Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Text (Bildung)

verfasst von Flint(R) Homepage, 23.06.2012, 10:52

Falls jemand Teile des Textes zitieren möchte:

Aus: Medusa schenkt man keine Rosen

Seite 331-333

… Seitdem der allgemeine gesunde Menschenverstand sich genötigt sah, gegen das Vorhaben der Justizministerin Zypries, Männern die Vaterschaftstests zu verbieten,99 sogar Spott zu gebrauchen („Schlampengesetz“), hat sich der antifeministische Sprachraum eindeutig vergrößert. Bedenkt man, seit welch kurzer Zeit erst konsequent antifeministische Inhalte die Gesellschaft erreichen, verstärkt sich der Eindruck einer Rückbildung des Geschlechterwahns.

Als ein – eher theoretisches – Problem zeichnet sich dabei im Lager der sich allmählich regenden Männer (und Frauen) das Dilemma ab, das zwischen einer konsequenten Absage an den Feminismus und der Forderung nach gleichen Bedingun- gen und Rechten für Männer besteht, wie denen, welche im Zeichen des Feminismus für Frauen erreicht wurden. Diese beiden Standpunkte erweisen sich bei näherem Betrachten in der Tat als ausschlaggebend genug, um die „Bewegung“ entscheidend zu strukturieren (um hier nicht vom Spalten zu sprechen). Eine erste Oberflächenanalyse läßt erkennen, daß diese zwei Ansätze, die ihrerseits zwei Gruppen, die Männerrechtler und die Antifeministen, als diskursive Bezirke entstehen lassen, in ihrer Differenz jeweils die materialistischen und die idealistischen Grundanteile der „Männerbewegung“ vertreten – an sich eine Lagerbildung, die innerhalb der Entwicklungen einer Strömung unweigerlich vorkommt (und zudem mit allen natürlichen Überlappungseffekten zwischen den beiden Gruppen ausgestattet ist).
Auf der einen Seite haben wir Pragmatiker, richtige Faktensammler, die meinen, ihre erdrückenden Tatsachen böten eine Art mentaler Energie, die, über offizielle Kanäle richtig zugeführt, in Form etwa von Anträgen, Petitionen und Veröffentlichungen aller Art, den einzig sicheren Weg darstellte, um etwas zu erreichen, ohne anderes kaputtzumachen. Auf der anderen Seite feurige Aufrufe aus tiefer Erwägung emporkommend, die den Feminismus als kollektive Zeitgeisterkrankung anzeigen, deren Auswüchse bekämpft und nicht bekehrt werden müssen. Die einen, die Pragmatiker, finden sich in ihrer extremen Ausprägung dort, wo sie, von den gelegentlichen relativen Anhörungen ihrer Gesuche geleitet, mit den Befürwortern der feministischen Staatlichkeit fast oder ganz verschmelzen und nach der Gewinnung eines kleinen Jungenprojekts, das womöglich unter der Regie einer feministischen Umerziehung verläuft, zu glühenden Fans des Gender Mainstreaming werden können; die Idealisten dort, wo sie, bewegt von der Tiefenwirkung ihrer weniger augenfälligen, dafür aber oft wesenhaften Darstellungen der Situation sich in nahezu spirituellen Konzepten wiederfinden, deren ideelle Schlüssigkeit zwar dem Schöngeist zur Erbauung gereichen könnte, die aber als Leitmotive einer Bewegung vielen nicht handgerecht wären.
Auch die Geschlechteranthropologie beider Gruppen (um einen weiteren Aspekt dieses Streits zu beleuchten) erscheint deutlich different. Indem Männerrechtler gleiche Rechte einfordern und zu diesem Zweck Gleichstellungs-Mechanismen des Staates in Anspruch nehmen, rutschen sie leicht in die Lage, auch die theoretischen Grundlagen dieser Mechanismen, nämlich die Genderismus genannte These mit ihrer Überbetonung der sozialen Faktoren bei der „Konstruktion“ des Geschlechts zu übernehmen. Antifeministen dagegen blockieren, wo sie extrem auftreten und die alten Geschlechterrollen wieder einfordern, eine Aktualisierung der Situation des Mannes nach den sozialen und sonstigen Errungenschaften unserer Zeit, Errungenschaften, die ihm Freiheiten jenseits der Beschützer- und Ernährerfunktion zugute kommen ließen und so eine Befreiung des Mannes von seinen archaischen Vergangenheiten bewirken sollten.
Wie begegnen wir diesem scheinbaren Widerspruch? Gibt es einen evidenten Mittelweg? Kann es eine gemeinsame Forderung von Antifeministen und jenen Männerrechtlern geben, die – trotz herzlicher Empfehlung unsererseits – nicht unbedingt Antifeministen sein müssen?

Ende des Zitats

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Der Maskulist
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Familienpolitik

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