Wieviel »Gleichberechtigung« verträgt das Land?

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Liste Lila Pudel 132-140 (Projekte)

verfasst von Oberkellner(R), 21.05.2011, 20:55

LP 132 Christian Weber, Süddeutsche.de

Wer sein Unternehmen nicht ruinieren möchte, sollte keine männlichen Runden egomanischer Eierköpfe zusammenrufen, sondern die Zahl der Frauen im Team erhöhen. Das steigert die kollektive Intelligenz.

Wenn Frauen im Raum sind, steigt die kollektive Intelligenz. (© iStock)
Eine im Fachmagazin Science (online) veröffentlichte Studie bestätigt jedoch die Vermutung, dass die kollektive Intelligenz der Gruppe tatsächlich größer sein kann als die Summe der Einzelintelligenzen:
Das Forscherteam um die Psychologin Anita Williams Woolley von der Carnegie Mellon University teilte insgesamt 699 Versuchspersonen in zwei- bis fünfköpfige Gruppen ein. Diese sollten gemeinsam Lösungen für verschiedene kognitive Aufgaben erarbeiten. Dabei ergab sich, dass die Gruppen deutlich bessere Arbeit leisteten als Probanden, die sich einzeln mit den Tests beschäftigen.

Noch überraschender war, dass die Testergebnisse weder mit der Durchschnittsintelligenz der Gruppe anstiegen, noch mit den Intelligenzwerten des begabtesten Mitgliedes.
Die Analyse der Daten ergab jedoch, dass die Zahl der Frauen im Team die kollektive Denkleistung statistisch signifikant erhöhte. "Das war eine Überraschung", sagt Co-Autor Thomas Malone vom Massachusetts Institute of Technology. "Die Studie zielte gar nicht darauf ab, einen Geschlechter-Effekt zu erkennen."
Die Forscher glauben nicht, dass das Geschlecht die entscheidende Variable ist. Vielmehr habe die Studie gezeigt, dass das Arbeiten in Gruppen dann am produktivsten ist, wenn die Teilnehmer soziales Einfühlungsvermögen besitzen. Sie müssen also fähig sein, die Emotionen der anderen zu erkennen.

Umgekehrt schade es der kollektiven Intelligenz, wenn die Diskussion von einer Person dominiert werde, sei sie noch so intelligent. Die Autoren empfehlen deshalb, bei der Zusammensetzung von Arbeitsteams auf persönliche Qualitäten zu setzen. Wer also ein Unternehmen ruinieren möchte, ruft am besten regelmäßig männliche Runden egomanischer Eierköpfe zusammen.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/teamarbeit-mit-frauen-besser-denken-1.1006879

LP 133 Ferdinand von Schirach (Spiegel) über Feminismus und Justiz
"Mad Men" ist eine Serie über eine amerikanische Werbeagentur. Sie wurde von Matthew Weiner erfunden, der auch Drehbücher für "Die Sopranos" verfasste. Die Filme sind phantastisch. Das ZDF-Programm Neo bewarb sie mit dem Trailer: "Hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein Mann, der ihr auf den Arsch glotzt." Das könnte man auch freundlicher sagen, aber der Satz trifft es. Die frühen sechziger Jahre werden - politisch völlig unkorrekt - in jedem Detail nachgezeichnet: Alle rauchen unglaublich viel und trinken zu jeder Tageszeit, die Frauen tragen spitze BH und enge Korsagen, sie werden von den Männern richtig schlecht behandelt.

