Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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männer.ch - abschliessende Betrachtnungen

verfasst von Pööhser Frauenfeind(R), 01.01.2009, 18:11

Ab und zu wird hier im Forum die Organisation männer.ch erwähnt und Fragen bezüglich ihres Engagements für Männer werden gestellt. Ich habe mich deshalb entschlossen, eine etwas ausführlichere Darstellung von männer.ch, die auch eine klare Wertung mit einschliesst, hier online zu stellen. Meine Darstellung und die daraus resultierende Wertung begründet sich auf öffentlich zugänglichem Informationsmaterial.
So stellt sich männer.ch dem interessierten Leser auf ihrer homepage vor :

männer.ch / masculinités.ch ist Themenführer in der Männer- und Väterpolitik: als Dachverband und nationale Interessensvertretung der zukunftsorientierten Männer und Väter setzen wir uns täglich für eine lebensdienliche wie demokratische Geschlechter-, Familien-, Wirtschafts- und Verteilungspolitik ein.

Ich bin kein Insider, d.h, ich arbeite nicht mit männer.ch zusammen und bin auch nicht Mitglied ( keine platten Witze jetzt ;). Ihre ideologische Ausrichtung ist nach meinem Verständnis altbacken und antiemanzipatorisch. Dazu werde ich in meinen folgenden Ausführungen einige Belege liefern.

Wer diese Zeilen liest und den Eindruck gewinnt, meine Ausführungen seien abwertend und polemisch, dem sei versichert, dass sein Eindruck völlig richtig ist und ihn nicht täuscht.


Zukunftsorientiert ist ein Synonym für profeministisch

Auffallend ist erst mal, dass sich männer.ch nicht einfach für Männer und Väter einzusetzen gedenkt, sondern für zukunftsorientierte Männer und Väter. Diese Floskel besagt, dass sich männer.ch als Vertretung profeministischer Männer versteht. Profeministisch wird mit zukunftsorientiert gleichgesetzt, obwohl seit 1968 immerhin 40 Jahre vergangen sind. Zukunftsorientiert wird als Synonym für profeministisch verwendet.

Ist eine profeministische Haltung notwendigerweise mit der Interessensvertretung von Männern und Vätern unvereinbar ? Ist profeministisch gegen männliche Interessen gerichtet ? Ist eine abwehrende Haltung von Männern gegenüber feministischen Bestrebungen Ausdruck einer rückwärtsgewandten, reaktionären und ewiggestrigen Haltung von Männern, die sich die gute, alte Zeit zurücksehnen, die Frau am Herd sehen wollen und ihr wenn möglich auch noch das Stimm - und Wahlrecht vorenthalten möchten ? Natürlich ist das nichts als einfältige Propaganda feministischer Protagonisten. Es gibt sehr gute Gründe, warum sich eigenständig denkende Männer – als Gegenentwurf zu den sogenannten zukunftsorientierten Männern - gegen feministische Politik aussprechen.
Beginnen wir bei unseren Betrachtungen doch gleich ganz oben, beim Präsidenten von männer.ch, bei Herrn Theunert, auch bekannt unter seinem Aliasnamen Onkel Tom.


„Der Präsident“ oder „Onkel Tom und seine Hütte“

Markus Theunert ist Gründer und präsidiert den Herausgeberverein der Schweizer “männerzeitung”. Des weitern wirkt er als Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF) sowie im Vorstand des Vereins «Männer unterwegs mit Männern» MUMM (Bern).
www.maenner.ch

Markus Theunert ist als Präsident von männer.ch in der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen aktiv und soll dort die Interessen von Männern und Vätern vertreten. Wie muss Mann sich das vorstellen ? Stellen Frauen die Fragen und Männer antworten ? Dürfen Männer auch Fragen stellen ? Und wenn ja, welche ?
Befassen wir uns deshalb kurz mit der genannten Kommission und ihren Zielsetzungen. Ich überlasse es dem Leser zu beurteilen, ob diese Zielsetzungen mit einer emanzipatorischen Männerbewegung vereinbar sind.


Die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen

Wie es der Name besagt, sind es Frauen, die ihre Fragen stellen, die mitunter auch von Männern beantwortet werden.
http://www.frauenkommission.ch/kommission_d.htm

Die Frauenkommission nimmt Stellung zu zentralen Fragestellungen, die Männerrechtler ganz besonders interessieren, insbesondere zu Fragen bezüglich nachehelicher Regelungen. In ihrem Thesenpapier Empfehlungen – Für eine geschlechtergerechte Aufteilung der wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung ist an erster Stelle die folgende Empfehlung zu lesen :


I. Regelung des nachehelichen Unterhalts in Mankofällen
... Nach heutiger Rechtsprechung wird in Fällen, in denen das zumutbare Einkommen von Ehemann und Ehefrau nicht zur Deckung des Lebensbedarfs beider Haushalte ausreicht, das so entstehende Manko nicht auf beide Partner aufgeteilt, sondern einseitig der unterhaltsberechtigten Person aufgebürdet. Diese Praxis stützt sich auf Urteile des Bundesgerichts, das mehrfach entschieden hat, dem Unterhaltspflichtigen dürfe nicht ins Existenzminimum eingegriffen werden. Sie hat zur Folge, dass geschiedene Frauen fast doppelt so häufig von Armut betroffen sind wie geschiedene Männer.


