Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Holger hat völlig Recht! (Allgemein)

verfasst von Cpt.Chilli(R), 14.08.2012, 20:06

Solange das, was sich Maskulismus, Männerbewegung usw. nennt, nicht versteht, dass die so genannte "Männerfrage" nicht im bestehenden Stamokap gelöst werden kann, besteht keine Hoffnung auf Veränderung.

Der Feminismus und seine Folgen, aber auch die Klimalüge, der Ökofaschismus, der "Kampf gegen Rechts", wie überhaupt alle Betreuungseingriffe, die zu irgendjemandes Wohl veranstaltet werden und lediglich kommandowirtschaftliche Gewalt gegen das Private darstellen, sind Ableitungen des Kollektivismus, vulgo totalitäre Ideologie.

Die meisten denken in der "Männerfrage" systemimmanent, was zu dem Fehlschluss führen muss, innerhalb des Systems mit dessen Mitteln, jedenfalls weitgehend, die "Männerfrage" befriedigend lösen zu können, wenn, ja wenn, den Männern endlich die gleichen Rechte zugestanden werden, die den anderen Interessengruppen bereits eingeräumt sind und zu deren weiterer Privilegierung ständig ausgebaut werden. Nichts ist falscher als diese Annahme. Wie Martin van Creveld (Das bevorzugte Geschlecht, München, 2003) überzeugend dargestellt und belegt hat, waren stets andere privilegiert, niemals aber die Gesamtheit der (einfachen) Männer.

Männer waren und sind besonders heute evolutionäres und soziales Wegwerfmaterial, das genutzt, verbraucht und entsorgt wird. Nutzer und Nutznießer sind die Mächtigen und Privilegierten. Jetzt scharrt der Linke mit Füßen: Also doch, Ausbeutung und Unterdrückung - mithin auf zum geschlechterzentrierten Klassenkampf. Wir schaffen das Männerparadies auf Erden. Schwachsinn! Okay, der Linke ist strukturell limitiert, er kann nicht anders.

Die Männerfrage ist sekundär und nicht weiter beachtenswert. Entscheidend ist die Auseinandersetzung Kollektivismus (das Links-Rechts-Schema ist obsolet) versus Libertarianism/klass. Liberalismus. Zu den Begrifflichkeiten: Was sich heute in den USA "liberal" nennt ist rein sozialdemokratisch und/oder noch weiter "links", besser kollektivistisch (James Kalb, The Tyranny of Liberalism, Wilmington, Deleware, 2008). Dieser "Liberalismus" bedient sich einer verordneten und obrigkeitlich verwalteten Freiheit, einer inquisitorischen Toleranz, vor allem dem "Befehl" zur Gleichheit (Equality Command) und eines interventionistisch gegängelten Rumpfmarktes. Ähnliches gilt für Deutschland; in Bezug auf die "Liberalen" nicht ganz so krass, aber grundsätzlich ist es vergleichbar. Von wenigen abgesehen, ist die FDP ein Sammelsurium von ideologisch verkrüppelten Appendices (Wurmfortsätzen), die sich mal mehr an der CDU/CSU, mal mehr an der SPD oder gleich an der Melonenpartei (Grüne: außen grün, innen rot mit vielen brauen Kernen) orientieren. Insofern hat die FDP mit dem klassischen Liberalismus, wie ihn Ludwig von Mises 1927 detailliert explizierte, nicht das Geringste zu tun. Auch die programmatischen Positionen eins Karl-Hermann Flach und anderer herausragender Liberalen sind längst aufgegeben und, von Sonntagsreden abgesehen, aus der Partei getilgt. Keiner belegt das überzeugender als der Vorsitzende Homunculus politicus Rösler. Er toppte die Leichtmatrosin und steht für den fleischgewordenen Niedergang des Liberalismus à la FDP; darüber hinaus darf man ihn getrost als allegorische Karikatur des zeitgenössichen politischen Personals und dessen fehlender Güte (Vorsicht: Wortspiel) verstehen.

Ludwig von Mises (LvM): Vom Wert der besseren Ideen

Nach dem WK I überschattet der Sozialismus ganz Europa. LvM führt in seinem Aufsatz "Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen" (1920/21) den ersten wissenschaftlichen Beweis, dass ein sozialistisches Gemeinweisen keine Kalkulationsgrundlage hat und deshalb niemals dauerhaft als Modell für eine komplexe arbeitsteilige Industriegesellschaft funktionieren kann (Baader, 2008). Später wird er diese Kritik in "Die Gemeinwirtschaft" (1922) und der "Nationalökonomie" (1940) bis ins kleinste Detail verfeinern und damit den kollektivistisch-nationalistischen Zeitgeist endgültig widerlegen. Trotz brillanter Habilitation (Die Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, 1924) erhält er in Wien am Vorabend des Anschlusses keine Professur; später übersiedelt er nach Genf, wo er lehren kann und geht dann 1940 in die USA, da er sich als Jude auch in der Schweiz nicht mehr sicher sein kann.

LvM hat Wirtschaft nie nur ökonomisch sondern in erster Linie philosophisch begriffen. Das Wirtschaften und seine Theorie ist ihm lediglich Teil einer übergeordneten Lehre des menschlichen Handelns als Ganzem (Praxeologie).