In der ersten Folge sitzt eine Sekretärin bei einem Frauenarzt auf einer gynäkologischen Liege und liest. Der Arzt zündet sich eine Zigarette an und nimmt ihr das Buch aus der Hand. Sie legt sich hin. Der Arzt sitzt rauchend zwischen ihren Beinen. Er sagt: "Sie interessieren sich für die Antibabypille? Ich verurteile niemanden einfach so. Es ist nicht falsch, wenn eine Frau eine praktische Einstellung zu sexuellen Aktivitäten hat ... Spreizen Sie die Knie ... Obwohl ich sehr hoffe, dass die Frau, die man als Arzt so unterstützt, sich nicht in eine Art Wanderpokal verwandelt. Aber ich warne Sie: Ich setze das Präparat ab, wenn Sie es missbrauchen." Er schreibt ein Rezept aus, die Pille kostet elf Dollar pro Monat. Zur Verabschiedung sagt er: "Aber hüpfen Sie jetzt nicht durch alle Betten, um Ihr Geld wieder reinzukriegen."
In Deutschland gibt es zurzeit eine Art Feminismusdebatte. Ausgelöst haben sie die junge Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, 33, und die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, 68. Vor vier Wochen gab Kristina Schröder dem SPIEGEL ein Interview. Über ihre Antworten konnte man, höflich gesagt, nur verwundert sein. Auf die Frage, ob der Feminismus die Frauen glücklicher gemacht habe, sagte sie: "Ich glaube, dass zumindest der frühe Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden." Der Arzt aus "Mad Men" hätte der Ministerin zugestimmt - das Buch, das er seiner Patientin aus der Hand nimmt, trägt den Titel: "Es ist Ihre Hochzeitsnacht. Wie man eine gute Ehefrau wird".
Als der Ministerin vorgehalten wird, dass von 185 Dax-Vorständen 181 männlich seien, kommt noch Erstaunlicheres: Eine Frauenquote in der Wirtschaft bedeute die Kapitulation der Politik, Wirtschaft sei für sie in erster Linie freies Handeln ohne staatliche Vorschriften. Sie sagt das tatsächlich im Jahr 2010. Die Finanzkrisen liegen noch nicht einmal hinter uns, fehlende staatliche Aufsicht hätte uns beinahe ruiniert.
Kristina Schröder konnte nur Ministerin werden, weil es Frauen wie Alice Schwarzer gibt Schlimmer aber ist, dass Kristina Schröder von sich aus nicht anerkennt, dass sie nur Ministerin werden konnte, weil es Frauen wie Alice Schwarzer gibt. Natürlich, nach einer Revolution mag niemand mehr die Revolutionäre, sie sind zu laut, sie scheinen nicht mehr in die Zeit zu passen. Und es ist auch wirklich nicht leicht, Alice Schwarzer zu mögen - zurzeit schreibt sie Grobheiten in der "Bild" über einen Vergewaltigungsprozess, sie liegen weit unter ihrem Niveau. Kristina Schröder muss sich kein Bild von Alice Schwarzer auf den Nachttisch stellen. Aber sie muss sich bewusst sein, dass sie nur wegen der anstrengenden Feministinnen der siebziger Jahre das werden konnte, was sie ist - das ist keine Schande, und sie sollte sich diese Erkenntnis nicht erst von Journalisten am Ende eines Interviews abnötigen lassen. Sie hat als Familienministerin die Interessen der Frauen zu vertreten. Was sie in dem Interview sagte, war nicht nur albern, vor allem war es falsch.
Am 2. Juli 2001 schlossen Bundesregierung und Wirtschaft eine Vereinbarung, sie sollte die Chancengleichheit von Frauen und Männern fördern. Die Bundesregierung hatte sich dabei verpflichtet, so lange nicht durch Gesetze einzugreifen, wie die Vereinbarung tatsächlich umgesetzt wird. Zunächst auf Freiwilligkeit zu setzen ist in einer Demokratie vernünftig. Das Problem ist nur: Die Vereinbarung wird nicht umgesetzt. Das Ministerium erklärt das sogar selbst. Auf der Internetseite dort heißt es: "Der Anteil von Frauen in Führungspositionen bleibt in der Privatwirtschaft ebenso wie im öffentlichen Dienst deutlich hinter den Erwartungen zurück."
Die Betonung liegt auf "deutlich", die Zahlen sind erschreckend. Betrachtet man die Frauen in Führungspositionen, liegt Deutschland weit unter dem europäischen Durchschnitt (26,5 Prozent zu 32,3 Prozent). In Frankreich ist die Quote bei 37,8 Prozent, in Litauen sogar bei 44 Prozent. Unter den Vorständen der 200 größten Unternehmen in diesem Land gibt es nur 3 Prozent Frauen. Und eine McKinsey-Studie hat die Frauenquote in den Vorständen von 362 börsennotierten Unternehmen in den Industrie- und Schwellenländern untersucht. Das Ergebnis bestätigt den Trend: Deutschland und Indien teilen sich den letzten Platz. Das alles lässt sich nicht damit abtun, dass Frauen Konkurrenzkampf nicht möge
http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,732882,00.html

LP 134 Holger Marcks (Fau, Berlin)