Das Existenzminimum ist ein in der Bundesverfassung verbrieftes Recht jeder in der Schweiz lebenden Person, welches die materielle Absicherung für ein menschenwürdiges Leben garantiert. Die Frauenkommission empfiehlt an erster Stelle, beim unterhaltspflichtigen Vater ins Existenzminimum einzugreifen und ihm das für ein menschenwürdiges Leben notwendige Minimum zu Gunsten der Frau zu mindern.
Dabei ist zu beachten, dass die sorgeberechtigte Mutter im Mangelfall von der Sozialhilfe unterstützt wird und ihr Existenzminimum in jedem Fall gesichert ist. Gerade dieses Minimum soll für Väter nicht mehr garantiert werden, weil die Leistungen der Sozialhilfe in der Schweiz grundsätzlich als geschuldet gelten.
Damit ist bereits ausreichend dargelegt, welchen Stellenwert die Frauenkommission Männerrechten, selbst den elementarsten, beimisst, nämlich gar keinen. Wir können uns also die restlichen 55 Empfehlungen getrost sparen. Selbstverständlich sind die Empfehlungen i.d.R geschlechtsneutral formuliert, um den offensichtlichen Sexismus zu kaschieren. Wer sich trotzdem ausführlich informieren will :

http://www.frauenkommission.ch/pdf/56_Empfehlungen_d.pdf

Wie kann es sein, dass sich Onkel Tom als Präsident von männer.ch nicht gegen solche verwerflichen Diskriminierungsbestrebungen stellt und unter den gegebenen Umständen von einer Zusammenarbeit mit der Frauenkommission absieht ? Weil er ein Onkel Tom ist ?

Aber sehen wir uns doch mal die Positionen der Männer von männer.ch an, so wie sie auf ihrer homepage unter ;

http://www.maenner.ch/de/positionen/

aufgeführt werden.

- Vaterschafts-Urlaub - jetzt im Ständerat
- «Ewiggestrige Familienpolitik» - Mediencommuniqué zur Ablehnung eines gesetzlich verankerten Vaterschaftsurlaubs im Ständerat
- «Zwischen Windeln und Windows» - erschienen im «Sonntag»


Die dargestellten Positionen sind von erstaunlich geringer Relevanz, was Männerrechte betrifft. Die wirklichen heissen Eisen werden gar nicht erst angesprochen. Der Grund ist offensichtlich : Profeministisch und in der Frauenkommission engagiert sind Positionen, welche sich gegen die Interessen der Frauenlobby richten, schlicht nicht thematisierbar.

Aber vielleicht finden sich unter dem link Forderungen einige mutige und unmissverständliche Stellungsnahmen zur Entrechtung der Männer ?

Hier also die Forderungen der zukunftsgerichteten Männer :

Anreize für Teilzeit-Arbeit!
Weil Teilzeit-Männer mehr bringen – für Unternehmen, Familie und Gesellschaft.


Eine Forderung, die so genau auch von den Frauenorganisationen gestellt und die uns von Onkel Tom und seiner Burschenschaft als ganz wichtiges Anliegen der Männer verkauft wird. Gegen Teilzeitarbeit ist auch nichts einzuwenden. Folgerichtig wäre es aber, den Mann von seiner Versorgungspflicht zu entlasten, dann könnte er sich Teilzeitarbeit leisten. Das ist nichts als die bekannte Schaumschlägerei von Sozialpädagogen, die Politik in erster Linie als Erziehungsauftrag begreifen.

- Kompetenz im Umgang mit Windows und Windeln!
Weil Mann und Kind von alltagsnahem Vatersein profitieren.


Und wieder wird uns eine Forderung, die genau so von den Frauenorganisationen gestellt wird, als ureigenstes Interesse der Männer verkauft. Viele geschieden oder getrennt lebende Väter wünschen sich aber tatsächlich eine grössere und aktivere Rolle im familiären Bereich, was ihnen aber durch die Zuweisung der Versorgungspflicht erschwert und durch den Besitzanspruch der Mütter an den Kindern oft gar verunmöglicht wird. Dass bei den Männern von männer.ch die Defizite, die eine vermehrte Präsenz von Männern im familiären Bereich erschweren, ausschliesslich bei den Männern verortet werden und rein gar nichts mit der politischen Agitation von Organisationen wie der Frauenkommission zu tun haben sollen, das ist angesichts ihrer profeministischen Ausrichtung nicht verwunderlich.

- Männerbeauftragte in Verwaltung und Betriebe!
Weil ohne Männer Gleichstellung auf halbem Weg stehen bleibt.


