Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Hoffmann gegen wgvdl

verfasst von Garfield(R), 17.10.2009, 03:20

Hallo Nihi!

Allerdings höre ich die Sozen immer jammern, weil sie sehr viel weniger Spenden einstreichen als die CDU, warum ist das so?

Wenn meinst du mit Sozis? Die SPD?

Was Du mir also ungefähr zu sagen versuchst, ist, daß Linke keine Linken mehr sind, wenn sie finanzielle Unterstützung der Wirtschaft erhalten.

Nein. Die Pseudo-Linken sind keine Linken, weil sie linke Ideale verraten haben. Das sind Typen wie z.B. Schröder oder Fischer, die entweder noch nie wirklich links waren oder aber irgendwann den Versuchungen von Geld und Macht erlegen sind.

Und daß dies ein relativ neues Phänomen sei. Da frage ich mich natürlich, warum der Spruch "Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten" schon etwa 100 Jahre alt ist.

Es ist kein neues Phänomen. Nachdem man festgestellt hat, daß man die SPD mit den Sozialistengesetzen nicht wirksam bekämpfen kann, hat man beschlossen, dieselbe Methode anzuwenden, die einst schon die Römer mit den Christen angewandt haben: Man hat ihre Führer mit guten Posten und Geld gekauft. So hat die SPD dann ja auch z.B. für die Kriegskredite gestimmt.

Mit Beginn der Globalisierung erreichte das Ganze aber eine neue Qualität. Vor allem wurden die Pseudolinken nun nicht mehr nur in einzelnen Ländern, sondern in der gesamten westlichen Welt zur Durchsetzung der Interessen der Oberschicht eingespannt.

Ich würde es daher nicht als "Entartung" sehen, daß Linke gern käuflich sind, sondern eher als wesensimmanent.

Wie kommst du darauf, daß das nur auf Linke zutrifft? Was meinst du z.B., woher das heimlich von Kohl gebunkerte Schwarzgeld stammte? Ist Kohl auch ein Linker???

Für Linke ist das schwieriger: sie müssen sich als Vertreter der unteren Klassen geben, in Verantwortung dann aber vor allem die der Oberen vertreten. Damit ist die linke Verlogenheit und Heuchelei doch programmiert.

Nein, nicht die linke Verlogenheit - die pseudo-linke Verlogenheit.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: SPD und zunehmend auch SED ist auch heute noch weitgehend identisch mit Gewerkschaft (leider!!). Wenn die regieren, hast Du als Arbeitnehmer z.B. im ÖD die gleichen Leute als Deine Interessenvertreter und als Deine Tarifgegner ähh partner.

Es ist heute alles eine Soße. Es geht wie eh und je nur darum, der Oberschicht weiter ein gutes Leben auf Kosten der Mehrheit der Bevölkerung zu ermöglichen. Auch die Gewerkschaften spielen dabei brav ihre Rolle.

Darum war der FDGB in der DDR ja so eine super Interessenvertretung, und der DGB unter Rot-Grün kaum anders.

Richtig, das war im Prinzip dasselbe.

Nur so konnte Hartz IV durchgesetzt werden, schwarz-gelb hätte das nicht geschafft.

Oh doch. Die FDP arbeitet ja schon fleißig daran, Hartz IV noch weiter zu verschärfen.

Langfristig gesehen hat nichts uns so großen Schaden zugefügt wie der sowjetische Kommunismus.

Auf den ersten Blick betrachtet ist das richtig, denn das, was in der Sowjetunion als Kommunismus bezeichnet wurde, war eine historische Fehlentwicklung.

Nur ist die Frage, wie die Geschichte gerade für uns Deutsche ohne die Sowjetunion und den Ostblock verlaufen wäre. Ich glaube nicht, daß es uns dann besser ergangen wäre.

China dagegen ist das einzige antike Großreich, das noch existiert. Warum? Weil es auf Imperialismus verzichtet hat.

Ich denke, daß es China letztendlich genauso ergehen wird wie den westlichen Ländern. China hatte lange Zeit das Problem, daß es technologisch rückständig war, aber auch den Vorteil, daß es schon früher ein großes Land mit großer Bevölkerungszahl war. So war es auch für technologisch überlegene Invasoren schwierig, das Land komplett zu unterwerfen.