Marcks, Holger Holger Marcks (Berlin, geb. 1981): studiert Geschichte, Soziologie und Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Mitglied des Bildungssyndikats der Freien ArbeiterInnen-Union Berlin, seit 2005 Redaktionsmitglied der FAU-Zeitung Direkte Aktion. Autor diverser Artikel zu Theorie und Geschichte des Syndikalismus sowie zu aktuellen Gewerkschaftsthemen. Seiffert, Matthias Matthias Seiffert (Berlin, geb. 1970): Studium der Geschichte (Schwerpunkt Russland), Philosophie und Slawistik in Kiel und Berlin. Seit 1998 Mitglied des Bildungssyndikats der Freien ArbeiterInnen-Union Berlin. Jahrelange Mitarbeit als Autor und Redakteur der FAU-Zeitung Direkte Aktion

Vergesst Kriege, Ausbeutung und Massenverarmung! Das große Problem unserer Zeit lautet: die Unterdrückung des Mannes. Das meinen zumindest die Maskulisten. Und deshalb sollte Ende Oktober in der Schweiz das 1. Antifeminismus-Treffen stattfinden. Mit von der Partie waren auch Vertreter aus der deutschen „Männerbewegung“. Ob das Treffen, das wegen einer linken Gegenkampagne an einen geheimen Veranstaltungsort verlegt werden musste, wirklich stattfand, war zum Redaktionsschluss noch nicht ausgemacht. So oder so – es wurde sicher viel gejammert.

Das beklagte Übel der Maskulisten ist der Feminismus, gegen den sie ihren „Kreuzzug“ ausfechten. Es ist vor allem ein virtueller Kampf. Zornig sitzen sie hinter Computern und kommentieren im Internet, was das Zeug hält. Wird im Netz ein relevantes Thema ausgemacht, schieben sie sich den Link zu und stürzen sich im Rudel auf den Kommentarbereich. Und wenn irgendwo die Kommentar-Funktion geschlossen wird, weil die SeitenbetreiberInnen das hysterische Gespamme und autistische Gebrabbel aus Verschwörungstheorien und Pseudo-Wissenschaft leid sind, vermuten sie dahinter gleich die „Frauenlobby“. „Bloß nicht zulassen, dass die Wahrheit vom Bürger ausgesprochen wird“, weiß ein Maskulist derlei Maßnahmen zu bewerten.

In seinem verschwörungstheoretischen Wahn geht manch Jammerlappen so weit, von einer „Femokratie“ zu sprechen. Die Gesellschaft sei derart feminisiert, dass Männer mittlerweile benachteiligt seien. Lohngefälle zwischen Männern und Frauen? Unsinn! Frauen kassierten doch massenhaft Unterhalt. Dass knapp 90% der Alleinerziehenden nun mal Frauen sind, scheint keine Rolle zu spielen, ebenso wenig die Frage, was die einzelne Frau von solchen Transferleistungen hat, wenn ihr in der Arbeitswelt bestimmte Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt werden. Gleichzeitig weißt man anklagend darauf hin, dass der Löwenanteil der Steuerzahlungen von Männern aufgebracht werde. Ein Indiz für die ökonomische Ausgrenzung von Frauen mag man darin natürlich nicht sehen. Auch das Thema häusliche Gewalt hat es den Maskulisten angetan. Es seien heute mehrheitlich Frauen, die solche Gewalt ausübten, während Männer, die das öffentlich machten, verspottet würden.

Die Maskulisten sind empört: Jeder, der diese „Wahrheiten“ ausspreche, werde gleich mit „Denkverboten“ bestraft, so etwa, indem man sie mit dem Etikett „rechts“ belege. Vor allem gegen den Autor einer Expertise der Friedrich-Ebert-Stiftung erheben sie Vorwürfe. Pauschal würde er die Männerbewegung, der es doch nur um Gerechtigkeit gehe – und „das hat mit links und rechts doch gar nichts zu tun“ – in die Nazi-Ecke rücken. Das tut dieser zwar gar nicht, sondern verweist vielmehr auf Überschneidungen mit rechten Denkstrukturen, solch analytischer Weitblick scheint den Möchtegern-Al-Bundys aber zu hoch zu sein. „Ich habe den Eindruck, hier versuchen feministische IdeologInnen sich gegen Kritik zu immunisieren, indem sie alle ihre Kritiker einfach als "rechts" etikettieren“, mutmaßt ein aufgebrachter Maskulist.

