekapitalismus
 des
 19.
 und
 Anfang
 des
 20.
 Jahrhunderts
 gar
 nicht
 mithalten
 konnte
 und
 insofern
 der
 „Goldmantel“
 für das heran
wachsende Sozialprodukt zunehmend zu eng wurde – wie der Mantel aus
 der
 Kindheit
 für
 einen
 heran
 wachsenden
 Menschen
 zu
 eng
 wird.
 Wenn
 der
 Stoff
 des
 Kindermantels schließlich nur noch ausreicht, um 1/3 des Körpers des Erwachsenen zu bedecken, müsste ein Ersatzstoff her, der die Blößen hinreichend abdeckt. Ähnlich beim Goldmantel, der zunehmend durch einen Papiergeldmantel ergänzt und schließlich ganz
 durch
 ihn
 ersetzt
 wurde,
 um
 das
 wachsende
 Sozialprodukt
 abzudecken
 und
 so
 eine
 ausreichend mit
wachsende Nachfrage nach Sozialprodukt zu ermöglichen.


Die Ursprünge der Geldschöpfung

Der
 Übergang
 von
 der
 Goldmünzwährung
 zur
 Papiergeldwährung
 –
 mit
 anfangs
 voller,
 später nur noch teilweiser Golddeckung bis hin zur vollständigen Loslösung vom Gold –
 ist
 es
 wert,
 näher
 betrachtet
 zu
 werden.
 Denn
 hier
 liegen
 die
 historischen
 Anfänge
 der
 Geldschöpfung
 aus
 dem
 Nichts
 –
 und
 des
 Bankgeheimnisses
 um
 eben
 diese
 Geldschöpfung.
 Begonnen
 hat
 das
 alles
 vor
 einigen
 hundert
 Jahren
 damit,
 dass
 die
 Händler ihre Goldmünzen zur Sicherheit bei den Goldschmieden deponierten, die schon
 von
 Berufs
 wegen
 Erfahrungen
 in
 der
 sicheren
 Aufbewahrung
 ihres
 wertvollen
 Arbeitsmaterials
 Gold
 hatten
 und
 über
 entsprechende
 Tresore
 verfügten.
 Die
 Händler
 bekamen
 für
 die
 Deponierung
 ihres
 Goldes
 eine
 möglichst
 fälschungssichere
 Quittung
 aus
 Papier
 –
 verbunden
 mit
 dem
 Recht
 auf
 jederzeitige
 Einlösung
 dieser
 Quittung
 in
 Gold (Goldeinlösegarantie).

Aus
 diesen
 Anfängen
 entwickelten
 sich
 später
 Banken,
 und
 die
 Quittungen
 wurden
 zu
 Banknoten,
 die
 nicht
 personengebunden
 waren,
 sondern
 an
 Dritte,
 Vierte
 usw.
 weiter gereicht werden konnten, also übertragbar waren. Wenn Händler A seinen Lieferanten B
 im Wert von 100 bezahlen wollte, konnte er die 100er‐Banknote in Gold einlösen, dem B
 das
 Gold
 übergeben,
 und
 B
 brachte
 es
 zur
 Sicherheit
 wieder
 zur
 (gleichen)
 Bank
 und
 bekam
 seinerseits
 eine
 entsprechende
 100er‐Banknote.
 Einfacher
 war
 es
 jedoch,
 wenn
 A
 dem
 B
 gleich
 seine
 100er‐Banknote
 weiter
 reichte
 und
 B
 darauf
 vertraute,
 dass
 sich
 diese
 Banknote
 jederzeit
 in
 Gold
 einlösen
 ließ.
 Das
 Gold
 blieb
 dabei
 also
 bei
 der
 Bank,
 und
 die
 Banknote
 wanderte
 von
 Hand
 zu
 Hand
 und
 erfüllte
 die
 Funktion
 eines
 Zahlungsmittels.

Je
 mehr
 sich
 das
 Vertrauen
 in
 die
 Goldeinlösegarantie
 der
 Bank
 festigte,
 um
 so
 weniger
 wurde
 von
 der
 Goldeinlösegarantie
 Gebrauch
 gemacht
 und
 um
 so
 mehr
 Zahlungsvorgänge
 wurden
 über
 die
 Weitergabe
 der
 Banknoten
 abgewickelt.
 Für
 den
 Fall, dass im Normalbetrieb maximal 1/3 
der Banknoten noch in Gold eingelöst wurden,
 hatte
 die
 Bank
 noch
 2/3
 des
 Goldes
 übrig,
 eine
 Überschussreserve
 in
 Gold,
 das
 ihr
 eigentlich
 gar
 nicht
 gehörte,
 sondern
 das
 sie
 nur
 zur
 Sicherung
 eingelagert
 hatte.
 Dennoch
 wurde
 die
 Versuchung
 groß,
 diese
 2/3
 Gold
 anderweitig
 zu
 verwenden
 und
 daraus ein Geschäft zu machen. Eine Möglichkeit wäre gewesen, sie an andere als Kredit
 auszuleihen,
 verbunden
 mit
 der
 Forderung
 nach
 Zinsen,
 Tilgung
 und
 dinglicher
 Sicherung des Kredits. Das wäre übrigens gerade so, als würde ein an der Garderobe der
 Philharmonie
 abgegebener
 Mantel
 während
 des
 Konzerts
 