Auf dieser Grundlage entwickelt er seine Idee vom Liberalismus. Was Liberalismus ist - und was er nicht ist. Hierzu ein Zitat aus "Liberalismus", Stuttgart u. Jena, 1927; Nachdruck: Academia Verlag, St. Augustin, 4. Aufl., 2006, S. 168):
"Der Liberalismus ist keine Religion, keine Weltanschauung und keine Partei der Sonderinteressen. Er ist keine Religion, weil er weder Glauben noch Hingabe fordert, weil nichts Mystisches um ihn webt und weil er keine Dogmen hat; er ist keine Weltanschauung, weil er nicht den Kosmos erklären will und weil er uns nichts sagt und nichts sagen will über den Sinn und Zweck des Menschendaseins; er ist keine Partei der Interessen, weil er keinem einzelnen und keiner Gruppe irgendeinen Sondervorteil verspricht, verschaffen will oder verschafft. Er ist ganz etwas anderes. Er ist Ideologie*, Lehre vom Zusammenhang der gesellschaftlichen Dinge und zugleich Anwendung dieser Lehre auf das Verhalten der Menschen in gesellschaftlichen Dingen. Er verspricht nichts, was über das hinausgeht, was in der Gesellschaft und durch die Gesellschaft geleistet werden kann. Er will den Menschen nur eines geben: friedliche, ungestörte Entwicklung des materiellen Wohlstandes für alle, um so von ihnen die äußeren Ursachen von Schmerz und Leid fernzuhalten, soweit das überhaupt in der Macht gesellschaftlicher Einrichtungen steht. Leid zu mindern, Freuden zu mehren, das ist sein Ziel.
Keine Sekte und keine politische Partei haben geglaubt, darauf verzichten zu können, ihre Sache durch den Appell an die Sinne des Menschen zu vertreten. Rhetorische Wortgepränge, Musik und Gesang erklingen, Fahnen flattern, Blumen und Farben dienen als Symbole und die Führer suchen die Gefolgschaft an ihre eigene Person zu binden. Der Liberalismus tut das nicht. Er hat keine Parteiblume und keine Parteifarbe, kein Parteilied und keine Parteigötzen, keine Symbole und keine Schlagworte; er hat die Sache und die Argumente. Die müssen ihn zum Sieg führen."

Beklemmend ist die Aktualität dieser Worte von 1927.

(*Ideologie: LvM meint hier ein wissenschaftlich fundiertes Lehrgebäude, das sich der Falsifiaktion stellt und auf Wissens- und Kompetenzanmaßung verzichtet. Ideen, die keinen Beweis für sich haben und sich in der Praxis nicht bewähren, werden aufgegeben und durch bessere ersetzt. Also gerade keine Dogmatik.)

Was heißt das nun für die "Männerbewegung"?

Zunächst einmal ist die isolierte Sicht auf das "Männerproblem" aufzugeben. Vielmehr ist zu verstehen, dass das System des Stamokap als Ganzes anzugehen ist, also ein allgemeine politische Agenda zu formulieren ist. Dabei braucht das Rad nicht nochmals erfunden zu werden, hervorragende Köpfe (z.B. Mises, Hayek, Hoppe, Rothbard, Baader uvam.) haben das schon besorgt. Not tut, deren Texte zu rezipieren, zu verstehen und daraus ein praktisches politisches Programm zu destillieren, das im Rahmen bestehender libertärer Organisationen oder zu gründender umzusetzen versucht wird.

Das System ist im Zusammenbruch begriffen. Wir haben nur vordergründig eine Eurokrise. Tatsächliche haben wir es mit einer Kollektivismus respektive Sozialismus bedingten Staatsschuldenkrise zu tun, die durch den Keynesianismus weiter negativ akzentuiert wird. In dieser drückt sich der grundsätzliche Konflikt zwischen Individualismus, meinetwegen auch Kapitalismus, einerseits und dem kollektivistisch-vulgärideologischen Komplex andererseits aus. Wir haben es also mit einem Konflikt der Ideen zu tun. Dieser wird nicht durch Gewalt entschieden, denn Markt ist die Natur des Menschen, vielmehr wird er durch die öffentliche Meinung entschieden werden. Sollte es gelingen, der Idee des Liberalismus gestützt auf die besseren Argumente zum Sieg zu verhelfen, ist damit auch die so genannte "Männerfrage" gelöst, denn sie stellt sich dann nicht mehr: Die kollektivistische Bevormundung entfällt und der Einzelne bestimmt über die Gestaltung seines Lebens im Rahmen der spontanen Ordnung selbst; alles Weitere ist eine Frage von Verhandlung und Vertrag.

Gelingt dies aber nicht, bleibt nur den Weg in die Knechtschaft (Hayek), auf dem wir bereits ziemlich voran gekommen sind, bis zum bitteren Ende zu beschreiten. Dieses Ende bestünde dann in Barbarei und Sklaventum. Die Fachkräfte hierfür sind ja schon zahlreich anwesend und sie werden ihre Chance gnadenlos zu nutzen wissen.

Cpt.Chilli

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