Dabei ist die Expertise noch recht zurückhaltend. Denn dieselben, die sich über derlei Etikettierung beschweren, mischen gleich im nächsten Thread zum Thema Sarrazin munter mit. Auch der spreche natürlich nur die „Wahrheit“ aus. Man muss kein großer Diskursanalytiker sein, um die rechten Affinitäten zu erkennen: das Gejammer, der Minderwertigkeitskomplex, die Verschwörungstheorien, der Autismus in der sozialen Wahrnehmung, die biologistische Kategorisierungen, der Mangel an identitärer Reflexion… Es ist schon absurd, dass man heutigen Sexisten und Rassisten erklären muss, was Sexismus und Rassismus ist.

Eine Gefahr sind die Maskulisten dennoch nicht – auch wenn sie das gerne wären. Sprachlich und inhaltlich befinden sie sich ganz auf einem vorpubertären Igitt-Mädchen-Niveau. Sie vermitteln dabei weniger ein Bild von protzigen Machos als von gescheiterten und kläglichen Persönlichkeiten, die ihre Freizeit hinter einer Modelleisenbahn verbringen und ihre Wäsche bei Mutti waschen lassen. Sofern sie Beziehungen haben, landen sie sicher bei Partnerinnen, die ganz ihrer eigenen Kläglichkeit entsprechen – derlei ist nämlich geschlechtsunabhängig. Schlechte persönliche Erfahrungen und ihr sozialer Autismus treiben sie dann wohl dazu, ihre eigene Jämmerlichkeit in der Projektion auf alltagstaugliche Feindbilder zu kompensieren. Manchen dient dafür „der Ausländer“, anderen „der Sozialschmarotzer“ und den Maskulisten eben „die Frau“ – oder alle drei.

www.direkteaktion.org/202/maskulisten

LP 135 Michel Barnier (Frau), EU Kommissar

Auch die EU-Kommission will großen Unternehmen in Europa verbindlich vorschreiben, wie hoch die Anzahl von Frauen in ihren Vorständen künftig sein soll. "Ich stehe der Idee aufgeschlossen gegenüber, europaweit Frauenquoten einzuführen, beispielsweise in den Vorständen der großen börsennotierten Unternehmen", sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier der Süddeutschen Zeitung.

Es sei "generell gut, Frauen an der Führung von Unternehmen oder auch Ländern zu beteiligen, nicht nur weil das gerechter ist, sondern auch weil es zu einer besseren Ausgewogenheit der Entscheidungen führt", erklärte der Franzose.

http://www.euractiv.de/unternehmen-und-arbeit-000315/artikel/eu-kommission-will-frauenquote-durchsetzen-004292

LP 136 Andreas Kemper, Freitag, Wikipedia (alias schwarze Feder)

Der Feminismus ist mehr als der Feminismus

Manchmal erkennt man ja etwas erst durch seine Bekämpfung. So zielt die antifeministische Männerrechtsbewegung nicht nur gegen den Feminismus, sondern gegen den mit dem Feminismus einhergehenden Gleichstellungsgedanken.

Wenn - wie das Männerforum der Piratenpartei - im Namen des Antifeminismus generell gegen Affirmative Action und Positive Maßnahmen geschossen wird, so deutet dies darauf hin, dass der Feminismus auch mehr ist als die Positionierung für Frauen. Er ist eine neue Form der Politik.

Affirmative Action ist nun mal nur ein verschleiernd-anderes Wort für!"Positive Diskriminierung gegen Männer!" Dem kann ich halt nichts positives abgewinnen, das können nur totale pseudomännliche Feministinnen wie Andreas Kemper. Ist er sicher längst in der lilaPudel-Liste drin?

http://www.freitag.de/community/blogs/andreas-kemper/der-feminismus-ist-mehr-als-der-feminismus

LP 137 Thorsten Denkler, Berlin (Süddeutsche.de)
Die Steinzeit-Partei

Ein Kommentar von Thorsten Denkler, Rostock
Die FDP bleibt ein Männerverein, in dem Frauen eben so geduldet werden und die Herren unter sich bleiben wollen. Auf ihrem Parteitag haben die Liberalen die Frauenquote nicht nur abgelehnt - sie haben sie abgeschmettert. Den Frauen kann nur empfohlen werden, diese Partei zu meiden.