Mittlerweile hat China den technologischen Rückstand weitgehend aufgeholt, und sie werden nun daran gehen, ihren Einflußbereich auszudehnen. Daran arbeiten sie ja schon länger, nicht nur in Bezug auf Taiwan, sondern überhaupt auf den Pazifik, wo es immer wieder Grenzstreitigkeiten mit Nachbarländern gibt.

Ein Kernthema war zum Beispiel immer die Zerstörung der bürgerlichen Familie...

Richtig ist, daß Marx davon ausging, daß der Kapitalismus die Familien in der Arbeiterklasse ohnehin zerstören würde. Nur in der Oberschicht und teilweise in der Mittelschicht würden die Familien erhalten bleiben, um dem Nachwuchs Standesdünkel einzuimpfen - deshalb sollte die bürgerliche Familie zerstört werden.

...die "Befreiung der Frau", der möglichst starke Einfluß auf Kinder, um den Neuen Menschen heranziehen zu können.

Das war ein Irrtum, der aber zunächst kaum Wirkung zeigte. Erst in der Sowjetunion wollte man ernsthaft den "neuen Menschen" schaffen, nachdem man erkannt hatte, daß der Kommunismus nicht so einfach geschaffen werden konnte. (Was sie aber auch vorher eigentlich schon bei Marx gelesen haben müßten.)

Und die sogenannte "Befreiung der Frau" wurde erst viel später in Angriff genommen, und zwar eben nicht von den Linken. Es sei denn, du zählst die Bestrebungen in der Sowjetunion und später in den Ostblockstaaten zur Einbeziehung der Frauen ins Erwerbsleben dazu. Die hatten aber andere Gründe, und zumindest in der DDR war dabei nie die Rede von der "Befreiung der Frau".

Ich weiß nicht, ob das so bekannt ist, aber unmittelbar nach der Oktoberrevolution hatten die Bolschewisten die Ehe abgeschafft. Männer und Frauen sollten gemeinsam in Wohnheimen leben, mit "freier Liebe", Kinder nach dem Werfen vollständig staatlich erzogen werden.

Es gab in den 1920er Jahren auch in Deutschland ähnliche Vorschläge - da wurde z.B. eine Ehe auf Zeit diskutiert. Damals hatten viele Menschen das Gefühl, daß die alte Welt im Ersten Weltkrieg untergegangen war und daß man etwas ganz Neues schaffen müßte. Aber in den westlichen Ländern waren Banken und Konzerne damals noch an starken Nationalstaaten interessiert, und vor allem brauchten sie nationalistische Organisationen als Gegengewichte zu den Kommunisten. Und die Nationalisten propagierten üblicherweise intakte Familien.

Heutige Linke scheinen mir deutlich erkenntnisresistenter; die empfehlen i.d.R. mehr von der Ursache der Probleme als Lösung.

Nein, es ist anders:

Die Sowjets wollten die Katastrophe nicht. Die haben ernsthaft geglaubt, so den "neuen Menschen" erschaffen zu können. Als sie merkten, daß das nicht funktioniert, hörten sie damit auf.

Heute dagegen ist die Katastrophe gewollt! Viele Pseudo-Linke bilden sich wirklich wie einst die Sowjets ein, so etwas Positives zu bewirken. Wenn sie ihren Irrtum einsehen, werden sie durch andere ersetzt, und so geht das immer weiter.

Es gibt da schließlich eine Menge Dinge, die aus Kapitalistensicht echt nützlich sein können. Die größtmögliche denkbare Ausbeutung von Menschen, bei minimalen Kosten, haben linke sozialistische Regimes verwirklicht (die National-Variante eingeschlossen).

Nein, die größtmögliche Ausbeutung von Menschen gab es im Ostblock ganz sicher nicht. Das läßt sich noch steigern, und genau daran wird emsig gearbeitet.

Die Nationalsozialisten waren überhaupt keine Linken - sie waren Rechtsradikale, die einige linke Parolen übernommen haben, um den Kommunisten Wähler wegzufangen.

Freundliche Grüße
von Garfeld

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