 an
 Dritte
 gegen
 Leihgebühr
 ausgeliehen
 werden,
 die
 von
 der
 Garderobe
 eingesteckt
 wird.
 Korrekt
 scheint
 das
 nicht
 zu
 sein.
 Und
 vor
 allem:
 Was
 ist,
 wenn
 der
 Konzertbesucher
 unerwartet
 schon
 in
 der
 Pause
 seinen
 Mantel
 abholen
 will
 –
 und
 der
 Mantel
 gar
 nicht
 da
 ist?
 In
 diesem
 Moment
 würde der Schwindel auffliegen.

Die
 Banken
 wurden
 aber
 noch
 einfallsreicher:
 Anstatt
 die
 Gold‐Überschussreserve
 weiter
 auszuleihen,
 wurde
 diese
 als
 Grundlage
 für
 die
 Schöpfung
 weiterer
 Banknoten
 aus
 dem
 Nichts
 verwendet.
 Auf
 den
 2/3
 Goldreserven
 konnten
 zwei
 weitere
 100er-Banknoten
 gedruckt
 und
 in
 Umlauf
 gebracht
 werden
 –
 unter
 der
 Annahme,
 dass
 auch
 von
 ihnen
 nur
 maximal
 jeweils
 1/3
 in
 Gold
 eingefordert
 würde.
 Aus
 Gold
 im
 Wert
 von
 100
 wurden
 auf
 diese
 Weise
 insgesamt
 3
 x
 100er‐Banknoten,
 von
 denen
 die
 zwei
 neu
 geschöpften
 Banknoten
 als
 Kredit
 (mit
 Zinsen,
 Tilgung
 und
 Sicherung)
 in
 Umlauf
 gebracht
 wurden.
 Das
 aus
 dem
 Nichts
 geschöpfte
 Geld
 (in
 Höhe
 von
 200),
 das
 genauso
 aussah
 wie
 die
 erste
 (anfangs
 noch
 voll
 durch
 Gold
 gedeckte)
 100er‐Banknote,
 verwandelte
 sich
 in
 eine
 Forderung
 der
 Bank
 gegenüber
 den
 Kreditnehmern,
 die
 erbarmungslos
 eingetrieben
 wurde,
 und
 sei
 es
 auch
 –
 bei
 Zahlungsunfähigkeit
 des
 Schuldners – durch Zwangsvollstreckung von dessen beliehenem Eigentum.

Die Verschleierung der Papiergeldschöpfung aus dem Nichts

Während die erste Banknote noch eine Forderung des Inhabers gegenüber der Bank auf Goldeinlösung
 beinhaltete,
 haben
 sich
 die
 zwei
 aus
 dem
 Nichts
 geschöpften
 100er‐Banknoten
 zusätzlich
 in
 Forderungen
 der
 Bank
 gegenüber
 den
 Schuldnern
 verwandelt.
 Die
 Bank
 hat
 dadurch
 sozusagen
 den
 Spieß
 umgedreht.
 Obwohl
 also
 die
 zweite
 und
 dritte 100er‐Banknote einen völlig anderen Ursprung und Charakter hatten als die erste,
 sahen
 alle
 drei
 Banknoten
 gleich
 aus.
 Hierin
 lag
 bereits
 eine
 Täuschung.
 Die
 aus
 dem
 Nichts
 geschöpften
 Banknoten
 erzeugten
 nur
 den
 falschen
 Schein
 eines
 durch
 Gold
 gedeckten Geldes. Heißt der Geldschein seitdem vielleicht deswegen „Geld‐Schein“?

Aus der Sicht der Banken war diese Konstruktion geradezu genial. Ebenso genial war es, diese
 Form
 der
 Geldschöpfung
 aus
 dem
 Nichts
 –
 und
 des
 In‐Umlauf‐Bringens
 als
 Kredit
 gegen
 Zinsen,
 Tilgung
 und
 Sicherung
 –
 geheim
 zu
 halten
 und
 darauf
 hinzuwirken,
 dass
 sie
 nicht
 durch
 irgend
 welche
 Gesetze
 des
 Staates
 unterbunden
 wurde.
 Einen
 Teil
 der
 Verschleierung
 besorgte
 die
 begriffliche
 Verklausulierung
 des
 Sachverhalts
 und
 die
 Entwicklung
 einer
 Fachsprache,
 die
 vom
 normalen
 Bürger
 und
 auch
 von
 den
 meisten
 Politikern
 nicht
 verstanden
 wurde.
 Schließlich
 wurden
 derartige
 Bankgeschäfte
 so
 selbstverständlich,
 dass
 kaum
 noch
 jemand
 danach
 fragte,
 wie
 sie
 funktionieren
 und
 ob
 sie überhaupt vertretbar sind. An diesem Tatbestand hat sich im Prinzip bis heute wenig
 geändert.
- Bernd Senf

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