Die FDP bleibt ein Männerverein. Frauen werden darin so gerade eben geduldet. Nur eines sollen sie nicht machen: Karriere. So hat es der Parteitag am späten Freitagabend entscheiden. Er hat den Antrag eine Frauenquote einzuführen abgelehnt. Nein, nicht einfach abgelehnt. Die Liberalen haben ihn abgeschmettert. 80 Prozent der Delegierten stimmten dagegen. Der Skandal daran ist: 80 Prozent der Delegierten sind Männer.
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Die Männer bleiben in der FDP lieber unter sich und lehnen eine Frauenquote ab. Hier diskutieren der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr (Mitte) und der neue Fraktionschef Rainer Brüderle mit anderen Liberalen. (© REUTERS)
Die Quote wäre eine große Chance gewesen für die FDP. Die Partei muss sich ändern, sie muss weiblicher werden. Der Frauenanteil von 23 Prozent ist der niedrigste aller im Bundestag vertretenen Parteien. Und selbst diese wenigen Frauen können sich kaum gegen die Männerrunden und Klüngel durchsetzen.
Zwar sind mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Birgit Homburger zwei Frauen unter den drei Stellvertretern des neuen FDP-Chefs Philipp Rösler. Doch Homburger landete nur auf diesem Posten, weil nach den umfassenden Personalrochaden eine Lösung nötig war, mit der die bisherige Fraktionschefin nicht völlig demontiert wurde.


Bei den Listenaufstellungen zu wichtigen Wahlen tauchen Frauen in der Regel erst auf den hinteren Rängen auf. Frauen fühlen sich von der FDP immer weniger angesprochen. Hätten in Rheinland-Pfalz genauso viele Männer wie Frauen die FDP gewählt, die Liberalen wären nicht aus dem Landtag geflogen.
Die Kerle scheint es nicht zu interessieren. Mit der Ablehnung der Quote sichern sie nur eines: ihre Macht.

Statt das offen zu sagen, argumentieren die Männer, die Quote sei nicht liberal und leistungsfeindlich. Ebenso gut könnten die Frauen sagen, gegen die Quote zu sein, sei frauenfeindlich. Das käme der Wahrheit wenigstens ein Stück näher.

http://www.sueddeutsche.de/politik/parteitag-in-rostock-fdp-lehnt-frauenquote-ab-die-steinzeit-partei-1.1097356

LP 138 Axel Pettermann (Mordkommission Bremen)

War Eifersucht im Spiel? Oder hatten sich die Eheleute aus anderen Gründen gestritten? Was die Rentnerin nach den vielen gemeinsamen Jahren dazu trieb, den 71-Jährigen zu töten, war am Mittwoch noch völlig unklar. Eine Verwandte hatte am Dienstagabend die Polizei gerufen, nachdem sich die Frau ihr anvertraut hatte. Fahnder fanden die Leichenteile später im Keller und nahmen die Verdächtige fest. Am Mittwoch erließ das Amtsgericht Stade Haftbefehl wegen Totschlags.

Dass die Frau zu so einer schrecklichen Tat fähig ist, damit hatte niemand gerechnet. Nach Angaben des Kriminalexperten Axel Petermann sind Gewaltexzesse bei Frauen auch eher selten. «Neun von zehn Tötungsdelikten begehen Männer», erläutert der Fallanalytiker bei der Bremer Mordkommission. «Wenn Frauen ihren Partner töten, dann wollen sie Klarheit schaffen - für eine neue Beziehung oder um sich eines Tyrannen zu entledigen.
http://www.arcor.de/content/aktuell/news_panorama/81770205,1,artikel,Frau+erschl%C3%A4gt+und+zerst%C3%BCckelt+Ehemann.html