Männer ja, aber keine von der beschriebenen Sorte, die im Büsserhemd und sich Asche aufs Haupt streuend die Emanzipation des Mannes als Dienst für die Frau inszenieren

- Pornos und Sexbusiness besteuern.
Weil die Förderung menschenwürdiger Sexualität etwas kostet.


Unsinn.

- Volle rechtliche Anerkennung von Sex-WorkerInnen.
Weil die Freier, nicht die Prostituierten den Preis für käuflichen Sex zahlen müssen.


Wirre Aussage.

Gesellschaftlich besteht eine grosse Doppelmoral. Offiziell kauft niemand Sex.Männer nehmen ihre Verantwortung für ihr Freiertum und/oder ihren Sexkonsum nicht wahr. Leidtragende sind die DienstleisterInnen, besonders wenn
es sich um Migrantinnen ohne Aufenthaltsbewilligung handelt, die in einem
rechtslosen Zustand leben.


Eine pauschal – abwertende Aussage gegnüber Männern. Eine Verantwortung der Frau, die sich prostituiert, wird gar nicht erst in Erwägung gezogen. Es wird suggeriert, dass Prostituierte in ihrer grossen Mehrheit Zwangsprostituierte seien, was längstens widerlegt und nichts als feministische Propaganda ist, welche den Mann als frauenunterdrückendes und sexgeiles Monster zeichnet, während die Frau, in altbackener, tradierter Vorstellung das hilflose und unschuldige, das passiv erduldende Wesen bleibt. Wo bleibt hier die so oft beschworene Powerfrau, die sich von Männern aber so gar nichts gefallen lässt ? Erstaunlich, wie schnell die Bilder ausgetauscht werden !

- Männer in den Kindergarten!
Weil Buben und Mädchen nicht nur weibliche Lehrpersonen brauchen.


Dagegen ist nichts einzuwenden, auch von den Frauenorganisationen nicht. Deshalb, und nur deshalb darf das auch so bei männer.ch stehen bleiben. Männerrechte dürfen nämlich dann und nur dann formuliert werden, wenn sie Fraueninteressen nicht tangieren. Aber auch hier geht’s nicht ganz ohne den devoten Bückling :

- Was wir nicht wollen : Die in den letzten Jahrzehnten verbesserten Bildungschancen von Mädchen und Frauen in Frage stellen.

Um Himmels Willen, bloss nicht. Sowas tut der zukunftsgerichtete Mann doch nicht ! Wer sich anschickt, im Matriarchat zu leben, der lehnt sich doch nicht aus dem Fenster. Vorauseilender Gehorsam muss eingeübt werden.

- Reden statt zuschlagen lernen!
Weil starke Männer auch ohne Gewalt Stellung beziehen können.


Ich habs befürchtet. Noch ein ganz tiefer Bückling. Was ist mit der Gewalt von Frauen ? Gibt es nicht ? Altbackene und vorgestrige Vorstellung, aber ohne Zweifel mit der Frauenkommission und deren Anschauungen kompatibel. Studien, die den beträchtlichen Anteil weiblicher häuslicher Gewalt belegen, interessiert die Männer von männer.ch nicht. Hier sind die zukunftsgerichteten Männer nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

- Schluss mit dem Militärzwang für Männer

Was aber, wenn sich eine Mehrheit der Bevölkerung bei direktdemokratischen Abstimmungen für eine Wehrpflicht ausgesprochen hat ? Müsste dann nicht eine Wehrpflicht oder wenigstens ein ersatzweise zu leistender Zivildienst von Frauen abverlangt werden ? So wegen Gleichberechtigung und so ? Oder Gleichberechtigung nur dann, wenn es keine Frauenprivilegien tangiert ? Die Antwort dürfte wiederum klar sein.


Fazit :

männer.ch steht in der Tradition der gescheiterten profeministischen Männerbewegung der 70 – er Jahre. Nicht eigenständige männliche Positionen werden erarbeitet, sondern die Adaption feministischer Anschauungen und Forderungen und ihre Umdeutung zu Männerinteressen ist das auffälligste Merkmal. Ein emanzipatorischer Ansatz, der das von feministischer Seite gezeichnete negativ – abwertende Bild von Männlichkeit kritisch hinterfragt und dem ein eigenes, positives Männlichkeitsbild entgegensetzt, ist nicht mal im Ansatz zu erkennen.
Männer.ch sieht die vordringlichste Aufgabe des Mannes in der Unterstützung weiblicher Emanzipationsbestrebungen, die unhinterfragt geschützt und materiell sowie ideell versorgt werden sollen.
Die von männer.ch praktizierten Emanzipationsentwürfe, wenn wir sie denn so nennen wollen, sind nichts weiter als die raktionäre Transformation alter Männlichkeitsbilder und ihre Anpassung an veränderte Begebenheiten. Eine kritische Betrachtung des Geschlechterverhältnisses ist nicht zu erkennen.

PF

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