LP 139 Stefan Beier, Genderwerk
Leserbrief zu: Der neue Mensch, Spiegel 1/2007.
Das Verblüffende an Pfisters Beitrag ist, dass er vermutlich nicht als Karnevalsscherz, sondern ernst gemeint ist. Das macht ihn zum Peinlichsten, was ich seit langem gelesen habe. Er bedient sich in bester Boulevard-Manier aller Techniken marodierenden Sensationsjournalismus': emotionale catch-words, schlechte Recherche, sinnentstellende, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate, Tatsachenverdrehungen und -verkürzungen, Falschbehauptungen und, vor allem, persönliche Diffamierung. Das Menschenverachtende, was er Dissens-Mitarbeitern vorwirft, zelebriert Pfister selbst: Fertigmachen ist die Losung, mit sportlichem Ehrgeiz verfolgt. Als Männerarbeiter und Gendertrainer kenne ich das Feld und die Akteure gut. Der Artikel ist Lichtjahre von der Realität jener geschlechtersensiblen Bildungsarbeit entfernt, die er zu beschreiben vorgibt. Seit vielen Jahren werden mit persönlichkeitsstärkenden Ansätzen Jungen und Mädchen betreut, Frauen und Männer unterstützt in genderrelevanten Prozessen.
Die emanzipatorischen Erfolge der Strategie Gender Mainstreaming - für beide Geschlechter - sind unbestritten und fern jeder Indoktrination.
Falls Herr Pfister sich damit einmal wirklich beschäftigen will anstatt reflexartig um sich zu schlagen, kann ich ihn gerne in eine der hundertfach in Deutschland existieren Männergruppen vermitteln.
Stefan Beier, Genderwerk, Berlin

LP 140 Thomas Kielinger (Welt online)
Die Grenzen der Männer
Die Kultur des Verführers, dem a priori alles nachgesehen wird, neigt sich dem Ende - wie auch das Denken in Hierarchien, wonach der Mann als das absolut dominierende Geschlecht sich seine Regeln und Normen schafft

Es gab einmal eine Zeit, in manchen Köpfen gibt es sie noch heute, da fühlte ein Mann sich geschmeichelt, wenn man ihn als Verführer bezeichnete. Ein Begriff, in dem viel schillerte, von Charmeur bis Frauenheld, von Bohemien bis Do-it-yourself-Don-Juan. Noch in den Nachrufen auf Gunther Sachs klang hier und da etwas von diesem alten Stereotyp an - Liebling der Frauen, unwiderstehlich. Die männliche Libido, wenn sie sich mit Macht und Geld ausstattet oder auch nur mit der Macht des Geldes, weckt in der Tat oft Antworten, die auf Kapitulation hinauslaufen. Dann gibt es nur noch eine Frage: Einverständnis zwischen dem Verführer und der Verführten oder erzwungene Eroberung, Einsatz von Gewalt. Im letzteren Fall hört bekanntlich der Charme auf, und die Kriminalität beginnt. Sind die Frauen dabei, den Verführer in seiner sich selbst ermächtigenden Art zu verabschieden? Die Anzeichen, die darauf hindeuten, mehren sich. Wir huldigen dem Verführer schon viel zu lange, seit Faust sich an Gretchen vergriff und Goethe das arme Mädchen in der Schlusszeile seines Dramas "gerettet" sein ließ. Von wegen gerettet - die Zahl der Frauen, die den Weg männlichen Omnipotenzwahns als reine Verfügungsmasse säumen, ist nicht nur Legende, sie ist auch eine mächtige Anklage gegen das "Anything goes" im sexuellen Gefechtsfeld.

Dabei müssen wir den aktuellen Fall Strauss-Kahn nicht einmal von seiner letzten Drehung her betrachten, dem Vorwurf der Vergewaltigung. In schwebende Gerichtverfahren einzugreifen steht niemandem zu, die Unschuldsvermutung bis zum Beweis des Gegenteils ist ein heiliger Grundsatz des Rechtsstaates. Aber Dominique Strauss-Kahn war auch ohne den angeblichen Übertritt in die absolute Tabuzone der Gewalt eine Mine, die jeden Moment hochgehen konnte. Die nackte Suggestion, dass jemand, der an die Spitze des IWF rückt, ganz zu schweigen von noch größeren Ambitionen, sich vor seinem eigenen Ruf als Frauenheld in Acht nehmen solle, spricht Bände. Im Normalfall, wenn es um Aufstieg und Karriere geht, herrschen andere Regeln: Eine Strauss-Kahn-Fama wäre das Ende einer Bewerbung um höhere Weihen. Welcher Kultur frönen unsere lieben Nachbarn, die Franzosen, die sexuelle Gefräßigkeit berühmter Männer mit einem Augenzwinkern abzutun? Man muss ja nicht prüde sein, es reicht schon die Überlegung, welches Sicherheitsrisiko von einem Mann ausgeht, der sich solchermaßen serienweise exponiert. "Kein Verbrechen, eine Dummheit", hätte Talleyrand geantwortet.
Gegenüber solcher Dummheit erweisen sich die Frauen als Heldinnen unserer Zeit. Auch als tragische Heldinnen zuweilen. Was für Opfer haben nicht eine Anne Sinclair, Dominique Strauss-Kahns dritte Ehefrau, oder eine Maria Shriver, die Ehefrau von Arnold Schwarzenegger, dem Ex-Gouverneur von Kalifornien, gebracht, um die Karriere ihrer Männer zu befördern. Beide waren sie anerkannte Journalistinnen mit einem Alpha-Image, das nicht gestützt werden musste mit dem Augenzwinkern falscher Nachsicht, eines falsch verstandenen Laissez-faire. Warum wird auf männlicher Seite erlaubt und geduldet, was aufseiten ähnlich begabter Power-Frauen dem Scherbengericht überantwortet würde?
Anne Sinclair wird sich ihr letztes Urteil vorbehalten. Sie kann und möchte nicht ausgerechnet in dem Moment, in dem ihr Mann im Gefängnis auf seinen Prozess wartet, davonlaufen. Eine Frage des Comment, der sie im Gegensatz zu ihrem Mann auszeichnet. Comment hat auch Maria Shriver gezeigt, indem sie die entgegengesetzte Entscheidung traf - die Ehe mit ihrem Mann zu verlassen. Denn an Schwarzenegger fällt nicht der Seitensprung, dem ein Kind folgte, als Erstes ins Gewicht als vielmehr das Verhalten, seine Frau doppelt betrogen zu haben: mit der Affäre und dem Wissen um die Affäre. Er entlieh sich die Ausstrahlung der Kennedy-Nichte, Maria Shriver, seiner Frau, um den Sprung ins Gouverneursamt zweimal in Folge zu schaffen. Und die Shriver gehört auch noch zum Lager der Demokraten, dem anderen politischen Gebetbuch Amerikas. Sie muss sich ausgenutzt, instrumentalisiert, missbraucht vorgekommen sein. Verfügungsmasse eben. Das Schweigen des Mannes ist ein tödlicher Schlag gegen das eheliche Vertrauen, das sich nur durch Ehrlichkeit - wenn überhaupt - wieder herstellen lässt.
Auch Hillary Clinton hatte ihrem Mann zuliebe ihre Rechtsanwaltslaufbahn zurückgestellt, als das Weiße Haus winkte. Sie hat sich als die überlegtere Politikerin erwiesen, indem sie den Mann in seinen Verstrickungen schmoren ließ, nicht davonlief und damit ihrer Laufbahn einen Schub gab, der nur durch Haltung in harten Lebenslagen zu erwerben ist. Ihr Blick im Situation Room des Weißen Hauses, während Osama Bin Laden in Pakistan gestellt wurde, verriet gesammelte Macht, verantwortlich ausgeübt. Alles Fälle von Charakterstärke, die die Männer an der Seite dieser Frauen geradezu deklassieren.

Die Kultur des Verführers, dem a priori alles nachgesehen wird, neigt sich dem Ende. Das ist eine Frage der Emanzipation, aber nicht nur. Auch zwei Generationen lösen sich hier ab. Wir sprechen von einer alten Zeit, in der Charme und Chuzpe des Verführers fast als liebenswürdig durchgehen konnten, während sie maskierten, was eigentlich dahinterstand: ein Denken in Hierarchie, wonach der Mann als das absolut dominierende Geschlecht sich seine Regeln und Normen fast beliebig zurechtschneiden konnte. Sind nicht Macht und Libido Zwillinge, so ging das Urteil, steigert der Eros von Herrschaft nicht notgedrungen den sexuellen Appetit? Wer wollte sich erkühnen, dies völlig zu negieren? Es geht um etwas anderes: um Verantwortung, um eine Beziehung von Mann und Frau, in der nicht Macht mit Recht verwechselt wird und der Stärkere sich ad libitum selbst bedienen kann. Ein Blick in die Statistik von Sexualverbrechen oder auch auf die Verführungskraft moderner Werbung genügt, um zu sehen, warum sich die Frau nicht mehr zur Verfügungsmasse degradieren lassen möchte. Dem Charmeur eine breite Gasse - der Registerarie eines Don Giovanni das verdiente Ende.

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article13383044/Die-Grenzen-der-Maenner.html

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Die ultimative Dienstleistungsoffensive des Antifeminismus

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